azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Flick

Clifford Chance – Top-Arbeitgeber – Platz 12

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr internationales Umfeld: zehn Nationen auf einem Flur“

„Lockere Atmosphäre bei gutem Zusammenhalt“

„Umfangreiche Weiterbildungsangebote“

„Unterirdische Arbeitszeiten“

„Führungsverhalten wird nicht belohnt“

„Partner denken teilweise in veralteten Systemen“

„Hat gute Leute verloren“

„Work-Life-Balance kaum vorhanden“

„Galt vor ein paar Jahren als ‚sinkendes Schiff‘,
hat sich aber wieder nach oben entwickelt“

▪ Gruppenpraktikum im Frühjahr und Sommer

▪ Langjährige Zusammenarbeit mit Kaiser-Seminare

▪ Praktikum im Londoner Büro möglich

▪ Angesehene Clifford Academy mit einem internationalen Curriculum und u.a. Kursen zu Legal Tech

▪ Kanzlei fördert MBA-Studium finanziell und zeitlich massiv

▪ 2018 Gründung einer Diversity-Working-Gruppe, die sich monatlich trifft

▪ Sehr internationales Team

Über den Arbeitgeber

Ausgeklügeltes Praktikantenprogramm. Clifford Chance hat ihr ohnehin hochwertiges Praktikantenprogramm noch weiter ausgebaut. Studenten können zweimal pro Jahr an allen Standorten an einem Gruppenpraktikum teilnehmen oder auch unterjährig – dann ohne strukturiertes Programm – die Kanzlei kennenlernen. Bereits die Bewerbung dafür läuft innovativer als bei vielen Wettbewerbern, nämlich mittels eines Videos über eine App. Zu Beginn treffen sich alle Teilnehmer zu einer dreitägigen Einführungsveranstaltung in Frankfurt, bevor sie in den Praxisgruppen an verschiedenen Standorten mitarbeiten. Außerdem dürfen die Studenten an allen Seminaren der etablierten Referendar-Akademie teilnehmen. Neu ist ein Wettbewerb: Die Praktikanten erhalten einen Fall, den sie in einer Kleingruppe bearbeiten und vor einer Jury präsentieren. In der azur-Bewerberumfrage beschreiben Ehemalige das Praktikum als „spannend” und „aufwendig” und loben die „vielfältigen Einblicke“. Einer hätte allerdings gerne direkteren Kontakt zu den Partnern gehabt.

Oft kopiert: das Referendarprogramm. Ausnahmslos viel Lob kassiert Clifford Chance von den Referendaren in der azur-Bewerberumfrage: Sie bezeichnen das Referendarprogramm als „sehr gut“ und „sehr umfangreich“. Externe Anwälten titulieren das Programm als „beispiellos“. Zentrales Element sind die angesehenen Kaiser-Seminare. Insgesamt stehen 60 Tage Examensvorbereitung auf dem Stundenplan, gefüllt mit Kursen zum Zivil-, Straf- und Öffentlichen Recht sowie eine Revisionsklausur. Etabliert hat sich der Kurs zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung mit Schulungen zur Rhetorik und zum Aktenvortrag mit Videoanalyse. Da in Bayern alles etwas anders ist, bietet der Münchner Standort seit 2019 ergänzend mit Hemmer einen Intensivkurs an. Neu ist zudem eine Plattform für ehemalige Referendare: Sie erfahren so aus erster Hand kanzleiinterne Neuigkeiten und werden überdies zu Seminaren eingeladen – etwa zum Thema „Business-Knigge“.

Associate-Weiterbildung auf hohem Niveau. Mindestens genauso angesehen ist das Ausbildungsprogramm für angestellte Anwälte. Die hauseigene Akademie bietet zum Beispiel Seminare zu Kursen wie Legal Writing, Leadership Skills und Cultural Awareness. Die Tech-Akademie, die sich mit KI, Cybercrime und Blockchain auseinandersetzt, und die Kooperation mit der Insead Business School runden das Angebot ab. In der azur-Associate-Umfrage sparen die Teilnehmer nicht mit Lob. Einer bezeichnet das Programm als „wohl das beste am Markt“, ein anderer stellt die Vielzahl und die Vielfältigkeit der Seminare heraus. Die Note, die die Associates ihrer Kanzlei in Sachen Weiterbildung geben, liegt entsprechend über dem Durchschnitt. Einer merkt allerdings an, Clifford müsse sicherstellen, dass man nicht durch Mandatsarbeit an der Teilnahme gehindert werde.

Rote Laterne für Arbeitsbelastung. Das für die Kanzlei wirtschaftlich erfolgreiche Jahr hat deutliche Spuren hinterlassen: Die Note, die die Clifford-Associates in puncto Arbeitsbelastung vergeben, gehört zu den schlechtesten im Markt, das Gleiche gilt für die Work-Life-Balance sowie die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Kein Wunder, mit 58 Wochenstunden laut azur-Umfrage sitzen die Associates fünf Stunden länger pro Woche im Büro als im Marktdurchschnitt. „Vor 21 Uhr das Büro zu verlassen, ist kaum möglich“, beschwert sich ein Umfrageteilnehmer. Die Kanzlei versucht gegenzusteuern. So stellte sie 2019 mehr Associates ein als ursprünglich geplant. Zudem können alle Mitarbeiter einen festen Wochenarbeitstag vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten. Falls die Kita ausfällt, dürfen Anwälte neuerdings ihre Kinder mitbringen und im Eltern-Kind-Büro arbeiten.

Zufrieden? Geht so. Richtig durchgeschlagen haben diese Maßnahmen hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit noch nicht, auch hier dümpelt Clifford im Wettbewerb mit anderen Großkanzleien auf den hinteren Plätzen. „Mancher Partner denkt noch in veralteten Systemen“, schreibt ein Associate in der azur-Umfrage. Schlechte Noten gibt es neben dem Betriebsklima auch für die Aufstiegschancen. Überaus zufrieden sind die Associates laut azur-Umfrage hingegen in Sachen Internationalität und Chancengleichheit.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 35 bis 50

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 8 bis 12

Referendarplätze 2020: 120       

Praktikumsplätze 2020: 120

Wer sich bei Clifford Chance erfolgreich bewerben will, sollte zwei vollbefriedigende Examina vorweisen können. Etwas weniger streng ist diese Vorgabe bei Bewerbern, die die Kanzlei schon vorher als Praktikant oder Referendar kennengelernt haben. Gerne gesehen sind zudem Zusatzqualifikationen wie eine Promotion oder ein LL.M.-Abschluss. Das erste Gespräch führt ein Personalpartner gemeinsam mit einem Partner, der für seine Praxisgruppe Nachwuchs sucht. Auf Fragen zu fachlichen Vorkenntnissen sollte man hier schon gefasst sein. Im zweiten Gespräch steht das Kennenlernen des künftigen Teams im Vordergrund, anwesend sind der jeweilige Partner und/oder Mentor sowie mehrere Teammitglieder. Ob Englisch oder Deutsch gesprochen wird, hängt vom sprachlichen Hintergrund der Gesprächsteilnehmer ab. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Mittagessen. In der azur-Bewerberumfrage gibt es viel Lob für das Bewerbungsverfahren: „richtig toll“, „sehr gut“, „schnell und unkompliziert“.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Clifford Chance ist weltweit mit 33 Büros vertreten, darunter beispielsweise Moskau, Seoul, Sydney und Washington. Hauptstandort bleibt London.

Anwälte in Deutschland: 68 Partner, 36 Counsel, 174 Associates und 16 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 37,4%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 17 (davon 15 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 176,6 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 736.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Zwar konnte Clifford zuletzt kein so starkes Umsatzplus verbuchen wie manche Wettbewerber, gleichwohl legte sie beim Umsatz pro Berufsträger deutlich zu – auch deshalb arbeiten die Clifford-Associates länger als der Durchschnitt. Das Umsatzplus gelang, weil sie eine Reihe von hochvolumigen Mandaten an Land zog. Personell hat sie ebenfalls von sich reden gemacht. So wechselten einige jüngere Partner von Wettbewerbern zu Clifford, darunter ein Schiedsrechtler von Freshfields, ein Kapitalmarktrechtler von Sullivan sowie eine Litigation-Spezialistin von Latham & Watkins.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 23,10 Euro/h (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 120.000 Euro
2. Jahr: 125.000 Euro
3. Jahr: 130.000 Euro
4. Jahr: 140.000 Euro
5. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 52.000 bis 60.000 Euro inklusive Bonus

Nach vier Jahren können Associates zum Senior Associate aufsteigen. Die Entscheidung, ob jemand ein Kandidat für den Partnertrack ist, fällt ein Jahr später. Eine Zwischenstation, aber keine Dauerlösung, ist der Counsel-Status. Zwar ernannte Clifford – wie schon im Vorjahr – auch 2019 wieder zwei Anwälte zu Partnern, allerdings sehen die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage ihre Chancen auf die Partnerschaft höchst kritisch. Die Note, die sie vergeben, liegt nicht nur weit unter dem Durchschnitt, sondern ist auch deutlich schlechter als im Vorjahr. Noch miserabler beurteilen die Teilnehmer ihre Chancen jenseits der Partnerschaft.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.