azur100
06.03.2020 | Autor/in: Dennis Koch

Bundeskartellamt – Top-Arbeitgeber im Kartellrecht

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: ca. 5

Referendarplätze 2020: 70    Praktikumsplätze 2020: 65

Standort in Deutschland: Bonn

Internationale Präsenz: Die Grundsatzabteilung beschäftigt sich häufig mit internationalen Fragen und koordiniert die Zusammenarbeit mit ausländischen Wettbewerbsbehörden.

Mitarbeiter in Deutschland: ca. 330 (davon 120 Juristen)

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 49,2%

Wissenschaftliche Mitarbeiter: nach E 9c TVöD

Referendare: keine zusätzliche Vergütung

Juristen/Beamte
1. Jahr: ca. 50.000 bis 60.000 Euro (nach E13 TVöD und A13 BBesG)
2. und 3. Jahr: nach A13 BBesG

Über den Arbeitgeber

Spannende Fälle statt Langeweile. Das Klischee der eintönigen Arbeit bei einer Behörde erfüllt das Bundeskartellamt keineswegs: Regelmäßig sind die obersten Wettbewerbshüter mit großen und spannenden Fällen beschäftigt. So hat das Amt 2019 etwa Bußgelder im Autostahlkartell verhängt und den Zusammenschluss von Remondis und dem Grünen Punkt untersagt. Anwälte aus Großkanzleien loben in der azur-Umfrage die „interessante und anspruchsvolle Tätigkeit“ sowie die „hervorragenden Kollegen“ in der Behörde. „Die Unabhängigkeit ist reizvoll“, findet ein Teilnehmer, ein anderer schätzt die „geregelte Arbeitszeit“. Einige externe Juristen üben jedoch auch Kritik und bemängeln etwa die „starre hierarchische Eingliederung“ und „zu geringen Aufstiegschancen“.

Schon früh nah am Geschehen. Referendare und Praktikanten bindet das Bundeskartellamt eng in die tägliche Arbeit ein. Ein persönlicher Ausbilder sorgt dafür, dass die angehenden Juristen an echten Fällen lernen können. Sie arbeiten etwa bei Fusionskontrollverfahren mit. Referendare dürfen sogar Entscheidungsentwürfe erstellen. Außerdem können die Nachwuchsjuristen an informellen Vortragsreihen teilnehmen, bei denen sich die Kartellamtsmitarbeiter zu aktuellen Verfahren und Fragestellungen austauschen. In der azur-Bewerberumfrage lobt ein ehemaliger Praktikant seine Zeit beim Amt als „sehr lehrreich, sowohl in fachlicher Hinsicht als auch in Bezug auf den Behördenalltag“.

Selbstständigkeit gefragt. Bewerber beim Bundeskartellamt durchlaufen ein eintägiges Assessment-Center mit Gesprächen, Fachaufsätzen und Gruppendiskussionen, in denen ihre Englischkenntnisse geprüft werden. Nach der Anstellung beginnen die Volljuristen üblicherweise in einer der Beschlussabteilungen, in denen die Kartellbekämpfung, die Missbrauchsaufsicht und die Fusionskontrolle angesiedelt sind. In den ersten sechs Monaten stellt das Amt den Berufseinsteigern einen erfahrenen Berichterstatter – das kann ein Ökonom oder Jurist sein – als Mentor zur Seite. In regelmäßigen internen Fortbildungen vertiefen die Volljuristen ihr Wissen zu fachlichen Themen wie Kartellverfolgung oder Bußgeldverfahren und lernen Soft Skills. Zudem können sie an externen Veranstaltungen des Bundes oder anderer Anbietern teilnehmen. Über ein internes Netzwerk, den Nachwuchskreis, lernen sich die Beamten untereinander bei gemeinsamen Veranstaltungen besser kennen, dazu gehört etwa eine jährliche Reise zu einer Kartellbehörde im Ausland.
Die Arbeit beim Bundeskartellamt muss ebenfalls nicht aufs Inland beschränkt sein: Interessierten Mitarbeitern bietet die Behörde die Möglichkeit zu zeitlich befristeten Einsätzen bei der Europäischen Kommission oder bei anderen ausländischen Wettbewerbsbehörden.

Geld ist nicht alles. Mit den teilweise sechsstelligen Einstiegsgehältern, die einige Großkanzleien Berufsanfängern zahlen, kann die Behörde nicht mithalten. In der azur-Associate-Umfrage kritisieren einige Kanzleianwälte das Beamtengehalt entsprechend und bewerten es als „unterdurchschnittlich“ oder gar „unterirdisch“. Doch dafür kann das Bundeskartellamt in anderer Hinsicht auftrumpfen: Die Behörde bietet eine vergleichsweise geringe Arbeitsbelastung mit klar geregelten Arbeitszeiten, Gleitzeit, 30 Tage Jahresurlaub, unterschiedliche Teilzeitmodelle, Homeoffice und einen Familienservice. Damit ist das Amt den meisten Kanzleien, in denen die Anwälte im Durchschnitt rund 53 Stunden pro Woche im Büro sitzen, in puncto Work-Life-Balance weit voraus.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020 (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.