azur100
06.03.2020 | Autor/in: Norbert Parzinger

BMW – Top-Arbeitgeber – Platz 34

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Teilzeit und spannende, verantwortungsvolle Aufgaben schließen sich nicht aus“

„Attraktives Rotationsverfahren – hier muss man nicht 30 Jahre lang dasselbe Rechtsgebiet betreuen“

„Arbeit und Familie lassen sich super vereinbaren, nette Kollegen“

„Ablehnung von Homeoffice ist nicht mehr zeitgemäß“

„Bitte mehr Transparenz bei Beförderungen“

„Die Firma müsste mehr externe Fortbildungen bezahlen“

„Gute Aufstiegschancen und auch die Möglichkeit, mal ins Ausland zu gehen“

„Interessante Aufgaben, gutes Arbeitsklima, kaum Fluktuation“

„Umbruch in der Automobilbranche macht den Job spannend“

▪ Bewerbungsschulung für Referendare

▪ Intensive Betreuung der Referendare durch Mentoren

▪ BMW fördert juristische Promotionsvorhaben per Stipendium

▪ Rotationsprogramm mit wechselndem Aufgabenbereich innerhalb der Rechtsabteilung alle drei bis fünf Jahre

▪ Zweiwöchige Aufenthalte in ausländischen Rechtsabteilungen

▪ Erwerb ausländischer Anwaltszulassung ausdrücklich erwünscht

▪ Trainingsprogramm für weibliche Führungskräfte

▪ Unterstützung für Kinderbetreuung und bei Pflege von Familienmitgliedern

▪ Zusätzliche Urlaubstage gegen Gehaltsausgleich möglich

Über den Arbeitgeber

Freude am Sparen. Das aktuelle Spitzenmodell der BMW-Produktpalette wiegt voll beladen über drei Tonnen und schluckt so viel Sprit wie drei Kleinwagen zusammen. Für die Inhouse-Abteilung dagegen galt schon immer: so effizient wie möglich. Dass der Rechtsbereich in den vergangenen Jahren trotzdem kräftig gewachsen ist, ist kein Widerspruch, denn der Umbruch in der Automobilbranche bedeutet mehr Arbeit für die Juristen, vom Datenschutz bis hin zu chinesischen Joint-Venture-Verträgen. 2020 will die Rechtsabteilung darum wieder rund ein halbes Dutzend Stellen besetzen, in anderen Konzernbereichen kommen noch weitere hinzu. BMW spart damit Geld, selbst wenn das Einstiegsgehalt nach azur-Informationen zuletzt etwas angehoben wurde – externe Berater würden deutlich mehr kosten. Für die Syndizi bringt das viele interessante Aufgaben mit sich, wie die azur-Associate-Umfrage zeigt: Viele Punkte bewerten die BMW-Juristen sehr positiv, allen voran Anspruch und Niveau der Arbeitsinhalte sowie das Betriebsklima. Fast alle würden den Job auch Bewerbern empfehlen.

Streitpunkt Homeoffice. Anders als in den Vorjahren fühlen sich die Inhouse-Anwälte bei den anderen Autobauern insgesamt aber noch etwas wohler – vor allem wegen der Arbeitslast, denn mit durchschnittlich 48 Wochenstunden verbringen die BMW-Juristen laut azur-Umfrage mehr Zeit im Büro als die meisten Inhouse-Anwälte in anderen Unternehmen. Das trübt die Stimmung, zumal im Büro hier wirklich im Büro bedeutet. So flexibel die Rechtsabteilung Teilzeitarbeit möglich macht, so unnachgiebig bleibt sie beim Thema Homeoffice: In Ausnahmefällen kein Problem, aber nicht als Dauerlösung, lautet die Ansage. „Antiquiert“ und „ärgerlich“ finden das viele Syndizi. Deutlich positiver fällt ihr Urteil zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie aus. Hier bietet BMW per Zusammenarbeit mit einem Familienservice und einer eigenen Kita in München das in Konzernen übliche Programm.

Öfter mal was Neues. Auch das Fortbildungsprogramm ist für eine Rechtsabteilung im normalen Rahmen. Mentoren gewährleisten die Betreuung in den ersten Berufsjahren. Für fachliche Weiterbildung und Soft-Skills-Trainings sorgt ein strukturierter Mix aus internen und externen Seminaren sowie das Angebot der konzernweiten Bildungsakademie. Die große Besonderheit ist das Rotationssystem: Jeder, der möchte, kann nach drei bis fünf Jahren in einen anderen Bereich der Rechtsabteilung wechseln. Diese Möglichkeit loben die BMW-Juristen in der azur-Umfrage, auch wenn sie mit dem Ausbildungsprogramm insgesamt nur gerade so zufrieden sind. Manche fordern zusätzlich konkrete, individuell festgelegte Budgets für Fortbildungen. Für weitere Optionen sorgt die Einführung von Kompetenzzentren in drei der vier Hauptabteilungen. Interessierte und aufstiegswillige Syndizi können hier seit Kurzem erste Führungserfahrung sammeln, zunächst mit inhaltlicher statt Personalverantwortung. Über alle Teams hinweg beschäftigen sich die Inhouse-Juristen mit Themen wie Kartellrecht, Prozessführung und Legal Tech.

Gute Chancen für Referendare. Durch alle vier Hauptabteilungen führt regulär auch eine Referendarstage in der Rechtsabteilung: Produkt/Streitverfahren, Produktion/Vertrieb, Finanzen/M&A und Konzernangelegenheiten. Wer will, kann auch noch weitere Unternehmensbereiche kennenlernen. Jeden Referendar begleitet dabei ein erfahrener Syndikus als Mentor. Die Abteilung für Marken- und Designrecht bildet ebenfalls Referendare aus, einzelne Plätze gibt es zudem im Personal-, Finanz- und Steuerwesen. Aus einer Stage kann durchaus mehr werden: BMW stellt immer wieder Juristen ein, die gerade erst ihr zweites Examen gemacht haben, und fördert gegebenenfalls auch Promotionsprojekte. Praktikanten nimmt die Rechtsabteilung hingegen nicht auf.

Alle Türen offen. Schon viele Juristen haben in der Rechtsabteilung und anderswo im BMW-Konzern Karriere gemacht, auch international. Dass die Syndizi für eine Zeit ins Ausland gehen, ist durchaus üblich, ob im Rahmen eines mehrwöchigen Austauschs, für die Dauer eines längeren Projekts oder gar für mehrere Jahre. Umgekehrt versammeln sich die BMW-Juristen aus aller Welt in regelmäßigen Abständen zum fachlichen Austausch in München.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 5 bis 7 in der Rechtsabteilung

Referendarplätze 2020: 16 in der Rechtsabteilung          

Praktikumsplätze 2020: keine in der Rechtsabteilung

An Berufseinsteiger stellt BMW Anforderungen wie die Spitzenkanzleien: Zwei mindestens vollbefriedigende Staatsexamina und verhandlungssicheres Englisch sind Pflicht, ein zusätzlicher Juraabschluss aus dem Ausland ein wichtiger Bonus. Davon abgesehen müssen sich die Syndizi auch in der Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem operativen Geschäft durchsetzen können – souveräner Auftritt und instinktsicheres Kommunikationsverhalten sind darum unverzichtbar. Wer sich nicht für Autos interessiert, ist bei BMW ohnehin fehl am Platz.

Aussichtsreiche Bewerber durchlaufen gleich drei Gesprächsrunden: Die ersten beiden mit jeweils zwei der vier Hauptabteilungsleiter, das dritte Gespräch, das zum Teil auf Englisch stattfindet, führt dann der Chefsyndikus. Bewerber auf eine Referendarstelle landen meist direkt bei Hauptabteilungsleiter Stefan Hienzsch, der die Kandidaten persönlich unter die Lupe nimmt.

Standorte in Deutschland: München (Sitz der Rechtsabteilung) und verschiedene Produktionsstandorte

Internationale Präsenz: BMW ist weltweit in mehr als 140 Märkten aktiv und produziert in 14 Ländern. Deutsche Volljuristen sind derzeit in Großbritannien, China, Ungarn und Frankreich tätig. Eigene Rechtsabteilungen gibt es auch in den USA und Südafrika.

Volljuristen in Deutschland: 75 (davon 60 in der Rechtsabteilung)

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 38,3%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2018: 97,5 Milliarden Euro (Gewinn: 7,2 Milliarden)

Aktuelle Entwicklungen: Die Absatzkurve zeigt aufwärts – in China brummt das Geschäft, und vor allem die SUVs mit dem weißblauen Markenzeichen finden immer mehr Käufer. Am Verbrennungsmotor will BMW noch lange festhalten. Parallel arbeiten die Bayern aber intensiv an Zukunftstechnologien wie Elektroantrieb und vernetztem Fahren. Für Ungewissheit sorgt noch immer der bevorstehende Brexit: Auf der Insel produzieren die BMW-Tochtermarken Rolls-Royce und Mini.

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: 1.450 Euro/Monat

Syndikusanwälte:
1. Jahr: 85.000 bis 95.000 Euro*
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

*azur-Recherche

In der Rechtsabteilung gibt es formal nur drei Hierarchieebenen: Syndikus, Hauptabteilungsleiter und General Counsel. Dennoch bleiben den Inhousejuristen zahlreiche persönliche Entwicklungsstufen. Wer sich bewährt, bekommt mit mehr fachlicher Verantwortung auch schnell mehr Gehalt. Deutsche Juristen entsendet der Konzern auch in die Rechtsabteilungen ausländischer Standorte. Noch dazu erleichtert die bewusst breit angelegte Ausbildung der BMW-Juristen den Wechsel in andere Abteilungen des Konzerns. Ehemalige Inhouse-Juristen finden sich heute etwa an der Spitze der Konzern-M&A-Abteilung und der Typzulassung oder als Geschäftsführer in verschiedenen Tochterunternehmen. Die Aufstiegsmöglichkeiten inner- und außerhalb der Rechtsabteilung beurteilten die BMW-Juristen laut azur-Associate-Umfrage zwar kritischer als in den Vorjahren, insgesamt sind sie damit aber immer noch recht zufrieden.

Ab zwei bis drei Jahren Berufserfahrung behandelt BMW die Syndizi als außertariflich Angestellte, ihr Gehalt ist damit im Prinzip nach oben offen. Boni sind neben der eigenen Leistung auch vom Konzernergebnis abhängig. Je höher Juristen die Karriereleiter hinaufklettern, desto größer ist der Anteil der Leistungskomponente.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.