azur100
06.03.2020 | Autor/in: Christina Geimer

Bird & Bird – Top-Arbeitgeber – Platz 5

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Tolle Mandate im Patentrecht, guter Zusammenhalt unter den Associates“

„Gute Kombination aus Erfahrung und jungem Gründergeist“

„Sehr kollegiales Arbeitsumfeld“

„Schlechte interne Kommunikation seitens der Kanzlei und oftmals rauer Umgangston einiger Partner“

„Kommunikation von Managemententscheidungen und die Besetzung von Leitungspositionen sind sehr intransparent; Entscheidungen dauern zu lange“

„Ich wünsche mir mehr Servicedenke gegenüber den Associates“

„Vorbildlicher Zusammenhalt, tolle Events, angenehme Kollegen und vertretbare Arbeitszeiten“

„Relativ viele Freiheiten für Arbeitnehmer und Raum, mitzugestalten“

„Associates bekommen nicht die Gelegenheit, selbst nach außen aufzutreten“

▪ Vermittlung von Stationen in ausländischen Büros

▪ Möglichkeit, Bloggen zu lernen

▪ Kaiser-Klausurenkurs zur Examensvorbereitung

▪ Mehrmonatiger Aufenthalt in ausländischen Büros möglich

▪ Networking-Veranstaltungen

▪ Förderung der Entwicklung individueller Business Cases

▪ Etablierte internationale Networking-Veranstaltung für Frauen

Über den Arbeitgeber

Großkanzlei ohne Allüren. Bird & Bird erfüllt viele Klischees einer Großkanzlei– sehr internationale Arbeit, die schiere Größe der Teams und etliche Standorte – und pflegt dennoch eine individuelle Kultur. „Eine Großkanzlei ohne die Allüren anderer großer Einheiten“, charakterisiert ein Associate in der azur-Umfrage seine Arbeitgeberin. Mit vielen Facetten ihres Arbeitslebens sind die Associates zufrieden – besonders mit der Internationalität der Kanzlei, aber auch die Arbeitsbelastung und das Niveau der Arbeit passen. Die IP-Gruppe spielt weltweit in der Kanzlei eine wichtige Rolle. Zudem ist Bird & Bird insgesamt auf Technologiemandanten ausgerichtet. Daraus ergibt sich auch eine wichtige Anforderung für Bewerber: Sie sollten technikaffin sein.

Bloggen als Fortbildung. Wer bei Bird & Bird einsteigt, den erwartet ein Ausbildungsangebot, das mit dem anderer Großkanzleien auf Augenhöhe ist. Kern der Ausbildung ist ein intensives Training on the Job. Daneben bietet die Kanzlei den üblichen Mix aus fachlichen Trainings und Soft-Skills-Seminaren. Das Programm wird darüber hinaus stetig ergänzt. So gibt es zum Beispiel neu die Möglichkeit, bloggen zu lernen. Inhaltlich geht es dabei um Themen der Digitalisierung. Dieses Angebot steht, wie viele der Fortbildungen, auch Praktikanten und Referendaren offen. Die Associates zeigen sich in der azur-Umfrage einigermaßen zufrieden damit, die Note liegt dennoch leicht unter dem Marktdurchschnitt. Der ein oder andere Associate wünscht sich „rechtsgebietsspezifischere Fortbildungen“, die Akademie sei vor allem im Vermitteln von Soft Skills gut.

Viel Feedback für Referendare. Auch für Praktikanten und Referendare steht ein intensives Training on the Job im Mittelpunkt der Ausbildung. Sie erarbeiten ihren Ausbildungsplan gemeinsam mit einem Mentor. Außerdem fördert die Kanzlei zur Examensvorbereitung Klausurenkurse des Kaiser-Repetitoriums. Neuerdings bietet Bird & Bird besonders engagierten Referendaren an, eine Wahlstation in einem ihrer ausländischen Büros zu machen – ein Angebot, das noch nicht allzu viele Wettbewerberinnen bieten. Ehemalige Praktikanten und Referendare äußern sich in der Bewerberumfrage mit dem Angebot sehr zufrieden und loben den „authentischen Einblick“ und dass „die Mentoren sich Zeit nehmen für Feedback“.

Top-Mandate fordern Einsatz. Die laut azur-Associate-Umfrage wöchentliche Arbeitszeit von rund 52 Stunden liegt in etwa im Marktdurchschnitt. Dafür bietet Bird & Bird ein Einstiegsgehalt, das sich an der Marktspitze orientiert. Was die Work-Life-Balance angeht, beurteilen die jungen Anwälte diese besser als viele ihre Kollegen in anderen Kanzleien. Zur gestiegenen Zufriedenheit könnte beigetragen haben, dass Bird & Bird im Bezug auf die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten ihre Hausaufgaben gemacht und Kritik ihrer Associates aus den vergangenen Jahren angenommen hat. Nun ist es allen Anwälten möglich, mobil und nach Absprache mit ihren Teams auch regelmäßig von zu Hause aus zu arbeiten – eine Verbesserung, die einige Associates in der aktuellen Umfrage loben.

Frauen in die Partnerschaft. Auch eine höhere Frauenquote in der Partnerschaft hat sich die Kanzlei seit einigen Jahren auf die Fahnen geschrieben. Als eine Maßnahme hat Bird & Bird das internationale Austauschprogramm für Anwälte, bei dem Associates für mehrere Monate in ein ausländisches Büro gehen, auch für jüngere Anwälte geöffnet. So will die Kanzlei verhindern, dass es, wie bislang häufig, in die Phase der Familiengründung fällt und damit vor allem für junge Frauen zeitlich schwer umsetzbar ist. Zudem hat sie in diesem Jahr drei Frauen in die Partnerschaft aufgenommen. Dennoch liegt der Anteil an Vollpartnerinnen weiterhin bei mageren zwölf Prozent. Das ist allerdings bei etlichen Wettbewerberinnen nicht anders. Anwälten, die Karriere und Familie vereinbaren wollen, bietet Bird & Bird Teilzeitmodelle an und plant künftig eine Zusammenarbeit mit einem Familienservice, der Betreuungsengpässe abfedert. Solche Maßnahmen gehören in anderen Kanzleien schon zum Standard – dementsprechend unterdurchschnittlich fällt die Zufriedenheitsnote für die Vereinbarkeit im Marktvergleich aus. 

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 50 bis 60

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 1

Referendarplätze 2020: 80         

Praktikumsplätze 2020: 90

Um das maximale Einstiegsgehalt zu bekommen, sollten Bewerber zwei Prädikatsexamina und einen ausländischen LL.M. nachweisen. Gute Englischkenntnisse sind wegen der Internationalität der Arbeit für alle Bewerber ein Muss. Doch wer mit befriedigenden Examina und ohne LL.M. bei Bird & Bird anklopft, bekommt, wenn es ansonsten gut passt, auch eine Chance. Er steigt jedoch mit weniger Gehalt ein.

Nach der Bewerbung lädt Bird & Bird zu zwei Gesprächsrunden mit Partnern und zukünftigen Kollegen ein. Die Gespräche mit Praktikanten und Referendaren führen in der Regel Counsel. Die Kanzlei legt Wert darauf, dass sie diesen Bewerbern meist nach dem Erstgespräch ein Angebot macht.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Zur britischen Kanzlei gehören voll integrierte Büros in Asien, Australien und Europa. Seit 2018 hat sie auch ein Präsenzbüro in San Francisco. In Europa ist Bird & Bird als eine der wenigen Kanzleien an allen zukünftigen Standorten des Unified Patent Courts vertreten, was für die Patentpraxis wichtig ist.

Anwälte in Deutschland: 57 Partner, 29 Counsel, 131 Associates und 8 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 36,4%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4 (davon 2 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 88,9 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 486.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Bird & Bird hat in den vergangenen vier Jahren ihren Umsatz und den Umsatz pro Berufsträger signifikant erhöht. Dabei setzt sie noch stärker als zuvor auf die Beratung technologienaher Branchen, quer durch eine große Bandbreite von Rechtsgebieten, von Patent- über Vergaberecht bis hin zu M&A. In vielen Praxen änderte die Kanzlei zuletzt ihren Kurs und setzte verstärkt auf organisches Wachstum statt wie in den Jahren zuvor auf Quereinsteiger.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 800 Euro/Monat pro Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.150 Euro/ Monat pro Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 110.000 Euro
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Trotz starker internationaler Zusammenarbeit in der Kanzlei entscheidet die deutsche Partnerschaft selbst, wie viele Partner sie wann ernennt. Im vergangenen Jahr nahm Bird & Bird in Deutschland mit acht Partnern so viele Anwälte wie noch nie in die Partnerschaft auf. Das ist auch Ausdruck der guten Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre. In der azur-Umfrage schätzen die Associates allerdings ihre Partnerschancen schlechter ein als im Marktdurchschnitt, fordern „bessere Kommunikation“ und „mehr Transparenz“.

Vor einigen Jahren hat die Kanzlei den Senior Counsel als langfristige Position und Alternative zum Partnerstatus eingeführt.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.