azur100
06.03.2020 | Autor/in: Annette Kamps

Audi – Top-Arbeitgeber – Platz 19

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Die Möglichkeit, alle paar Jahre komplett das Aufgabenfeld zu wechseln, finde ich besonders reizvoll“

„Super Teamspirit“

„Sehr mitarbeiterfreundlich mit guten Weiterbildungsmöglichkeiten“

„Workload müsste gerechter unter den Teams innerhalb der Rechtsabteilung verteilt werden“

„Karrierewege könnten transparenter gemacht werden“

„Gute Vereinbarkeit von Karriere und Familie; lockere Atmosphäre; spannende Themen, z.B. autonomes Fahren“

„Gute Bezahlung, gute Work-Life-Balance, Aufstieg zwar schwer, aber machbar“

„Gute Altersstruktur, da viele jüngere und motivierte Kollegen; insgesamt positives Betriebsklima“

▪ Vermittlung einer Station bei einer ausländischen Tochtergesellschaft oder Partnerkanzlei

▪ Schnupperwoche in anderen Fachabteilungen, bspw. Risikomanagement

▪ Teilnahme an einwöchigen Fachseminaren des
Lex- Mundi-Netzwerkes, z.B. in den USA

▪ Jobrotation innerhalb des VW-Konzerns, auch mit Stationen im Ausland möglich

▪ Projektgruppe für Nachwuchsjuristen, die sich mit Zukunftsthemen für die Rechtsabteilung auseinandersetzt

▪ Interkulturelle Trainings für Syndizi

▪ Eigene Abteilung Diversity Management, die Vielfalt fördern soll

▪ Seminare und Mentoring-Programme speziell für Frauen

Über den Arbeitgeber

Viel Arbeit für die Rechtsabteilung. Auch im Jahr fünf nach der Dieselkrise gibt es keine Erleichterung für Audi – im Gegenteil. Während Ex-Chef Rupert Stadler noch auf sein Verfahren wartet, übernimmt mit dem ehemaligen BMW-Vorstand Markus Duesmann schon der zweite Nachfolger seinen Posten. Der Abbau von rund 9.500 Stellen ist beschlossene Sache, um das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Für die Rechtsabteilung bedeutet all dies vor allem eins: viel Arbeit. 2019 wurden 21 Juristen eingestellt – weit mehr als geplant.

Selbstständige Referendare. Zusätzlich bildet das Unternehmen jedes Jahr 20 Referendare aus, von denen regelmäßig einige als Unternehmensjuristen wiederkehren. Sie lernen nicht nur die zentrale Rechtsabteilung kennen, sondern auch deren interne „Mandanten“ – die Fachabteilungen wie Entwicklung, Produktion oder Vertrieb –, und können in Arbeitsfelder wie Compliance oder zentrales Risikomanagement hineinschnuppern. Daneben gibt es jede Menge theoretischen Input, etwa interne Vorträge zu Organhaftung, Produkthaftung oder Kartellrecht, und wer sich besonders ins Zeug legt, darf auch an externen Seminaren teilnehmen. Ein ehemaliger Referendar lobt in der azur-Umfrage die „sehr gute Arbeitsatmosphäre“, berichtet aber auch, dass Audi von Referendaren „viel Eigeninitiative fordert“. Bei der Planung der nächstens Stage greift Audi ausgewählten Referendaren dagegen gerne unter die Arme und vermittelt sie zu Tochterfirmen oder Kanzleien im Ausland.

Jung und wild. Auch die jungen Anwälte erhalten einen Teil ihrer Weiterbildung im Ausland: Das Programm des internationalen Kanzleinetzwerks Lex Mundi umfasst einwöchige Seminare, an denen die Audi-Syndizi teilnehmen können. Kein Wunder, dass die Audi-Juristen mit ihrer Weiterbildung überdurchschnittlich zufrieden sind – und auch zufriedener als ihre Kollegen bei anderen Autobauern. Gleich mehrere loben in der azur-Umfrage „die vielfältigen Qualifizierungsmöglichkeiten intern und extern“, einer betont: „Mir wurde noch nie eine Bitte zur Weiterbildung verweigert.“ Ein Teilnehmer hebt zudem das Förderprogramm „Junge Wilde“ hervor, in dem Nachwuchsjuristen bei Audi „ihre Wünsche und Ideen für die Zukunft der Abteilung in Projekten ausarbeiten können“. Diese Projekte werden anschließend auch umgesetzt, wie zuletzt etwa eine App zur besseren Vernetzung innerhalb der Rechtsabteilung.

Per Jobrotation die Welt erkunden. Überdurchschnittlich zufrieden sind die Audi-Syndizi laut azur-Umfrage mit der internationalen Ausrichtung ihrer Arbeit. In der azur-Umfrage loben gleich mehrere die Möglichkeit zur Jobrotation innerhalb des Mutterkonzerns Volkswagen und die damit verbundenen mehrjährigen Auslandseinsätze. Hinzu kommen „gezielte Entwicklungsgespräche“ sowie mögliche Abteilungswechsel und die Übernahme neuer Verantwortungsbereiche. Einzelne Umfrageteilnehmer wünschen sich jedoch, dass „Karrierewege transparenter aufgezeigt“ werden. Zur Förderung von Frauen gibt es Mentoring und spezielle Führungskräfteseminare. Das ist auch nötig, denn während der Frauenanteil in der Rechtsabteilung insgesamt bei marktüblichen 43 Prozent liegt, sind es im Management gerade einmal 11 Prozent. Die Teilnehmer der azur-Umfrage sind mit der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen dennoch sehr zufrieden – in den Führungsetagen anderer Konzerne und Kanzleien sieht es schließlich nicht anders auch. Und beim Gehalt herrscht dank Tarifvertrag per se Gleichberechtigung.

Traumhafte Arbeitszeiten. Von einer tariflich geregelten 35-Stunden-Woche können Anwälte in Kanzleien nur träumen. Doch auch im Vergleich zu anderen deutschen Autobauer bewerten die Audi-Syndizi die Vereinbarkeit von Karriere und Familie gut. Mit 43 Wochenstunden arbeiten sie laut azur-Umfrage rund zwei Stunden weniger als der Durchschnitt der Umfrageteilnehmer aus Inhouse-Abteilungen und können Überstunden durch Freizeit ausgleichen. Die „flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice-Angebote“ werden von allen Teilnehmern positiv hervorgehoben. So erstaunt es nicht, dass sie ihrem Arbeitgeber auch insgesamt eine bessere Note geben als ihre Kollegen bei anderen Autobauern. Mehrere Teilnehmer loben zudem die Betriebs-Kita und heben die neu eingeführte Sabbatical-Möglichkeit als spürbare Verbesserung hervor.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 20         

Praktikumsplätze 2020: 10

Bei den geforderten Mindestnoten gibt es keine starre Untergrenze – vielmehr zählt das Gesamtpaket aus Examensnoten, betriebswirtschaftlichen, IT- und Fremdsprachenkenntnissen. Gutes Englisch ist unverzichtbar, ebenso sollten die Bewerber fit in mindestens einer weiteren Fremdsprache sein. Bewerber lädt Audi zunächst zum Erstgespräch ein, welches maximal zwei Stunden dauert und mit den künftigen Vorgesetzten und einem Vertreter aus dem Personalbereich geführt wird. Sofern die Rechtsabteilungsleiterin beim Erstgespräch nicht anwesend war und die Rechtsabteilung den Bewerber nicht ohnehin schon aus dem Referendariat kennt, folgt noch ein Zweitgespräch.

Standorte in Deutschland: Ingolstadt (Sitz der Rechtsabteilung), Gaimersheim, München, Neckarsulm und Neuburg an der Donau

Internationale Präsenz: Audi ist weltweit tätig und hat Standorte in Ungarn, Italien, Spanien und Belgien. Juristen arbeiten außerdem an den Audi-Standorten in Brasilien, Korea, den USA, Mexiko und Australien.

Volljuristen in Deutschland: 100 in der Rechtsabteilung

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 43%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 7 (davon 5 Frauen)

Umsatz 2018: 59,2 Milliarden Euro (Gewinn: 4,7 Milliarden)

Aktuelle Entwicklungen: Im Sommer 2019 endete bei Audi eine Ära – jedenfalls für die Inhouse-Mannschaft: Nach 19 Jahren an der Spitze der Rechtsabteilung übergab Martin Wagener, der insbesondere für die Förderung des juristischen Nachwuchses bekannt war, an die ehemalige Fresenius-Rechtschefin Dr. Uta Klawitter. Strukturell gab es bislang noch keine Änderungen. Die Themen sind, auch für Audi insgesamt, ähnlich wie im vergangenen Jahr: Produkthaftung, Aufarbeitung der Dieselaffäre, E-Mobilität, autonomes Fahren und die Herausforderungen vernetzter Autos.

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: 1.447 Euro/Monat

Syndikusanwälte:
1. Jahr: 75.000 bis 85.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Flache Hierarchien in der Audi-Rechtsabteilung: Der Rechtsabteilungsleiterin unterstehen die Teamleiter, deren Aufgaben sich an den Fachbereichen des Konzerns orientieren. Auf der gleichen Karrierestufe stehen die Fachmanager. Sie sind hoch spezialisiert, aber in keiner Leitungsfunktion. Syndizi können an Standorte ausländischer Töchter wechseln oder zu einer operativen Einheit, zum Beispiel in den Vertrieb oder die Unternehmensstrategie. Wege ins Management organisierte bis zuletzt der sogenannte ‚Talentkreis‘ des VW-Mutterkonzerns. Stattdessen gibt es nun einen eigenen Management-Entwicklungsprozess. Weiterhin fester Bestandteil der Personalentwicklung in der Audi-Rechtsabteilung ist das sogenannte ‚Junge Wilde‘-Programm: Juristen mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung können sich im Rahmen von Projektarbeiten des Programms für Führungspositionen bei Audi qualifizieren.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.