azur100
06.03.2020 | Autor/in: Claudia Otto

Allen & Overy – Top-Arbeitgeber – Platz 10

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Toller Teamzusammenhalt und gute Bezahlung“

„Spannende Mandate und gute Einbindung im Team“

„er Kulturwandel wurde bemerkbar eingeleitet“

„Schlechte Kommunikation, man muss um Urlaub betteln“

„Gesamtkanzlei zu instabil mit viel zu viel ‚Kommen und Gehen‘ auf allen Ebenen“

„IT leider eher drittklassig“

„Sehr hohe Arbeitsbelastung, dafür interessante Mandate“

„Im Kontakt regelmäßig sehr professionell und geradlinig“

„Schlechtes Betriebsklima“

▪ Strukturiertes Programm und Ausbildungsplan für Praktikanten

▪ Zugriff auf Online-Repetitor Examio/Juracedemy

▪ Strukturiertes Programm für Referendare mit Kursen und Klausurenpaketen von Kaiser, Alpmann Schmidt und Jura Intensiv sowie jetzt auch Auswahl aus dem kompletten Hemmer-Programm (inkl. Repetitorien)

▪ Nach Erfahrung gestaffeltes Programm zu wirtschaftlichen Themen sowie Mandantenbindung, Akquise und Führung

▪ Neu: Seminare zu Business Development & Marketing sowie Financial Awareness

▪ Einzelcoaching zur Vorbereitung auf den Partnerauswahlprozess

▪ Trainings in London für weibliche Associates und Counsel aller Standorte und aller Senioritätsstufen

▪ Feedback an Partner zur Frauenförderung durch weibliche Associates

▪ Neu: Mentoring-Programm bereits für Juristinnen in der Ausbildung

Über den Arbeitgeber

Umworbene Praktikanten. Angehende Juristen bekommen bei Allen & Overy einiges geboten: Die Kanzlei lockt Praktikanten mit Legal-English-Kursen, Soft-Skills-Schulungen oder Seminaren zur Vertragsgestaltung. Zudem können Praktikanten und studentische Mitarbeiter während ihrer Zeit bei der Kanzlei Übungsklausuren bei einem Online-Repetitor schreiben und korrigieren lassen und viele digitale Lernangebote nutzen. Doch Schulungen und Unterstützung bei der Examensvorbereitung sind nicht alles, was zählt: In der azur-Bewerberumfrage geben ehemalige Praktikanten gemischte Rückmeldungen. Während die einen ihre Zeit bei Allen & Overy als „gut“ und „lehrreich“ beschreiben, beklagen andere eine „mangelnde Einbindung ins Team“ oder „sehr lange Arbeitszeiten“.

Gute Examensvorbereitung. Bei der Referendarausbildung hat die Kanzlei ihr ohnehin schon breites Programm nochmals erweitert. Neben Kaiser-Inhouse-Seminaren bietet sie seit Kurzem Inhouse-Repetitorien von Hemmer an, wo die Referendare jetzt aus dem Vollen schöpfen können. Daneben steht ihnen die Teilnahme an den Kursen und Klausurpaketen von Kaiser, Alpmann Schmidt und Jura Intensiv offen. Feste Bestandteile der Referendarausbildung sind außerdem individuelle Coachings, Übungen zum Aktenvortrag sowie Inhouse-Kurse zur Klausurenvorbereitung und -technik. In der azur-Bewerberumfrage loben ehemalige Referendare das Engagement: „Die Ausbildung erfolgt direkt am Fall, und man kann verantwortungsvolle Aufgaben eigenständig bearbeiten.“

Theoretisch viel geboten. Die Associate-Ausbildung mit mehr als 200 nationalen und internationalen Kursen hat Allen & Overy zuletzt um eine Seminarreihe zu Geschäftsentwicklung und Marketing sowie ein Training zu Financial Awareness, jeweils zugeschnitten auf unterschiedliche Senioritätsstufen, erweitert. Darüber hinaus hat die Kanzlei das Mentoring-Programm für weibliche Senior Associates um ein internationales Karriere-Coaching verbreitert. In der azur-Umfrage zeigen sich die Associates relativ zufrieden mit dem Seminarangebot und geben hierfür durchschnittliche Noten. Einige bedauern allerdings die „mangelnde Möglichkeit zur Teilnahme“, andere würden sich über „viel mehr BWL“ oder „mehr kapitalmarktrechtbezogene Seminare“ freuen.

Kulturwandel braucht Zeit. Mit einem Konzept zum zeitlich und räumlich flexiblen Arbeiten möchte die Kanzlei die Work-Life-Balance verbessern und die Vereinbarkeit von Karriere und Familie erleichtern – und das soll mehr als ein Lippenbekenntnis sein: Die deutsche Partnerschaft hat sich verbindlich zu diesem Konzept bekannt. Einige Associates honorieren dies: „Die Flexibilität wird immer größer.“ Positiv heben andere die Teilzeitmodelle, Eltern-Kind-Büros, die Zusammenarbeit mit einem Familienservice für Notbetreuungslösungen sowie Kitaplätze hervor. Andere beklagen allerdings die noch immer fehlende Akzeptanz von Homeoffice und Teilzeit, sie fordern „mehr Verständnis“ sowie „klarere Kommunikation der vorhandenen Möglichkeiten“. Mit der Work-Life-Balance sowie der Vereinbarkeit von Karriere und Familie sind die Associates insgesamt eher unzufrieden und vergeben hierfür deutlich schlechtere Noten als der Marktdurchschnitt. Auch die Arbeitslast beurteilen die Associates recht kritisch. Mit knapp 55 Stunden pro Woche arbeiten die Associates laut azur-Umfrage bei Allen & Overy etwa zwei Stunden mehr als ihre Kollegen in anderen Kanzleien im Durchschnitt.

Gemeinschaftssinn noch ausbaufähig. Die deutschen Büros von Allen & Overy befinden sich aktuell mitten in einem größeren Restrukturierungs- und Modernisierungsprozess, womit auch personelle Wechsel und ein gestiegener Druck auf die Partner verbunden sind. Diese Umbruchphase schlägt sich auf die Ergebnisse der Associate-Umfrage nieder: Die Gesamtzufriedenheit entspricht zwar in etwa dem Marktdurchschnitt, doch die Stimmung unter den Associates ist durchwachsen. Während einige den eingeleiteten Kulturwandel und die aktive Einbindung der Mitarbeiter begrüßen, zeigen sich andere mit dem Management und der Kommunikation unzufrieden. Auch die Noten für das Betriebsklima schwanken je nach Teamzugehörigkeit. Einer fasst dies zusammen mit: „Es fehlt ein gemeinsamer Korpsgeist.“

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 50 bis 60

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 5 bis 10

Referendarplätze 2020: 85         

Praktikumsplätze 2020: 30

Berufseinsteiger sollten eine Gesamtzahl von rund 18 Punkten im 1. und 2. Examen mitbringen, mit möglichst wenig Differenz zwischen den Einzelergebnissen. Zusatzqualifikationen wie ein LL.M.-Titel oder eine Promotion sind gern gesehen, aber kein Muss. Pluspunkte bringen auch Auslandserfahrungen, unabdingbar sind fließende Englischkenntnisse. Das Bewerbungsgespräch findet mit Partnern und weiteren Mitarbeitern verschiedener Senioritätsstufen statt. Fachfragen oder Fallstudien können Teil des Interviews sein. Ein Zweitgespräch erfolgt nur, wenn relevante Ansprechpartner beim ersten Termin nicht dabei sein konnten. Bewerber beschreiben das Verfahren in der azur-Umfrage als „sehr gut“, „einfach und klar“ und loben den „persönlichen Fokus“.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Allen & Overy ist weltweit in mehr als 30 Ländern präsent, v.a. in Europa, Nahost, Nordafrika, den USA und Asien/Pazifik. Zudem unterhält sie eigene Büros in Südafrika und Südkorea. Assoziierte Büros befinden sich in Indonesien, Rumänien und der Türkei. Mit einer saudi-arabischen Kanzlei besteht eine Kooperation.

Anwälte in Deutschland: 48 Vollpartner, 33 Counsel, 158 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 31%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 18 (davon 12 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 145 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 729.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei befindet sich in Deutschland in einem Restrukturierungsprozess. Um die Gewinnmarge zu erhöhen und die Partnerschaft zu verjüngen, sollen Anpassungen im Vergütungssystem und Veränderungen in der Partnerschaft erfolgen. Weltweit steht ein besserer Zugang zum US-Markt auf der Agenda. Im Zuge dessen führte Allen & Overy über eineinhalb Jahre Fusionsgespräche mit der US-Kanzlei O’Melveny & Myers, die allerdings im Herbst 2019 abgebrochen wurden. Wachstumsbereiche wie Datenschutz oder Schiedsrecht verstärkte die deutsche Praxis zuletzt mit Quereinsteigern.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 150 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 200 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 300 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 200 Euro/Tag; max. 4.600 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: 120.000 Euro
2. Jahr: 125.000 Euro
3. Jahr: 130.000 Euro
4. Jahr: 140.000 Euro
5. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: 160.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Ab dem fünften Berufsjahr können Anwälte zum Senior Associate aufsteigen, ansonsten verlassen sie Allen & Overy. Das Up-or-out-Prinzip bricht die Kanzlei erst auf der Counsel-Stufe auf, die frühestens nach zwei Jahren als Senior Associate ansteht. Die Position kann von Dauer, aber auch eine Vorstufe zur Partnerschaft sein. Doch wie schon in den Vorjahren sind die Associates damit nicht zufrieden: Sie bewerten das Angebot alternativer Karrierewege in der azur-Umfrage schlechter als der Marktdurchschnitt. Noch unzufriedener sind sie allerdings mit den Partnerchancen, die sie als sehr gering einschätzen und die auch in der Realität nicht sonderlich hoch sind. So wurde beispielsweise im letzten Geschäftsjahr lediglich ein Anwalt in die Partnerschaft aufgenommen. Ein Associate kritisiert in der azur-Umfrage etwa: „Die Auswahl und Förderung erfolgt nicht transparent, man hört Gerüchte, bevor Fakten geschaffen werden.“ Die Vergütung der Partner erfolgt nach einem modifizierten Lockstep-System. Für den Gewinnanteil ist die Dauer der Kanzleizugehörigkeit entscheidend, wobei ab einem gewissen Level nur die Partner weiter hochgestuft werden, die ein bestimmtes Umsatzziel erreichen. Senior Associates und Counsel können abhängig von der persönlichen Leistung und dem Kanzleiergebnis zusätzlich zum Festgehalt einen Bonus erhalten.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.