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23.07.2019 | Autor/in: Eva Lienemann

Beim Mittelstand lässt sich’s länger aushalten

Associates in Konzern- und Transaktionsberaterkanzleien sind häufiger offen für einen Arbeitgeberwechsel. Insgesamt sind mehr als ein Viertel der Associates auf dem Sprung. Allerdings kommt es darauf an, in welcher Art von Kanzlei sie arbeiten.

Besonders mobil sind berufserfahrene Juristen, die bei Konzern- oder Transaktionsberatern arbeiten. Associates bei mittelstandsberatenden Kanzleien sind treuer. Deren Wechselwilligkeit nimmt besonders ab dem 7. Berufsjahr deutlich ab. Das ergibt die azur-Associate-Umfrage.

„Ich denke ernsthaft über einen Wechsel innerhalb der nächsten 12 Monate nach“: Diesen Satz bejahten rund 27 Prozent der Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage im vergangenen Jahr über alle Kanzleitypen und Berufsjahre hinweg. Schaut man sich an, in welcher Art von Kanzlei die jungen Juristen arbeiten, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Associates der Konzern- und Transaktionsberater sind in den ersten drei Berufsjahren am wenigsten auf der Suche nach einem neuen Job. Je berufserfahrener sie werden, desto eher wollen sie die Kanzlei verlassen. Ab dem 4., besonders aber ab dem 7. Berufsjahr zieht es sie überdurchschnittlich oft zu anderen Arbeitgebern.

Anders ist es bei den befragten Associates aus mittelstandsberatenden Kanzleien: Diese streben eher in den ersten sechs Berufsjahren einen Wechsel an. Danach werden sie sesshafter. Drei Viertel der Associates von Mittelstandsberatern zwischen dem siebten und elften Berufsjahr fühlen sich wohl – das sind fünf Prozent mehr als im Marktdurchschnitt in dieser Kohorte üblich. Bei den Konzern- und Transaktionsberatern wollen hingegen nur rund 67 Prozent der Befragten in ihrer Kanzlei bleiben.

Warum wollen Associates wechseln? Am ehesten, weil sie auf der Suche nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Freizeit sind. Vor allem bei den Associates der Konzern- und Transaktionsberater ist das oft der Fall, und beiden Geschlechtern ist dies ähnlich wichtig. Männer hingegen würden außerdem den Arbeitsplatz wechseln, um bessere Aufstiegschancen zu haben, für die befragten Frauen ist das Betriebsklima ein weiterer wichtiger Push-Faktor.

Geld spielt bei Wechsel eine große Rolle – vor allem für Männer

Was die Associates der Mittelstandsberater angeht, so spielt Geld eine große Rolle, zumindest für die Männer: Rund 40 Prozent der befragten Männer würde für mehr Gehalt den Arbeitgeber wechseln – bei den Frauen ist dieser Anteil nur halb so groß. Mehr Freizeit ist auch hier für Männer und Frauen ein guter Wechselgrund.

Wohin zieht es die Associates, wenn sie wechseln wollen? Wer bei einem Konzern- oder Transaktionsberater arbeitet, möchte am liebsten in einer Großkanzlei bleiben. Bei den befragten Frauen stehen außerdem Inhouse-Abteilungen und Justiz hoch im Kurs. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den wechselwilligen Associates der Mittelstandsberater: Auch da zieht es Frauen vor allem in Unternehmen und den Staatsdienst, mittelgroße Kanzleien (bis zu 100 Anwälte) stehen bei beiden hoch im Kurs.

An der azur-Associate-Umfrage (Sommer 2018) nahmen 2.846 berufstätige Juristen aus Kanzleien, Unternehmen, Beratungsgesellschaften und Behörden teil.