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23.07.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Interview: Warum Linklaters jetzt auch Projektmanagement verkauft

Der Bank- und Finanzrechtler Andreas Steck leitet seit 2016 als Senior-Partner die deutsche Linklaters-Praxis. Anfang Mai wurde er von den Partnern für eine zweite und damit letzte Amtszeit von drei Jahren wiedergewählt. Mit JUVE sprach er über nichts Geringeres als die Zukunft der Rechtsberatung bei Linklaters.

JUVE: Linklaters bietet als eine der allerersten Großkanzleien auch nichtjuristische Dienstleistungen an, etwa Projektmanagement. Was macht das mit einer Anwaltssozietät? 
Andreas Steck:
Was bei uns unter Legal Operations läuft, ist mehr als Projektmanagement und umfasst unter anderem auch Prozessanalyse, Einsatz von IT, von Projektjuristen oder Associates mit alternativen Arbeitszeitmodellen. Ebenso geht es um die Generierung und Nutzung von Know-how und um Automatisierung. In diesem Team sind in Deutschland aktuell 5 Betriebswirte und 15 Projektjuristen tätig, international sind es rund 100. Momentan geht es vor allem darum, dieses Angebot bekannt zu machen, auch innerhalb der Kanzlei. Auf längere Sicht dürfte sich die Rolle der Juristen in vielerlei Hinsicht ändern. Es ist gut möglich, dass wir eines Tages genauso viele Projektjuristen, Kaufleute und IT-Spezialisten in der Kanzlei beschäftigen wie Anwälte. 

Welche Mandanten fragen das Angebot nach?
Konzerne wie Thyssenkrupp zum Beispiel. Für die geplante Aufspaltung in zwei Teilkonzerne wurden auch unsere Projektmanager mit angefordert. Aber neben Großkonzernen ist unser Angebot natürlich auch für alle anderen Mandanten interessant. Wir setzen immer beim konkreten Mandat an und analysieren, welche Ressourcen und Tools sinnvoll zum Einsatz kommen können.

Mit wem konkurrieren Sie auf diesem Gebiet – den Unternehmensberatern, den Big Four?
Wir werden im Kern immer Rechtsberatung anbieten und im Wettbewerb mit anderen Rechtsberatern stehen. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass wir in zehn Jahren auch gegen McKinsey oder The Boston Consulting Group pitchen, aber unsere Strategie ist eine andere: Die Konkurrenz zu den Big Four oder Unternehmensberatungen sehen wir derzeit eher auf Bewerberseite, da wir für unsere Legal-Operations-Bereiche Mitarbeiter suchen, die jederzeit zu einer der großen Beratungen gehen könnten.

Viele Kanzleien haben Angst, dadurch ­gewerbesteuerpflichtig zu werden.
Angst ist ein schlechter Ratgeber. Niemand weiß heute im Detail, wie sich der Kanon der Rechts- und angrenzenden Beratungsleistungen in den kommenden Jahren verändern wird und welche Produkte besonders werthaltig sein werden. Wichtig ist darum vor allem, dass man offen für Innovationen bleibt und nicht von vornherein bestimmte Optionen ausschließt. Jede Kanzlei muss hier ihren eigenen Weg finden. Wir haben uns klar dazu entschieden, alle Leistungen, einschließlich Projektmanagement, Technologie, digitalisierte Rechtsprodukte, aus einer Hand erbringen zu können. 

Wie bedeutend ist der nichtjuristische Teil des Geschäfts denn umsatzmäßig – in Deutschland und international?
Im Moment steht Legal Operations nur für einen Bruchteil unseres Gesamtumsatzes. Viel wichtiger als die Zusatzeinnahmen ist für das Kanzleiergebnis aber die Effizienzsteigerung: mehr Output bei konstanter oder sogar niedrigerer Kostenbasis. Die Umsatzfrage ist daher für uns in diesem Punkt derzeit nicht wirklich entscheidend. Entscheidend ist die strategische Aufstellung der Kanzlei.

Den Hamburger Standort gibt es seit rund einem Jahr. Was hat Linklaters dort als nächstes vor?
In Hamburg müssen wir nun die junge Anwaltsgeneration nach vorne bringen, damit sie in ein paar Jahren das Ruder übernehmen kann. Gesellschafts- und Steuerrecht werden dort immer im Zentrum stehen, aber mittelfristig wollen wir zum Beispiel auch Arbeitsrecht anbieten. Wir wollen dort weiter wachsen.

Das Gespräch führte Norbert Parzinger.