Magazin-Artikel
06.06.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Mit klarem Kopf – Katharina Apel im Porträt

Katharina Apel ist nicht nur eine brillante Kartellrechtlerin. Sie hat gelernt, Prioritäten zu setzen und beim Management ihrer Mandate die Übersicht zu behalten. So macht ihr die Arbeit Spaß, auch unter Zeitdruck.

von Antje Neumann

Irgendwo über den Wolken, zwischen Düsseldorf und Tokio, erreichte sie die Nachricht von ihrer Beförderung. Als Associate war Dr. Katharina Apel (40) ins Flugzeug eingestiegen, als frisch gewählte Counsel startete sie in den lange geplanten Japan-Urlaub. „Mein Bruder hatte mir einen Zugang für WLAN über den Wolken geschenkt, damit ich die Entscheidung direkt per E-Mail mitbekomme,“ sagt sie. Nach neun Jahren bei der US-Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton war der Zeitpunkt der Entscheidung über ihre interne Beförderung ausgerechnet in die Zeit gefallen, als sie im Flieger nach Tokio saß. In New York hatten die mehr als 150 Partner getagt und sieben ihrer Nachwuchsjuristen zu Counseln gewählt – aus New York, Paris und Peking, und eine aus Köln.

Ein paar Monate später beantwortet sie die Frage, was sich geändert hat, so: Sie nehme inzwischen an mehr Meetings zu strategischen und internen Überlegungen teil. Und im Kontakt mit Mandanten und Kartellrechtlern aus anderen Kanzleien merke sie durchaus eine veränderte Wahrnehmung.

Uhrenvergleich hinter der Hecke.

Wenn die leidenschaftliche Orgelspielerin ihren beruflichen Werdegang Revue passieren lässt, wird deutlich, wie sie ihr Interesse an dem facettenreichen Rechtsgebiet immer weiter vertieft hat. Während eines Studentenpraktikums bei der Landeskartellbehörde in Hannover kam sie zum ersten Mal mit einer Durchsuchungsaktion in Berührung, „inklusive Warten hinter einer Hecke und einem Uhrenvergleich mit einer anderen Einsatzgruppe um Punkt 9 Uhr, um dann koordiniert aufzutreten“. Über die Mitarbeit am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht in Göttingen konnte sie ihr Faible für rechtsökonomische Analysen ausbauen und beendete nach dem Ersten Staatsexamen noch ihr Volkswirtschaftsstudium. Als ihr Professor von einer Anfrage aus Brüssel erzählte, mit der die Fusionskontrolleure der EU-Kommission für einen größeren Fall Unterstützung durch einen tatkräftigen Praktikanten suchten, griff sie sofort zu und packte für drei Monate die Koffer. Dabei stellte sie erstmals fest: Die Möglichkeit, ihr wissenschaftliches Interesse am Kartellrecht mit der Arbeit an praktischen Fällen zu kombinieren ist das, was ihr am Anwaltsberuf Spaß macht.

Als weiteren Meilenstein erinnert sie sich an ihren ersten Auftritt in Luxemburg beim Europäischen Gericht im April 2018: „Man setzt sich jahrelang mit der europäischen Rechtsprechung auseinander – und dann stehe ich da in Robe und argumentiere für einen Mandanten. Da wurde mir bewusst: Ich werde hier gerade Teil des europäischen Case Law. Das war wirklich ein ganz besonderes Gefühl.“ Dass das Urteil wenige Monate später tatsächlich zu einer Verringerung des Bußgeldes für ihre Mandantin, die Deutsche Telekom, führte, macht es für sie noch schöner. Zum Anwaltsberuf gehören aber ebenso andere Erfahrungen: „Das ist dann auch für mich schwierig: Man hat sich für den Mandanten mehr erhofft, alles gegeben. Aber die behördliche oder gerichtliche Entscheidung geht dann doch in eine andere Richtung.“

„Man muss lernen, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen.“

Harte Fristen, wenig Zeit.

Bei Cleary ist es üblich, dass Bewerber auch mit Associates sprechen. Apel ist oft danach gefragt worden, welche Herausforderungen den Anwaltsalltag in der Kanzlei prägen und was sie bei ihrer Arbeit motiviert. „Ich betone immer, wie wichtig es ist, dass man auf Menschen trifft, mit denen man gern arbeitet. Die familiäre Atmosphäre in dem kleinen Kölner Büro hatte es mir angetan, und das in Kombination mit viel internationaler Einbindung.“ Dazu zählt sie Alltägliches, zum Beispiel, dass eine Kollegin aus London mit ihr die IT-Einführung machte, aber auch, dass sie schon als Referendarin immer wieder ins Brüsseler Büro fahren durfte, um dort US-Partner kennenzulernen.

Und wie geht sie mit den langen Arbeitszeiten um? In der jährlichen azur-Umfrage äußern auch Cleary-Associates regelmäßig Kritik daran. Dabei geht es nicht einmal so sehr um die Menge der Arbeit, sondern um die Planbarkeit von Arbeitstagen und insbesondere Wochenenden. Dass der Zeitaufwand je nach Projekt schwankt, erklärt sie, hat zum Beispiel auch damit zu tun, dass die Kartellbehörden in großen Fusionskontrollverfahren umfassende Auskunftsersuche versenden. Sie stellen hohe Anforderungen und setzen harte Fristen, hinzu kommen unangekündigte Durchsuchungen bei Verdacht auf Kartellvergehen. Und bei einer großen Fusion, die sich ein Unternehmen vorab von den Kartellbehörden genehmigen lassen muss, sorgt die Koordination von verschiedenen Akteuren für enge Zeitfenster.

Planbarkeit: Fehlanzeige.

„Um dauerhaft ganz feste Arbeitszeiten einzuhalten – dafür hat man die Dinge zu oft gar nicht in der Hand. Grundsätzlich aber gibt es bei uns keine Präsenzpflichten und man kann häufig Aufgaben flexibel einteilen“, sagt Apel. Mit zunehmender Erfahrung lerne man, damit umzugehen. Zum Beispiel Prioritäten zu definieren, wenn in zehn Minuten eine Telefonkonferenz ansteht, aber vorher eine dringende E-Mailanfrage oder der Anruf eines wichtigen Mandanten oder Partners kommt. „Es laufen verschiedene Dinge gleichzeitig, alle wollen etwas von mir und ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Als junge Anwältin hat man noch nicht immer die Souveränität, mit solchen Situationen umzugehen.“ Erst mal durchatmen und dann einen älteren Kollegen fragen, was man zuerst machen soll, lautet ihr Rat. „Entscheidungen zu treffen und Aufgaben zu priorisieren, das muss man genauso lernen wie das Fachliche.“ Einen weiteren zentralen Rat hat sie deshalb für Nachwuchsjuristen: „Es ist wichtig, sich Mentoren zu suchen. Jemanden, mit dem ich reden kann, diskutieren kann, von dem ich etwas lernen will.“

Auf die eigene Entwicklung zu achten, sich nach jedem Fall bewusst zu machen: „Was habe ich hier gelernt?“ oder „Was habe ich in meinem eigenen Bereich gemanaged?“ Das hält sie letztlich für wichtiger, als abstrakt auf ein Beförderungsziel hinzuarbeiten. „Mir macht es viel Spaß, wirtschaftliches Geschehen mitzugestalten und dafür die Verantwortung zu tragen. Dafür bin ich schließlich Anwältin geworden.“