Magazin-Artikel
06.06.2019 | Autor/in: Anika Verfürth

Kommentar: Im Verborgenen – Karriere in der Justiz

Viele junge Juristen entscheiden sich nach einigen Jahren in der Wirtschaftskanzlei für eine Karriere in der Justiz, als Richter oder Staatsanwalt. Weg vom höchst kompetitiven Umfeld, weg vom Battle, wer abends am längsten im Büro sitzt. Damit verbunden ist oft nicht nur der Seitenwechsel vom Berater oder Verteidiger zum Entscheider, sondern auch ein Wechsel aus dem Rampenlicht hinter verschlossene Türen.

Denn ein Großteil der Richter und Staatsanwälte arbeitet im Verborgenen. Mandantenakquise, ein vielversprechender Business Case, im Markt als Spezialist für etwas stehen – all das, wofür sich Associates auf ihrem Weg zur Partnerschaft ein Bein ausreißen, ist für Richter irrelevant. Sie scheuen die Öffentlichkeit. Wenn wir als Journalisten versuchen, auch nur den Vornamen eines Richters im Rahmen eines öffent­lichen Verfahrens herauszubekommen, scheitern wir häufig. Aber warum ist das so? Ist es nicht, wie der Name schon sagt, der öffentliche Dienst? Im Namen des Volkes zu entscheiden klingt eigentlich nach einer höchst öffentlichen Aufgabe.

Doch genau das ist einer der Knackpunkte. Ein Richter muss unabhängig, vielleicht sogar unnahbar sein, um dieser öffentlichen Aufgabe nachzukommen. Die Verfahren sollen unberührt von Einflussnahmen ablaufen, die Entscheidungen müssen unberührt von medialer Aufmerksamkeit getroffen werden. Das hat nicht selten auch mit dem Schutz der eigenen Person zu tun. Als Entscheider über Recht und Unrecht kann man schnell zur Zielscheibe werden. Manche Richterinnen berichten sogar von Stalking-Vorfällen. Anders als die meisten Anwälte halten sich Richter immer bedeckt. Sie müssen sich schlicht nicht in den Vordergrund stellen.

Dass sich ihre Karriere im Verborgenen abspielt, dafür sorgt die Justiz, die für ihre Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht hat. Niemand bekommt langweiligere oder weniger wichtigere Verfahren, nur weil er sich nicht „im Markt“ dafür platziert hat. Doch wie immer gibt es eine Kehrseite der Medaille. Richter haben ihren Aufstieg weniger selbst in der Hand. Zwar haben sie auch Karriere­entscheidungen zu treffen, doch letztlich braucht die Laufbahn als Richter oder Staatsanwalt vor allem Zeit. Denn die Mühlen der Justiz mahlen auch in Karrierefragen ziemlich langsam.

 

In dieser Rubrik kommentieren und erläutern Autoren der JUVE-Redaktion aktuelle Themen aus dem Anwaltsmarkt. Anika Verfürth ist Redakteurin im ­JUVE-Verlag.