Magazin-Artikel
06.06.2019 | Autor/in: Laura Bartels

Image ist alles – Annette Pospich im Porträt

Immobilienrecht ist eine Männerdomäne. Annette Pospich macht das nichts aus. Sie hat ihren Weg trotzdem gemacht. Warum? Weil auch Frauen durchaus mal mit der flachen Hand auf den Tisch hauen können – und dabei noch charmant sind.

Anwälte haben selten Vorbilder. Woran das liegt? Böse Zungen behaupten, weil sie sich selbst für die Größten halten. Für Annette Pospich gilt das nicht, sie hat sogar zwei Vorbilder. Zum einen wäre da Jessica Pearson, Managing-Partnerin der fiktiven New Yorker Kanzlei Pearson Specter Litt aus der TV-Serie ,Suits‘, die auch bei echten Anwälten ziemlich beliebt ist. Während Pearson Pospich vor allem durch ihre perfekt sitzenden Outfits beeindruckt, die ihr ein „textiles Pokerface“ verleihen, hat sie ihr zweites Vorbild vor allem persönlich geprägt. „Ich habe meine Großmutter schon immer sehr bewundert, weil sie Gleichberechtigung schon vor 50 Jahren gelebt hat“, sagt die 40-Jährige. Sie habe schon damals keinen Zweifel daran gelassen, dass auch eine Frau ihren Mann stehen kann. Damit war Pospichs Großmutter der Branche, in der ihre Enkeltochter heute arbeitet, bereits damals einen gewaltigen Schritt voraus. Denn Gleichberechtigung ist in der Immobilienbranche auch im Jahr 2019 noch ein schwieriges Thema. „Ich habe mich nie als Teil einer Minderheit gefühlt. Trotzdem glaube ich nicht, dass sich die Männerdominanz schlicht dadurch auswachsen wird, dass der Nachwuchs heute weiblicher als noch vor fünf bis zehn Jahren ist“, sagt Pospich. Geschlechtsspezifische Unterschiede will sie trotzdem nicht zu sehr betonen. „Wir sollten mit einer selbstbewussten Selbstverständlichkeit auftreten“, sagt sie. Deshalb ist sie auch bei Frauennetzwerken etwas zurückhaltend: „Ich suche schon bewusst den Kontakt zu Frauen aus der Branche, allerdings lege ich es nicht darauf an, indem ich unzählige Veranstaltungen besuche.“

Pospich ist in gewisser Weise eine Exotin. Sie ist eine von wenigen erfolgreichen Immobilienanwältinnen. Am Verhandlungstisch sitzt sie meist mit Männern. Die behaupten manchmal – hinter vorgehaltener Hand – sie sei „eine ganze Harte“. Auch Pospich selbst ist das Gerücht schon zu Ohren gekommen. Nachvollziehen kann sie das nicht. Kollegen, Mandanten und Weggefährten, die sie länger und besser kennen, beschreiben sie als „tough“, „engagiert“ und „charmant“. Sie selbst sieht ihre Stärke vor allem in ihrem guten Gespür für Menschen. Und das braucht sie auch, denn die Immobilienbranche ist in ihrer Mandantenstruktur sehr heterogen. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Akteure, die ein Anwalt im täglichen Geschäft berät. Angefangen beim vor allem auf Rendite und Schnelligkeit getrimmten Private-Equity-Investor bis hin zum Familiy Office, das sich wenig um Marktbewegung schert und eher auf der Suche nach sicheren und langfristigen Investments ist.

„Die diverse Mandantenstruktur ist ein Aspekt, der die Branche für mich besonders interessant macht“, sagt Pospich. Neben juristischem Know-how ist es aus ihrer Sicht für eine gute Anwältin insbesondere wichtig, sich auf die verschiedenen Akteure einstellen zu können. „Die Immobilienbranche ist gut geeignet für junge Juristen, die Abwechslung mögen und sich schnell auf neue Situationen einlassen können“, sagt sie. Denn der ganze Markt ist sehr bunt. Fast jeder Tag ist anders. Verschiedene Immobilien stellen auch an den Anwalt unterschiedliche Anforderungen. Beim Ankauf eines Bürogebäudes müssen die Berater ganz andere Aspekte beachten als bei der Akquisition eines Hotels oder Shopping Centers.

„Die Immobilienbranche ist geeignet für alle, die Abwechslung mögen.“

Faszination von Anfang an.

Wie die meisten jungen Juristen hatte auch Pospich während ihrer Studienzeit mit dem klas­sischen Immobilientransaktionsgeschäft wenig
Berührungspunkte. Im Referendariat bei der deutschen Traditionskanzlei Hölters und Elsing landete sie 2005 schließlich im Immobilienteam – und kam seitdem nicht mehr davon los. „Der Immobilienmarkt hat etwas Greifbares. Man bekommt die unmittelbaren Auswirkungen der Marktentwicklungen zu spüren. Das finde ich sehr reizvoll“, sagt sie.

Gut zehn Jahre hat sie in der Kanzlei gearbeitet, die zwischenzeitlich mit der US-Einheit Orrick Herrington & Sutcliffe fusionierte. 2015 folgte dann der Wechsel zu Noerr. „Der Vorteil einer deutschen Kanzlei ist das große Verständnis für die jeweiligen Marktsituationen und die Möglichkeit, trotzdem international zu arbeiten, sei es über ,Best Friends’-Beziehungen oder aber Kontakte im Ausland. Man ist nicht wie US-Kanzleien an die jeweiligen Kollegen gebunden, sondern kann vor Ort mit den für den Fall am besten geeigneten Beratern zusammenarbeiten.“ Bei Noerr stieg sie zunächst als Salary-Partnerin ein, übernahm kurze Zeit später die gemeinsame Co-Leitung mit dem bisherigen Praxisgruppenchef. 2018 wurde sie Equity-Partnerin, seit Anfang dieses Jahres führt sie das Immobilienteam allein.

Stammgast auf der Wiesn.

Doch nicht nur beruflich hat sich für Pospich der Wechsel gelohnt. Denn nach etlichen Jahren im nordrhein-westfälischen Exil ist sie 2017 wieder in ihre Heimat Bayern übergesiedelt. Seitdem leitet sie die Geschicke der Immobilienpraxis von München aus. Wie es sich für eine echte Wahlmünchnerin gehört, ist auch Pospich Fan des FC Bayern, vor allem aber Stammgast auf dem ­Oktoberfest. „Dort herrscht eine sehr schöne, traditionelle Stimmung und es ist sehr international. Das mag ich sehr“, sagt sie. Logisch, dass sie jedes Jahr mehrere Tage auf der Wiesn verbringt. Das kann auf Dauer allerdings auch anstrengend sein. „Als Immobilienanwältin kann man theoretisch jeden Tag eine Branchenveranstaltung auf der Wiesn besuchen.“ Nach 14 Tagen ist dann auch erst einmal genug mit ,Prosit‘ und ,Hendl‘. Und ihre acht Dirndl räumt Pospich dann erst einmal wieder in den Schrank. Ein solches Trachtenkleid würde Jessica Pearson sicher auch gut stehen.