Magazin-Artikel
06.06.2019 | Autor/in: Markus Lembeck

Ausgezeichnete Arbeitgeber

Der juristische Arbeitsmarkt ändert sich – die azur Awards ändern sich mit.

Die azur-Redaktion hat aufgeräumt: Die Kategorien der azur Awards sind seit März 2019 komplett verändert. Bis auf den Platz 1 der azur-Liste: Der bestplatzierte Arbeitgeber, der sich über die Einzelfaktoren Neueinstellungen, Zufriedenheit, Gehalt und Image an die Spitze geschoben hat, wird nach wie vor mit einer eigenen Trophäe geehrt. Diesen prominenten Platz, gleichzeitig Nummer 1 in der ­aktuellen azur100-Ausgabe, konnte zum dritten Mal in Folge die internationale Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer ergattern. Neu unter den azur-Awards sind die Auszeichnungen für Karriereförderung, Innovation sowie für den Arbeit­geber Region.

Die pro Kategorie fünf nominierten Arbeitgeber haben allesamt bemerkenswerte Zeichen gesetzt – sie alle verdienen Lob für ihre Aktivitäten, die zwar immer auch mit finanziellen Investitionen zusammenhängen, viel mehr aber das Engagement und die Überzeugungskraft von Personalverantwortlichen und Kanzleimanagement verlangen.

Die Bälle, die sie ins Spiel bringen, müssen Referendare, Bewerber und Berufseinsteiger weiterspielen: Im gegenwärtigen Juristen-Arbeitsmarkt sind sie am Drücker und ­können sich die hohe Nachfrage zunutze machen. Nicht nur beim Einstiegsgehalt sollten Bewerber die Arbeitgeber beim Wort nehmen und auf die Vorteile ansprechen, die ja zunächst einmal nur auf dem Papier stehen.

Regionale Stärke zählt.

Die Wettkämpfe der Arbeitgeber finden immer noch auf den regionalen Arbeitsmärkten statt. Der neue azur Award „Arbeitgeber Region“ beweist, welche Power in den regional verwurzelten Einheiten steckt. Die allererste Gewinnerin dieser Kategorie, Battke Grünberg, macht aus dem eher ungewöhnlichen Kanzleistandort Dresden das Beste. Die Verantwortlichen haben viel Zeit in Ausbildung und Karriereplanung investiert und zeigen weit über Sachsen hinaus, wie man junge Anwältinnen und Anwälte an sich binden kann.

Und worauf sollten ambitio­nierte Bewerber überregional ­achten, wenn sie Kanzleien und Unternehmen vergleichen? Die azur-Redaktion hat zwei Knackpunkte identifiziert: „Innovation“ und „Karriereförderung“.

Der Ansatzpunkt „Innovation“ lenkt den Blick auf neue Ideen für Work-Life-Balance, für flexible und trotzdem planbare Arbeitszeiten, für leistungsgerechte Vergütung oder eine individuelle Ausbildung. Zudem geht es um den Einsatz eines Arbeitgebers für zukunftsträchtige Themen wie Legal Tech, Pro Bono und Diversity. Der zündende ­Gedanke, der eine Kanzlei oder Rechtsabteilung neue Wege einschlagen lässt, soll mit diesem azur Award prämiert werden. Nach Meinung der azur-Redaktion ist es wichtig, dass ein guter Arbeitgeber den Wandel willkommen heißt und stetige Veränderung zulässt – in der Organisation der Beratung, in der vielfältigen Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft und bei Zukunftsinvestitionen.

Die Ideen, denen die azur-­Redaktion mit dem neuen Award Aufmerksamkeit verschaffen will, müssen nicht unbedingt Allheilmittel sein – es sind auch Ideen für kleine Verbesserungen gefragt. Oppenhoff & Partner gewinnt den ersten Innovations-Award für die Etablierung eines Job-Sharings von zwei weiblichen Anwältinnen im Kölner Büro: feste Arbeitszeiten und enge, zeitlich versetzte Zusammenarbeit in einem Beratungszweig, in dem viele Kanzleien noch kategorisch die Dauerpräsenz ihrer Anwälte verlangen: M&A-Transaktionen. Anna-Catharina von Girsewald und Sarah Scharf können die Leser dieses Magazins übrigens auf dem Cover sehen (Lebendes Beispiel).

Vielfalt der Karrierewege.

Die „Karriereförderung“ als Kriterium für gute Arbeitgeber ist eingängig und doch erklärungsbedürftig. Denn das traditionelle Modell, das im Titel „Partner“ den Gipfel des Karrierewegs sah, ist unter Druck geraten und auf dem besten Weg zum Nischendasein. Mittlerweile gibt es viele alternative Wege neben dem alten Up or out, das Aussteiger aus dem Partnerschaftsrennen automatisch aus der Kanzlei katapultiert hat. Heute kann die Vielfalt der Möglichkeiten auch verwirren – deshalb belohnt die Redaktion mit dem azur-Award Karriereförderung nachhaltige Erfolge der Arbeitgeber bei der Planung von Karriere und Aufstieg, vor allem durch eine facettenreiche Förderung der jungen Anwälte.

Fortschritte fallen hier Großkanzleien nicht unbedingt leichter als kleineren Einheiten. Auch deshalb ist Latham & Watkins in dieser Kategorie eine verdiente erste Siegerin. „Man merkt, dass sich die Kanzlei viel Mühe gibt“, lobt ein Associate das weiter verbesserte Ausbildungsprogramm. Berufseinsteiger durchlaufen in den ersten drei Jahren ein einheitliches Curriculum, das neben juristischen ­Themen auch Soft Skills und betriebswirtschaftliches Know-how umfasst. Teilnehmer loben das Programm als „strukturiert, inhaltsvoll, sinnvoll aufeinander aufgebaut“. Flankiert wird das Trainingsprogramm von einem Ausbau der bestehenden Feedbacksysteme: Jeder Associate hat jetzt einen Partner als Karriere-Coach, eine neue digitale Plattform unterstützt das Karrieremanagement. Die azur-Redaktion würde sich immens darüber freuen, wenn Kanzleien, Unternehmen und alle anderen Arbeitgeber für Juristen sich darin überbieten, ihre Mitarbeiter mit innovativen Ideen und nachhaltiger Karriereförderung an sich zu binden. Die Ansätze dafür sind erkennbar. Das Rennen ist eröffnet.

Neue Kategorien – neue Sieger

Knapp 90 verschiedene Kanzleien und Unternehmen wurden über die Jahre bereits für azur-Awards ­nominiert. 2019 zählen sowohl große internationale Kanzleien als auch mittelgroße Sozietäten zu den ­Gewinnern.

Karriereförderung

Die Kategorie belohnt sichtbare Erfolge auf den Feldern Karriereplanung, persönliche Entwicklung und Aufstiegsförderung. Die Siegerin Latham & Watkins hat unter anderem ihr bestehendes Feedbacksystem weiter verbessert und das Ausbildungscurriculum neu aufgesetzt.

Innovation

Hier sind gute Ideen für zukunftsträchtige Themen wie Legal Tech, Diversity, Pro Bono oder Work-Life-Balance gefragt. Oppenhoff & Partner gewinnt diese Kategorie, weil sie die Vereinbarkeit von Karriere und Familie gezielt fördert, im M&A-Team sogar mit einem Job-Sharing-Programm, das feste Arbeitszeiten möglich macht.

Arbeitgeber Region

Hier steht die Verankerung von Arbeitgebern in einem regionalen Bewerbermarkt im Vordergrund. Vorbildlich agiert die Dresdner Siegerkanzlei Battke Grünberg, die eine Fülle von durchdachten Ausbildungs- und Förderschritten eingeführt hat, um ihrem Kanzleinachwuchs ein gutes Angebot zu machen.