Magazin-Artikel
20.05.2019 | Autor/in: Markus Lembeck

Referendarinnen im Fokus: Frauenförderung wird zur Notwendigkeit

„Frauen fördern Frauen“ – unter diesem Motto pflegen Juristinnen an der Universität Freiburg seit mehr als 15 Jahren ihr eigenes Netzwerk. Durch gezielte Ansprache von Jurastudentinnen schafft es das Programm mit dem unschönen Namen Justitia Mentoring noch vor dem Referendariat und dem anschließenden Berufsstart einige Weichen zu stellen, um zukünftige Juristinnen für Führungs­positionen fit zu machen.

Ist das wirklich nötig? Sicher. Zwar gibt es seit Jahren mehr weibliche als männliche Absolventen im Fach Jura. Doch an den Universi­täten, in der Justiz und in den Kanzleien sind die Männer in der Überzahl – auf Lehrstühlen, in Gerichts­­präsidien und bei den Partnerversammlungen. Es ist also eine gute Idee, mit der Frauenförderung im Studium oder spätestens im Referendariat anzusetzen.

Für viele Kanzleien ist es längst beschlossene Sache, dass sie ihre Schützlinge besonders fördern – nicht nur finanziell. Die meisten Sozietäten zielen auf eine bessere Examensvorbereitung der Referendare ab und organisieren mit der Hilfe von spezialisierten Repetitorien zum Beispiel Klausuren, Seminare und mehrtägige Trainings-Events. Auch der gute alte Aktenvortrag wird in den Kanzleiräumen eingeübt, mit Männern und Frauen gleichermaßen.

Referendarinnen dürfen sich jedoch der besonderen Aufmerksamkeit des Arbeitsmarktes sicher sein. Nicht, dass die Kanzleien altruistische Anwandlungen hätten oder einen gesellschaftlichen Auftrag verspüren würden, weibliche Berufseinsteiger besser zu fördern – sie sind schlicht auf einen Wettbewerbsvorteil bedacht. Es ist ja kein Geheimnis, dass es zu wenige Prädikatsexamen gibt, um den Hunger der Wirtschaftskanzleien nach Top-Absolventen zu stillen. Deshalb nehmen sie einfach die größere Absolventengruppe – die weiblichen Nachwuchsjuristen – in den Blick.

Einzelbetreuung für Referendarinnen.

Freshfields Bruckhaus Deringer etwa hat unter ihren Anwältinnen Mentorinnen ausgewählt, die sich ein Jahr lang in Einzelbetreuung um Referendarinnen kümmern. Die Mentorinnen geben Tipps zur Karriere, helfen bei der Vermeidung von Fallstricken und fungieren als Rollenvorbilder. Neben der persönlichen Beziehung, die so aufgebaut wird, bietet Freshfields auch ein größeres Netzwerk an und veranstaltet regelmäßige Treffen aller Referendarinnen und ihrer Mentoren. Und die ausgewählten Nachwuchsjuristinnen verbringen, natürlich, eine Referendarstation in der Kanzlei.

Doch bis dahin ist schon viel passiert. Deshalb ist der Freiburger Ansatz so gut. 11,1 Semester dauert ein Jurastudium im Durchschnitt. Die vor einigen Monaten bekannt gewordene Gesetzesinitiative für eine Verlängerung der Regelstudienzeit von neun auf zehn Semester macht deutlich, wie knapp das Zeitbudget ist.

Und das Studium ist ja nur der eine Baustein für die Juristenkarriere: Die gesamte Ausbildungszeit kann sich bei ungünstigen Studienbedingungen, Prüfungsterminen und Warte­zeiten auf das Referendariat schon einmal auf neun oder mehr Jahre summieren – ­Promotion oder LL.M.-Studiengang nicht mitgerechnet. Ein Jahrzehnt kann draufgehen für die Ausbildung in nur einem Fach.

Kein Teilzeit-Referendariat.

Vielleicht ist auch deshalb 2018 eine Bundesratsinitiative von Nieder­sachsen und Brandenburg im Sande verlaufen, die ein Teilzeit-Referendariat ermöglichen wollte. Der Vorschlag wollte es den Ländern möglich machen, ihren Jura-Referendaren beim Nachweis familiärer Gründe ein halbes Jahr extra zu gewähren und so den Vorbereitungsdienst auf 30 statt 24 Monate auszudehnen. Eine solche Regelung hätte besonders ­jungen Eltern, aber auch pflegenden Angehörigen mehr Flexibilität und eine bessere Vorbereitung auf das Zweite Staatsexamen erlaubt. Es kam nicht dazu.