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29.04.2019 | Autor/in: Norbert Parzinger

Work-Life-Balance: Rose & Partner führt Vier-Tage-Woche für alle ein

Die Mittelstandskanzlei Rose & Partner führt – soweit bekannt – als erste Sozietät im Markt eine reguläre Arbeitszeit von 36 Wochenstunden ein, verteilt auf vier Wochentage. Zum Mai wollen sämtliche Partner und Associates der 20-köpfigen Kanzlei auf das neue Arbeitszeitmodell wechseln.

Für die Anwälte soll sich damit zwar die Arbeitszeit, nicht aber die Partnerchancen oder die Vergütung reduzieren, erklärt die Kanzlei. Berufsanfänger steigen bei Rose mit bis zu 65.000 Euro ein, der Durchschnittsverdienst der angestellten Anwälte lag nach Kanzleiangaben zuletzt bei rund 120.000 Euro. Um den Mandatsanfall auch mit weniger Arbeitsstunden als bisher zu bewältigen, will Rose sowohl auf Effizienzsteigerungen als auch auf zusätzliche Mitarbeiter setzen. Kanzleigründer Bernfried Rose arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit 2010 nur vier Tage pro Woche.

Den Wettbewerb um attraktive Arbeitszeitmodelle ergänzt Rose & Partner damit um eine weitere Facette. In Vollzeittätigkeit arbeitet der deutsche Durchschnitts-Associate zwar über 53 Stunden pro Woche, wie die aktuelle azur-Associate-Umfrage zeigt. Um Auslastungsspitzen abzufangen und die Arbeitslast möglichst gleichmäßig zu verteilen, setzen immer mehr Kanzleien auf Ressourcensteuerung mit technischen Mitteln. Die meisten größeren Sozietäten und zunehmend auch mittelständische Einheiten bieten inzwischen Teilzeit- und Homeoffice-Möglichkeiten an. Die Kölner Kanzlei Oppenhoff & Partner führte in ihrer Corporate-Praxis zuletzt sogar ein Job-Sharing-Modell ein.

Ein Problem, viele Lösungsversuche

Bei Baker & McKenzie, Glade Michel Wirtz, Linklaters und McDermott Will & Emery können Anwälte entweder als reguläre Associates oder mit einer festen 35- bis 40-Stunden-Woche bei deutlich reduzierten Bezügen einsteigen. In der Frankfurter Boutique Winheller gilt für die gesamte Mannschaft außer dem Gründungspartner eine feste 45-Stunden-Woche. Eine ganze Reihe von Kanzleien gewähren ihren Anwälten nach einer festen Anzahl von Berufsjahren Sabbaticals, einige Sozietäten haben in den vergangenen Jahren auch die Zahl der regulären Urlaubstage erhöht. Bei Eversheds Sutherland und Mayer Brown können die Associates zusätzliche Urlaubstage gegen einen Teil ihres Gehalts tauschen.

Rose & Partner ist mit insgesamt 20 Anwälten, davon sieben Vollpartnern, als Rundumberaterin mit Schwerpunkt auf Gesellschaftsrecht und Transaktionen tätig. Zur Mandantschaft zählen vor allem mittelständische Unternehmen, kleinere Beteiligungsgesellschaften und vermögende Privatpersonen. Neben dem größten Standort Hamburg hat die Rechtsanwalts- und Steuerberaterkanzlei eigene Büros in Berlin und Mailand sowie seit Kurzem auch in München, wo zum April ein ehemaliger Noerr-Anwalt für Rose eröffnete. (Norbert Parzinger)