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15.04.2019 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Associate-Gehälter: Leistungsabhängige Bonusmodelle auf dem Vormarsch

Das Gehaltsniveau für Associates ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, gerade für Berufsanfänger. Doch in den folgenden Berufsjahren bieten immer mehr Sozietäten deutlich mehr Geld nur noch gegen messbare Leistung – vor allem Großkanzleien, die bei Umsatz und Produktivität nicht ganz an der Marktspitze mitspielen.

Einige Kanzleien setzen schon beim Festgehalt auf große Bandbreiten, so etwa Jones Day, die Berufsanfängern zwischen 100.000 und 135.000 Euro zahlt. In den Folgejahren steigt das Fixum je nach individueller Vereinbarung. Andere halten sich bei den jährlichen Gehaltserhöhungen an feste Korridore, so etwa DLA Piper (Einstiegsgehalt: 90.000 bis 105.000 Euro, viertes Jahr: 105.000 bis 120.000 Euro).

Bis zu 80.000 Euro Bonus möglich

Umso größere Unterschiede gibt es allerdings bei den flexiblen Gehaltsbestandteilen. Die aufgezeichneten Arbeitsstunden belohnt DLA direkt über ein Zielbonussystem: Wer 1.750 Stunden im Jahr mit Mandatsarbeit, bestimmten Aufgaben innerhalb der Kanzlei oder speziellem Engagement verbringt, bekommt 10.000 Euro zusätzlich. Ab 1.950 Stunden sind es 20.000 Euro, und ab 2.150 Stunden sogar 30.000 Euro. Einen Ermessensbonus von bis zu 50.000 Euro gibt es je nach Einzelfall noch zusätzlich.

Dentons (Einstiegsgehalt: 100.000 bis 105.000 Euro) schüttet für 1.650 bis 2.200 abrechenbare Stunden zwischen 5.000 und 50.000 Euro Bonus aus. Bei Taylor Wessing (Einstiegsgehalt: 100.000 Euro) steigt das Fixum erst im dritten Jahr auf 110.000 Euro an. Dafür gibt es schon im ersten Jahr die Chance auf einen Bonus, der nicht nur an die Stundenzahl, sondern auch an den erwirtschafteten Umsatz geknüpft ist. Die Kanzlei hat dafür eine detaillierte Matrix ausgearbeitet. Wer zum Beispiel 1.700 Stunden im Jahr billt und damit 350.000 Euro für die Kanzlei umsetzt, bekommt 5.000 Euro zusätzlich. Denselben Betrag gibt es für 380.000 Euro Umsatz bei 1.600 Stunden.

Maximalbonus nur bei Höchstleistung

Den Maximalbonus von 45.000 Euro zahlt Taylor Wessing ab 580.000 Euro Umsatz, ganz gleich, ob der Associate dafür 1.600 oder 2.000 Billable Hours geleistet hat. So oder so dürfte dies massiven Einsatz bedeuten: In den deutschen Büros der Kanzlei lag der durchschnittliche Umsatz pro Berufsträger – Partner und Associates zusammengerechnet – im vergangenen Geschäftsjahr bei nur 434.000 Euro.

Große Unterschiede gibt es auch in der Liga der Kanzleien, die beim Anfangsgehalt zur Spitzengruppe zählen – nicht zuletzt wegen unterschiedlicher Bonusregelungen. Wer beispielsweise bei SZA Schilling Zutt & Anschütz mit 120.000 Euro Jahresgehalt einsteigt, verdient im vierten Berufsjahr 130.000 Euro fix. Weitere 25.000 Euro kann sich der Associate als Bonus hinzuverdienen. Clifford Chance zahlt zum Einstieg ebenfalls 120.000 Euro. Im vierten Jahr ist ein Associate dort regulär aber schon bei 140.000 Euro, gegebenenfalls plus Bonus. Wer bei Linklaters (Anfangsgehalt 120.000 Euro) den Sprung zum Managing Associate schafft, nimmt im vierten Jahr sogar 150.000 Euro mit nach Hause. 30.000 Euro können als Bonus noch hinzukommen.

US-Kanzleien zahlen am meisten

Einen anderen Weg gehen traditionell manche US-Kanzleien, so etwa Latham & Watkins: Das Associate-Gehalt steigt dort vom ersten bis zum vierten Jahr von 120.000 auf 135.000 Euro, dafür kann der Bonus im vierten Jahr schon bis zu 78.000 Euro betragen. Die Marktspitze besetzen beim Einstiegsgehalt nach wie vor die Wettbewerberkanzleien Sullivan & Cromwell (145.000 Euro), Milbank, Skadden Arps Slate Meagher & Flom und Willkie Farr & Gallagher (jeweils 140.000 Euro). (Norbert Parzinger)

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