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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

White & Case – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 9

Das sagt die azur-Redaktion

Fitnessprogramm schlägt an. Wer als Nachwuchsjurist bei White & Case einsteigt, mag vermutlich auch Fitness: Die Kanzlei trimmt sich nämlich seit Jahren auf Effizienz. Damit stieg zwar der Druck auf die Partner, was zu Unruhe und etlichen Abgängen geführt hat, doch zuletzt führte die Strategie auch zu Erneuerung und – je besser die verbleibenden und neuen Leute ins Konzept passen – Stabilisierung. Schlanker und profitabler ist W&C damit geworden, das spüren Referendare und Associates auf vielerlei Weise. Positiv bemerkbar macht sich die wirtschaftliche Stärke in Form von Gehältern deutlich über dem Durchschnitt. Doch die Junganwälte sind laut azur-Umfrage noch mit vielem anderen überdurchschnittlich zufrieden – sowohl, was die fach­lichen Inhalte, aber auch ihre Weiterbildungsmöglichkeiten angeht.

In Schwerpunkten international. Das deutsche Management konzen­triert sich stärker als früher auf bestimmte Branchen und Rechtsgebiete. Dieser Ausrichtung sollten sich Jungjuristen bewusst sein: Wer etwa in Frankfurt im Bank- und Finanzrecht anfängt, bewegt sich in einem der großen Schwerpunktteams. Wer sich dagegen in Hamburg zum Arbeitsrecht hingezogen fühlt, muss damit rechnen, eine Nische zu besetzen. Teil der Strategie ist auch die engere Vernetzung der Anwälte über die europäischen Büros hinweg. Das führt zu einer Internationalität, die die Nachwuchsjuristen als positiv empfinden. Sie loben die Arbeit in anspruchsvollen länder­übergreifenden Mandaten und heben die Internationalität der Ausbildung positiv hervor. Dazu gehören etwa mehrtägige Blockveranstaltungen in Brüssel, London oder Prag.

Zufrieden trotz Arbeitsbelastung. Natürlich bringt der Effizienzkurs der Kanzlei auch Nachteile mit sich, die die jungen Juristen aber nicht allzu kritisch beurteilen: Trotz einer durchschnittlichen Wochen­arbeitszeit von über 54 Stunden laut azur-Umfrage liegt das Urteil der Associates zur Arbeitsbelastung über dem Marktdurchschnitt. Und selbst wenn sie die hohe Arbeitsbelastung kritisieren, weisen sie dennoch häufig auf ­eine gute Stimmung hin. Das Betriebsklima jedenfalls beurteilen die Jung­anwälte bei W&C besser als der Durchschnitt ihrer Kollegen in anderen Kanzleien. Daneben loben sie die Neuauflage zahlreicher Weiterbildungs­programme, die fachliche Inhalte, aber auch Trainings wie Kommunikationscoaching und Verhandlungstraining bieten. Gleichzeitig regen sie aber an, „die Fixierung auf abrechenbare Stunden zu lockern, sodass Weiterbildungsangebote auch tatsächlich genutzt werden können“. W&C gibt offiziell kein Soll an, die azur-Umfrage deutet aber auf beachtliche 1.800 Jahresstunden hin.

Praxisnahe Ausbildung. Während bei der Weiterbildung der Associates der gute Wille der Kanzlei an manchmal enge Grenzen der Leistungs­erwartung stößt, loben Referendare das „umfangreiche Ausbildungs­programm mit vielen examensrelevanten Bausteinen“. So gibt es Standards wie Kaiser-Repetitorien – gelobt werden die internen Kurse wie die in Kooperation mit Alpmann Schmidt angebotene Examensvorbereitung. Vom internen Traineeprogramm mit monatlichen Seminaren profitieren nicht nur Referendare, sondern auch Praktikanten. Bei der Zusammenstellung der Ausbildung ist Initiative gefragt: Den Praktikanten wird bewusst kein typisch strukturiertes Ausbildungsprogramm vorgesetzt. Dennoch loben ehemalige Praktikanten die „gute Einbindung ins Team“ und empfanden ihre Zeit in der Kanzlei als „sehr lehrreich“.

Schwierige Suche nach dem Glück. Die Förderung der Work-Life-­Balance und die Vereinbarkeit von Karriere und Familie empfinden die Associates trotz einiger Bemühungen der Kanzlei als mäßig. Für Teilzeit oder Homeoffice bietet W&C keine fixen Modelle an, statt­dessen ist auch hier individuelles Verhandlungsgeschick gefragt. In der azur-Umfrage vermissen manche Associates denn auch die feste Zusage etwa für Homeoffice-Tage. Bezüglich der Gleichbehandlung unabhängig von der Herkunft gibt es bei dieser sehr internationalen Kanzlei keine Probleme. Bei der Gleichbehandlung von Frauen greift die lange etablierte Frauenförderungsinitiative, die auch Partnerinnen im Nachhinein als hilfreich für ihren Karriereweg beurteilen. Der im Marktvergleich relativ niedrige Frauenanteil, besonders auf Partnerebene, steigt langsam an: Allein im vergangenen Jahr kamen drei neue Vollpartnerinnen hinzu.

„Wirklich außergewöhnlich, was die internationale Zusammenarbeit sowie die Stimmung angeht“

„Es ist viel in Bewegung, und der Aufbau gewisser Praxisgruppen bietet viele Chancen“

„Gute Einbindung, früher Mandantenkontakt, Top-Ausbildung ‚on the job‘; Lehrgänge und Fortbildung gut, aber ausbaufähig“

„Nebenbereiche wie Arbeitsrecht werden ­geschrumpft“

„Undurchsichtiger Karriereweg, der Weg zum Local-Partner/Partner ist deutlich zu lang“

„Viel zu wenig Schultern für viel zu viel Arbeit – selbst für eine Großkanzlei“

„Trotz sehr hoher Arbeitsbelastung ein gutes ­Arbeitsklima und ausgezeichnete Betreuung durch die Partner“

„Internationale Kanzlei mit harten Arbeitszeiten, aber mit entsprechendem Schmerzensgeld“

„Gute Kanzlei mit Verbesserungspotenzial, kaum Weiterbildungsmöglichkeiten“

▪ Enge Anbindung ans Team

▪ Möglichkeit, Wahlstation im Ausland zu verbringen

▪ Breites Spektrum an fachlichen Seminaren sowie zu Soft Skills inklusive mehrtägiger Blockveranstaltungen

▪ Internationales Ausbildungsprogramm bietet Gelegenheiten zum Aufbau eines weltweiten Netzwerkes

▪ Im Marktvergleich überdurchschnittlich viele ­Anwälte mit Migrationshintergrund

▪ Aktive, auch international vernetzte LGBT-Initiative

▪ Etabliertes Karrierecoaching für Frauen auf allen Hierarchiestufen

Zwei vollbefriedigende Examina sind nicht unbedingt Voraussetzung bei White & Case. Heutzutage sollten ­Bewerber diese nur „idealerweise“ mitbringen. Auch Promotion oder LL.M. sind keine Voraussetzung. Sie ­bringen wie gute Noten Pluspunkte, können aber mit besonderen Fähigkeiten teilkompensiert werden. W&C schaut stark darauf, wie gut sich die neuen Associates in das internationale Netzwerk einbringen können und achten insbesondere auf sehr gute Englischkenntnisse, aber auch Flexibilität, Dienstleistungsbereitschaft und fleißigen Einsatz.

In der Regel gibt es zwei Bewerbungsgespräche, die teilweise auf Englisch geführt werden. Dort lernen Bewerber sowohl den zukünftigen Partner, in dessen Team sie arbeiten werden, als auch künftige Associate-Kollegen kennen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg

Umsatz in Deutschland 2017: 139,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 709.000 Euro

Internationale Präsenz: White & Case unterhält weltweit 43 Büros, ­aufgeteilt in die Regionen Amerika, EMEA und Asien/Pazifik.

Aktuelle Entwicklungen: Im Jahr 2015 begann die Kanzlei eine Umstrukturierung der deutschen Praxisgruppen, um mehr Spitzenmandate zu ­erlangen. Dies macht sich heute etwa bemerkbar in einer engeren ­Zusammenarbeit der europäischen Büros und der Bildung von Branchenschwerpunkten. Zugleich brachten dabei einige jüngere Partnerzugänge, etwa im Bank- und Finanzrecht, mehr Dynamik in ihre Teams.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 55 Vollpartner, 18 Counsel, 136 Associates und 5 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 31,3%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 20 (davon 14 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 25 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: ca. 10

Referendarplätze 2019: ca. 80  

Praktikumsplätze 2019: 60 bis 70

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 100 Euro/Tag (vor dem 1. Examen), 200 Euro/Tag (nach dem 1. Examen)

Referendare: 866 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.330 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: keine Angaben
  5. Jahr: keine Angaben
  6. Jahr: keine Angaben

Associates können nach sieben Jahren zum Local-Partner aufsteigen. Der Aufstieg in die Vollpartnerschaft wird mit einem Coaching unterstützt und erfolgt frühestens nach dem neunten Jahr. Das ist später als bei den meisten Wettbewerbern, aber bei US-Kanzleien nicht unüblich. In der azur-Umfrage äußern sich die W&C-Associates unzufriedener als der Marktdurchschnitt, was ihre Chancen auf die Vollpartnerschaft angeht. Allerdings eröffnet die aktuelle Umstrukturierung der deutschen Partnerschaft durchaus Chancen für die nächste Generation.

Neben der Partnerschaft bietet die Kanzlei den Status eines Counsel als dritten Weg an. Die Türen für die Partnerschaft sind damit aber nicht verschlossen, die Ernennung zum Vollpartner bleibt auch für Counsel möglich. Die Note der Associates für Alternativen zur Partnerkarriere erreicht so in der azur-Umfrage mittlerweile den Marktdurchschnitt.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.