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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Sidley Austin – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 39

Das sagt die azur-Redaktion

Als Referendar nach Chicago? Wer Arbeit auf dem internationalen Parkett sucht, wird bei Sidley Austin fündig. Das 2017 gestartete Münchner Büro der US-Kanzlei liefert Transaktionsberatung mit allem, was dazugehört, bis hin zu Restrukturierung oder Finanzierung. Und durch die enge Anbindung an die weltweiten Standorte fließt der ­internationale Charakter dieser Mandate direkt in den Arbeitsalltag mit ein. Doch der Alltag muss nicht in München sein: So steht es schon ­Referendaren offen, meist in der Wahlstation, ins Ausland zu gehen.Das Münchner Sidley-Büro hat seit Eröffnung schon Referendare nach ­London, Chicago, New York und Hongkong geschickt. Dabei übernimmt sie komplett Organisation und Kosten, vom Flug über das Visum bis zur Wohnung – eine echte Entlastung für Referendare im Examensstress.

Ausbildung in der Mache. Die Kanzlei hat in der kurzen Zeit, die sie in Deutschland am Start ist, schon ein beachtliches Nachwuchsprogramm aufgesetzt. Praktikanten, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter bilden das sogenannte ‚Legal Research Team‘. Statt fester Anbindung an einen Bereich arbeiten sie nach einem Pool-System: Wenn also eine Aufgabe hereinkommt, schnappt sie sich derjenige, der gerade Zeit hat. So lernt die Nachwuchstruppe das volle Spektrum der Mandatsarbeitdes gesamten Teams kennen und nicht nur Teilbereiche. Referendare ­bekommen zusätzlich einen Associate als Mentor und Ansprechpartner an die Seite. Auch die Associates loben in der azur-Umfrage das System und die „enge Einbindung von Referendaren in die Mandatsarbeit“. Englisch­kurse und ein Alumni-Programm laufen bereits, worüber die Kanzlei zu Ehemaligen den Kontakt hält und zu Events einlädt. Neuerdings bekommt jeder Referendar ein monatliches Guthaben von 120 Euro bei Hemmer, frei einlösbar etwa für Klausurenkurse oder Skripte. Die Idee zur Kooperation mit einem Repetitor kam übrigens von einem Referendar – Mitgestalten ist also ausdrücklich erwünscht.

Luft nach oben in Sachen Weiterbildung. Im Zweiwochentakt stellen Partner aktuelle Themen oder Grundlagen aus den Kernbereichen, etwa zur Finanzierung und Restrukturierung, vor. Soft Skills wie Präsentationstechnik oder Rhetorik sollen künftig vierteljährlich vermittelt werden. Darüber hinaus muss sich die deutsche Associate-Mannschaft bislang vor allem mit dem internationalen Weiterbildungsangebot der Kanzlei zufriedengeben. Dafür geht es jährlich für vier Tage in die Zentrale nach Chicago. Neueinsteiger lernen die Kanzleikultur kennen, ältere Asso­ciates lernen mehr über die eigene Geschäftsentwicklung. Im Zentrum steht die Vernetzung mit den Kollegen im Ausland. Die Start-up-Atmosphäre in Deutschland hat aber auch ihre Kehrseite: So wünschen sich die Associates in der azur-Umfrage etwa den „Aufbau eines formalisierten Weiterbildungsprogramms” oder „Freiräume für den Besuch externer Fortbildungen”. Doch am Ende lohnt sich die Initiative, wie ein Teilnehmer in der azur-Associate-Umfrage mitteilt: „Im Prinzip wurden jegliche Wünsche zu Weiterbildung ermöglicht.”

Associates feiern den Teamgeist. Laut azur-Associate-Umfrage ist die Stimmung bei Sidley überdurchschnittlich gut. „Kollegialität ist eins der obersten Prinzipien“, sagt ein Teilnehmer, „tolle Atmosphäre, flache Hierarchien und spannende Mandate“, lobt ein anderer. Für Anspruch und Niveau ihrer Arbeit und das Gehalt vergeben sie durchweg Bestnoten. Kein Wunder, gehört die US-Kanzlei mit 125.000 Euro im ersten Berufsjahr zu den Top-Zahlern im deutschen Markt. Im Marktvergleich durchschnittlich wird die Benotung aber dann, wenn es um die Arbeitsbelastung und die Work-Life-Balance geht. Mit rund 56 Stunden pro Woche arbeiten die Sidley-Associates laut azur-Umfrage zwei Stunden mehr als der Durchschnitt ihrer Kollegen in anderen Kanzleien.

Flexibilität ist alles. Als Trostpflaster für die – durchaus projektbezo­gene – hohe Arbeitsbelastung zeigt sich Sidley flexibel, wenn es um Arbeits­zeiten und -ort geht. Associates loben in der azur-Umfrage, dass es keine Facetime gibt, die „super IT-Ausstattung“ sowie die Home­office-Möglich­keiten. Für flexible Teilzeitmodelle ist die Kanzlei offen. Wie wichtig ­Sidley der gesunde Ausgleich ist, zeigt sie mit dem zuletzt neu hinzugekommen Coaching zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie.

„Es macht große Freude, beim Aufbau des Münchner Standortes dabei zu sein“

„Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglich­keiten“

„Tolle Atmosphäre, flache Hierarchien“

„Karrierewege sollten klarer kommuniziert werden“

„Zur Entlastung mehr Associates einstellen“

„Interessante Mandate“

„Irre Gehälter“

„Anspruchsvolle Arbeit und ein nettes Team“

▪ Mentor für die Referendare

▪ Wahlstation an ausländischen Standorten

▪ Einbindung in das Legal Research Team sorgt für Breite der Arbeitsinhalte

▪ Jährliche Fortbildungsveranstaltung in den USA

Keine herausragenden Angebote

Der ideale Bewerber bei Sidley Austin hat in den Staatsexamina zweimal mindestens neun Punkte erreicht. Doktortitel oder LL.M.-Abschluss sind gern gesehen, aber keine Einstellungsvoraussetzung. Insgesamt gilt: Wen die Kanzlei schon kennt – etwa aus Referendariat oder wissenschaftlicher Mitarbeit – stellt sie im Einzelfall auch mit weniger Punkten ein. Gute Englischkenntnisse hingegen sind ein Muss, werden aber im Einzelfall auch durch einen Englischkurs aufgefrischt. Das Erstgespräch findet mit den Recruiting-Partnern und zwei weiteren Partnern statt. Ein anschließendes Mittagessen mit einigen Associates rundet das Kennenlernen ab. 

Standort in Deutschland: München

Umsatz in Deutschland 2017: azur liegen keine Informationen vor.

Internationale Präsenz: Sidley Austin hat europäische Büros in Brüssel, London und Genf sowie zehn Standorte in den USA, u.a. in Boston, Chicago, Washington D.C. und San Francisco. Auch in Asien ist die Kanzlei mit eigenen Büros vertreten, etwa in Hongkong, Sydney und Peking.

Aktuelle Entwicklungen: In ihrer jetzigen Aufstellung gibt es Sidley Austin in Deutschland erst seit Anfang 2017, als die Kanzlei mit einem Team von Kirkland & Ellis in München eröffnete. Seitdem ist die Mannschaft vor allem auf Associate-Ebene rasch angewachsen, und in ihrem Kerngeschäft – Private Equity und Restrukturierungen – hat sich Sidley Austin schnell und gründlich im Markt etabliert.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 10 Vollpartner und 16 Associates

Frauenanteil Anwälte: 15,4%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 4 bis 6

Referendarplätze 2019: 6            

Praktikumsplätze 2019: 8

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 17 Euro/h (vor dem 1. Examen), 23 Euro/h (nach dem 1. Examen), 35 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 155.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 175.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 195.000 Euro plus Bonus

Bei Sidley Austin Deutschland gibt es nur Associates und Vollpartner. Grundsätzlich kann ein Anwalt ab dem achten Berufsjahr zum Partner aufsteigen. Die Hürde ist allerdings hoch, denn jeder Kandidat durchläuft einen international einheitlichen Auswahlprozess. Wichtige Faktoren sind neben dem Umsatz vor allem die Vernetzung innerhalb der Kanzlei und das Akquisepotenzial. Wer kanzleiintern weitere Aufgaben übernimmt, etwa in der Personalarbeit oder bei der Weiterbildung, schafft sich zusätzliche Credits auf dem Weg zur Partnerschaft. In anderen Jurisdiktionen gibt es bei Sidley Austin auch den Counsel als Titel. Dieser stellt entweder einen Zwischenschritt zur Partnerschaft oder eine dauerhafte Position dar. Für die erst seit zwei Jahren bestehende deutsche Mannschaft spielte das bislang keine Rolle, doch grundsätzlich besteht diese Karriereoption auch hier. In der azur-Associate-Umfrage bewerten Teilnehmer die Chancen auf die Vollpartnerschaft etwas besser als der Marktdurchschnitt. Unzufriedener – etwa genauso wie die meisten Kollegen in anderen Kanzleien – sind sie hingegen mit den Chancen abseits des Vollpartners. Einer wünscht sich „klare Kommunikation des Karriereweges und eine enge Abstimmung mit dem jeweiligen Leitpartner“.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.