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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Shearman & Sterling – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 35

Das sagt die azur-Redaktion

Die Lebensgeister kehren zurück. Shearman & Sterling gehörte einmal zu den wichtigsten US-Kanzleien in Deutschland. Heute ist S&S hierzulande deutlich kleiner als einst, mit dieser Aufstellung aber wieder zunehmend erfolgreich. Wie viele andere deutsche Büros amerikanischer Einheiten hat sich die Kanzlei auf das Transaktions- und Finanzierungsgeschäft fokussiert – und hier stehen die Zeichen auf Wachstum. 2018 baute die Kanzlei ihre Associate-Mannschaft spürbar aus, ein Anwalt wurde neu zum Salary-Partner ernannt. 2019 plant S&S, in Frankfurt und München einzustellen – und das, obwohl es offiziell gar keinen Münchner Standort gibt. Des Rätsels Lösung: Manche Partner sind viel in der bayrischen Hauptstadt unterwegs, und das Geschäft läuft so gut, dass Verstärkung nötig ist. Ihre eigenen Partnerchancen schätzen die S&S-Associates allerdings nicht besonders hoch ein – in der azur-Associate-Umfrage geben sie ihrer Kanzlei in puncto Aufstiegschancen unterdurchschnittliche Noten.

Ausbildung runderneuert. Dass die S&S-Partner ausgezeichnete Arbeit leisten und anspruchsvolle Mandate anvertraut bekommen, steht im Markt außer Zweifel. Auch die Associates der Kanzlei zeigen sich in der azur-Umfrage mit dem Anspruch und dem Niveau der Arbeit sehr zufrieden. Die Ausbildung bewerten sie dagegen als eher durchschnittlich. So wünschen sich einzelne Associates regelmäßigeres Feedback. Auch das Fortbildungsprogramm halten einige Nachwuchsjuristen in der azur-Umfrage für ausbaufähig. Darum hat die Kanzlei hier kürzlich nachgebessert: Die Fortbildung der deutschen Associates ist nun stärker mit dem internationalen Kursangebot der Kanzlei verknüpft und entsprechend der Berufserfahrung in drei Stufen gegliedert. Zu dem Programm gehören fachjuristische, aber auch praktische Inhalte, etwa zu Projektmanagement und IT-Anwendungen. Teil der Weiterbildung ist auch eine Station an einem der 21 ausländischen Standorte, die bis zu zwölf Monate dauern kann. Im ersten Associate-Jahr steht für die jungen Juristen außerdem eine europaweite, zweieinhalbtägige Einführungsveranstaltung an. Insgesamt hat es sich die Kanzlei vorgenommen, gezielt weibliche Associates einzustellen und in ihrer Karriere voranzubringen. Dazu hat sie weltweit zwei weitere Programme aufgelegt, an denen auch der deutsche Standort teil hat. Aktuell stellen Frauen knapp ein Drittel der Shearman-Anwälte in Deutschland. Zugleich ist das Team so bunt wie in kaum einer anderen Kanzlei: Rund ein Viertel der Berufsträger hat einen Migrationshintergrund.

Hohe Zufriedenheit trotz hoher Stundenzahl. Beim Gehalt kann S&S mit den deutschen und internationalen Top-Einheiten durchaus mithalten. Und auch die Arbeitsbelastung sehen die S&S-Associates im Schnitt weit weniger kritisch als die Teilnehmer der azur-Umfrage insgesamt – trotz der 57 Arbeitsstunden wöchentlich, die die Umfrageteilnehmer als übliches Pensum angeben, ein klar überdurchschnittlicher Wert. Teilweise erklärt sich das damit, dass die Nachwuchsjuristen das Betriebsklima innerhalb des überschaubaren Teams ausgesprochen schätzen.

New York – São Paulo – Tokio. Ein Weg zu S&S führt über das Referendariat. Die Interessenten können nach Wunsch in einer oder mehreren Praxisgruppen mitarbeiten. Dabei haben sie einen Partner und einen Counsel oder Associate als Mentoren zur Seite. Möglich ist es auch, die Wahlstation im Referendariat in einem S&S-Büro im Ausland zu absolvieren. Das Ausbildungsprogramm der Kanzlei bezieht bereits die Referendare, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Praktikanten mit ein, unter anderem mit einem Repetitorium eines erfahrenen externen Dozenten und einem neu aufgesetzten Englischkurs.

Einblick in die Transaktionsarbeit. Für Praktikanten hat S&S ein fünfwöchiges Programm im Sommer aufgesetzt und bietet zudem zwei- bis sechswöchige Einzelpraktika. In allen Fällen sind die angehenden Juristen zwei Mentoren zugeordnet. Ziel ist es, den Praktikanten über die Transaktionsarbeit einen Einblick in die Arbeit in den verschiedenen Praxisgruppen zu gewähren. Zum Sommerpraktikum gehören auch ein schuldrechtliches Seminar zur Vorbereitung auf das erste Examen und ein ‚Moot Court‘ mit den Schiedsrechtsexperten der Kanzlei – insgesamt ein reichhaltiges Programm, gerade für eine eher kleine Mannschaft.

„Die Partner gehen auf die Wünsche der Mitarbeiter ein“

„Keine Präsenzpflicht“

„IT-Umfeld ist sehr zufriedenstellend“

„In der Personalführung ist Luft nach oben“

„Mit Blick auf die nächsten Karriereschritte: zu ­wenig Eigenverantwortung in der täglichen ­Mandatsarbeit“

„Stete und gute Arbeit an interessanten Mandaten“

„Entwickelt sich gut und bräuchte langsam wieder ein zweites Büro in Deutschland“

„Stark bei mittelgroßen Finanzierungen, viel für ­Kreditfonds unterwegs“

▪ Praktikantenprogramm mit ‚Moot Court’ und ­Examenstraining

▪ Eigenes Repetitorium mit externem Dozenten

▪ Englischkurs für Referendare

▪ Zugang zu Fortbildungsprogrammen der ­internationalen Kanzleistandorte

▪ Neue Initiative in Deutschland zur Karriere­förderung von Anwältinnen

Die Kanzlei legt Wert darauf, dass Bewerber sowohl das Studium als auch das Referendariat mit einem ‚vollbefriedigenden‘ Examen beenden. Verhandlungssichere Englischkenntnisse sind ein weiteres wichtiges Kriterium. Das Bewerbungsverfahren sieht ein Gespräch mit mindestens zwei Partnern sowie mehreren Associates, Referendaren oder wissenschaftlichen Mitarbeitern vor, ein Zweitgespräch gibt es nicht. Bewerber erfahren gewöhnlich innerhalb von drei Tagen, ob sie ein ­Jobangebot erhalten. 

Standort in Deutschland: Frankfurt

Umsatz in Deutschland 2017: 20,8 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 798.000 Euro

Internationale Präsenz: 22 Standorte in 13 Ländern weltweit, darunter New York, London und Paris

Aktuelle Entwicklungen: Die internationale Kanzlei mit US-Wurzeln fand 2018 personell zurück auf einen Wachstumspfad und stellte drei Anwältinnen ein. Der Erfolg geht vor allem zurück auf das stark international geprägte Transaktionsgeschäft und den Ausbau der Arbeit für Kreditgeber und Private-Equity-Investoren bei Finanzierungen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 5 Vollpartner, 1 Non-Equity-Partner, 3 Counsel, 15 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,0%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 3 bis 4

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 1 bis 2

Referendarplätze 2019: 10         

Praktikumsplätze 2019: 15 bis 20

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 21 Euro/h (vor dem 1. Examen), 24 Euro/h (nach dem 1. Examen), 35 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 160.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 170.000 Euro plus Bonus

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Nach dem personellen Abbau der vergangenen Jahre schaffte die Kanzlei 2018 eine Kehrtwende: Sie ernannte einen Finanzierungs- und Restrukturierungsexperten zum Non-Equity-Partner, der regulären Vorstufe zum Vollpartner. Außerhalb ihrer Kerngebiete M&A und Finanzierungen beschäftigt die Kanzlei auch dauerhaft Anwälte als Counsel. Diese Position schließt einen späteren Aufstieg in die weltweit einheitliche Partnerschaft nicht aus. Feste Karrierestufen sind dem nicht vorgeschaltet. Gewöhnlich dauert es jedoch sieben bis acht Jahre, bevor eine Aufnahme in die Partnerschaft ansteht – verglichen mit deutschen Mittelstandskanzleien eine lange Zeit, gemessen an anderen US-Kanzleien aber durchaus üblich.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.