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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 19

Das sagt die azur-Redaktion

Litigation only“. Im Alphabet stehen „P“ für Prozessführung und „Q“ für Quinn Emanuel direkt nebeneinander, und so ist es auch im Beratungsalltag der US-Kanzlei: Prozesse stehen von morgens bis abends auf der Tagesordnung – Prozesse, in denen es ausnahmslos um viel Geld geht. Quinn Emanuel betreut Verfahren zum Kartellschadens­ersatz, im Kapitalmarktrecht und vor allem im Patentrecht. Zu diesem Zweck ist die Kanzlei in Deutschland breit vertreten. Während andere US-Sozietäten hochzufrieden mit einem einzigen Standort sind, verfügt Quinn Emanuel hierzulande gleich über vier – relativ kleine – Büros. ­Zuletzt kam Stuttgart hinzu.

Keine typische Kanzlei. „Eine Atmosphäre wie in einem Start-up, einmalig in Deutschland“, schwärmt ein Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage. Die breite deutsche Präsenz ist ein Vorteil für Bewerber, die nach Studium und Referendariat in einer bestimmten Region verwurzelt sind – doch Mobilität ist für Quinn-Anwälte trotzdem ein wichtiges Thema, nicht nur in Deutschland. So ist der weltweite Austausch gleich in zwei ständigen Programmen festgelegt: „Global Exchange“ bringt Associates für die Dauer von zwei Monaten in ein anderes internationales Büro. Deutsche Anwälte nutzten den Austausch zuletzt etwa für die Arbeit im attraktiven US-Westküstenbüro in San Francisco. „Global Experience“ fördert das gemeinsame Arbeiten von Quinn-Anwälten aus aller Herren Länder an einem beliebigen Ort – eine alternative Arbeitsform, die vor allem den kulturellen Austausch fördern soll.

Prozesse im deutschen Recht. Dadurch ist Quinn Emanuel weltläufiger als andere Kanzleien – und berät doch vor allem im deutschem Recht. Hier ist derjenige richtig, der die Gerichtsstationen im Referendariat gut fand und die juristische Herausforderung im Gerichtssaal sucht. Die prozessuale Tätigkeit eignet sich wegen der Hinarbeit auf bestimmte Fristen und Prozesstermine recht gut, um Karriere und Familie unter ­einen Hut zu bringen. Die Quinn-Teilnehmer an der azur-Associate-­Umfrage vergeben hier überdurchschnittliche Noten. Doch mit der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit sind nicht alle Associates in der azur-­Umfrage zufrieden. „Betreuungsangebote für Kinder gibt es noch nicht“, lautet ein Kritikpunkt. Die Wochenarbeitszeit in der Kanzlei liegt laut azur-Umfrage mit über 56 Stunden etwas über dem Durchschnitt. Allerdings rangiert auch das Gehalt an der Marktspitze: Seit der Erhöhung im Sommer 2018 zahlt Quinn satte 20.000 Euro mehr als vorher.

Gute Voraussetzungen für Teilzeit. Mit der aktiven Förderung von Weiterbildungen sind nicht alle Quinn-Anwälte zufrieden. Die Abwesenheit von Hierarchien bedeutet eben auch, dass man als Berufseinsteiger für viele Dinge selbst Verantwortung übernehmen muss – auch dafür, dass man sich für geeignete Fortbildungsseminare anmeldet, deren Kosten dann die Kanzlei übernimmt. Die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten, ist hingegen Realität und wird von zahlreichen Juristen an allen Standorten der Kanzlei wahrgenommen. In der Regel bedeutet dies schlicht, dass die betreffenden Anwältinnen und Anwälte auf weniger Fällen arbeiten als die Vollzeitkollegen. Gehen diese Fälle in eine entscheidende Phase, ist trotzdem voller Einsatz gefragt. Dass die Kanzlei Homeofficezeiten sehr flexibel akzeptiert, wird von den Associates in der azur-Umfrage ­honoriert. „Man genießt große Freiheiten“, lobt ein Teilnehmer. Die Kehrseite: „Die Kanzlei ist äußerst flexibel, aber sie fordert auch viel Flexibilität seitens des Anwalts“, fasst ein anderer zusammen. Leider konnte Quinn Emanuel ihren Frauenanteil in den vergangenen Jahren nicht steigern, eher im Gegenteil. Anders als bei vielen Konkurrenten betrifft der niedrige Anteil von Anwältinnen auch die Associate-Stufe.

Referendariat individuell planbar. Individuelle Absprachen, sowohl zu den Anwesenheitszeiten als auch zu den konkreten Aufgaben, gelten auch für Praktikanten, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter. Die Kanzlei verspricht einen geringen Anteil an Backoffice-Tätigkeiten, stattdessen eine Ausbildung am echten Fall. Dabei sollen vor allem die Referendare speziell gefördert werden und während ihrer Station auch examensrelevante Dinge kennenlernen. Doch auch vor den Staatsexamen gilt, was für die fertigen Anwälte ebenso zutrifft: Nachwuchs mit Eigeninitiative ist gefragt.

„Untypische Kanzlei, sehr direkt; Mandantenkontakt ab dem ersten Tag“

„Man genießt große Freiheiten“

„Sehr familiäres und junges Team ohne Hierarchien über alle Standorte hinweg“

„Wenig Information über Karrieremöglichkeiten und -voraussetzungen“

„Etwas mehr Strukturen schaffen, das wäre gut“

„Organisatorische Probleme, kein Partnerkontakt für Associates“

„Wenn sie nur die Hälfte ihres internationalen ­Renommees auf die Straße bringen, werden sie sich eine schöne Marktposition erobern“

„Extreme Arbeitsbelastungen – irgendjemand muss die Rekordumsätze der Partner ja erwirtschaften“

▪ Vorbildliche Einbindung von Referendaren in die Mandatsarbeit

▪ Schneller Einstieg in eigenverantwortliches ­Arbeiten

Keine besonderen Angebote

Dicke Bretter bohren für den Prozesserfolg – weil Quinn Emanuel in ihren hoch bezahlten Litigation-Mandaten sehr intensiv nach juristischen Lösungen sucht, steht die Qualifikationsanforderung an Bewerber mit doppeltem Vollbefriedigend eigentlich nicht zur Disposition. ­

Es sei denn, ehemalige Referendare oder wissenschaftliche Mitarbeiter haben sich in der Mandatsarbeit bewährt und ihre Eignung für das Prozessgeschäft bewiesen – dann sind Notenabweichungen nach unten durchaus denkbar. Ein LL.M.-Abschluss kann sich positiv auswirken, ist aber nicht zwingend erforderlich. Das Bewerbungsverfahren ist nicht sehr formalisiert. Beim Erstgespräch bekommen Bewerber die Gelegenheit, mit mindestens vier Anwälten aller Senioritätsstufen zu sprechen. Ein zweiter Termin ist oft nicht erforderlich. 

Standorte in Deutschland: Hamburg, Mannheim, München und Stuttgart

Umsatz in Deutschland 2017/18: 18,8 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 977.000 Euro

Internationale Präsenz: Mit knapp 800 Anwälten in weltweit 22 Büros ist Quinn Emanuel eine eher kleine US-Kanzlei, die allerdings ausschließlich auf Prozessführung und Schiedsgerichtsbarkeit spezialisiert ist.

Aktuelle Entwicklungen: Trotz der geringen Personalstärke eröffnete Quinn Emanuel im Herbst 2017 den vierten Standort – in Stuttgart, wo die Kanzlei nicht zuletzt aufgrund des Daimler-Mandats zur Abwehr von Schadensersatzforderungen aus dem Lkw-Kartell gefragt ist. Und trotz der relativ kleinen Besetzung erwirtschaftet die Kanzlei auch hierzulande extrem hohe Umsätze: Rechnet man den Umsatz auf Vollzeitstellen um, kratzt Quinn Emanuel an der Marke von einer Million Euro pro Anwalt.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 3 Vollpartner, 1 Non-Equity-Partner, 6 Counsel und 19 Associates

Frauenanteil Anwälte: 24,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 6

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 8 bis 15

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 3 bis 6

Referendarplätze 2019: 23         

Praktikumsplätze 2019: 8

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 225 Euro/Arbeitstag (nach dem 1. Examen), 300 Euro/Arbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 225 Euro/Arbeitstag

Associates

  1. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus bis 33.750 Euro
  2. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus bis 36.250 Euro
  3. Jahr: 155.000 Euro plus Bonus bis 38.750 Euro
  4. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus bis 41.250 Euro
  5. Jahr: 180.000 Euro plus Bonus bis 45.000 Euro
  6. Jahr: nach Vereinbarung

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Angesichts der niedrigen Partneranzahl und des gleichzeitig sehr hohen Umsatzes von Quinn Emanuel in Deutschland ist es keine Überraschung, dass der Partnertrack ziemlich lang und steinig ist. Im siebten Jahr der Kanzleizugehörigkeit fällt eine erste Entscheidung über die Karrieremöglichkeiten – dann steht die Counsel-Position zur Debatte. Sie kann eine dauerhafte Anstellung bedeuten, aber auch eine Durchgangsstufe sein für spätere Partner. Um die Partnerschaft für Nachwuchsanwälte besser erreichbar zu machen, bietet die Kanzlei neu gewählten Partnern im ersten Jahr eine feste Vergütung. Danach ist die Partnervergütung – abweichend von der Regelung auf US-Ebene – recht individuell und bezieht neben den abgerechneten Stunden auch andere Kompetenz- und Leistungs­kriterien mit ein.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.