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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Orrick Herrington & Sutcliffe – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 25

Das sagt die azur-Redaktion

Sonne im Herzen. Die Zentrale der US-Kanzlei liegt in San Francisco, und die kalifornische Sonne scheint bis in die deutschen Büros von Orrick in Düsseldorf und München zu strahlen: Die Associates, die an der azur-Umfrage teilnahmen, sind fast schon unverschämt zufrieden: Sie schwärmen von der „sensationellen Aufbruchstimmung“ und der „angenehmen, lockeren Atmosphäre“ und freuen sich über die „spannenden Mandate“. Insbesondere für Betriebsklima und Chancengleichheit, aber auch für Internationalität und Arbeitsniveau verteilen die Associates überdurchschnittlich gute Noten. Internationale Mandate prägen den Alltag der Orrick-Anwälte, vor allem die deutsche Corporate-Praxis arbeitet immer intensiver mit den ausländischen Büros zusammen. Bekannt ist Orrick hierzulande auch für ihre internationale Schieds­praxis, die neben den Arbeitsrechts- und Datenschutzpraxen ­aktuell den höchsten Einstellungsbedarf hat.

Solide Ausbildung. Das Weiterbildungsangebot ist eine der wenigen Kategorien, für die die Orrick-Associates in der azur-Umfrage leicht unterdurchschnittliche Noten verteilen. Wenngleich sie mit dem Angebot der Kanzlei insgesamt eher zufrieden sind, wünschen sich einige „mehr auf Deutschland bezogene Inhalte“. Bei der Ausbildung setzt Orrick auf ­interne Wissensweitergabe. In einer standortübergreifenden Hausakademie finden einmal im Quartal Veranstaltungen zu juristischen Querschnittsthemen, aber auch zu nichtjuristischen Themen wie Verhand­lungs­management statt. Zudem tauschen sich die Anwälte regelmäßig beim Mittagessen zu tagesaktuellen Themen aus den Bereichen Litigation und Corporate aus. Einmal pro Jahr gibt es für alle Associates einen zweitägigen Retreat, der sich intensiv mit Themen wie Verhandlungsführung oder Umgang mit Stresssituationen beschäftigt. Senior-Associates, die an der Schwelle zur Partnerschaft stehen, dürfen zweimal im Jahr für eine Woche über den großen Teich: Für sie gibt es einen eigenen, gemeinsam mit dem Bildungsanbieter Fullbridge organisierten Intensivlehrgang zu Business- und Leadership-Skills, der in San Francisco und New York stattfindet.

Handverlesene Ausbildung von Referendaren. An den Fortbildungsveranstaltungen für Associates dürfen auch Referendare uneingeschränkt teilnehmen, teils stehen sie auch Praktikanten offen. Ansonsten gibt es für die angehenden Juristen bei Orrick keine strukturierten Ausbildungsprogramme. Nach eigenen Angaben kümmert sich die US-Kanzlei intensiv um Praktikanten und Referendare und bindet sie je nach Praxis­gruppe eng in die alltägliche Anwaltsarbeit ein. Bei der Übernahmequote indes gibt es noch Luft nach oben: Von insgesamt 15 neu eingestellten Volljuristen im letzten Jahr hat nur einer zuvor als Referendar Erfahrungen bei Orrick gesammelt. In anderen Kanzleien sind es bis zu zwei ­Drittel.

Arbeitsbelastung im Rahmen. Vor zwei Jahren waren die Orrick-Asso­ciates in puncto Vereinbarkeit von Karriere und Familie noch recht kritisch. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Sie vergeben hier überdurchschnittlich gute Noten und heben die flexiblen Arbeitszeit- und -ortmodelle als konkrete Verbesserung der letzten zwölf Monate hervor. Auch mit der Arbeitsbelastung und der Work-Life-Balance sind die Orrick-Associates, die laut azur-Umfrage rund 54 – genau dem Marktdurchschnitt entsprechende – Wochenstunden im Büro sitzen, zufrieden. Dennoch geben mehrere von ihnen an, sich für mehr Freizeit einen Jobwechsel vorstellen zu können.

Gläserne Decke bleibt intakt. Kräftigen Nachholbedarf gibt es beim Thema Partnerinnen: Im Kreis der Vollpartner sitzt keine einzige Frau. Und auch von insgesamt neun Salary-Partnern ist nur eine weiblich. Das ist auch verglichen mit anderen Großkanzleien erschreckend. Im letzten Jahr hat Orrick daher ein kanzleiweites Mentoring-Programm für weibliche Associates eingeführt. So will die Kanzlei die internationale Vernetzung von Frauen fördern und ihre Karrierechancen auf dem Weg zur Partnerschaft erhöhen. Ob sich durch das international aufgesetze Programm die Partnerinnenzahl in Deutschland erhöht, bleibt abzuwarten. Bei anderen Diversity-Themen ist Orrick schon weiter: Die US-Kanzlei hat bereits seit 1990 ein Diversity-Programm, das Mitarbeiter unabhängig von ihrer Abstammung oder sexuellen Orientierung unterstützt.

„Tolle Stimmung, nette Partner und Associates“

„Sensationelle Aufbruchstimmung, überdurchschnittliche Aufstiegschancen“

„Spannende Mandate, gute Ausbildung“

„Ein deutschlandbezogenes Ausbildungscurriculum fehlt“

„Haben starke Konfliktlösungspraxis weiter ­ausgebaut“

„Interessante Mandate“

„Etwas unorganisiert, schlechtes Betriebsklima“

▪ Enge Anbindung ans Team

▪ Spezielles Schulungsprogramm zur Karriere­förderung für Senior-Associates

▪ Im Marktvergleich überdurchschnittlich viele ­Anwälte mit Migrationshintergrund

Zwei überdurchschnittliche Examina, möglichst gepaart mit einer Promotion oder einem LL.M.-Abschluss, sind zwar gute Voraussetzungen, aber keineswegs zwingend erforderlich, um bei Orrick einzusteigen. Umso wichtiger sind gute Englischkenntnisse. Das Bewerbungsverfahren bei Orrick ist in der Regel zweistufig. In einem ersten Interview steht der Bewerber dem Recruitment-Partner und einem jüngeren Kollegen sowie nach Möglichkeit einem Vertreter aus dem gewünschten Rechtsbereich gegenüber. In diesem Gespräch will sich Orrick vor allem einen Eindruck von der Persönlichkeit und dem Naturell des Bewerbers verschaffen und prüft, ob der Bewerber zum Team passt. In einem eventu­ellen Zweitgespräch lernt der Bewerber weitere Kollegen aus seiner ­zukünftigen Praxis kennen. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Mittagessen mit Associates. Die Bewerbungsgespräche finden überwiegend auf Deutsch und nur in Ausnahmefällen auf Englisch statt. 

Standorte in Deutschland: Düsseldorf und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 20,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 554.000 Euro

Internationale Präsenz: Mit über 1.100 Anwälten an 25 Standorten in Amerika, Europa und Asien ist Orrick in allen wichtigen Wirtschafts­regionen vertreten. Die Zentrale liegt in den USA.

Aktuelle Entwicklungen: Die deutschen Anwälte haben ihre internationale Beratung zuletzt noch einmal intensiviert. Die Schiedspraxis ist seit jeher international erfolgreich. Zudem ist vor allem die Düsseldorfer Corporate-Praxis immer besser in das weltweite Netzwerk von Orrick ­eingebunden und hat beispielsweise jüngst vermehrt Deals aus Asien begleitet.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 11 Vollpartner, 9 Non-Equity-Partner, 3 Counsel und 27 Associates

Frauenanteil Anwälte: 24,0%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 10 bis 20

Referendarplätze 2019: 12         

Praktikumsplätze 2019: 10

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 19 bis 25 Euro/h (vor dem 1. Examen), 25 bis 31 Euro/h (nach dem 1. Examen), 31 bis 44 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 bis 1.000 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  2. Jahr: 115.000 bis 120.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  3. Jahr: 120.000 bis 127.500 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  4. Jahr: 127.500 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  5. Jahr: 135.000 bis 145.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  6. Jahr: 145.000 bis 157.500 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro

Mit einem vielstufigen Karrieresystem führt Orrick junge Anwälte in der Kanzlei nach oben. Im Zweijahrestakt ab dem 3. Berufsjahr werden sie aufeinanderfolgend zu Managing Associates, Senior Asso­ciates und Counseln ernannt. Für die Ernennung zum Local-Partner und später zum Vollpartner gibt es keinen festen Zeittakt mehr. Da auch die deutschen Juristen an den Ansprüchen der US-Kanzlei gemessen werden, liegt die Latte für einen Aufstieg in die Vollpartnerschaft hoch. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren stets

Partnerernennungen. Laut azur-Umfrage sind die Orrick-Associates sowohl mit ihren Partnerchancen als auch mit ihren alternativen Karrieremöglichkeiten überdurchschnittlich zufrieden. 2018 hat Orrick zwar zwei Local-Partner, aber keinen Vollpartner ernannt.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
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