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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Norton Rose Fulbright – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 40

Das sagt die azur-Redaktion

Frischer Wind oder steife Brise? Norton Rose Fulbright ist eine globale Großkanzlei – entsprechend international geht es auch bei der täglichen Arbeit zu. Dieses Markenzeichen gefällt auch den Asso­ciates in der azur-Umfrage seit Jahren. Für die Internationalität, aber auch für das Niveau ihrer Arbeit vergeben auch aktuell sehr viele Teilnehmer die Bestnote. Allerdings spüren die Associates auch, dass bei der Kanzlei seit einiger Zeit ein anderer Wind weht: Das deutsche Management hat sich eine Verbesserung der Produktivität auf die Fahnen geschrieben und achtet seitdem genauer auf die Auslastung der Teams – auch wenn es weiterhin keine offiziellen Vorgaben für abrechenbare Stunden gibt, geben die Associates in der azur-Umfrage leicht gestiegene Werte an. Das straffere Management bewerten die Associates unterschiedlich: ­Einer lobt den „frischen Wind“, ein anderer schreibt, NRF „verliere dadurch an Attraktivität, gerade für die Generation Y“. Mit dem Betriebsklima sind die Associates laut azur-Umfrage zwar generell zufrieden, die Noten liegen aber etwas unter dem Durchschnitt.

Referendare in München, Sydney oder Tokio. In anderen Punkten bleibt sich die Kanzlei treu: Praktikanten und Referendare werden on the Job trainiert. Umfangreiche Programme, wie andere Großkanzleien sie bieten, gibt es hier nicht. Auf sich allein gestellt sind Nachwuchsjuristen trotzdem nicht: Ein Mentor begleitet sie. Viele Ehemalige äußern sich in der azur-Bewerberumfrage positiv: „Sehr interessante und verantwortungsvolle Aufgaben und eine gute Betreuung“, schreibt ein ehemaliger Praktikant, ein Referendar lobt die „thematisch sehr abwechslungs­reichen Einsätze“. Fixpunkt für beide Gruppen ist ein Frühstück, das die Kanzlei alle 14 Tage veranstaltet. Dort gibt ein erfahrener Kollege Einblick in seine aktuelle Arbeit. Wer sich als Referendar besonders bewährt, darf sogar ins Ausland und dort seine Wahlstation verbringen. Neben London und New York sind Tokio oder Sydney mögliche Ziele.

Immer wieder London. Die Weiterbildung der Associates findet vorwiegend im Londoner Büro statt, das auch Sitz der hauseigenen Akademie ist. Sie bietet verschiedene Seminare abgestimmt auf die Karrierestufen. Standard sind für jeden Anwalt vier Schulungen mit Planspielen, Pitch-und Soft-Skill-Trainings. Zusätzlich zu diesem englischsprachigen ­Angebot fördert die Kanzlei die Teilnahme an externen Seminaren und Fachanwaltskursen in Deutschland. Doch dass Norton Rose die institu­tionalisierte Weiterbildung ihrer Anwälte ansonsten komplett dem britischen Mutterhaus überlässt, kommt nicht bei allen gut an. Zwar loben einige Teilnehmer der azur-Umfrage die Akademie, andere wünschen sich ein speziell auf Deutschland abgestimmtes Angebot. „Fördergelder liegen ausschließlich in London“, kritisiert ein Associate. So richtig zufrieden ist am Ende keiner: Die Note für das Weiterbildungsangebot liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt.

Trainieren für die Partnerschaft. Ab dem Status Senior Associate bereiten sich Junganwälte in einem monatlichen Business-Development-­Training auf die Partnerschaft vor. Sie lernen, wie sie eigenes Mandatsgeschäft entwickeln und ihren Business Case präsentieren. Diese Vorbereitung kommt bei den Teilnehmern der azur-Associate-Umfrage gut an. Einer lobt die „große Unterstützung des zuständigen Partners bei der Entwicklung eines eigenen Business Cases“. Getrübte Stimmung herrscht allerdings, wenn es um die konkreten Karriereaussichten geht. Ein Associate kritisiert in der azur-Umfrage, die Partnerschaft bestehe „meist aus Quereinsteigern, ein Aufstieg aus den eigenen Reihen ist kaum möglich“.

Generation-Y-tauglich? Viele Kanzleien passen sich den Anforderungen der Generation Y an, auch was den Wunsch nach Vereinbarkeit von ­Familie und Beruf angeht. Norton Rose macht mit – geht aber nicht voran. Die Kanzlei bietet Teilzeit auf allen Ebenen, gibt einen Zuschuss zur Kinderbetreuung und sichert sich damit in der azur-Umfrage eine Zufriedenheitsnote, die exakt dem Marktdurchschnitt in Kanzleien entspricht. Einige Teilnehmer in der azur-Umfrage kritisieren allerdings, dass es keine einheitliche Homeoffice-Regelung gibt. Andererseits sind die Associates weiterhin relativ zufrieden, was die Arbeitsbelastung angeht. Rund 54 Stunden verbringen die Anwälte laut azur-Umfrage im Durchschnitt in der Kanzlei – im Markt absolut üblich.

„Gutes Entwicklungsumfeld, faire Aufstiegs­chance“

„Die Einbindung ins Team funktioniert bestens“

„Nach einigen Abgängen weht ein frischer Wind, und die Zusammenarbeit zwischen den Standorten ist deutlich besser geworden“

„Anstatt sich auf Quereinsteiger zu konzentrieren, sollte man auch den eigenen Associates eine reale Karrierechance bieten“

„Seit zwei Jahren versucht die Kanzlei extrem ihre Profitabilität zu steigern und quetscht ihre Asso­ciates aus“

„Etwas mehr Kommunikation und Transparenz nach außen wäre sicherlich hilfreich“

„Nette Leute, gutes Klima, gute Förderung junger Anwälte“

„Sehr gute Work-Life-Balance“

„Schlechte Organisation und wenig team- oder standortübergreifende Arbeit“

▪ Wahlstation in einem der ausländischen Büros möglich

▪ Alle 14 Tage Praktikanten-/Referendarfrühstück, bei dem ein erfahrener Kollege über aktuelle ­Projekte berichtet

▪ Internationale Fortbildungsworkshops in London

▪ Ab Senior-Associate-Status monatliches Business-Development-Training

▪ 14-täglicher fachlicher Austausch mit allen ­deutschen Standorten

▪ Teilzeit auf allen Hierarchiestufen möglich

▪ Weltweites Karriere-Coaching-Programm für Frauen

Norton Rose Fulbright setzt auf Bewerber mit heraus­ragenden juristischen Qualifikationen, zudem sind gute Englischkenntnisse von Vorteil. Auch Auslandserfahrung schätzt man hier. Der Bewerbungsprozess umfasst zwei Gespräche: Am Erstgespräch nehmen ein bis zwei Partner und potenzielle Teamkollegen teil. Ein Teil des Gesprächs kann auf Englisch geführt werden. Wer zu einem Zweitgespräch eingeladen wird, lernt bei dieser Gelegenheit weitere Teammitglieder kennen – meist in einem informellen Rahmen wie einem gemeinsamen Mittagessen. 

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 52,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 443.000 Euro

Internationale Präsenz: Norton Rose Fulbright hat rund 50 ausländische Büros in Europa, den USA, Kanada, Südafrika, Ostasien und ­Australien.

Aktuelle Entwicklungen: Das deutsche Kanzleimanagement hat sich ­einen Kulturwandel verordnet: NRF will ihre Produktivität, die im Vergleich zu ähnlich aufgestellten Kanzleien unterdurchschnittlich ist, steigern. Dabei setzt sie zum einen auf Quereinsteiger aus US-Kanzleien – vor allem im Hamburger Büro stiegen in den vergangenen zwei Jahren drei Partner samt Team von White & Case ein. Zum anderen ist die bestehende Mannschaft gefragt. Wo früher nicht so genau hingesehen wurde, schaut man sich nun umso genauer an, wer was und wie viel ­arbeitet. In den Kernbereichen Gesellschaftsrecht und M&A gelingt es NRF nun besser, das große internationale Netzwerk auszuschöpfen – ­einige grenzüberschreitende M&A-Deals beweisen das.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 38 Vollpartner, 25 Non-Equity-Partner, 69 Associates und 2 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 27,6%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 2

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 20 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: ca. 2

Referendarplätze 2019: 20         

Praktikumsplätze 2019: 20

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 625 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 975 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 625 Euro/Wochenarbeitstag; max. 2.500 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: keine Angaben
  5. Jahr: keine Angaben
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Ab dem dritten Berufsjahr werden Junior Associates zu Middle Associates befördert, ab dem fünften Jahr steht die Ernennung zum Senior Associate an. Weitere zwei Jahre später können die Anwälte dann zum Salary-Partner (diese Position heißt hier untypischerweise of Counsel) oder Vollpartner aufsteigen. Die Chancen, tatsächlich Vollpartner zu werden, beurteilen die Associates in der aktuellen Umfrage als nicht besonders gut, obgleich NRF in den vergangenen zwei Jahren jeweils zwei Associates zu Vollpartnern gemacht hat. Etwas zufriedener sind die Associates laut azur-Umfrage mit ihren alternativen Karrieremöglichkeiten. NRF kennt kein Up-or-out-Prinzip, Anwälte können auch dauerhaft als Senior Associates oder of Counsel (bei NRF Consultant genannt) in der Kanzlei arbeiten. Ihre Partner vergütet die Kanzlei nach einem modifizierten Lockstep-System, das zwar die Dauer der Kanzleizugehörigkeit berücksichtigt, die Zahl der Lockstep-Punkte wächst allerdings nicht automatisch mit jedem Jahr. Stattdessen entscheidet ein Gremium anhand verschiedener Kriterien wie der eigenen Leistung, aber auch der Weitergabe von Mandaten, ob ein Partner die nächste Stufe erreicht.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.