azur100
06.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Noerr – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 6

Das sagt die azur-Redaktion

Viele kleine Extras. Mitarbeitersport, ein früher Feierabend pro ­Woche oder Abendessen und Taxifahrt auf Kanzleikosten, wenn es mal spät wird – mit vielen kleinen Extras will Noerr ihren jungen Anwälten den Arbeitsalltag versüßen und das Bedürfnis nach mehr Work-Life-Balance stillen. Das erscheint auch notwendig: Immerhin ­würde ein Drittel der Noerr-Associates, die an der azur-Umfrage teilnahmen, die Kanzlei für mehr Freizeit verlassen. Da helfen natürlich nicht nur Extras. Deshalb bietet Noerr ihren Associates eine Vielzahl an Teilzeitmöglichkeiten an, die laut azur-Umfrage „innerhalb der Kanzlei mittlerweile sehr gut und umfangreich angenommen werden“. Viele Associates loben, ­Noerr gehe hier individuell auf jeden Einzelnen ein. Einer von ihnen sagt etwa: „Egal, welche Vorstellungen man haben mag, wer offen ins Gespräch geht, dem werden alle Türen geöffnet.“

Teilzeit auf allen Ebenen. Diese Flexibilität teilt sich schon über die Stellenausschreibungen mit: Für die Praxisgruppen Litigation und Corporate sucht Noerr explizit nach Anwälten, die in Teilzeit arbeiten wollen. Ob Teilzeit im weiteren Karriereverlauf ein Hindernis sein kann, nehmen die Umfrageteilnehmer unterschiedlich wahr: „Teilzeitmodelle bestehen zwar, scheinen aber häufig mit einem Einfrieren des bestehenden ­Karrierelevels verbunden zu sein“, sagt einer. Ein anderer ist hingegen der Meinung: „Aufstieg ist trotz Teilzeit möglich.“ Fakt ist, dass aktuell drei Voll- und sieben Salary-Partner in Teilzeit arbeiten. Anfang 2018 wurde die erste Teilzeitanwältin zur Vollpartnerin ernannt. Damit ­unterstrich Noerr ihre steten Beteuerungen, dass auch Eltern, die in ­Teilzeit arbeiten, der Weg nach ganz oben offensteht. Die alternativen Karrieremodelle Counsel und Senior Counsel sind ebenfalls Angebote an Anwälte, die wegen der Familie oder aus anderen Gründen den Partnertrack verlassen wollen. Eine Rückkehr auf die Position des Salary- oder Equity-Partners ist möglich.

Lernen: online und offline. Wer bei Noerr einsteigt, wird in den ersten sechs Monaten von einem Tutor begleitet. Die Noerr-Associates durchlaufen ein umfassendes Ausbildungsprogramm: Einmal im Jahr gibt es in den einzelnen Fachgruppen zweitägige Fortbildungen, zudem finden offene fachliche Trainings statt, an denen jeder auch per Videokonferenz teilnehmen kann. Lernen am Schreibtisch ermöglicht auch das neu eingeführte Lernmanagementsystem, dessen digitale Trainings, etwa zu Achtsamkeit, jederzeit absolviert und auch mit einem Präsenzseminar kombiniert werden können. Die Teilnehmer der azur-Umfrage zeigen sich mit dem Weiterbildungsprogramm von Noerr insgesamt überdurchschnittlich zufrieden. Einer von ihnen lobt, es sei „auf die einzelnen ­Karrierestufen abgestimmt“. Dazu passt, dass es in den neu strukturierten Feedbackgesprächen künftig weniger um Zielvereinbarungen und Bonuszahlungen als um individuelle Karrierewege gehen soll. Interne und externe Schulungen sollen dem Associate den Weg ebnen. Kaum eine ­andere Kanzlei bietet ein umfassenderes Ausbildungsprogramm.

Guter Start für Praktikanten und Referendare. Mentoren stehen auch den Praktikanten zur Seite, die ebenso wie Referendare von Anfang an bei Mandaten mitarbeiten; ein Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage lobt „spannende Aufgaben und einen guten Einblick in die Mandats­arbeit“. In München, Berlin und Frankfurt finden fachmethodische Workshops statt, die zum Teil examensrelevante Themen behandeln. Angeboten werden auch Kaiser-Repetitorien und Klausurenkurse. In Düsseldorf gibt es außerdem ein kompaktes Ausbildungsprogramm im Rahmen der Sommerakademie, wo Seminare, Vorträge, Workshops, Mini-Moot-Courts sowie gemeinsame Mandanten- und Gerichtstermine den jungen Juristen den Arbeitsalltag in einer Großkanzlei näherbringen.

Lange Tage. Tatsächlich ist der Arbeitsalltag der Noerr-Associates lang: Mit gut 56 Stunden arbeiten sie laut azur-Associate-Umfrage rund zwei Stunden länger als der Marktdurchschnitt. Die Zufriedenheit der Asso­ciates mit der Arbeitsbelastung liegt laut azur-Umfrage dennoch im Marktdurchschnitt. Dennoch beklagen einige Noerr-Associates, es müssten mehr Berufsträger eingestellt werden, „um die Arbeitsbelastung und die Arbeitszeiten jedes Einzelnen zu verringern“.

„Die Strategie trägt Früchte und die Entwicklung zur Spitzenkanzlei geht voran“

„Beim Thema Teilzeit herrscht Respekt und ­Verständnis für die persönliche Situation jedes Einzelnen“

„Super Perspektiven und Weiterbildungsmöglich­keiten“

„Intransparente Strukturen, soweit das Auge reicht“

„Die Arbeitsbelastung ist zu hoch, es müssten mehr Associates eingestellt werden“

„Die Partner helfen den Associates zu wenig, ihr ­eigenes Netzwerk aufzubauen“

„Eine typische Großkanzlei mit klugen Kollegen und sehr interessanten Mandaten“

„Bieten gute Aufstiegschancen, fordern aber auch viel Eigenverantwortung“

„An dem sehr konservativen Image ist einiges dran“

▪ Dreiwöchige Sommerakademie in Düsseldorf

▪ Kaiser-Repetitorium als Teil des Referendar­programms

▪ Betreuung durch Mentoren und Ausbildungsanwälte

▪ Lex Mundi Summer School in Kalifornien für aus­gewählte Associates

▪ Mentorenprogramm für Berufseinsteiger

▪ Umfassendes Weiterbildungsprogramm (Präsenz- und Onlineschulungen) zur Vermittlung eines breiten fachlichen Grundlagenwissens und Soft Skills

▪ Netzwerkangebot speziell für Frauen

Zwei vollbefriedigende Examina – das ist auch bei ­Noerr die Voraussetzung für die Einladung zum Bewerbungsgespräch. Ausnahmen macht sie für bewährte ehemalige Praktikanten oder Referendare. Strenger ist die Kanzlei bei Englischkenntnissen – die müssen hervorragend sein in Wort und Schrift. Das Bewerbungsverfahren verläuft klassisch: Auf ein Erstgespräch, bei dem der Bewerber auf einen Partner plus Büroleiter oder Personalreferent trifft, folgt ein Zweitgespräch inklusive Mittagessen, an dem auch Associates aus dem künftigen Team teilnehmen. Beide Gespräche, zwischen denen in der Regel mindestens eine Woche verstreicht, finden auf Deutsch statt. Bewerber empfanden den Prozess zuletzt als „angenehm“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, ­Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 203,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 569.000 Euro

Internationale Präsenz: Noerr ist mit sechs eigenen Büros stark in ­Osteuropa und Russland vertreten. Daneben ist sie auch in Brüssel, ­Alicante, London und New York präsent und setzt auf die Anbindung an das ­internationale Kanzleinetzwerk Lex Mundi.

Aktuelle Entwicklungen: Noerr arbeitet sich Schritt für Schritt in Richtung Marktspitze vor. So ist die Kanzlei inzwischen regelmäßig in Top-Mandaten wie dem Verkauf der HSH Nordbank oder der Vergabe der ­Pkw-Mauterhebung auf den deutschen Fernstraßen zu sehen. Im Diesel­skandal ist Noerr eine der Kanzleien, die sich aufseiten von VW um die zahlreichen Kundenklagen kümmert. Die Eröffnung eines eigenen ­Büros in Hamburg im Jahr 2017 erhöhte zudem die Präsenz und Schlagkraft in Deutschland.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 91 Vollpartner, 69 Non-Equity-Partner, 35 Counsel, 168 Associates und 15 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 34,4%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 8 (davon 6 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 60 bis 70

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: ca. 5

Referendarplätze 2019: 120       

Praktikumsplätze 2019: 125

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 450 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 bis 1.200/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 100.000 bis 120.000 Euro
  2. Jahr: 105.000 bis 125.000 Euro
  3. Jahr: 110.000 bis 130.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  4. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
  5. Jahr: 120.000 bis 140.000 Euro plus Bonus bis 40.000 Euro
  6. Jahr: 120.000 bis 140.000 Euro plus Bonus bis 40.000 Euro

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 55.000 Euro

Im Normalfall steigen Berufseinsteiger im dritten Jahr zum Senior Associate auf, im fünften Berufsjahr folgt der Salary-Partner-Status, Noerr nennt diese Anwälte Associated Partner. Allerdings gibt es an dieser Stelle auch den alternativen Weg zum Counsel. Associated Partner wiederum können frühestens im achten Berufsjahr zum Vollpartner ernannt werden. Auch hier eröffnet sich wieder ein alternativer Karrierepfad hin zum Senior Counsel. Beide Karrierealternativen sind nicht zwangsläufig eine Sackgasse, auch als (Senior) Counsel können Anwälte noch Vollpartner werden.

Als Quereinsteiger nahm Noerr in der Vergangenheit gerne erfahrene Associates aus internationalen Großkanzleien an Bord, die zunächst als Associated Partner einstiegen. Regelmäßig ernennt Noerr aber auch Eigengewächse zu Partnern. Zuletzt waren es vier Vollpartner und zwei Senior Counsel. So sehen auch die Teilnehmer der azur-Umfrage ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus durchaus als vorhanden und vergeben eine Note knapp über dem Marktdurchschnitt. Die Karrierechancen abseits der Partnerschaft beurteilen die jungen Noerr-Anwälte noch besser.

Bei der Vergütung von Vollpartnern kommt es auf verschiedene ­Aspekte an. Noerr ist keine reine Lockstep-Kanzlei, allerdings hängt die Höhe der Gewinnentnahme mindestens zur Hälfte von der Seniorität ab. Daneben sind individuelle Leistungen der Partner maß­geblich. Faktoren sind hier der Umsatz, der Akquiseerfolg sowie das Engagement bei kanzleiinternen Aufgaben.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.