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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Milbank Tweed Hadley & McCloy – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 23

Das sagt die azur-Redaktion

Glücklich trotz viel Arbeit. Seit Jahren schon sind die Milbank- Associates laut azur-Umfrage ausgesprochen glücklich mit ihrem Arbeitgeber. „Hier kann man spannende, internationale, komplexe und abwechslungsreiche Mandate schon früh eigenverantwortlich bearbeiten“, lobt ein Associate, während etliche andere die „tolle Stimmung“ hervorheben. Ihre gute Laune trüben nur wenige Dinge, darunter vor ­allem die Kehrseite des geschäftlichen Erfolgs: Im Schnitt sitzen die Milbank-Anwälte laut azur-Umfrage knapp 58 Wochenstunden am Schreibtisch, vier Stunden mehr als der Marktdurchschnitt. Für die Work-Life-Balance gibt es in der azur-Umfrage dementsprechend richtig schlechte Noten. Ein Associate fordert sogar: „Arbeit nachts, an den Wochenenden und im Urlaub deutlich reduzieren und nicht mehr als Selbstverständlichkeit ansehen“. Karriere und Familie zu verbinden, bleibt nach Einschätzung der Umfrageteilnehmer schwierig. Immerhin erkennen einige Milbank-Anwälte in der azur-Umfrage an, dass die Kanzlei situations- und einzelfallabhängig Flexibilität zeigt, neuerdings etwa durch erweiterte Homeoffice-Möglichkeiten.

Zugehört und reagiert. Dass die Mannschaft trotz des hohen Drucks so zufrieden ist, liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten Associates sich als Teil einer verschworenen Elitetruppe begreifen. Im Vorjahr zeigten sich erste Risse in diesem Selbstverständnis, als einige Associates in der azur-Umfrage über Defizite in Management und Personalführung klagten. Die Kanzlei reagierte schnell und führte ein Mentoringsystem ein, bei dem sich jeder Associate nach den ersten sechs Monaten selbst einen Partner außerhalb seines Teams aussuchen kann. In der azur- Umfrage loben die Associates diesen Schritt, ebenso die stärker strukturierten und umfangreicheren Feedback-Runden. Den stetigen Klagen über schlechte Aufstiegschancen und intransparente Kommunikation von Karriereaussichten ist damit immerhin die Spitze genommen, auch wenn der Ehrgeiz vieler Associates weiter unbefriedigt bleibt.

Immer noch eine Männerdomäne. Das gilt besonders für Frauen, die bei Milbank traditionell unterrepräsentiert sind – der Frauenanteil insgesamt liegt ein Stück unter dem Marktdurchschnitt, und unter den 15 Partnern ist nur eine einzige Frau. Zwar bemüht sich die Kanzlei, diese Schieflage zu beheben, aber die Maßnahmen sind eher zaghaft. Die Anwältinnen treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Mittagessen oder zu Wanderausflügen, die zugleich als Recruitment-Veranstaltung dienen. Einige Associates erwähnen in der azur-Umfrage zudem die Unconscious-Bias-Seminare mit externem Coach.

Goldstandard für Associate-Ausbildung. Was die Kanzlei beim Thema Ausbildung bietet, ist dagegen schon seit Jahren fast einzigartig für eine Einheit dieser Größenordnung, wie auch die positiven Rückmeldungen in der azur-Associate-Umfrage zeigen. Deutsche Berufseinsteiger schickt Milbank zu einer mehrtägigen Einführungsveranstaltung nach New York, wo sie ihre Kollegen aus den anderen internationalen Büros kennenlernen. In Deutschland vermittelt die Kanzlei in internen Schulungen Fachinhalte rund um M&A- und Steuerthemen. Im dritten bis sechsten Berufsjahr treffen sich alle Milbank-Anwälte regelmäßig an der

Harvard University und durchlaufen ein kompaktes Programm mit nicht juristischem Fokus. Dazu kommen Soft-Skills-Trainings mit externen Dozenten. Wer sich weiterqualifizieren will, etwa zum Steuerberater, kann je nach individueller Situation auf die Unterstützung der Kanzlei zählen.

Referendare und Praktikanten im Fokus. Ein umfangreiches Programm können sich auch schon Praktikanten von Milbank machen: Ihnen bietet die Kanzlei ein vierwöchiges bezahltes Sommerprogramm mit intensivem Mentoring und breitem Rahmenangebot. Referendare können an den Weiterbildungsveranstaltungen der Associates teilnehmen und schwimmen ansonsten im Alltag mit, Top-Transaktionsmandate inklusive. Repetitorien zur Examensvorbereitung, die bei vielen Großkanzleien mittlerweile zum Standardangebot gehören, gibt es bei Milbank allerdings nicht. Insgesamt kommt das Angebot laut azur-Bewerberumfrage gut an. Ein Umfrageteilnehmer fasst zusammen: „Gute Stimmung, sehr gute Einbindung, Feedbackkultur teils hervorragend, teils kaum vorhanden. Ab und an wurde es auch mal später.“

„Spannende Mandate, super Ausbildung und ­höchstes Gehalt im Markt“

„Tolle Stimmung, fokussierte Teams, sportliche ­Atmosphäre“

„Neu eingeführte Homeoffice-Regelung funktioniert gut“

„Arbeitsbelastung selbst für eine Top-Kanzlei auf Dauer zu hoch“

„Mehr Mut zu Partnerernennungen aus den eigenen Reihen!“

„Partner müssten ehrliches Interesse an der Förderung von Frauen auf dem Karriereweg zeigen“

„Arbeiten auf Spitzenniveau, aber wie die ­Verrückten“

„Hart, aber herzlich – deutlich netter als ihr Ruf“

„Top-Mandate, Top-Gehalt, unheimlich professionell“

▪ Vierwöchiges bezahltes Sommerpraktikum an ­beiden Standorten

▪ Individuelles Mentoring für Praktikanten und ­Referendare

▪ Volle Einbindung in hochkarätige Mandate

▪ Ab dem dritten Berufsjahr für alle Associates ­Fortbildungsprogramm an der Harvard University

▪ Steuerrechtskurs für fachbereichsfremde Asso­ciates und M&A-Kompaktseminar

keine herausragenden Angebote

Dass Milbank bei der Einstellung von Berufsanfängern keine Kompromisse macht, hat sich im Markt herumgesprochen – die Kanzlei gilt als eine der wenigen, die tatsächlich konsequent nur Absolventen mit zwei Prädikatsexamina einstellt. Ein Doktortitel und/oder ein LL.M.-Abschluss sind gern gesehen, aber keine Voraussetzung – anders als verhandlungssicheres Englisch. Berufsanfänger, denen zur Perfek­tion nur die Sprachkenntnisse fehlen, schickt Milbank in Einzelfällen ­sogar für mehrere Monate zum Englischkurs nach London.

Aussichtsreiche Kandidaten treffen an dem Standort, für den sie sich beworben haben, innerhalb von sechs bis acht Stunden bis zu 15 Milbank-Anwälte, die anschließend gemeinsam über Zu- oder Absage entscheiden. Die Kanzlei gibt dann in der Regel innerhalb von drei Tagen Bescheid. Nur wenn sich Kanzlei und Bewerber einig geworden sind, folgt noch eine zweite, ähnlich umfangreiche Gesprächsrunde am jeweils anderen Standort. 

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Umsatz in Deutschland 2017: 42,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 865.000 Euro

Internationale Präsenz: Die aus New York stammende Kanzlei ist weltweit als einheitliche Partnerschaft organisiert und mit Büros vor allem in den USA und Asien, aber auch in Südamerika und London präsent.

Aktuelle Entwicklungen: Mit mehreren Quereinsteigern hat Milbank in den letzten Jahren ihre Kernbereiche Gesellschaftsrecht, M&A und Private Equity verstärkt. Der Erfolg ließ vor allem im Transaktionsmarkt nicht lange auf sich warten. Auch der Frankfurter Standort, der lange im Schatten der Münchner Mannschaft stand, spielt inzwischen oben mit.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 15 Vollpartner, 2 Counsel und 30 Associates

Frauenanteil Anwälte: 25,5%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 8 bis 10

Referendarplätze 2019: 22

Praktikumsplätze 2019: 16

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.600 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2.Examen)

Referendare: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag; max. 5.000 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 140.000 Euro
  2. Jahr: 150.000 Euro
  3. Jahr: 160.000 Euro
  4. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus bis 28.000 Euro
  5. Jahr: 185.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro
  6. Jahr: 210.000 Euro plus Bonus bis 42.000 Euro

Der Partnertrack bei Milbank ist denkbar einfach strukturiert: Es gibt nur Associates und Vollpartner. Dementsprechend übersichtlich ist auch der Karriereweg: Die Entscheidung, ob ein Anwalt Partner wird, steht in der Regel – vergleichsweise früh für eine US-Kanzlei – nach sechs bis sieben Jahren an. In den vergangenen Jahren hat die Kanzlei in Deutschland regelmäßig neue Partner ernannt, so ­etwa Anfang 2019 einen 37-jährigen Transaktionsspezialisten. ­Dennoch sind die Associates laut der azur-Umfrage mit ihren Aufstiegschancen nicht zufrieden. Sie wünschen sich „klarere Karriereoptionen und Kommunikation von Anfang an“ oder auch „persönliche Coachings“.

Neben der Partnerschaft gibt es zusätzlich die Position des Special Counsel, der später noch Partner werden kann, aber nicht muss. Special Counsel sind erfahrene Experten für ein bestimmtes Rechtsgebiet, die zwar Mandate führen, aber keine vergleichbaren Akquise- und Umsatzerwartungen erfüllen müssen wie Partner. Letztere werden nach dem sogenannten modifizierten Lockstep-System vergütet: Ein Teil ihrer Gewinnentnahmen steigt mit der Zeit der Zugehörigkeit zur Partnerschaft, der andere Teil hängt von der Leistung ab.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
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