azur100
11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Luther – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 28

Das sagt die azur-Redaktion

Die Ausbilder-Kanzlei. Dem Ruf wird sie gerecht: Vor allem für Referendare bietet Luther das All-inclusive-Paket. Ein ausgeklügeltes Programm mit Mentor an jedem Standort sorgt für direkte Einbindung in die tägliche Arbeit. Dazu kommt das hauseigene Weiterbildungsangebot, das Luther zuletzt durch E-Learning-Kurse der Bucerius Education erweitert hat. Neu sind etwa Kurse zur Unternehmensbewertung oder Bilanzierung. Die ehemaligen Referendare halten sich in der azur-Bewerberumfrage mit Lob nicht zurück: „Sehr gute Betreuung durch den Partner“, „die Nutzung der Weiterbildungsangebote ist vielseitig und hilfreich“, „schnelle Einarbeitung und Übernahme eigener Aufgaben“. Hinzu kommt die Klausuren-Flatrate des Kaiser-Repetitoriums. Das Besondere: Den Klausurenkurs können die Referendare nach ihrer Luther-Stage weiternutzen.

Weiterbildung für alle. Auch für die Associates steht ein umfangreiches Programm bereit, das sich der persönlichen Weiterbildung widmet und Präsentationstechnik oder Rhetorik fördert. Außerdem gehört ein Weiterbildungspaket dazu, aus dem die jungen Anwälte je nach Rechtsgebiet Fortbildungen auswählen können. Fachanwaltstitel fördert die Kanzlei, veranstaltet sogar intern einen Kurs zum Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht. Aktuelle Trends greift die Akademie auf, zuletzt schulte sie die Anwälte etwa zur Digitalisierung von Unternehmen und den Auswirkungen auf die Mandatsarbeit. In der azur-Umfrage würdigen die Associates so viel Aufwand mit überdurchschnittlich guten Noten. Sie heben die „kanzleiinternen Weiterbildungsprogramme“, die „finanzielle Förderung“, sowie „Freistellung für externe Schulungen“ hervor.

Die Projektjuristen sind da. Im Markt ist bekannt, dass auch Luther in die Masse an Klageverfahren im Kontext des Dieselskandals eingebunden ist. Wer als Berufseinsteiger Prozesse mag und schnell vor Gericht möchte, ist hier goldrichtig. Doch solche Mandate haben auch eine Kehrseite, so bemängelt ein Associate in der azur-Umfrage: „Es werden viele Anwälte aus allen Rechtsgebieten hineingezogen. Das ist sehr frustrierend und die juristische Arbeit im eigenen Kerngeschäft steht hinten an.“ Um dem entgegenzuwirken, beschäftigt die Kanzlei mittlerweile mehr als 100 Projektjuristen. Sie sind befristet angestellt und arbeiten insbesondere in den Massenverfahren. In puncto Weiterbildung stehen sie den Associates in nichts nach und können an allen Kursen teilnehmen, außerdem ist der Wechsel in eine unbefristete Anstellung möglich.

Mehr Transparenz, mehr Kommunikation. Der Herausforderung, nicht nur die Projektjuristen zu integrieren, sondern auch die Gesamtkanzlei stärker zu vernetzen, begegnet Luther mit einer neuen, internen Plattform. Jeder Mitarbeiter, auch Referendare und Praktikanten, bekommt ein Profil ähnlich wie in sozialen Netzwerken und kann sich je nach Standort und fachlichen Interessen vernetzen. Die verstärkte ­Offenheit kommt bei den Associates an, die in der azur-Umfrage loben: „Die Kommunikation ist durch das neue Social Intranet transparenter geworden.“

Kluft zwischen Gehalt und Freizeit. Luther-Associates arbeiten laut azur-Umfrage mit rund 51 Stunden pro Woche im Durchschnitt drei Stunden weniger als ihre Kollegen in anderen Kanzleien. Dennoch geben sie für die Arbeitsbelastung und die Förderung der Work-Life-Balance unterdurchschnittliche Noten. Sie loben zwar vielfach „die besonders flexible Arbeitsweise“ oder das „spontane Homeoffice“, dennoch ist diese Flexibilität immer noch abhängig vom einzelnen Partner. Ein Associ­ate wünscht sich „ein Bekenntnis aller Partner zu einem ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Freizeit.“ Auch mit ihrem Gehalt sind die Associates laut azur-Umfrage deutlich unzufriedener als der Marktdurchschnitt. Für viele stimmt das Verhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Gehalt nicht. Nach azur-Recherchen ist das Einstiegsgehalt abhängig vom Standort, sodass Berufseinsteiger häufig auch deutlich unter den maximal angegebenen 90.000 Euro landen. Auch die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bewerten die Teilnehmer der azur-Umfrage durchwachsen. Einige loben den Familienservice, der etwa bei der Kinderbetreuung unterstützt. Anderen fehlt es insbesondere an „Teilzeitmodellen, die den Weg in die Partnerschaft nicht absägen“.

„Man kann noch Mensch sein und keine Maschine, die 24 Stunden erreichbar ist“

„Breites kanzleiinternes Weiterbildungsangebot“

„Sehr gutes und überarbeitetes Partner-Development-Programm“

„Intransparente Kommunikation zu Karriere­perspektiven“

„Weiterbildung nicht nur anbieten, sondern auch Zeit dafür schaffen“

„Für Anwältinnen heißt es oft Kind oder Karriere“

„Sehr ausgewogene und am Mitarbeiter orientierte Führungs- und Unternehmenskultur“

„Work-Life-Balance wird versprochen, aber oft nicht eingehalten“

„Anforderungen und Lohn stehen hier in keinem Verhältnis“

▪ Pro Standort ein zentraler Mentor für Praktikanten und Referendare

▪ Examensvorbereitung mit Flatrate für Kaiser-­Seminare, auch für Ehemalige

▪ Umfassendes Soft-Skills-Programm mit externen Coaches (z.B. Verhandlungstechnik, Social-Media-Kompetenz, Business-Etikette)

▪ Fachanwaltstitel; interner Fachanwaltslehrgang Handels- und Gesellschaftsrecht

▪ Flexible Arbeitszeitmodelle

▪ Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen

▪ Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen

Die Kanzlei sucht nach Juristen mit Prädikatsexamina. Gerade an Standorten wie Leipzig, Hannover oder Essen, wo weniger Wettbewerb mit anderen Großkanzleien herrscht, dürfte das durchaus realistisch sein. Gerne stellt Luther ehemalige Referendare ein, die sie bereits während der Stage kennengelernt hat. Im Erstgespräch mit dem teamführenden Partner geht es primär um die fachlichen und persönlichen Vorstellungen der Zusammenarbeit. Im Zweitgespräch lernt der Bewerber seine potenziellen Arbeitskollegen aus dem Team kennen, welche bei der Einstellungsentscheidung mitbestimmen. In der azur-Bewerberumfrage loben Teilnehmer das Bewerbungsverfahren als „zügig und unkompliziert“, „es wird erkennbar Wert darauf gelegt, dass man menschlich ins Team passt“. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart

Umsatz in Deutschland 2017/18: 145,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 442.000 Euro

Internationale Präsenz: In Europa hat Luther eigene Büros in Brüssel, London und Luxemburg. Hinzu kommen Standorte in Asien: Schanghai, Singapur, Indien, Malaysia und Myanmar. Die Kanzlei pflegt Kontakte zu Best-Friend-Kanzleien weltweit.

Aktuelle Entwicklungen: Das Management-Duo Elisabeth Lepique und Dr. Markus Sengpiel ist 2018 für weitere vier Jahre angetreten. Damit setzt die Kanzlei ihren Kurs zur stärkeren Branchenfokussierung fort. Zuletzt holte sie etwa einen namhaften Transaktionsexperten für die Düsseldorfer Energierechtspraxis und stellt sich als Spezialistin für Energietransaktionen auf. Schritt für Schritt überprüft Luther die Aufstellung ihrer Standorte und Praxisgruppen und verstärkt sich auch mit externen Teams. Aktuell steht vor allem das Frankfurter Büro auf dem Prüfstand.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs 

Anwälte in Deutschland: 75 Vollpartner, 47 Non-Equity-Partner, 22 Counsel und 161 Associates

Frauenanteil Anwälte: 31,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 8 (davon 6 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: ca. 40

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 5 bis 10

Referendarplätze 2019: 50         

Praktikumsplätze 2019: 30

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 Euro/h (vor dem 1. Examen), 14 bis 20 Euro/h (nach dem 1. Examen), 21 bis 27 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 450 Euro/Wochenarbeitstag; max. 2.250 Euro/Monat

Associates

1. Jahr: bis 90.000 Euro

2. bis 6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 45.000 bis 50.000 Euro

Associates können nach einem Assessmentcenter ab dem vierten Jahr Senior Associates werden. Sie können sich eigenständig zum Partnerkandidaten vorschlagen. Diejenigen mit Potenzial nehmen dann am Partnerentwicklungsprogramm teil. Das loben Teilnehmer der azur-Asscociate-Umfrage: „Man wird ziemlich gut an die Hand genommen, aber muss auch an seine Grenzen gehen.“ Frühestens zum siebten Jahr erfolgt die Ernennung zum Non-Equity-Partner oder alternativ der Wechsel in den Counsel-Status. Frühestens ab dem achten Berufsjahr ist die Ernennung zum Vollpartner möglich, ein Verbleiben auf der Salary-Partner-Stufe ist ebenfalls denkbar. Weiterhin holt Luther regelmäßig Quereinsteiger an Bord. Die eigenen Associates bewerten sowohl die Chancen auf die Vollpartnerschaft als auch die Karrierewege abseits der Partnerschaft in der azur-Umfrage etwas schlechter als der Marktdurchschnitt. So wünscht sich ein ­Associate „Hilfe bei der Bildung des persönlichen Netzwerks“ und „eine gezieltere Teamzusammenstellung für Mandatsbearbeitung zur Profilschärfung“. Partner erhalten zunächst ein Grundgehalt, das individuell variiert und mit Dauer der Zugehörigkeit steigt. Zusätzlich gibt es einen leistungsabhängigen Bonus, dessen Zusammenstellung die Kanzlei jüngst transparenter machte. Wichtig sind dabei wirtschaftliche Kennziffern, aber auch Akquise, Kooperation mit anderen Partnern, Veröffentlichungen und Marketingtätigkeiten.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.