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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Linklaters – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 7

Das sagt die azur-Redaktion

High Potentials unter Hochdruck. Selten waren die Linklaters-Anwälte gleichzeitig an so vielen Großbaustellen im Einsatz wie im vergangenen Jahr. Sie berieten den Umbau von Konzernen wie Thyssenkrupp und E.on und standen der Landesbank HSH bei der Privatisierung zur Seite. Die Associates schwärmen in der azur-Umfrage von dem hohen Niveau und der Internationalität ihrer Arbeit. Mit ihrer Arbeitgeberin insgesamt sind sie recht zufrieden – und geben in der azur-Umfrage Noten, die ziemlich genau dem Marktdurchschnitt entsprechen. Das Betriebsklima, die Personalführung und interne Kommunikation bewerten sie allerdings nur mittelmäßig, und mit ihrer Arbeitsbelastung sind sie überhaupt nicht glücklich: Diese liegt mit 58 Wochenstunden laut azur-Umfrage vier Stunden über dem Marktdurchschnitt.

Mehr Geld oder mehr Leben? Doch anders als die meisten anderen Kanzleien bietet Linklaters Berufseinsteigern zwei verschiedene Karriere­modelle zur Auswahl: Neben dem konventionellen Modell ohne festes Stundenlimit, aber mit vollen 120.000 Euro Einstiegsgehalt gibt es die 40-Stunden-Woche mit festem Feierabend und 80.000 Euro Gehalt im Jahr. Aktuell nutzt rund ein Dutzend Linklaters-Anwälte das 40-Stunden-Modell, und laut Kanzlei dürften es noch deutlich mehr werden. Damit auch die konventionell eingesetzten Associates nicht permanent am Anschlag arbeiten, hat Linklaters Erleichterungen wie IT-gestützte Home­office-Möglichkeiten oder fest vereinbarte freie Abende eingeführt. ­Einige Associates loben in der azur-Umfrage „Partner, die auch ein Privatleben haben und so mit gutem Beispiel vorangehen“. Andere bemängeln dennoch, dass diese Erleichterungen „vor allem auf dem Papier existieren“ und „man nach wie vor komisch angesehen wird, wenn man später kommt, um Kinder zur Schule zu bringen, oder früher geht, um mit der Familie zu Abend zu essen“. So bewerten die Associates die Vereinbarkeit von Karriere und Familie in der azur-Umfrage unterdurchschnittlich, obwohl Linklaters Eltern-Kind-Büros hat und mit einem Familienservice kooperiert.

Reichhaltige Fortbildung. Voll des Lobes sind die Associates in der azur-Umfrage hingegen, wenn es um ihre Ausbildung geht. Die Bandbreite an Programmen ist auch im Marktvergleich beeindruckend und reicht von international konzipierten Onlineseminaren zu wirtschaft­lichen Themen über juristische Fortbildungen bis hin zum Führungs­training für Managing Associates und individuellen Coachings für ­unterschiedliche Zielgruppen und Karrieresituationen. Dazu kommen ­Legal-Tech-Seminare, die immer stärker auf die Berufserfahrung der Teilnehmer zugeschnitten sind. Wie weit der einzelne Anwalt auf seinem Karriereweg ist, misst Linklaters häufiger als bisher durch strukturiertes Feedback, was die Associates in der azur-Umfrage ebenfalls positiv hervorheben.

Referendare, ab nach London. Ein eigenes Programm durchlaufen auch die Referendare. Ein Mentor begleitet jeden von ihnen beim Kennenlernen des Großkanzleialltags, parallel finden fachliche Trainings, Soft-Skills-Lektionen und ein Englischkurs statt. Zusätzlich schickt die Kanzlei alle Referendare für mehrere Tage nach London. Auch eine Station in einem ausländischen Linklaters-Büro ist möglich. In der azur-Bewerberumfrage loben einige Ex-Referendare die „tolle Einbindung“ und das „sehr gute“ Programm. Die Arbeitsatmosphäre erleben sie allerdings sehr unterschiedlich: „Hervorragender Teamgeist in dem Bereich, in dem ich war“, berichtet ein Referendar, ein anderer erinnert sich an „richtig schlechtes Klima in manchen Teams“.

Herz für Praktikanten. Besonders stark engagiert sich Linklaters für Studierende: Bis zu 150 pro Jahr fördert sie mit einem Stipendium, das neben Büchergeld, Onlinerepetitorium und diversen Veranstaltungen auch Mentoring beinhaltet – ein Paket, das so keine andere Kanzlei bietet. Ihren Praktikanten bietet die Kanzlei ein reichhaltiges Programm, im Anschluss können ausgewählte Nachwuchsjuristen auf Wunsch zwei ­Wochen im Londoner Büro verbringen. Einige Praktikanten loben in der azur-Bewerberumfrage die „sehr guten Einblicke“. Doch nicht alle sind überzeugt, ein ehemaliger Praktikant kritisiert: „Fokus auf Spaß und ­Abwechslung, sodass die langen Arbeitszeiten der Anwälte nicht so auffallen – vom echten Alltagsbetrieb bekommt man wenig mit.“

„Anspruchsvolle, intensive Arbeit, aber in angenehmer Umgebung mit einem tollen Team“

„Top Weiterbildungsprogramm, noch besser geht es kaum“

„Das 40-Stunden-Modell funktioniert in der Praxis gut“

„Anspruchsvolle, intensive Arbeit, aber in angenehmer Umgebung mit einem tollen Team“

„Top Weiterbildungsprogramm, noch besser geht es kaum“

„Das 40-Stunden-Modell funktioniert in der Praxis gut“

„Spitzenkanzlei, aber in den letzten Jahren haben sie viele gute Leute verloren“

„Die 40-Stunden-Woche bei inhaltlich anspruchsvoller Arbeit ist ein Alleinstellungs­merkmal“

„Schlechte Aufstiegschancen“

▪ Möglichkeit zu zweiwöchigem London-Aufenthalt nach dem Praktikum

▪ Im Markt einmaliges Stipendium für Studierende

▪ Dreitägiges Einführungsprogramm für Referendare in London

▪ Ausbildungsprogramm umfasst nun auch Legal-Tech-Inhalte

▪ Individuelles Karrierecoaching, u.a. für Frauen und werdende Eltern

▪ Teilnahme an Executive-MBA-Programmen möglich, Linklaters trägt Hälfte der Kosten (bis 40.000 Euro)

▪ Alternativer Karriere-Track mit festem Feierabend und maximal 40-Stunden-Woche, Wechsel auf die konventionelle Associate-Laufbahn bleibt möglich

▪ Eltern-Kind-Büros an fast allen Standorten, Kanzlei organisiert Notfall-Kinderbetreuung

▪ Gebets- und Meditationsraum für Angehörige aller Religionen im Frankfurter Büro

Zwei vollbefriedigende Examina sind Voraussetzung für alle potenziellen Linklaters-Associates – auch dann, wenn es um den alternativen Karriere-Track mit maximal 40 Wochenstunden geht. Ausnahmen macht die Kanzlei nur, wenn sie einen Kandidaten schon als Referendar oder wissenschaftlichen Mitarbeiter kennengelernt hat. Einen Doktortitel bringen viele Linklaters-Anwälte ohnehin mit, im Zweifelsfall legt die Kanzlei aber mehr Wert auf einen LL.M.-Abschluss. Erforderlich sind beide Titel nicht. Wer kein gutes Englisch spricht und Zweifel an seiner Teamfähigkeit aufkommen lässt, hat dagegen keine Chance.

Schon im ersten Bewerbungsgespräch wird jeder Kandidat von zwei Partnern interviewt. Beim zweiten Termin kommen weitere Partner und Associates aus dem betreffenden Team dazu. Bewerber loben den Ablauf in der azur-Umfrage als „schnell, unkompliziert und professionell“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und ­München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 207,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 711.000 Euro

Internationale Präsenz: Linklaters ist mit Büros in elf europäischen Ländern präsent. Eigene Büros unterhält sie außerdem in den USA und in Brasilien sowie im Nahen Osten, in Asien und Australien.

Aktuelle Entwicklungen: E.on, Thyssenkrupp, Linde, VW, Daimler, HSH Nordbank – die Liste der Großkonzerne, an deren Neuaufstellung Link­laters zuletzt als Beraterin mitgearbeitet hat, ist länger denn je. Doch auch die Kanzlei selbst wandelt sich: Im Arbeits- und Steuerrecht gab es Partnerab- und -zugänge, die Private-Equity- und Finanzierungspraxen nahmen mit geänderter Besatzung Fahrt auf. Den neuen, noch kleinen Hamburger Standort will Linklaters weiter ausbauen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 63 Vollpartner, 22 Counsel, 233 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 28,4%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 17 (davon 10 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: ca. 50

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 150

Praktikumsplätze 2019: 120

Wissenschaftliche Mitarbeiter*: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag**; max. 4.000 Euro/Monat

Associates

Klassisches Modell

  1. Jahr: 120.000 Euro
  2. Jahr: 130.000 Euro
  3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  4. Jahr: 140.000 bis 150.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
  5. Jahr: 150.000 bis 160.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
  6. Jahr: 160.000 bis 170.000 Euro plus Bonus bis 60.000 Euro

Alternatives Karrieremodell

  1. Jahr: 80.000 Euro

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 50.000 bis 60.000 Euro

*Angaben aus dem Vorjahr **in Düsseldorf: 1.050 Euro/Wochenarbeitstag inkl. Arbeitgeberanteil am Sozialversicherungsbeitrag

Associates auf der regulären Laufbahn befördert Linklaters nach frühestens drei Jahren zum Managing Associate. Ab dem siebten Jahr ist theoretisch der Aufstieg zum Vollpartner möglich. 2018 ernannte Linklaters in Deutschland nur einen einzigen Neupartner, dafür wuchs die Riege der Counsel, die in dauerhafter Festanstellung arbeiten oder noch eine Warteschleife vor der Partnerernennung drehen. Die Linklaters-Associates sind sehr skeptisch, was ihre Karrierechancen inner- wie außerhalb der Partnerschaft angeht. In der azur-Associate-Umfrage kassiert die Kanzlei hierfür Noten weit unter dem bereits niedrigen Marktdurchschnitt. Kritik zieht vor allem der Counsel-Status auf sich, der nach Ansicht mancher Associates nicht klar genug definiert sei. Maximal bis zum Counsel können Associ­ates auf dem alternativen Karriere-Track mit 40-Stunden-Limit aufsteigen, sie können aber jederzeit auf den Partner-Track wechseln. Partner werden nach dem Lockstep-System vergütet, die Gewinn­entnahmen steigen also mit der Dauer der Zugehörigkeit zur Partnerschaft, wobei es allerdings eine Mindestumsatzschwelle gibt.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.