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21.03.2019 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Legal Tech für alle. Jurastudenten setzen IT-Werkzeuge ein – drei Beispiele

 Nachdem der Hype um Legal-Tech-Anwendungen die deutschen Kanzleien voll erwischt hat, entdecken jetzt auch die Jurafakultäten, wie sich die Werkzeuge in die juristische Arbeit integrieren lassen.
 
Die Consumer Law Clinic an der Berliner Humboldt-Universität zum Beispiel setzt bei einem Pilotversuch die Legal-Tech-Software Bryter ein. Die Law Clinic bietet schon seit einigen Jahren kostenlose Beratung in Verbraucherrechtsfragen an. Die Beratung durch Studenten findet unter Aufsicht von Dozenten und Rechtsanwälten statt und ist auf Fälle bis 1.000 Euro Streitwert begrenzt. Da die Law Clinic nach eigenen Angaben laufend an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, bindet sie nun versuchsweise die Software Bryter ein. Ziel ist es, die Arbeit zu beschleunigen und den Studenten mehr Freiraum zu verschaffen, um eine größere Zahl von Fällen gleichzeitig bearbeiten zu können. Die Testphase beginnt in diesem Herbst, in vollem Umfang soll das Angebot im Sommer 2019 an den Start gehen.
 

Ohne Programmierkenntnisse.

Bryter dient zur Übertragung von Entscheidungslogiken in programmierte Abläufe. Damit lassen sich unter anderem Fragenkataloge für Mandanten erstellen, um einen Teil der Beratung zu standardisieren. Der Vorteil: Die Anwender brauchen keine Programmierkenntnisse, sondern verwenden eine einfache grafische Oberfläche.

An der Münchner LMU haben Studenten unterdessen die Vernetzungsinititative MLTech gestartet. Der Verein setzt mit einem monatlichen Stammtisch sowie Diskussionen und Workshops auf interdisziplinären Austausch und Vernetzung, insbesondere zwischen Juristen und Informatikern. Die Mitgliedschaft steht nicht nur Studenten, sondern jeglichen Interessierten offen. Spannend ist die Münchner Runde vor allem für Juristen, die gerne über den Tellerrand blicken. Denn die Macher nehmen nicht so sehr einzelne Anwendungen in den Fokus ihrer Treffen, sondern versuchen ganz grundsätzlich, die denkbaren juristischen Anwendungsfelder für künstliche Intelligenz zu ermitteln.

Zu den Förderern von MLTech gehören unter anderem die Kanzleien Bird & Bird sowie Hogan Lovells. Letztere hat zugleich die deutschlandweit erste Legal Tech Competition für Studenten durchgeführt. Auch hier lag München vorne, denn Gesamtsieger wurde das Team Neunzehnvier.GG von der LMU. Es führt laut Kanzlei „mit einem verständlichen Dialogsystem durch den Prozess zur Erstellung von Prozess- und Beratungskostenhilfeanträgen und generiert anschließend die entsprechenden Dokumente automatisch“.

 LMU-Team gewinnt.

Aufgerufen waren Studenten aller Fachrichtungen in gemischten Teams, ihre Ideen für ein digitales Tool einzureichen, das ein bestehendes Problem auf dem Rechtsmarkt lösen sollte. Die Vorgabe lautete: Je größer das Problem und je größer die bisherige Unterversorgung, umso besser. Aus zehn Einsendungen wurden drei Finalisten ermittelt, unter denen sich Neunzehnvier.GG durchsetzte. Die Münchner gewannen ein Preisgeld von 2.500 Euro. Der zweite Platz, dotiert mit 1.500 Euro, ging an ein Team von der Universität Würzburg und der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Die dort entstandene Gründer-App GAPP gibt einen Überblick über Fragen bei der Unternehmensgründung und unterstützt unter anderem bei der Rechtsformwahl. Das drittplatzierte Team Verify von der Universität Freiburg und der Technischen Universität Hamburg erhielt immerhin noch 1.000 Euro. Das Tool Verify nutzt die Blockchain-Technologie, um eine Library für rechtswirksame Klauseln in sogenannten Smart Contracts vorzuhalten. (Norbert Parzinger und Markus Lembeck)