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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Latham & Watkins – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 10

Das sagt die azur-Redaktion

Gipfel im Blick. Latham & Watkins hat von Kalifornien aus über mehrere Jahrzehnte die Welt erobert. Auch in Deutschland arbeitet sie sich Schritt für Schritt an die Marktspitze vor. Diese Erfolgsgeschichte berührt mehrfach den Arbeitsalltag von Associates: Die ehrgeizigen Ziele, etwa beim Umsatz, sind in einer eigenen „Agenda 2020“ so konkret wie bei kaum einem Wettbewerber festgeschrieben – das erzeugt Druck. Vor allem aber motiviert es, das belegen viele lobende Stimmen aus der azur-Associate-Umfrage. Unterm Strich sind Latham-Associates überdurchschnittlich zufrieden, obwohl sie laut azur-Umfrage statistisch ge­sehen jede Woche gut zwei Stunden mehr arbeiten als der Durchschnitt – fast 56 Stunden.

Ehrgeiz, Druck und Euphorie. Diese Trias spiegelt sich dutzendfach in der azur-Umfrage: „Die Ausrichtung auf die absolute Marktspitze bedeutet extrem hohen Druck, gerade auf Senior Associates“, schreibt einer. „Der großartige Latham-Spirit wandelt sich in absolute Profitbetrachtung“, ein anderer. Typisch ist aber auch Lob für die gute Atmosphäre und die Chancen zur Mitbestimmung: „Ausgezeichnete Kanzlei für Anwälte, die sich von Anfang an auch in Managementthemen einbringen und Verantwortung übernehmen wollen.“ In Sachen Personalführung und Kommunikation seitens des Arbeitgebers vergeben Latham-Associates seit Jahren überdurchschnittliche Noten. Die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance entspricht in etwa dem Marktdurchschnitt, das heißt, es gibt hier Licht und Schatten nebeneinander. „Arbeit am Wochenende und regelmäßige Nachtschichten sind nicht nur die Regel, sie werden ohne jede Wertschätzung erwartet“, klagt ein Associate. Andere loben die Homeoffice-Segnungen einer guten IT und flexible Arbeitszeiten.

Lernen mit Struktur. Das Ausbildungsangebot bewerten Teilnehmer der azur-Umfrage traditionell gut, bei Latham vergeben Associates in dieser Kategorie bessere Noten als etwa bei der erklärten Hauptwettbewerberin Freshfields. Allerdings gab es zuletzt einen gewissen Wildwuchs, weil über die Jahre immer neue Module hinzugekommen sind. Um daraus ein stimmigeres Ganzes zu machen, hat die Kanzlei das Programm sortiert und gestrafft. Im Kern absolvieren Associates nun in den ersten drei Jahren ein einheitliches Curriculum, das jeweils drei dreitägige Seminare pro Jahr in Tagungshotels vorsieht. Diese widmen sich rechtlichen Themen und Soft Skills, sollen aber auch generell das unternehmerische Denken schulen. „Strukturiert, inhaltsvoll, sinnvoll aufeinander aufgebaut“, lobt ein Teilnehmer der azur-Umfrage. Daneben gibt es weiterhin drei mehrtägige Seminare in den USA, an denen die Associates im ersten, dritten und fünften Berufsjahr teilnehmen.

Partner als Lotsen. Zusätzlich zu den bestehenden Feedback-Systemen gibt es nun sogenannte Partner Career Coaches: Jedem Associate ist ein Partner zugeordnet, der die Karriereentwicklung im Blick behält. Drei bis vier Entwicklungsgespräche gibt es im Jahr. Für das neue Ausbildungsprogramm hat Latham eigens eine digitale Plattform programmieren lassen: Jeder Associate hat dort ein persönliches Profil. Auch individuelle Reporting-Funktionen gibt es, mit denen sich etwa die Coaching-­Termine vorbereiten lassen. Nun muss das einhellig gelobte System mit Leben gefüllt werden. „Sicher gut gemeint, aber sechs volle Arbeitstage im Jahr neben der ohnehin hohen Arbeitsbelastung – das ist schwierig“, so ein Umfrageteilnehmer.

Lob vom Nachwuchs. Bei Referendaren und Praktikanten steht Latham hoch im Kurs. Sie loben in der azur-Bewerberumfrage etwa, dass die Kanzlei Kaiser-Seminare zur Vorbereitung aufs Examen sponsert. Aber auch sonst hat die Kanzlei viel zu bieten: Ein ausländisches Büro als Wahlstation ist möglich, Referendare haben einen Mentor und dürfen an vielen Weiterbildungsangeboten für Associates teilnehmen. Auch Praktikanten halten in der Regel große Stücke auf Latham. Ihnen stehen die meisten Fortbildungen für Associates offen, zudem werden sie von einem Associate als Mentor begleitet. Regelmäßig loben Praktikanten in der azur-Bewerberumfrage die gute Einbindung in die Arbeit der Kanzlei und das fachliche Niveau.

„Work-Life Balance ist besser als erwartet“

„Teamorientierte Kollegen und hervorragende Infrastruktur“

„Jeder kann sich ins Management einbringen und Verantwortung übernehmen“

„Der großartige Latham-Spirit wandelt sich in politisches Gekungel und absolute Profitbetrachtung“

„Partner sollten flächendeckend Homeoffice akzeptieren“

„Die besten Fortbildungen bringen nichts, wenn man so mit Arbeit vollgepackt ist, dass man fast die ganze Zeit im Hotelzimmer am Laptop sitzen muss“

„Angenehme Kollegen, die aber für die Ambitionen der Kanzlei derzeit viel opfern“

„US-Kanzlei mit Selbstüberschätzung“

„Fachlich und menschlich super, Aufsteigerkanzlei“

▪ Großes Kaiser-Repetitorienpaket, Klausurenkurs bei einem Richter

▪ Praktikanten und Referendare dürfen an internen Fortbildungen teilnehmen

▪ Sommer-Curriculum mit Vorträgen und Workshops zu Mandaten, Kanzleikultur und Karrierethemen

▪ Im ersten, dritten und fünften Jahr: internationale Fortbildungen in den USA

▪ Jeder Associate hat einen Partner als Karrierecoach

▪ Individuelles Feedback alle sechs Monate

▪ Management honoriert Diversity-Engagement auch bei der Leistungsbeurteilung

▪ Institutionalisierte Interessengruppen (LGBT, Eltern, Frauen) treiben Belange innerhalb der Kanzlei voran

Sehr gute Englischkenntnisse setzt Latham zwingend voraus, auch wenn Bewerbungsgespräche in der Regel auf Deutsch stattfinden. Zwei mindestens vollbefriedigende Staatsexamina, LL.M. und Doktortitel sind gern gesehen – die Kanzlei betont, dass ein deutscher Latham-Anwalt im Durchschnitt mehr als 18 Punkte aus beiden Staatsexamen hat. Aber Latham ist hier nicht dogmatisch. Referendare, von denen sich die Kanzlei viel verspricht, können durchaus schon ein An­gebot erhalten, bevor die Note des zweiten Staatsexamens überhaupt feststeht. Das Bewerbungsverfahren verläuft in zwei Runden und folgt keinem festen Fahrplan. Es werden keine Rechtsfragen erörtert. Beim ersten Gespräch ist jemand vom Recruiting-Komitee des Standorts und ein Anwalt aus dem Fachbereich dabei. Gibt es eine zweite Runde, kommen weitere Associates und Partner hinzu.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 126,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 803.000 Euro

Internationale Präsenz: USA (11 Büros), Europa (12 Büros), Asien (6 Büros) und Naher Osten (2 Büros). Latham wirtschaftet in einen großen weltweiten Topf. Die breite europäische Praxis ist anders als in vielen anderen internationalen Kanzleien nicht durch London dominiert.

Aktuelle Entwicklungen: Latham will in die Spitzengruppe der deutschen Kanzleien aufrücken und hat sich dafür ehrgeizige Ziele gesteckt. Erneut gelang es, Wettbewerbern Top-Partner abspenstig zu machen, diesmal Spezialisten für Datenschutz (von Hogan Lovells) und Compliance (von Baker & McKenzie). Das Gewicht der deutschen Praxis wächst auch innerhalb der Kanzlei: Im Sommer wurde der deutsche Managing-Partner ins internationale Leitungsgremium berufen. Bei Kennziffern wie Umsatz und Produktivität legte Latham erneut stark zu.

Renommee:
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Anwälte in Deutschland: 47 Partner, 19 Counsel, 108 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 31,4%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 6 (davon 4 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 22 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 1 bis 2

Referendarplätze 2019: 60 bis 70            

Praktikumsplätze 2019: 40 bis 50

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 120.000 Euro
  2. Jahr: 130.000 Euro
  3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 60.000 Euro
  4. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus bis 78.000 Euro
  5. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 97.000 Euro
  6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 106.000 Euro

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 50.000 bis 70.000 Euro plus Bonus bis 7.000 Euro

Partner kann ein Latham-Associate frühestens nach acht Jahren werden. Bereits vorher sind Associates ins Kanzleimanagement eingebunden, etwa bei Einstellungsgesprächen. Zweimal im Jahr gibt es Feedback zu der eigenen Arbeit. Zudem ist jedem Associate ein Partner als Coach zugeordnet, mit dem etwa drei bis vier Mal im Jahr Karrierethemen besprochen werden. Latham ernennt auch in Deutschland regelmäßig Partner und Counsel, zuletzt wurde in Frankfurt ein Partner im Kartellrecht ernannt. Insgesamt vergeben die Associates, was die Partnerchancen angeht, in der azur-Umfrage Noten, die ungefähr dem Marktdurchschnitt entsprechen – aber sie sind zufriedener als ihre Kollegen etwa in führenden britischen Kanzleien wie Linklaters oder Freshfields.

Die Latham-Partner werden – weltweit einheitlich – nach einem System mit einer deutlichen Leistungskomponente vergütet. Alles in ­allem, Festvergütung plus Bonus, kann der bestverdienende Partner maximal sieben Mal so viel bekommen wie ein frisch eingestiegener Partner mit der geringstmöglichen Vergütung. Im Durchschnitt führt ein Partner Teams aus drei bis vier Associates. Latham-Partner können intern transparent ersehen, wer wie viel Umsatz einspielt und sogar wie hoch mögliche Boni für die Kollegen ausfallen. Informationen über die Höhe der Gewinne deutscher Partner liegen azur nicht vor.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.