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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Kirkland & Ellis – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 18

Das sagt die azur-Redaktion

Hoher Druck, gutes Klima. „Lässige Bürokultur“, „tolles Team“ und „gutes Arbeitsklima“ – die bei Kirkland & Ellis angestellten Anwälte sind in der azur-Umfrage voll des Lobes – trotz des ­hohen Zeit- und Qualitätsdrucks, der von Partnerseite aufgebaut wird: „Zwar ist das Arbeitspensum deutlich über dem Marktdurchschnitt, ­dafür aber auch der Verdienst.“ Das stimmt, gehört Kirkland in Deutschland doch zu den Top-Zahlern. Allerdings ist die bedingungs­lose Mandantenorientierung der US-Kanzlei dem ein oder anderen Kirkland-­Anwalt schon einmal sauer aufgestoßen: „Mandate besser planen und organisieren“, lautet etwa ein Wunsch aus der azur-Associate-Umfrage.

Mehr Struktur in der Ausbildung. Damit die hohe Mandatsbelastung nicht auf Kosten der Ausbildung geht, hat Kirkland ihr Schulungs­programm stärker als früher formalisiert. Neben der Vertiefung des ­juristischen Know-hows vermittelt das auf zwei Jahre angelegte interne ­Curriculum fachübergreifende Kompetenzen etwa zu Transaktions­management, Finanzierung oder Steuern und bietet ein Modul zur Er­weiterung der persönlichen Fähigkeiten. Dieses enthält etwa Business Development, Soft Skills, Akquisetraining und vermittelt verschiedene Methoden, um die körperliche und geistige Fitness zu erhalten.

Schlagkräftige Hilfstruppe. Praktikanten, wissenschaftliche Mitarbeiter und Referendare werden vom ersten Tag an zu Vernetzung und Teamwork angehalten. Sie sind als einheitliches Team organisiert – und das ist nicht nur ein kluger Schachzug der Kanzlei, um fehlende Kapazitäten auf der Ebene der Associates auszugleichen. Das sogenannte ‚Legal Staff‘-Team ist eng in den Arbeitsalltag eingebunden. Regelmäßige Team­sitzungen, Reviewgespräche und je nach Qualifikation sogar ein gewisses Maß an Eigenverantwortung machen diese Organisationsform zur Win-win-Situation für Kanzlei und Nachwuchs. „Eine spannende Tätigkeit in lockerer Atmosphäre“, erinnert sich ein Ex-Praktikant in der azur-Bewerberumfrage, und ein Ex-Referendar schreibt: „Die Referendarausbildung ist exzellent, es wird auf die Doppelbelas­tung viel Rücksicht genommen.“ Hingegen gibt es keine expliziten Trainingsprogramme für Referendare – eine Förderung für die Examensvorbereitung soll 2019 starten.

Internationalität ohne Wenn und Aber. Für eine steile Lernkurve sorgt auf jeden Fall die Arbeit an den anspruchsvollen, grenzüberschreitenden Mandaten der Kanzlei. Kaum ein Fall berührt nicht mindestens zwei oder mehr Rechtsordnungen. Associates lernen sich etwa auf Jahrestreffen der Corporate- oder der Restrukturierungsanwälte auf internationaler Ebene kennen und können außerdem im Rahmen eines Austauschprogramms sechs Monate lang in anderen Büros der Kanzlei arbeiten. Auch die Referendare können von der internationalen Prägung profitieren. Wer sich im Referendariat bewährt, hat eine gute Chance, in der Wahlstation einen Teil der Zeit in einem anderen Kirkland-Büro etwa in London oder New York zu verbringen.

Ab in den Urlaub? Eher nicht. Weil die komplexe Dealarbeit hohe Belastungsspitzen mit sich bringt, sind Arbeitstage und -wochen nur selten langfristig planbar. Die Kirkland-Anwälte arbeiten ohnehin mehr als der Durchschnitt – laut azur-Associate-Umfrage rund 57 Wochenstunden, gut drei mehr als im Schnitt üblich. Zudem schaffen sie es nicht, ihren vollen Jahresurlaub von 30 Tagen tatsächlich zu nehmen. Die Differenz zugunsten der Kanzlei beträgt laut azur-Associate-Umfrage mehr als sechs Tage. Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit ist ohnehin nur schwer einzuhalten: „Es gibt Teilzeitmodelle für weibliche Asso­ciates, aber man muss trotzdem rund um die Uhr erreichbar sein und ­arbeiten“, beschreibt ein Kirkland-Anwalt und folgert: „Teilzeit ist in einer Großkanzlei nur möglich, wenn man Partner ist.“ Als Antwort auf die Associate-Kritik an der Work-Life-Balance hat die Kanzlei vor zwei Jahren eine neue Position geschaffen. Anwälte können mit festem 40-Wochenstunden-Kontingent als ‚Professional Support Lawyer‘ arbeiten – theoretisch. Diese Möglichkeit, ausdrücklich abseits des normalen Partner-Karriereweges angesiedelt, nutzt bislang nur eine Juristin. Vielleicht gelingt ja über Legal Tech eine Verbesserung der Arbeitsbelastung? Für Due-Diligence-Prüfungen setzt Kirkland bereits Softwarelösungen ein.

Hier geht’s zur Eigendarstellung des Arbeitgebers

„Flache Hierarchien, und das ist nicht nur ein Spruch für Bewerber“

„Ausgesprochene Kollegialität und einzigartiger Teamspirit“

„Betriebsklima und Mandate sind einfach top“

„So etwas wie Personalführung gibt es hier nicht“

„Die Organisation von Mandaten ist stark ­verbesserungsbedürftig“

„Manche Partner sind sehr pushy, obwohl es nicht nötig ist“

„Interessante und attraktive Kanzlei; wenn München, dann Kirkland“

„Extreme Arbeitsbelastung der Associates“

„Verhandeln häufig pseudo-hart, auch wenn es nichts zu holen gibt“

▪ Gezielte Teambildung unter den Praktikanten, ­WiMis und Referendaren

▪ Feste Mentoren zur Einbindung in den Kanzleialltag

▪ Große Chance auf Auslandsaufenthalt im Rahmen der Wahlstation

▪ Zweijähriges verbindliches Ausbildungsprogramm

▪ ‚Women’s Leadership Initiative‘ zur Frauen­förderung

Zweimal neun Punkte sind die Mindestvoraussetzung für Bewerber. Allerdings ist die Kanzlei auch bereit, bei mandatserprobten Ex-Referendaren und wissenschaft­lichen Mitarbeitern einmal eine Ausnahme zu machen. Weder Promotion noch LL.M.-Abschluss sind zwingend – doch der Master of Laws von einer englischsprachigen Law School ist gerne gesehen, um die Integration auf internationaler Ebene zu erleichtern. Der Zeitrahmen für Erstgespräche sind fünf Stunden, in der Regel von 11 bis 16 Uhr, worin ein Mittagessen nur mit Associates enthalten ist. Männliche Bewerber dürfen auf eine Krawatte verzichten. Im Zweitgespräch geht es vor allem darum, die Associates der gewünschten ­Praxisgruppe kennenzulernen – wenn es Sinn macht, auch die in London. 

Standort in Deutschland: München

Umsatz in Deutschland 2017: 31 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 949.000 Euro

Internationale Präsenz: Die Mehrzahl der rund 2.500 Anwälte arbeitet in den USA, daneben gibt es Büros in China sowie die europäischen Standorte London mit 200 Anwälten und München. Die internationale Zusammenarbeit ist alltägliche Praxis.

Aktuelle Entwicklungen: Durch die Beratung von großen Transaktionen, fast ausschließlich aus dem Private-Equity-Segment, ist Kirkland immer wieder in den Schlagzeilen der Branchenpresse – so zuletzt beim angestrebten Delisting des Pharmaherstellers Stada oder beim Kauf eines Metro-Aktienpakets durch einen tschechischen Investor. Nach einem personellen Umbruch im Münchner Büro vor zwei Jahren ist Kirkland ­zurzeit vor allem damit beschäftigt, die Associate-Ränge aufzustocken.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 15 Partner und 24 Associates

Frauenanteil Anwälte: 25,6%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine Angaben

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 8 bis 10

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 8 bis 10              

Praktikumsplätze 2019: 15

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 bis 20 Euro/h (vor dem 1. Examen), 30 Euro/h (nach dem 1. Examen), 40 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 960 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.800 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 131.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  2. Jahr: 136.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 146.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 168.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 188.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 212.000 Euro plus Bonus

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Die Entscheidung über einen Aufstieg in die Partnerriege steht für Associates nach dem sechsten Jahr an. Soweit bekannt, ist die nach außen homogene Partnerschaft intern zweistufig mit Auswirkungen auf die Höhe der Vergütung. Vor dem Erreichen der Vollpartnerschaft gibt es eine Stufe, auf der jüngere Partner die Gelegenheit bekommen, ihr Geschäft eigenständig auf- und auszubauen. Zwar vergeben die Kirkland-Associates in der azur-Umfrage nur leicht unterdurchschnittliche Noten für ihre Aufstiegschancen, doch trotz gelegentlicher Quereinsteiger auf Partnerebene sind die Chancen ­relativ gut, Partner zu werden. Vor zwei Jahren hat Kirkland damit begonnen, eine Alternative zum Up-or-out-System aufzubauen. Als Professional Support Lawyer können Anwälte außerhalb des Karriereziels Partnerschaft mit einer festen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden arbeiten. Dennoch bewerten die Kirkland-Associates in der azur-Umfrage die Karrierechancen abseits der Partnerschaft äußerst schlecht. Das könnte auch daran liegen, dass es wenig Praxis­erfahrung gibt: Bislang arbeitet nur ein Jurist auf dieser Position.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.