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29.03.2019 | Autor/in: Silke Brünger

Junge Juristen: Betriebsklima spielt eine entscheidende Rolle bei der Jobwahl

Immer mehr angehende Juristen wünschen sich, in einer Kanzlei ins Berufsleben zu starten. Und egal, ob sie in eine deutsche Traditionssozietät, eine US-Kanzlei, eine spezialisierte Boutique oder eine breit aufgestellte internationale Kanzlei streben – bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber ist ihnen das Betriebsklima am wichtigsten. Seit Jahren kommen Wirtschaftssozietäten verglichen mit Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden in der Gunst der Berufseinsteiger immer besser weg.

In der azur-Bewerberumfrage haben am meisten Teilnehmer auf die Frage, wo sie am liebsten ihren ersten Job anfangen würden, geantwortet: ,in einer Kanzlei‘. Von den insgesamt 1.550 Teilnehmern, welche die azur-Redaktion der JUVE Verlags zwischen Dezember 2017 und September 2018 befragte, wollen somit immerhin 75 Prozent ihre Karriere als Associate in einer Kanzlei starten. Das sind gute Nachrichten für Kanzleien, die händeringend nach Berufseinsteigern suchen.

Umfrage: Wunscharbeitgeber Bewerber JuraDennoch übersteigt die Nachfrage nach guten Absolventen das Bewerberangebot unverändert bei weitem, so dass der Kampf der Kanzleien um die besten Talente anhält. Dabei kann der Blick auf die Wünsche und Ansprüche der Bewerber an ihre zukünftigen Arbeitgeber helfen.

Die Ergebnisse der azur-Bewerberumfrage zeigen, dass sich die Präferenzen der Jurastudenten, Doktoranden und Referendare, die Kanzleien als Wunscharbeitgeber angeben, regelmäßig verändern. Bei der Arbeitgebersuche ist für diese Nachwuchsjuristen ein gutes Betriebsklima das wichtigste Kriterium. Trotz eines Rückgangs verglichen mit dem Vorjahreswert steht das Betriebsklima auch in der aktuellen azur-Umfrage mit über 30 Prozent an erster Stelle.

Der mit der Generation Y verbundende Trend hin zu mehr Work-Life-Balance schlägt sich ebenfalls in den Umfrageergebnissen nieder: Für immer mehr Bewerber ist eine gute Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit entscheidend. Vor drei Jahren bewerteten noch rund 21 Prozent der angehenden Juristen mit Wunscharbeitgeber Kanzlei dieses Kriterium als auschlaggebend, heute sind es fast 25 Prozent – mit steigender Tendenz. Damit haben vermeintlich weiche Faktoren wie Betriebsklima, Work-Life-Balance und ein kulturell vielfältiges Umfeld zusammen mittlerweile mit rund 58 Prozent einen entscheidenden Anteil bei der Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber. 

Passendes Gehalt vorausgesetzt

Den Aufstiegschancen hingegen kommt immer weniger Bedeutung zu. Noch vor drei Jahren haben noch rund 17 Prozent der Teilnehmer die Karrierechancen als sehr wichtig eingestuft, heute sind es nur noch 13 Prozent. Diese klar rückläufige Tendenz passt einerseits zu den Wünschen nach mehr Zeit für Familie und Hobbies und bildet andererseits auch die in Wirklichkeit minimalen Partnerchancen in vielen Kanzleien ab.

Das Einstiegsgehalt geben zwar ebenfalls aktuell nur rund 13 Prozent der Juristen, die in Kanzleien streben, als wichtigstes Kriterium für die Arbeitgeberauswahl an. Anders als bei den Aufstiegschancen ist hier aber keine klar rückläufige Tendenz zu beobachten, sondern die Bedeutung des Kriteriums Geld schwankt im Jahresvergleich stark. Zudem wissen die Bewerber, die in einer Wirtschaftssozietät anfangen wollen, dass sie sich eines ordentlichen Auskommens ohnehin sicher sein können und setzen sechsstellige Gehälter einfach voraus. In der ersten Liga der deutschen und internationalen Kanzleien sind 120.000 Euro Einstiegsgehalt mittlerweile der gängige Marktstandard, einige Elitekanzleien bezahlen sogar 140.000 Euro im ersten Jahr.

Im Kampf um die talentiertesten Juristen ist die Erhöhung des Einstiegsgehalts für Kanzleien schlicht die Stellschraube, an der sie am einfachsten drehen können. Mit der Einführung flexibler oder gar reduzierter Arbeitszeitmodelle mit planbarem Feierabend tun sich viele Sozietäten schwer. Und auch bei Vorreitern wie Baker & McKenzie, Linklaters oder McDermott Will & Emery, die ein festes Stundenlimit anbieten, arbeiten verglichen mit der Gesamtzahl der Associates relativ wenige Anwälte in diesen Modellen. Noch. Wenn es nach den Wünschen der Bewerber geht, werden das zukünftig mehr. (Silke Brünger)