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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Hogan Lovells – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 4

Das sagt die azur-Redaktion

Oben auf der Erfolgswelle. Hogan Lovells gilt unter den Großkanzleien als Vorreiterin, was die Branchenfokussierung und die Vernetzung vor allem mit den nord- und südamerikanischen Büros anbelangt. Das hat auch Auswirkungen auf die Ausbildung, Arbeit und Förderung der deutschen Associates in den vier deutschen Büros. Die Anwälte bearbeiten immer häufiger hochwertige und internationale Mandate, wie die Beratung zum geplanten Konzernumbau von Daimler zuletzt zeigte. „Wirklich außergewöhnlich, wie sich die Kanzlei entwickelt“, schreibt ein Associate in der azur-Umfrage.

Schattenseite des Erfolgs. Zwar gibt es unter den Hogan Lovells-Associates, die an der azur-Umfrage teilgenommen haben, echte Fans der Kanzlei, die das „motivierende Umfeld“, die „Top-Mandate“ oder die „netten Kollegen“ loben. Insgesamt aber ist die Stimmung in den vergangenen Jahren eher schlechter geworden. So liegt die Gesamtzufriedenheit knapp unter dem Marktdurchschnitt. Zufriedener als Kollegen aus anderen Kanzleien sind die Hogan Lovells-Associates nur mit dem Niveau der Arbeitsinhalte, der Internationalität und der Führung durch die Vorgesetzten. In vielen anderen Einzelaspekten beurteilen sie ihre Arbeitgeberin inzwischen sogar unterdurchschnittlich.

Hohes Niveau der Programme. Unter anderem beklagen sie die steigende Arbeitsbelastung. So liegt die in der azur-Umfrage angegebene Wochenarbeitszeit inzwischen mit 57 Stunden rund drei Stunden über dem Marktdurchschnitt. Die interne Ausbildungsakademie, die ein recht umfangreiches Programm bietet, benoten die Associates schlechter als in den Vorjahren, auch wenn sie viele Einzelmaßnahmen hervorheben. Die Kanzlei hat ihr Programm der Gesamtentwicklung entsprechend noch ­internationaler ausgerichtet. Herzstück ist die interne ‚People Development Academy‘. Auf drei Associate-Konferenzen schult sie die wichtigsten Fach- und Soft-Skills-Themen. Stärker als andere legt sie den Fokus auf den Umgang mit Mandanten und anderen Abteilungen im Haus. Die meisten Einheiten werden inzwischen für Associates aller europäischen Büros angeboten – natürlich auf Englisch und immer stärker auch digital. Damit ist Hogan Lovells den meisten deutschen Kanzleien einen Schritt voraus. Dennoch wünschen sich einzelne Associates, die „Inhalte international besser abzustimmen“.

Vor der Runderneuerung. Wie viele Großkanzleien setzt auch Hogan ­Lovells bei der Nachwuchsgewinnung sehr früh an. Fast 600 Praktikanten und Referendare bildete sie 2018 aus. Zu den Inhalten gehören ­Englischkurse, für Referendare kommt noch ein Klausurenkurs hinzu. Second­ments an bestimmten internationalen Standorten und ein Bewerbungstraining runden die gut strukturierte Ausbildung mit dem üblichen Praxisbezug ab. Da der Kanzlei aber bewusst ist, dass sie mit diesem Programm im Vergleich zu Linklaters oder Clifford Chance nur gute Hausmannskost anbietet, hat sie für 2019 eine grundlegende Überar­beitung angekündigt. Glaubt man den Teilnehmern der azur-Bewerberumfrage, ist das auch nötig, denn neben vielen positiven Bewertungen bemängeln die Teilnehmer auch, „nicht in die Teams eingebunden worden zu sein“ oder „kein Feedback bekommen zu haben“.

Gut für die persönliche Entwicklung. Wiederholt loben Associates die Kanzlei als Plattform, auf der sie sich als Anwalt gut entwickeln können. Sie heben die Freiräume bei Akquise und Mandatsbearbeitung hervor. Das passt zu einer Kanzlei, die die Initiative der Mitarbeiter fördert und ihre Partner mit einem starken flexiblen Umsatzanteil vergütet. An anderer Stelle jedoch bleibt eine ernst zu nehmende Baustelle: Trotz oder ­gerade im Lichte regelmäßiger Partnerernennungen ist es besorgnis­erregend, dass es seit Jahren in Deutschland nicht gelingt, genügend Frauen in diesen Status zu heben. Die vor fünf Jahren selbst auferlegte Quote für weibliche Führungskräfte wird damit für die deutsche Praxis immer unglaubwürdiger. Dabei kann sich das Programm, mit dem die Kanzlei Frauen und eine vielfältige Mitarbeiterschaft fördert, sehen ­lassen. Auch zur Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Karriere und Familie gibt es Angebote – etwa eine eigene Kita in München. Aber: „Es fehlt an weiblichen Partnern“, schreibt eine Associate – und damit auch an Vorbildern.

„Das großartige Klima gleicht das im Vergleich zu anderen Großkanzleien geringe Gehalt wieder aus“

„Viele Partner haben keine Scheu, Associates auch mal die Führung von Mandaten zu überlassen“

„Top-Mandate und super Arbeitsklima. Hier will ich bleiben“

„Die Partner sollten die selbst gesteckte Quote für Frauen in Führungspositionen ernster nehmen“

„Ein steigender Umsatzdruck und Sparmaßnahmen trüben die Stimmung“

„Leider wird nur geredet über flexible Arbeits­möglichkeiten, aber nicht viel umgesetzt“

„Mein ehemaliger Arbeitgeber, sehr angenehmes ­Arbeitsumfeld“

„Gute Adresse, scheint die Leute aber auch ziemlich zu verschleißen“

„Lange Arbeitszeiten, gutes Gehalt, sehr interna­tional“

▪ Klausurenkurse für Referendare in Kooperation mit Alpmann Schmidt

▪ Wahlstation in den Büros Alicante, London, New York und Washington möglich

▪ Europa- und teilweise weltweit einheitliche Schulungskriterien zu anwaltlichen Kernkompetenzen und Soft Skills

▪ HL fördert langjährig unternehmerisches Handeln durch Coaching und Pitch-Training

▪ Globales Programm bereitet geeignete Kandidaten auf Partnerschaft vor

▪ Weltweites Netzwerk zu Diversity und LGBT-Themen

▪ Seminarreihe schult Anwältinnen, etwa zu erfolgreichem Verhalten in der Geschäftswelt

▪ Zusammenarbeit mit einem Familienservice, seit 2017 eigene Kita in München

Wer in der Kanzlei als Associate auf dem Partnertrack einsteigt, muss offiziell mindestens 18 Punkte in beiden Staatsexamen und sehr gute Englischkenntnisse vorweisen. Bei den Noten macht die Kanzlei nur selten Ausnahmen. In der Gesamtrechnung werden aber eine Promotion oder ein im Ausland erworbener LL.M. berücksichtigt. Wer schlechtere Noten mitbringt, kann als sogenannter Project Associate mit einer niedrigeren Vergütung, fest umrissenen Aufgabenbereichen, aber ohne Aussicht auf die Partnerschaft einsteigen.

Associates wählt Hogan Lovells in einem zweistufigen Bewerbungsverfahren aus. Im ersten ein- bis dreistündigen Gespräch mit Partnern stehen das gegenseitige Kennenlernen und die Wünsche für den fachlichen Einsatz im Vordergrund. Spätestens im zweiten Gespräch lernt der Bewerber das jeweilige Team, in dem er eingesetzt werden soll, intensiv kennen. In der azur Bewerberumfrage loben Teilnehmer das Verfahren als „sehr zügig“, „professionell“ und „engagiert“.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 195,9 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 594.000 Euro

Internationale Präsenz: Weltweit eine der größten Sozietäten. 2.500 Anwälte arbeiten in 46 Büros in Europa, Afrika, Asien, Australien, Südamerika und den USA. Im August 2018 schloss sie ihr Büro in Rio de Janeiro, um die brasilianische Praxis auf São Paulo zu konzentrieren.

Aktuelle Entwicklungen: Der deutschen Praxis gelang 2017 ein weiteres Rekordjahr in wirtschaftlicher Hinsicht und bei der Mandatsarbeit. Ein wesentlicher Treiber war das Corporate-Team mit wichtigen Deals für Exxon oder Daimler. Nach längerer Zeit holte die Kanzlei mit einer Gleiss Lutz-Partnerin wieder einmal prominente Verstärkung von außen. Allerdings verließ auch ein renommierter Arbeits- und Datenschutzrechtler die Kanzlei in Richtung Latham & Watkins.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 91 Partner, 39 Counsel, 263 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 40,3%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 28 (davon 19 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 75 bis 85

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 15 bis 20

Referendarplätze 2019: ca. 175               

Praktikumsplätze 2019: ca. 70

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 800 Euro/Wochen­arbeitstag (nach dem 1. Examen), 250 Euro/Anwesenheitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 650 bis 750 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  2. Jahr: 115.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  3. Jahr: 120.000 bis 130.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  4. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  5. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
  6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 50.000 bis 60.000 Euro plus Bonus bis 9.000 Euro

Die Karriereleiter bei Hogan Lovells hat vier Stufen: Vom Associate geht es über den Senior Associate zum Non-Equity-Partner und weiter zum Vollpartner. Die Aufstiegschancen stehen bei Hogan Lovells seit einigen Jahren gut: 2019 machte die Kanzlei wie schon im Vorjahr acht neue Partner. Die meisten Neupartner steigen nicht ­direkt in die Vollpartnerschaft ein, wie dies bei Wettbewerbern mit einheitlicher Partnerschaft wie Freshfields, Hengeler oder Linklaters die Regel ist. Intern unterscheidet Hogan Lovells nach Voll- und Non-Equity-Partnern, legt aber nicht offen, welche Personen welchen Status innehaben. Trotz der konstant hohen Zahl an Neupartnern waren die Associates in der azur-Umfrage mit ihren Karriereperspektiven nicht zufrieden. Mit den Karrierechancen abseits des Partnertracks waren sie dagegen etwas zufriedener als im Vorjahr, wenngleich hier der Wert immer noch unter dem Marktdurchschnitt liegt.

Vollpartner vergütet Hogan Lovells zu 85 Prozent nach Anteilen, die nach Leistungsgesichtspunkten vergeben werden. Die verbleibenden 15 Prozent werden als Bonus ausgeschüttet. Non-Equity-Partner erhalten ein Fixgehalt plus eine leistungsbezogene Komponente. Wer nicht Partner wird, kann dauerhaft als Counsel arbeiten. Diese tragen relativ viel Verantwortung, etwa für Mandate oder Teams. Zum Jahresbeginn ernannte die Kanzlei wie im Vorjahr erneut neun neue Counsel.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.