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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Hengeler Mueller – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 5

Das sagt die azur-Redaktion

Hengeler kann Bewerber überzeugen. Wenn es in Deutschland pro Jahr gut 2.000 Juraabsolventen mit einem Vollbefriedigend im ersten Staatsexamen gibt, dann schafft es Hengeler Mueller, rund 15 Prozent dieser Gruppe intensiv kennenzulernen: Innerhalb eines Jahres nämlich hat die Kanzlei 350 Nachwuchsjuristen durch ihr Young-­Talents-Programm geschleust. Dieses interne Karrierenetzwerk, das die Referendare und wissenschaftlichen Mitarbeiter aktiv während ihrer Zeit in der Kanzlei betreut, zeugt von der Entschlossenheit, mit der Hengeler potenzielle Associates für sich gewinnen möchte. Der Erfolg gibt ihr recht: Zwei Drittel ihrer Junganwälte kannte die Kanzlei schon vorher.

Viel Lob vom Nachwuchs. In der azur-Bewerberumfrage sind Praktikanten und Referendare gleichermaßen zufrieden: „Exzellentes Gruppenpraktikum mit vielen Zusatzveranstaltungen, vielseitiger Einblick“, schreibt einer. Zweimal pro Jahr starten diese mehrwöchigen Gruppenpraktika, die Einblicke in die Mandatsarbeit, aber auch Englischkenntnisse und Soft Skills vermitteln. Diese Elemente gehören auch zur Referendarsausbildung, die zusätzlich die Teilnahme an ausgewählten Seminaren des Anbieters Kaiser ermöglicht und über zahlreiche interne Events den Kontakt mit Associates und Partnern herstellt. Ein kritischer Beobachter sieht Hengeler-Referendare wegen ihrer großen Anzahl nur als „Durchlaufposten“. Dieser Gefahr begegnet die Kanzlei mit dem Aufbau von Kernteams, die die Betreuung an allen Standorten gewährleisten. Ehemalige Referendare loben in der azur-Bewerberumfrage die enge Einbindung: „Mein zugeteilter Tutor legt viel Wert auf gute Ausbildung.“

Breite Ausbildung aus Prinzip. Auch in die Fortbildung der Associates investiert die Kanzlei einiges. Traditionell wechseln die jungen Anwälte regelmäßig die Teams und sogar die Fachbereiche. Dieses sogenannte Rotationsprinzip soll eine breite und vielfältige Tätigkeit als Anwalt ermöglichen. Jeder Associate wählt dennoch einen bestimmten Partner als Tutor, der sich mit um die fachliche und persönliche Weiterentwicklung kümmert und intensives Feedback gibt. Hinzu kommt das exklusive Seminarprogramm, das Hengeler vor zehn Jahren mit der Universität St. Gallen entworfen hat. Es hat die Messlatte im deutschen Markt hoch gelegt, die Noten dafür in der azur-Umfrage sind überdurchschnittlich. Bei Feedback und Wertschätzung sehen die Hengeler-Associates laut azur-Umfrage allerdings noch zu wenig Standards und vermissen eine echte Feedbackkultur: „Kommunikation ist alles!“ Eine interne Initiative, die nun von allen Mitarbeitern Vorschläge zur Verbesserung des Arbeits­umfelds einsammelt und umsetzen soll, kommt da zur rechten Zeit.

Associates leiden unter Gehältervergleich. Angesichts eines immer noch niedrigen Zahlenverhältnisses von Partner und Associates überrascht diese Kritik – regelmäßige Rückkopplungen sollten so ein Leichtes sein. Sie wird aber von externen Beobachtern in der azur-Umfrage geteilt: „Hoher Verschleiß an Junior Associates, Jobzufriedenheit scheint nicht gewollt“, schreibt ein Associate aus einer Wettbewerberkanzlei. Doch auch intern gibt es diese Unzufriedenheit. Auf die Kollegialität in der Kanzlei lassen die Associates nichts kommen, aber mit der Ver­gütung und Arbeitsbelastung sind sie nicht einverstanden. Die letzte ­Erhöhung der Gehälter liegt bald drei Jahre zurück – „es stimmt einfach im Marktvergleich nicht mehr“, so ein Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage. Die hohe Produktivität der Kanzlei und der Qualitätsanspruch spiegelten sich im Gehalt nicht mehr wider.

Sechs Stunden länger arbeiten. „Deutlich zu lange Arbeitszeiten“, befindet ein Associate. Im Durchschnitt arbeiten die Hengeler-Anwälte laut der azur-Associate-Umfrage 59,5 Stunden pro Woche und übertreffen den Marktdurchschnitt damit um sechs Stunden. Mancher Partner sieht dies allerdings auch als Ritterschlag: Wer immer wieder die bedeutendsten Mandate des Jahres erhält, muss dafür eben auch viel Zeit opfern. Der zuletzt wieder gesunkene Frauenanteil legt nahe, dass in puncto Frauenförderung noch nicht alle Ziele erreicht sind – obwohl in den letzten Jahren bei Hengeler mehr Frauen den Sprung in die Partnerriege geschafft haben als in den meisten anderen Kanzleien. Gleich drei Asso­ciates antworten in der azur-Umfrage auf die Frage, wie ihre Kanzlei die Vereinbarkeit von Karriere und Familie fördere, mit: „Gar nicht.“

„Höchste Qualität von Arbeit und Mandat“

„Die Kollegialität ist schwer zu übertreffen“

„Großartig für ambitionierte, motivierte und ­interessierte Juristen“

„Anforderungen auf Champions-League-Niveau bei Nicht-Kreisklassen-Bezahlung“

„Zu viel Arbeit und zu wenig Wertschätzung“

„Der Stress ist oft hausgemacht“

„Fachlich absolut exzellent, aber lange Arbeits­zeiten“

„Tretmühle für Jura-Streber“

„Top-Ausbildung, aber die Associates entwickeln ­relativ spät erst ein eigenes Profil“

▪ Umfassende Betreuung im Young-Talents-­Programm

▪ Zweimal jährlich mehrwöchige Praktika mit ­Fall­studien

▪ Hochkarätiges Ausbildungsprogramm an der ­Universität St. Gallen

▪ Rotation der Associates fördert breites wirtschaftsrechtliches Know-how

▪ Förderung für internes und externes Networking ­etwa beim ‚Women’s Day‘

▪ Engagiertes LGBT-Netzwerk mit den europäischen Partnerkanzleien

▪ Mentoring und Leadership-Seminare für weibliche Associates

Rund zwei Drittel der Berufseinsteiger kennt Hengeler bereits aus einer Station, einem Praktikum oder der wissenschaftlichen Mitarbeit. Insofern kann das Erstgespräch für Bewerber oftmals entfallen – falls es doch zum Kennenlernen nötig ist, finden Einzelgespräche mit zwei bis vier Partnern am präferierten Standort statt. Hinzu kommt ein Mittagessen mit zwei Associates. Das Zweitgespräch findet an einem zweiten Standort statt und läuft ähnlich ab wie das vorherige Treffen – mit der Maßgabe, einen möglichst umfassenden Eindruck vom Tätigkeitsfeld bei Hengeler zu bekommen. In puncto Qualifikation stellt die Kanzlei hohe Ansprüche: Gute Englischkenntnisse, ein vielfältiger Lebenslauf und natürlich Prädikatsexamina sind gewünscht – was ähnlich auch schon für Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter gilt.

Promotion oder LL.M.-Titel sind nicht zwingend erforderlich, gleichwohl passen sie zum Profil eines Hengeler-Anwalts und haben gegebenenfalls Einfluss auf die Höhe des Einstiegsgehalts.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München

Umsatz in Deutschland 2017: 241 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 916.000 Euro

Internationale Präsenz: Hengeler arbeitet eng mit Top-Kanzleien wie Slaughter and May (Großbritannien), Bredin Prat (Frankreich) oder Uría Menéndez (Spanien) zusammen und hat eigene Büros in London, Schanghai und Brüssel.

Aktuelle Entwicklungen: Der fortgesetzte Boom bei grenzüberschreitenden Transaktionen spielt der starken M&A-Praxis von Hengeler in die Karten. Als eine von wenigen Kanzleien berät sie sowohl führende deutsche Konzerne als auch bedeutende ausländische Investoren: Als der Energiekonzern E.on die RWE-Tochter Innogy übernahm, war Hengeler für Innogy an Bord. Zusammen mit Slaughter and May beriet sie Vodafone zur Übernahme von Liberty Global/Unitymedia. Und als Investor CVC den Energiedienstleister Ista verkaufte, war Hengeler Mueller für CVC tätig. Dies waren die drei größten deutschen Transaktionen 2018.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 85 Vollpartner, 24 Counsel und 200 Associates

Frauenanteil Anwälte: 26,5%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine Angaben

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 50 bis 70

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 150       

Praktikumsplätze 2019: 90

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro
  2. Jahr: 120.000 Euro
  3. Jahr: 130.000 Euro
  4. Jahr: 145.000 Euro
  5. Jahr: 165.000 Euro
  6. Jahr: 185.000 Euro

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Die letzte Bastion des Kommunismus in Europa – gerne kokettieren die Hengeler-Partner mit ihrem starren Gleichheitsgrundsatz bei der Vergütung. Sowohl für Partner als auch für Associates gilt ein Gleich­schritt (sogenannter Lockstep), der die Bezahlung ausschließlich an die Jahre der Zugehörigkeit zur Kanzlei knüpft. Die höchste Stufe im Lockstep der Partner ist nach acht Jahren erreicht. Bonuszahlungen sind weder für Partner noch für angestellte Anwälte vorgesehen.

Associates werden nach drei Jahren zu Senior Associates ernannt, nach sechs Jahren fällt die Entscheidung, ob sie Partner werden. Es gilt das Up-or-out-Prinzip, das zu diesem Zeitpunkt alternativ einen Abschied aus der Kanzlei mit sich bringen würde. Associates können allerdings auch eine Karriere als Counsel anstreben und sich mit diesem Status einer dauerhaften Anstellung auf Spezialthemen ­fokussieren. Obwohl die Kanzlei jedes Jahr Partner ernennt, geben die Associates beim Thema Karrierechancen in der azur-Umfrage keine guten Noten.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.