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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

GvW Graf von Westphalen – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 44

Das sagt die azur-Redaktion

Internationaler Mittelstand. GvW hat in fast jeder deutschen Wirtschaftsmetropole ein Büro. Neben ihrer bundesweiten Arbeit vor ­allem für den deutschen Mittelstand ist GvW auch immer stärker international tätig. Länderschwerpunkte liegen in den USA, Großbritannien und vor allem China, wo die Kanzlei ein eigenes Büro hat. Starken internationalen Bezug hat bisher aber vor allem das Corporate-Geschäft, weshalb die Note für die Internationalität in der azur-Associate-Umfrage auch knapp unterdurchschnittlich ausfällt. Deutlich zufriedener sind die Associates da schon mit dem Niveau ihrer Arbeitsinhalte, und auch für das Betriebsklima und die Gleichbehandlung vergeben sie recht gute Bewertungen in der azur-Umfrage.

Ausbildung deckt das Wesentliche ab. Zur hohen Gesamtzufriedenheit der Anwälte trägt auch die Weiterbildung ihren Teil bei, für die die ­Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittliche Noten verteilen. Schon bislang enthielt das Programm alle wesentlichen Bausteine, die die meisten Kanzleien mittlerweile anbieten. Neben der fachlichen Weiterbildung in den Praxisgruppen, Englischunterricht und der Förderung von Fachanwaltskursen gibt es standortübergreifende Associate-Treffen, bei denen Soft Skills im Fokus stehen. Ab dem dritten Berufsjahr bereitet GvW ihre Anwälte außerdem auf die eigene Geschäftsentwicklung vor. Dazu zählen Seminare zu Akquise, Mandantenkommunikation oder Netz­werken. Neu eingeführt für alle Karrierestufen hat die Kanzlei nun ein E-Learning-Tool, das Schulungsvideos aus unterschiedlichen Bereichen ­enthält, in denen sowohl GvW-Anwälte als auch externe Experten zu ­bestimmten Themen referieren. Die sukzessiven Ergänzungen des Programms kommen bei den Associates gut an. Sie loben das Angebot als „großzügig“ und heben hervor, dass die Inhalte sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen lassen.

Engagiert bei Praktikum und Referendariat. GvW kümmert sich nicht nur gut um ihre angestellten Anwälte, auch Referendare und Prakti­­­­­­kanten erwartet ein umfassendes Programm, das sich aus praktischer Arbeit und examensrelevanten Angeboten zusammensetzt. Wie in den meisten Kanzleien lernen sie hier aus der alltäglichen Beratungspraxis. Doch das ist längst nicht alles: Praktikanten bereiten sich im Examensworkshop durch Klausurtechniken und einen Mentaltrainer auf den Ernstfall vor. Für Referendare hat GvW ihr ohnehin schon umfangreiches Angebot um Englischkurse, Verhandlungstraining und eine Aktenvortrags-AG erweitert. Letztere findet als Pilotprojekt ­zunächst nur am Hamburger Standort statt, soll bei entsprechender Nachfrage aber ausgebaut werden. Insgesamt ist das Angebot für die nächste Juristengeneration sehr umfangreich. Das sehen auch die ­Betroffenen so und loben in der azur-Bewerberumfrage „die tiefen Einblicke“, die sie durch die „intensive Einbindung in die Mandatsarbeit“ bekommen.

Das Leben neben dem Job. Auch mit ihrer Work-Life-Balance sind die GvW-Anwälte im Wesentlichen zufrieden und verteilen dafür gute Noten. Kein Wunder, liegt doch ihre Arbeitsbelastung mit gut 50 Wochenstunden laut azur-Associate-Umfrage rund vier Stunden unter dem Marktschnitt. Doch mehr ist immer besser: Auch wenn einige Teilnehmer der azur-­Umfrage die „hohe Flexibilität“ loben, geht anderen das noch nicht weit genug. Sie wünschen sich außerdem „mehr Unterstützung, um Job und Familie besser koordinieren zu können“. Darunter verstehen die meisten vor allem „Hilfe bei der Kinderbetreuung“, sei es durch Kooperationen mit Anbietern oder gar eine eigene Kanzlei-Kita.

Frauenanteil: ausbaufähig. Obwohl die Kanzlei fast jedes Jahr Partner ernennt, sind darunter nur sehr wenige Frauen. Dabei ist deren Anteil auf Associate-Ebene noch ziemlich ausgeglichen – auch das ist nicht in jeder Kanzlei der Fall. In den Karrierestufen über dem Associate-Level fällt der Frauenanteil dann aber ebenso drastisch ab wie bei Wettbewerbern. Doch wie in den meisten anderen Kanzleien lautet auch bei GvW die Lösung schlicht: Teilzeit. Bisher hat das Modell in der Kanzlei noch nicht Schule gemacht. Auf Salary-Partnerebene arbeiten zwei Frauen auf Teilzeitbasis, sieben Associates, davon fünf Frauen, haben ebenfalls ihre Stunden reduziert. Die Anwälte fordern in der azur-Umfrage „ein ­klares Bekenntnis zur Teilzeitpartnerschaft“ und wünschen sich eine ­explizite Förderung.

„Sehr offene und angenehme Arbeitsatmosphäre“

„Bei GvW stimmt das Gesamtpaket, auch die Work-Life-Balance“

„Man darf sehr eigenständig arbeiten und hat sofort Kontakt zu den Mandanten“

„Bei der Frauenquote immer noch hintendran“

„Mehr Feedback auf dem Karriereweg“

„Förderung von Secondments wäre schön“

„Angenehmes Betriebsklima und gute Entwicklungschancen für junge Anwälte“

„Marktentwicklung sehr positiv, leider keine ­konkurrenzfähigen Gehälter“

„Gute Mittelstandskanzlei“

▪ Intensive Betreuung im Kanzleialltag

▪ Viele examensrelevante Inhalte wie Klausurenkurse und Aktenvortragstrainings

▪ Mentales Training für das Staatsexamen

▪ Umfangreicher Mix aus fachlicher Weiterbildung und Soft-Skills-Schulungen

▪ Englischkurse

keine herausragenden Angebote

GvW legt zwar Wert auf überdurchschnittliche Examensnoten, drückt aber bei sonst passenden ­Kandidaten auch mal ein Auge zu, wenn zumindest zusammen 16 Punkte in den beiden Staatsprüfungen herauskommen. Promotion oder ein im Ausland erworbener LL.M.-Titel sind wünschenswert, aber nicht erforderlich. Seit einiger Zeit stellt GvW auch Projektjuristen ein, bei denen die Notenanforderungen nicht so streng sind wie bei klassischen Bewerbern. Wer sich im Zuge dieser ­Projekttätigkeit bewährt, kann auch in die konventionelle Associate-Laufbahn wechseln. Das Bewerbungsgespräch findet im üblichen Rahmen statt: Kandidat und Kanzlei lernen sich in einem Erstgespräch persönlich kennen. Spätestens im Zweitgespräch kann der Bewerber auch die Associates des jeweiligen Fachbereichs in einem weniger formellen ­Rahmen, sprich beim Mittagessen oder in der Kaffeepause, näher kennenlernen. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 42,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 384.000 Euro

Internationale Präsenz: GvW hat ein eigenes Büro in Schanghai und ­kooperiert regelmäßig mit der britischen Kanzlei Mills & Reeve, auch bei Fortbildungen und Secondments. Zudem ist GvW Mitglied in den Netzwerken State Capital Global und Cicero.

Aktuelle Entwicklungen: Die GvW-Standorte sind in den vergangenen Jahren immer stärker zusammengewachsen und bearbeiten größere Mandate inzwischen regelmäßig im Verbund. Parallel dazu treiben sie auch den Ausbau der Spezialisierungen weiter voran. Zuletzt gelang das vor allem im Energierecht sowie in der Gesundheitsbranche.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 57 Vollpartner, 17 Non-Equity-Partner, 4 Counsel, 40 Associates und 2 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 24,2%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 8 (davon 3 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 15 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 60 bis 65            

Praktikumsplätze 2019: 25 bis 30

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 450 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 550 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 250 bis 400 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: 75.000 bis 85.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  2. Jahr: 80.000 bis 90.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  3. Jahr: 85.000 bis 95.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  4. Jahr: 90.000 bis 100.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  5. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine An­gaben

Wer die Partnerschaft als Karriereziel anstrebt, ist bei GvW an der richtigen Adresse. Fast jedes Jahr ernennt die Kanzlei mehrere ­Partner aus den eigenen Reihen. In der Regel führt der Weg in die ­Vollpartnerschaft über die Salary-Partnerschaft. Diesen Status erreichen die Anwälte meist nach sechs bis sieben Berufsjahren. Anfang 2019 ernannte GvW drei Voll- und zwei Salary-Partner – ein wichtiges Signal an den eigenen Nachwuchs, denn GvW gehört zu den Kanzleien, die sich im Laufe der Jahre zu einer attraktiven Anlaufstelle für Quereinsteiger gemausert hat und entsprechend immer mal wieder erfahrene Anwälte aus anderen Kanzleien an Bord nimmt. Dass die Eigengewächse dadurch nicht ins Abseits geraten, sehen auch die GvW-Associates so. In der azur-Umfrage bewerten sie ihre eigenen Partnerchancen mit überdurchschnittlichen Noten. Skeptischer sind sie hingegen, was die Karriere außerhalb der Partnerschaft angeht. Die Kanzlei verfügt nicht über ein Up-or-out-System und hat auch eine Counsel-Position für Anwälte, deren Karriereziel nicht zwingend die Partnerschaft ist.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.