azur100
07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

GSK Stockmann – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 22

Das sagt die azur-Redaktion

Dynamisches Umfeld, gute Stimmung. Manche betrachten GSK immer noch als klassische deutsche Mittelstandskanzlei. Hier hat die Kanzlei zwar durchaus ihre Wurzeln, seit einiger Zeit will sie aber mehr, und entwickelt sich zusehends in Richtung einer auch international aktiven deutschen Großkanzlei. Der neue Schwung begeistert auch viele Associates. In der azur-Umfrage vergeben sie überdurchschnittliche Noten fürs Betriebsklima, unterstreichen den Zusammenhalt und loben die „sehr gute Atmosphäre unter den Associates“. Einer beschreibt die Arbeit im Team sogar als „fantastisch“. Auch insgesamt sind die Associates mit GSK recht zufrieden.

Praktikum und Referendariat mit Associate-Input. Im Zuge der Weiterentwicklung der Kanzlei hat GSK die Ausbildung von Praktikanten und Referendaren überarbeitet und dafür die Meinungen und Wünsche ihrer Associates eingeholt. Für alle Praktikanten, Referendare und wissenschaftlichen Mitarbeiter gibt es während der Praktikumsphase im Sommer eine spezielle Vortragsreihe, die einen breiten Überblick über das Beratungsspektrum bei GSK gibt. Praktikanten und Referendare können stärker als bisher am Beratungsalltag teilnehmen, etwa indem sie Anwälte zu Gericht oder bei Mandantengesprächen begleiten. Schon seit Längerem stellt die Kanzlei Praktikanten Mentoren zur Seite, Referendare haben darüber hinaus einen Vollpartner als Ansprechpartner.

Level statt Berufsjahre. Auch ihr Karrieresystem hat GSK zuletzt überarbeitet: In der Regel können Associates nach acht Jahren zum Vollpartner aufsteigen, alternativ besteht die Möglichkeit, nach sechs Jahren dauerhaft als angestellter Counsel zu arbeiten. Allerdings hat sich GSK inzwischen davon verabschiedet, die Associate-Karriere rein nach Berufs­jahren zu messen. Stattdessen hat die Kanzlei ein neues Level-System eingeführt und dafür wiederum den Input von Associates und Partnern eingesammelt. Das System sieht sechs Level vor, die ein Associate zwar regulär in sechs Berufsjahren durchlaufen kann, aber auch schneller oder langsamer. Der Aufstieg zum Local-Partner kommt dann gegebenenfalls schon nach vier bis fünf Jahren in Reichweite. Maßgeblich für den Aufstieg sind Kompetenzkriterien, die die Associates mitentwickelt haben, von den fachlichen und Teamfähigkeiten bis hin zum Aufbau von Netzwerken und eigenem Geschäft. Die Associates fordern in der azur-Umfrage zwar vor allem noch mehr Transparenz bei den Aufstiegskriterien, bewerten ihre Chancen auf die Partnerschaft im Marktvergleich aber leicht überdurchschnittlich.

Feedback gewünscht. Weniger schematisch als bisher, dafür umso intensiver funktionieren auch die internen Feedbackprozesse. Auch diese wurden nach Wünschen und Input der Associates neu gestaltet, unter anderem, indem mehr Kollegen Feedback geben. Daneben steht den ­Associates ein recht breites internes Ausbildungsprogramm offen, das unter anderem Kurse zu Soft Skills und Legal English umfasst. Zudem gibt es die Möglichkeit von Secondments bei Mandanten. Die Associates bewerten ihre Weiterbildungsmöglichkeiten in der azur-Umfrage überdurchschnittlich. Allerdings gibt es einzelne Stimmen, die sich noch „mehr Seminare“, eine „Verbreiterung des Angebots“ und mehr „auf fachliche Fähigkeiten bezogene Veranstaltungen“ wünschen.

Mäßige Work-Life-Balance. Die großen Ambitionen von GSK bringen gerade im Hinblick auf die Work-Life Balance der Associates auch negative Erscheinungen mit sich. Zwar liegt die Arbeitszeit bei GSK mit gut 54 Wochenstunden laut azur-Associate-Umfrage etwa im Marktdurchschnitt, dennoch bewerten die Associates ihre Work-Life Balance unterdurchschnittlich. In der Associate-Umfrage wünschen sie sich eine „Reduzierung der Arbeitsbelastung“ und die Einstellung weiterer Anwälte. Ein Teilnehmer fordert: „Partner müssten die Vereinbarkeit von Arbeit, Freizeit und Familie vorleben.“ Von der Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, macht derzeit keiner der Partner Gebrauch. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit weiter zu fördern, bietet die Kanzlei etwa die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und Sabbaticals zu nehmen. Feste Vorgaben zu abrechenbaren Stunden gibt es nicht, allerdings bemisst sich die Höhe von Bonuszahlungen unter anderem an der Dauer, die ein Anwalt an Mandaten gearbeitet hat.

„Offene, freundliche Atmosphäre, spürbare ­Wertschätzung“

„Sehr gute Unterstützung beim Aufbau eines ­eigenen Geschäftsfelds“

„Großes Maß an Eigenständigkeit bei der Mandatsarbeit“

„Anspruch und Anforderungen der Kanzlei passen nicht mit Vergütung zusammen“

„Ein klares Bekenntnis gegen Wochenendarbeit ist nötig“

„Wir bräuchten mehr fachliche Weiterbildungen statt Soft-Skills-Trainings“

„Solider Mittelstand“

„Sehr nettes und ambitioniertes Team“

„Teils kaum weniger Arbeit als in einer Großkanzlei, aber deutlich niedrigeres Gehalt“

▪ Zusätzlich zu Mentoren Betreuung durch einen Vollpartner

▪ Crash-Kurse zur Examensvorbereitung

▪ Seminare zu Soft Skills

▪ Flexibles Level-System für die Associate-Karriere

▪ Coaching für Partnerkandidaten

▪ Intensive Beteiligung an Projekten zur Weiter­entwicklung der Gesamtkanzlei

▪ Externer Familienservice

Wie die meisten Kanzleien freut sich GSK über Bewerber mit hoher Punktzahl in beiden Staatsexamina. Insgesamt 18 Punkte sind aber für GSK nicht zwingend notwendig. Auch ein LL.M. oder eine Promotion sind gerne gesehen, aber keine Voraussetzung. Weiterhin sollte ein Bewerber über gute Englischkenntnisse verfügen. Das Bewerbungsverfahren ist in zwei Runden unterteilt: In der ersten führt der Bewerber ein Gespräch mit zwei Partnern und lernt anschließend die Associates kennen. In der zweiten Runde trifft der Bewerber auf weitere Partner und Associates des Standortes. In der azur-Bewerberumfrage bewerten mehrere Teilnehmer das Bewerbungsverfahren als „unkompliziert“. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 66 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 430.000 Euro

Internationale Präsenz: Büro in Luxemburg. Derzeit keine institutionalisierte internationale Vernetzung, aber als ehemaliges Mitglied der Broadlaw-Gruppe weiterhin gut vernetzt.

Aktuelle Entwicklungen: Der Umstrukturierungsprozess bei GSK geht weiter. Neben die traditionelle Stärke bei Immobilientransaktionen und in der Mittelstandsberatung treten immer stärker auch Corporate, Bank- und Finanzrecht. Das noch junge Büro in Luxemburg entwickelt sich zusehends zur Drehscheibe für internationale Mandate und beriet im letzten Jahr etwa an der Seite von Freshfields das Private-Equity-Haus EQT bei einem großvolumigen Deal. Nach der Auflösung des bisherigen europäischen Netzwerks, dem GSK angehört hatte, ist die Kanzlei auch stärker auf eigenes Auslandsengagement angewiesen. Dass die Partnerschaft den neuen Kurs gemeinsam trägt, zeigte zuletzt die Wiederwahl des Managements.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 57 Vollpartner, 15 Non-Equity-Partner, 10 Counsel, 93 Associates und 10 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 25,4%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 25 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 1 bis 2

Referendarplätze 2019: 45         

Praktikumsplätze 2019: 25

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 600 bis 800 Euro/Wochen­arbeitstag

Referendare: 600 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: 85.000 bis 95.000 Euro
  2. Jahr: 85.000 bis 95.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 90.000 bis 100.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus

Regulär können Associates bei GSK nach sechs Jahren Local-Partner und nach acht Jahren Vollpartner werden. Fest an Berufsjahre geknüpft ist die Ernennung nicht mehr, seit die Kanzlei den Karrierefortschritt der Associates in Levels statt Berufsjahren misst. Um die Anwälte bei ihrem Aufstieg zu unterstützen, bietet die Kanzlei eigene Trainings an, etwa zur Mitarbeiterführung. Für die Zukunft ist auch ein neues Partnerentwicklungsprogramm vorgesehen. Abseits des klassischen Partnertracks haben Associates die Möglichkeit, dauerhaft als Counsel zu arbeiten. Innerhalb des letzten Jahres wurden zwei Anwälte zu Local-Partnern und einer zum Vollpartner ernannt. Mit lediglich fünf weiblichen Partnern von insgesamt 57 ist der Frauenanteil auf Equity-Level allerdings sehr gering. Die Vergütung der Partner erfolgt nach dem Prinzip eines modifizierten Locksteps, der leistungsbezogene Bonuszahlungen ermöglicht.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.