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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Görg – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 41

Das sagt die azur-Redaktion

Und sie bewegt sich doch. Obwohl manche externen Stimmen Görg als „alten weißen Mann“ der Kanzleiszene karikieren und ein ­Associate in der azur-Umfrage seinem Arbeitgeber „absolut null“ Fortschritte bescheinigt, tut sich bei Görg doch einiges. So hat die ­Kanzlei an den meisten Standorten modernere Büros bezogen beziehungsweise steht ein Umzug in Aussicht – in Hamburg etwa residiert Görg demnächst direkt neben dem Rathaus. Zudem gibt es mit der Salary-Partner-Stufe jetzt eine weitere Alternative auf dem Karriereweg. Traditionell aber fällt die Wahrnehmung von Stärken und Schwächen je nach Büro und Beratungsfeld ganz unterschiedlich aus. In der Kanzlei gibt nicht eine kleine Managementgarde den Takt an, sondern rund 120 Partner mit eigener – und manchmal eigenwilliger Vorstellung – von Geschäfts- und Personalentwicklung. Quereinsteiger aus anderen Sozietäten sorgen dabei für mehr strategische Veränderungen, als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Wachstum mit Teamgeist. Selbstverständlich legt auch Görg großen Wert darauf, dass alle Anwälte denselben Qualitätsanspruch haben und nahtlos zusammenarbeiten – egal welches Team und egal welches Büro. Für das Miteinander ab dem Berufseinstieg sorgt ein einheitlicher Einarbeitungsprozess, der neben gemeinsamen Veranstaltungen für Neulinge auch die Teilnahme an der jährlichen Associate-Fahrt einschließt, an der alle angestellten Anwälte und Steuerberater teilnehmen. Nach den guten Erfahrungen mit dem Onboarding-Programm wird dieses nun über das erste Berufsjahr hinaus verlängert und in ein Seminar- und Coaching-Angebot für den Karriereweg integriert. Die strukturierten Ausbildungsaktivitäten der Kanzlei umfassen Soft Skills inklusive Personalführung und Kommunikation, BWL-Themen, Steuerrecht und auch Legal-Tech-Wissen: „Coding for Lawyers“ steht 2019 auf dem Fortbildungskalender.

Regelmäßige Fortbildung, gerne auch für Partner. In der Regel nehmen Associates zwei- bis dreimal jährlich an einem ganztägigen Seminar teil. Externe Fachanwaltslehrgänge werden nach Abstimmung mit dem Team finanziell und zeitlich gefördert, im Steuerzweig BWLS auch das Steuerberaterexamen. Görg bekennt sich zudem mittlerweile auch zu Fortbildungsaktivitäten für Partner, was früher fast undenkbar schien. So steht jetzt Personalführung für neue und erfahrene Partner als Seminar auf der Agenda – zum richtigen Zeitpunkt, denn für die Personalführung vergeben Görg-Associates in der Umfrage eher schwache Noten.

Mehr Plätze für Referendare. Weiterhin scheut sich Görg, für Praktikanten und Referendare ein spezielles Ausbildungsprogramm vorzuhalten. In der azur-Bewerberumfrage ist ein Teilnehmer der Überzeugung: „Praktikum bietet sie nicht an.“ Auch wenn das so nicht stimmt, favorisiert die Kanzlei doch die wissenschaftliche Mitarbeit und das Referendariat für die Nachwuchsgewinnung. Wissenschaftliche Mitarbeiter integriert Görg bei guter Bezahlung auch längere Zeit in die alltägliche Mandatsarbeit. Die Referendarplätze hat Görg im laufenden Jahr verdoppelt. Bei der konkreten Ausgestaltung kommt viel auf das Interesse und die Eigeninitiative der Bewerber an – das Referendariat kann je nach Einsatzgebiet unterschiedlich ausfallen, wie ein ehemaliger Referendar in der azur-Bewerberumfrage berichtet: „Die Arbeitsatmosphäre ist stark abhängig vom jeweiligen Team.“ Alle Referendare unterstützt Görg mit einem Zugang für ein Online-Repetitorium.

Individuelle Arbeitszeiten – aber verbindlich. Die Individualität als Charakterzug der Kanzlei sorgt auch bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie für viele unterschiedliche Lösungen – auch Null-Lösungen, wie ein Teilnehmer der Associate-Umfrage beklagt: „Teilzeit wird abgelehnt, Arbeit im Homeoffice wurde für Associates ausdrücklich ausgeschlossen.“ Tatsächlich arbeiten aber etliche Görg-Teilnehmer der azur-Umfrage in Teilzeit und sind mit ihrem Schicksal in der Kanzlei nicht unzufrieden. Es wirkt so, als wäre das Bekenntnis der Partner zu flexiblen Arbeitszeit- und Anwesenheitsregelungen nicht überzeugend genug. Bei der Work-Life-Balance fordern die Görg-Associates vor allem „mehr Akzeptanz und Förderung von Homeoffice-Modellen“ und vergeben leicht unterdurchschnittliche Noten. Mit rund 52 Wochenstunden laut azur-Umfrage liegen sie allerdings ebenfalls unter dem Durchschnitt.

„Einführung der Salary-Partnerschaft ist ein guter Schritt“

„Die Arbeitsbelastung ist okay im Vergleich mit ­anderen Großkanzleien“

„Die Görg-Akademie ist von Jahr zu Jahr besser ­geworden“

„Extrem schlechte interne Kommunikation“

„Teilzeit und Elternzeit sind nicht gerne gesehen und nur Frauen vorbehalten“

„Zu wenig Unterstützung der Partnerschaft, damit ich eigenen Umsatz generieren kann“

„Gute Mittelstandskanzlei, die sich langsam nach oben arbeitet“

„Alles ist sehr standortabhängig: Betriebsklima, ­Arbeitszeiten, Internationalität“

„Noch ist es nicht gelungen, eine Kanzlei mit ­einheitlichem Qualitätsanspruch zu schaffen“

▪ Online-Repetitorium für Referendare zur Examensvorbereitung

▪ Seminar- und Klausurenpaket von Kaiser inklusive zweitägiges kanzleiinternes Seminar für alle Referendare

▪ Neue Fortbildungsangebote zu Projektmanagement, alternativer Arbeitsorganisation und Legal Tech

▪ Führungsseminare für neue und etablierte Partner

keine herausragenden Angebote

Nur in Einzelfällen weicht die Kanzlei bei Bewerbern von der Qualifikation durch ein doppeltes Vollbefriedigend ab. Die Strenge, mit der dieser Maßstab angelegt wird, kann je nach Rechtsgebiet unterschiedlich ausfallen. Zusatzqualifikationen wie ein LL.M.-Abschluss, ein MBA-Titel oder ein anderer wirtschaftswissenschaftlicher Abschluss können fehlende Punkte ausgleichen. Vor allem jedoch setzt Görg auf das Kennenlernen während wissenschaftlicher Mitarbeit und Referen­dariat: Bei Bewerbern, die sich hier bewährt haben, sieht die Kanzlei ­gelegentlich über ein fehlendes Prädikat hinweg. Für den Bewerbungsprozess sind zwei Termine vorgesehen. Nach dem Kennenlernen von Partnern des jeweiligen Teams gibt es ein zweites Treffen, um weitere Teammitglieder, auch Associates, genauer kennenzulernen. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln und München

Umsatz in Deutschland 2017: 123,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 463.000 Euro

Internationale Präsenz: Görg hat keine Auslandsbüros, sondern verfügt über ein eher informelles Netzwerk mit befreundeten Kanzleien.

Aktuelle Entwicklungen: Beharrlich arbeitet Görg daran, ihre Produktivität zu steigern, und zwar auf anderen Wegen als früher, als der insolvenzrechtliche Zweig immer wieder und zuverlässig Millioneneinnahmen verbuchte. Der Umsatz pro Berufsträger steigt seit Jahren immer etwas stärker als der Umsatz insgesamt, das heißt, ganz allmählich betreut Görg größere und lukrativere Mandate als früher – nicht nur bei Unternehmenskäufen oder Immobilientransaktionen, sondern auch im öffentlichen Sektor: Zum Beispiel beriet die Kanzlei den Freistaat Sachsen bei der finanziellen Absicherung der Rekultivierung der Tagebaue. Die Weiterentwicklung des Geschäfts geschieht aber weiterhin vor dem Hintergrund einer Full-Service-Kanzlei, die wirtschaftsrechtliche Beratung an allen Standorten in ihrer ganzen Breite anbietet.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 114 Vollpartner, 3 Non-Equity-Partner, 16 Counsel, 134 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 25,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 11 (davon 5 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 30 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 1 bis 3

Referendarplätze 2019: 50         

Praktikumsplätze 2019: 25

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 14 Euro/h (vor dem 1. Examen), 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/­Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: 90.000 bis 100.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 110.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus (als assoziierter Partner)

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 40.000 bis 80.000 Euro plus Bonus

Für Görg-Anwälte steht nach dem fünften Jahr in der Kanzlei die ­Ernennung zum Assoziierten Partner an, wenn der Karriereausschuss diese Beförderung absegnet. Die Stufe entspricht dem Status eines Senior Associate in anderen Großkanzleien, bringt aber schon eine stärker leistungsbezogene Vergütung mit sich. Vom Up-or-out-­System hat sich Görg allmählich verabschiedet, das im Prinzip nur die Alternative zwischen Partnerschaft und Verlassen der Kanzlei vorsah. Bei Görg gibt es nun die Möglichkeit, dauerhaft angestellt als Counsel zu arbeiten oder über die Salary-Partner-Stufe näher an die Riege der Vollpartner heranzurücken. Beide Stufen sind offen für den weiteren Aufstieg in Richtung Partnerschaft. Diese Karrieremöglichkeiten werden von Traditionalisten der Kanzlei noch etwas misstrauisch beäugt, die für solche Stufen die unternehmerische Ausrichtung der Anwälte infrage stellen. Auch die Associates in der azur-Umfrage sehen ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus nur durchschnittlich. Dabei ist Görg in Sachen Partnerernennung recht zuverlässig und schafft ihr personelles Wachstum beileibe nicht nur mit Quereinsteigern.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.