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06.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Freshfields Bruckhaus Deringer – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 1

Das sagt die azur-Redaktion

Mandate ohne Grenzen. Während sich die Politik mit dem Brexit und anderen Zerfallserscheinungen arrangieren muss, setzt Freshfields ganz auf grenzüberschreitende Vernetzung. Nicht nur die Mandate spielen immer öfter außerhalb Deutschlands – von der Prozesslawine in Sachen Dieselskandal, die Freshfields für VW managt, bis hin zu großen Deals für BASF, Hochtief oder Merck – auch im Alltag der Anwälte sind die nationalen Grenzen durchlässiger denn je. Knapp 80 ihrer über 400 deutschen Associates hat die Kanzlei nach eigenen Angaben schon per Mini-Secondment zu mehrwöchigen Aufenthalten in ein ausländisches Büro entsandt. Das hilft bei der internen Vernetzung und kommt auch bei den Associates gut an, wie die azur-Umfrage zeigt: Für ihre Internationalität erntet die Kanzlei hier gute Noten.

Individuelle Lernmodule. Associates loben regelmäßig das Ausbildungssystem, das die Kanzlei über Jahre hinweg entwickelt und stets weiter verbessert hat. Auch hier werden einige Ausbildungsteile inzwischen einheitlich für ganz Kontinentaleuropa durchgeführt. Freshfields hat dazu einige onlinebasierte Module neu entwickelt, etwa betriebswirtschaftliche Trainings, die für Associates in den ersten beiden Jahren ­gedacht sind. Ältere trainieren Aufbau und Pflege von vertrauensvollen Mandantenbeziehungen. Obwohl Onlineschulungen zeitlich flexibler zu handhaben sind, schätzen viele besonders die individuellen Fortbildungen und Fördermaßnahmen, wie etwa Karrierecoachings und das Fördern der Vernetzung inner- und außerhalb der Kanzlei.

Viel Licht, viel Schatten. Überdurchschnittlich gute Noten geben die Freshfields-Associates ihrem Arbeitgeber für das Niveau der Arbeitsinhalte – auch im Vergleich mit anderen großen Top-Kanzleien. Dennoch fällt die Gesamtzufriedenheit nur durchschnittlich aus, denn mit ihrer Arbeitsbelastung, der Work-Life-Balance und der Vereinbarkeit von Karriere und Familie sind die Associates alles andere als glücklich. Das ist nicht neu und zeigt die Kehrseite des hohen Anspruchs der Kanzlei. Immerhin bewegt sich etwas: Zuletzt arbeiteten die Freshfields-Associates laut der azur-Umfrage im Schnitt 56 Wochenstunden, das ist weniger als im Vorjahr und auch weniger als bei diversen anderen High-End-Kanzleien. Einige Umfrageteilnehmer loben die Bereitschaft, zeitlich flexibles Arbeiten und Homeoffice zu ermöglichen – auch wenn manche kritisieren, dass es mit der Umsetzung in der Praxis hapert. Anderen fehlt hingegen eine stärkere Planbarkeit von Arbeitszeiten und Wochenenden.

Am Puls der Zeit. Stärker engagiert sich Freshfields bei anderen Themen, die zum allmählichen Wandel im Rechtsmarkt beitragen. Frauen fördert die Kanzlei mit gezieltem Karrierementoring, Stimm- und Sprechtrainings sowie Workshops für Genderkompetenz. Für weibliche Asso­ciates, die schon ein paar Jahre dabei sind, gibt es ein eigenes Karriere­förderprogramm. Den Anforderungen durch die zunehmende Digi­­­­tali­­­­­­sierung begegnet Freshfields mit Legal-Tech-Initiativen, in denen technologieinteressierte Associates oft an entscheidenden Stellen eingebunden sind. Um dem Personalbedarf durch große Compliance-Projekte und komplexe Prozessserien zu entsprechen, stellt Freshfields, wie auch einige andere, zudem Juristen für zeitlich begrenzte Projekte ein.

Volles Programm für Referendare und Praktikanten. Einer von drei im letzten Jahr neu eingestellten Associates war schon als Referendar bei der Kanzlei. Weil hier durchaus das gegenseitige Austesten eine Rolle spielt, werden Referendare in die Mandatsarbeit mit eingebunden. Für die examensrelevante Vorbereitung bietet die Kanzlei außerdem ein Kurs­programm mit fachlicher Ausbildung und Aktenvortragstrainings. Zusätzlich können Referendare üben, juristische Texte auf Deutsch oder Englisch zu schreiben. In der Bewerberumfrage bewerten Teilnehmer das Angebot für Referendare vielfach als hervorragend, allerdings teilt sich auch ihnen schon ein oft hoher Leistungsdruck mit: „Nettes Anwalts­team, in sehr stressigen Phasen aber auch mal kürzer angebunden. Insgesamt aber zu empfehlen.“ Auch für Praktikanten gibt es spezielle Angebote: Wer sich für ein fest strukturiertes Praktikum entscheidet, kann zum Beispiel von nützlichen Trainings wie Speedreading und Gelegenheiten zum Netzwerken profitieren. Individuelle Praktika in bestimmten Fachteams sind aber auch möglich.

„Mini-Secondments sind eine echte Verbesserung“

„Hilfreiche, regelmäßige Feedback- und Review­gespräche“

„Wie die Vernetzung mit Mandanten gefördert wird, finde ich gut“

„Vereinbarkeit von Karriere und Familie ist in der Praxis immer noch nicht so darstellbar, wie es sich viele Partner und Associates wünschen würden“

„Deutlich zu hohe Arbeitsbelastung“

„Die Kanzlei muss Freiheiten schaffen, auch wenn ein Associate (noch) keine Kinder hat“

„Spitzenmandate und fachlich oft top. Aber Teams, die nicht lukrativ sind, werden abgebaut“

„Keine planbaren Partnerchancen, aber gute ­Wechselmöglichkeiten“

„Problematische Work-Life-Balance“

▪ Strukturierte Praktika mit Trainingsmodulen und Networking, auch individuelle Praktika

▪ Ausbildungsprogramm für Referendare, das neben fachlichen Inhalten auch das Networking fördert

▪ Strukturierte Begleitung von Wahlstationen in ­Auslandsbüros

▪ Sehr breit aufgestelltes Modulsystem mit persön­licher Schwerpunktsetzung

▪ Individuelle Coaching-Angebote ab dem 4. Jahr

▪ Breit angelegtes Mentoring weiblicher Associates durch Partner

▪ Spezielle Förderprogramme für Referendarinnen und besonders talentierte weibliche Associates

▪ Intern und extern anerkannte und aktive LGBT-Gruppe

Für die Kanzlei sind Examensnoten bei der Auswahl der besten Bewerber eines Jahrgangs ein wesentlicher Anhaltspunkt. Associates ohne zwei Prädikatsexamina sind bei Freshfields rare Ausnahmen, wie auch viele Wettbewerber bestätigen. Eine Promotion oder ein LL.M. sind ein klares Plus, ebenso Auslandsaufenthalte. Englisch ist hier in vielen Mandaten die Arbeitssprache, gute Kenntnisse setzt die Kanzlei daher voraus. Interessenten können sich direkt am Standort und in der Praxisgruppe ihrer Wahl bewerben. Die Bewerbung soll auch Abitur- und Stationszeugnisse sowie einen Lebenslauf enthalten. Die eintägige Bewerbungsrunde umfasst mehrere Gespräche mit Partnern und Associates unterschiedlicher Senioritätsstufen. Manchmal folgen weitere Treffen an einem anderen Standort oder Fachbereich. Stimmen aus der azur-Bewerberumfrage loben den Prozess überwiegend als „professionell“ und „unkompliziert“, die Atmosphäre als „angenehm“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 405,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 828.000 Euro

Internationale Präsenz: Mehr als 2.500 Anwälte arbeiten grenzüberschreitend in integrierten Teams an weltweit 26 Standorten. Associates sollen zeitweise an ausländischen Standorten arbeiten.

Aktuelle Entwicklungen: Freshfields fokussiert sich auf komplexe und große Fälle, die außerdem oft internationalen Bezug haben. Deshalb hat sie die europäischen Büros (außer London) organisatorisch unter ein einheitliches Management gestellt. Ein gemeinsames Legal-Tech-Zen­trum ist derzeit in Berlin im Aufbau. Die deutsche Freshfields-Praxis forciert seit einiger Zeit ihre Fokussierung und Verjüngung. Zuletzt gründeten drei Partner mit öffentlich-rechtlichem Schwerpunkt in Berlin die Boutique Posser Spieth Wolfers, und auch aus anderen Praxen verabschiedeten sich erfahrene Anwälte.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 102 Vollpartner, 11 Counsel und 436 Associates

Frauenanteil Anwälte: 33,0%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine Angaben

Neueinstellungen Volljuristen 2019: ca. 100

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: nach Bedarf

Referendarplätze 2019: 400       

Praktikumsplätze 2019: 90

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: keine Angaben

Associates*

  1. Jahr: 120.000 Euro
  2. Jahr: 130.000 Euro
  3. Jahr: 140.000 Euro
  4. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 160.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 170.000 Euro plus Bonus

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben * azur-Recherche

Für sehr viele ist die Kanzlei eine attraktive Adresse für den Start in den Anwaltsberuf. Mit ausgezeichneter Bezahlung, guter Ausbildung und der Mitarbeit an hochkarätigen Mandaten im Rücken wechseln viele junge Juristen nach ein paar Jahren bei Freshfields in eine ­andere Kanzlei oder in ein Unternehmen. Einer der Gründe dafür ist, dass Freshfields nur wenigen eine Partnerperspektive bieten kann. Nach etwa vier Jahren steigen Nachwuchsanwälte zum Principal ­Associate auf – oder sie verlassen in aller Regel die Kanzlei, denn dieser Titel ist eine erste Weichenstellung auf dem Karriereweg. Doch auch von denen, die sich auf dieser Position fachlich bewähren, kommen nur wenige in die engere Auswahl für eine Partnerschaft. Mit den Partnerchancen, aber auch den alternativen internen Karrieremöglichkeiten sind die Associates laut azur-Umfrage unzufrieden.

Um Associates bei der weiteren Karriere außerhalb der Kanzlei zu helfen, gibt es eine Jobbörse, in die Mandanten offene Positionen in ihrer Rechtsabteilung einstellen können. 2018 kamen von zwölf neuen Partnern in der Gesamtkanzlei vier aus Deutschland, aus den Fachbereichen Prozessführung, Immobilien, Bankenaufsicht und Gesellschaftsrecht. Auch eine Frau war darunter. Für die Partner gelten sehr hohe Umsatzziele. Die Vergütung nimmt die Kanzlei nach einem modifizierten Lockstep-Modell vor. Ihr Anteil am Kanzleigewinn steigt also mit den Dienstjahren, ist aber auch an die individuelle Leistung geknüpft.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.