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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Flick Gocke Schaumburg – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 29

Das sagt die azur-Redaktion

Steuern im Fokus. Die steuerzentrierte Großkanzlei ist weiter in ­Bewegung. Weil sie personell wächst und sich auch fachlich verbreitert, können Neueinsteiger auch jenseits des Steuerrechts und abseits des Stammsitzes Bonn Karriere machen. Vor allem das Gesellschafts-, Arbeits- und Kartellrecht will die Kanzlei weiter ausbauen. Nach der Eröffnung eines Büros in Düsseldorf Anfang 2018, das seither schon deutlich gewachsen ist, hat das Management als nächstes Ziel Stuttgart ins Visier genommen.

Einheitliche Vergütung, individuelles Arbeiten. Die Anfang 2018 geänderte Associate-Vergütung erhält viel Lob in der azur-Associate-Umfrage. Die einheitliche Gehaltsstruktur beurteilen die Teilnehmer als „wesentlich transparenter“ als die frühere individuelle Bezahlung. Trotz einheitlicher Vergütung und Ausbildung in den ersten Berufsjahren sorge die große Unabhängigkeit der FGS-Partner dafür, dass „jeder vergleichsweise frei ist, seinen Business Case zu entwickeln“. Ein anderer Umfrageteilnehmer meint: Dies sei „Chance, aber auch Herausforderung für den Einzelnen, da für Unerfahrene die Anleitung fehlt”. Weiter ausbaufähig bei FGS sind die Karrieremöglichkeiten für Frauen. Auf Vollpartnerebene gibt es bislang eine einzige Frau, unter den 34 Assoziierten Partnern nur sieben. Immerhin: „Mit der Ernennung mehrerer Frauen zu Assoziierten Partnerinnen wird dieser Punkt langsam aufgearbeitet“, so ein Umfrageteilnehmer.

Ausbildungsprogramme ausgebaut. Seit 2018 kümmern sich an jedem FGS-Standort bis zu zwei Associates um die Praktikanten und werden für diese Aufgabe von der Personalabteilung in Bonn gecoacht. Neben dem vor zwei Jahren gestarteten Sommerpraktikum bietet die Kanzlei auch unterjährig Praktika an. Ehemalige Praktikanten sind davon sehr angetan und schreiben in der azur-Bewerberumfrage: „Tolles Programm mit großzügiger Vergütung.“ Auch an den Ausbildungsprogrammen für Associates hat FGS weiter gefeilt und bietet für die ersten drei Berufsjahre jetzt auch Soft-Skills-Schulungen an. Auch das jährliche Summer Camp, das sich an alle Associates richtet, erweiterte die Kanzlei um nichtfachliche Themen wie Projektmanagement oder Legal/Tax Tech. Dennoch bewerten die Associates in der azur-Umfrage das Weiterbildungsprogramm unterdurchschnittlich. Kritische Stimmen bemängeln etwa: „Alle externen Fortbildungen müssen in Eigenregie organisiert werden” oder dass FGS „mit externen Fortbildungen sehr sparsam“ umgehe.

Moderate Arbeitszeiten, fehlende Ansagen. Mit der Work-Life-Balance zeigen sich die FGS-Associates wie schon im Vorjahr zufrieden. Mit rund 53 Stunden pro Woche arbeiten sie laut azur-Umfrage ein kleines bisschen weniger als der Marktdurchschnitt. „Wochenendarbeit ist die Ausnahme“, „signifikante Mehrarbeit ist nur selten erforderlich“, melden die Umfrageteilnehmer. „Wann und wo die Arbeit erledigt wird, ist grundsätzlich egal, solange sie gut erledigt wird“, lobt ein FGS-Asso­ciate die Flexibilität in der azur-Umfrage. Bei manch anderem sorgt das individuelle Arbeiten allerdings für Verwirrung: Ein Associate vermisst „klare Ansagen, bis wann die Anwesenheit im Büro erwartet wird“. Bei der Förderung der Work-Life-Balance heben Umfrageteilnehmer die Teilzeitangebote der Kanzlei hervor. Ein Associate bemängelt allerdings, dass die Angebote „eher für Frauen mit Kindern gedacht sind“. Mit Blick auf die Associate-Partner-Ebene ist die Kritik nicht unbedingt nachvollziehbar: Unter den fünf Teilzeitpartnern ist das Verhältnis mit drei Frauen und zwei Männern nahezu ausgeglichen.

Zufriedenheit nimmt zu, Defizite bleiben. Die Gesamtzufriedenheit der FGS-Associates ist zwar laut azur-Umfrage seit dem Vorjahr gestiegen, wächst aber immer noch nicht in den Himmel. Vor allem Anspruch und Niveau der Arbeitsinhalte erhalten sogar eine überdurchschnittliche Bewertung. Kritischer wird die Arbeitsatmosphäre bewertet: Sie wird „unter den Associates, Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern als sehr gut und kollegial“ empfunden, sei aber „im Verhältnis zum Partner stark davon abhängig, für wen man arbeitet”, berichtet ein Assessor. Das FGS-Management scheint dies erkannt zu haben: „Die Probleme werden aktiv angegangen, etwa durch eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Teams”, schreibt ein Associate.

„Spannende Arbeit, gute Bezahlung und im ­Marktvergleich sehr moderate Arbeitszeiten“

„Sehr guter Zusammenhalt unter den Associates“

„Das Personalmanagement wird immer ­professioneller“

„Hohe fachliche Anforderungen schlagen sich nicht im Gehalt nieder“

„Distanzierte Atmosphäre, Partner arbeiten ungern zusammen“

„Klare Absprachen zur gewünschten Anwesenheit fehlen“

„Für Steuerrecht top, sehr bodenständige ­Partnerschaft“

„Das Gehalt könnte in Anbetracht der gestellten ­Anforderungen höher sein“

„Fachlich sehr gut, nicht so international ­ausgerichtet

▪ Den Praktikanten stehen die Veranstaltungen der FGS Academy und Academy Young Professionals ­offen

▪ An jedem Standort Betreuung der Praktikanten und Referendare durch Associates, die dafür in Bonn gecoacht werden

▪ Englischtraining für Referendare in Bonn

▪ Multidisziplinäre FGS Academy Young Professional für Berufsanfänger

▪ Summer Camp für Associates mit Vorträgen zu ­Themen wie Projektmanagement, Legal/Tax Tech und künstliche Intelligenz

▪ Kooperation mit pme Familienservice, etwa für ­Kita-Plätze oder die Pflege von Familienange­hörigen

▪ Eltern-Kind-Büro im Bonner Stammsitz

FGS erwartet von den Bewerbern mindestens ein Prädikatsexamen. Weiter hoch im Kurs steht der Doktortitel – abgeschlossen oder zumindest in Planung. Gern gesehen ist auch ein LL.M.-Abschluss. Erfahrungen mit Veröffentlichungen sind ein großes Plus: Vor allem Bewerber für das Steuerrecht sollten ihre Bereitschaft signalisieren, während der Beratertätigkeit wissenschaftlich zu arbeiten und zu publizieren.

Das etwa 60 Minuten dauernde Bewerbungsgespräch führt der potenziell zuständige Partner mit einem weiteren Partner oder Associate aus der jeweiligen Praxisgruppe. Zentrale Inhalte sind Lebenslauf, Fachkenntnisse sowie persönliche Erfahrungen des Bewerbers. Auf Wunsch stellt FGS das künftige Team vor und zeigt den möglichen Arbeitsplatz. Zusätzlich kann es ein zweites Gespräch geben, etwa bei zwei gleich guten Bewerbern. Daran nehmen weitere Partner und Associates teil, gegebenfalls aus anderen Rechtsgebieten. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 125,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 514.000 Euro

Internationale Präsenz: Seit 2016 ist FGS Mitglied des internationalen Steuernetzwerks Taxand, das in über 40 Ländern weltweit präsent ist. Zudem hat die Kanzlei eigene Repräsentanzen in Zürich und Wien, die sie zusammen mit LeitnerLeitner aus Österreich betreibt.

Aktuelle Entwicklungen: Neben dem Ausbau des Anfang 2018 eröffneten Büros in Düsseldorf verstärkte die Kanzlei auch ihren Standort Berlin. Für den Start eines Notariats im November 2018 holte FGS drei Anwälte und vier Notariatsmitarbeiter von Freshfields Bruckhaus Deringer.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 46 Vollpartner, 34 Non-Equity-Partner, 96 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 22,8%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 4 (davon 2 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 22 bis 24

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine

Referendarplätze 2019: 35         

Praktikumsplätze 2019: 35

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.500 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 80.000 bis 110.000 Euro
  2. Jahr: 86.000 bis 116.000 Euro
  3. Jahr: 92.000 bis 122.000 Euro
  4. Jahr: 98.000 bis 128.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  5. Jahr: 104.000 bis 134.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

FGS bietet von jeher einen dreistufigen Partnertrack ohne Up-or-out-Entscheidung. Die erste umfassende Karrierebeurteilung findet nach drei Jahren statt. Hier besprechen der jeweilige verantwortliche Partner und der Associate Stärken und Schwächen sowie die Entwicklungsperspektive im Detail. Läuft alles nach Plan, folgt nach weiteren zwei bis drei Jahren die Ernennung zum Assoziierten Partner und wiederum drei bis vier Jahre später die Vollpartnerschaft. Vollpartner werden nach dem sogenannten Merit-based-System vergütet. Dieses verbindet verschiedene Leistungskriterien, etwa Verwaltungsaufgaben innerhalb der Kanzlei, mit einer ausgeprägten persönlichen Umsatzkomponente. Die Vergütung der Partner fällt daher sehr unterschiedlich aus.

Neue Partner ernennt FGS regelmäßig, zum Jahresauftakt 2019 waren es sechs Vollpartner und sechs Assoziierte Partner, darunter zwei Frauen. Auch wenn dies weniger sind als noch vor Jahresfrist, bleiben die Chancen auf eine Vollpartnerschaft besser als bei vielen Wettbewerbern. Auch die FGS-Associates bewerten ihre Karrierechancen etwas besser als der Marktdurchschnitt ihrer Kollegen in anderen Kanzleien.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.