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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

DLA Piper – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 33

Das sagt die azur-Redaktion

Gutes Rüstzeug. DLA ist eine der größeren Kanzleien im deutschen Markt und als internationale Rundumberaterin bekannt. Doch die Kanzlei will mehr. Die Ambitionen zeigen sich auch in der azur-Umfrage: Die Associates sind mit dem Niveau ihrer Arbeit deutlich zufriedener als noch im Vorjahr. Ein Teilnehmer lobt: „früh eigenständiges ­Arbeiten und direkter Mandantenkontakt“. Dazu kommt ein Ausbildungsprogramm, das in mittlerweile 15 ­Seminaren auf die Bedürfnisse der ­Associates je nach Karrierestufe eingeht. Für Berufsanfänger stehen etwa Bilanzen, Projektmanagement oder Legal English auf dem Programm. Später folgen Kurse zu Preisgestaltung, Netzwerken und Personalführung. Zuletzt kam noch ein Kurs speziell für Frauen sowie zur Legal-Tech-Strategie von DLA dazu. Damit bekommen Associates ein gutes Rüstzeug, entsprechend gut ist ihre Resonanz zur Ausbildung in der azur-Umfrage.

Kümmern um die Jüngsten. Am stärksten Gas gegeben hat DLA beim Thema Nachwuchsgewinnung – hier hatte die Kanzlei auch den größten Nachholbedarf. Bislang konnten bis zu 18 Praktikanten an einem sechswöchigen Sommerprogramm teilnehmen. Künftig gibt es noch einmal ­genau so viele Plätze in einem dreiwöchigen Frühjahrsprogramm. „Gut organisiertes Programm, wobei ich teilweise mehr mit anderen Praktikanten zu tun hatte als mit den Anwälten“, berichtet ein ehemaliger Teilnehmer. Zudem können Praktikanten auch an einigen Seminaren des neuen Traineeprogramms teilnehmen. Das im Mai 2018 eingeführte ­Programm richtet sich vor allem an Referendare und besteht aus sechs Modulen – einer Mischung aus fachlicher Wissensvermittlung, Examensvorbereitung und Praxiswissen. Zudem gibt es die Möglichkeit einer dreimonatigen Auslandsstation. Betreut wird jeder Trainee von einem ­erfahrenen Associate als Ausbildungsanwalt und Mentor.

Komplizierte Rechnung. Noch gar nicht lange ist es her, da hat DLA die Vergütung ihrer Associates auf neue Füße gestellt: Das dreistufige ­Modell sieht neben dem Grundgehalt einen auslastungsabhängigen Zielbonus zwischen 10.000 und 30.000 Euro vor. Hinzu kann ein zusätzlicher Bonus kommen, den das Management festsetzt und der bis zu 50.000 Euro beträgt. Doch in der letzten azur-Umfrage mehren sich die kritischen Stimmen: „Immer noch intransparent und mit vielen Ausnahmen“, bemängelt ein Teilnehmer. Insgesamt sank die Zufriedenheit mit dem Gehalt deutlich. Auch bewerteten Associates die Faktoren Arbeitsbelastung, Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Karriere und Familie schlechter als im Vorjahr. Durchschnittlich 57 Stunden pro Woche arbeiten Associates laut azur-Umfrage bei DLA, rund 3 Stunden mehr als im Marktdurchschnitt. „Der Druck ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen – Stundenvorgaben, Auslastung als Kriterium für Beförderung –, ohne dass die Entwicklung des Marktniveaus von Gehältern mitvollzogen wurde“, schreibt ein Teilnehmer in der azur-Associate-Umfrage.

Fehlende Standards. Das Management von DLA hat viele Steine für Nachwuchsjuristen ins Rollen gebracht. Doch bislang tragen noch nicht alle DLA-Partner dieses Vorhaben mit: „Wo in einem Team flexibles Arbeiten, Homeoffice und Teilzeit selbstverständlich ist, sind diese Parameter in anderen Teams Fremdwörter“ – so oder so ähnlich formulieren es gleich mehrere Associates in der azur-Umfrage. DLA ist sich dessen bewusst und fordert Associates auf, sich stärker einzubringen. Als ein erster Schritt wurde an jedem Standort ein Associate-Sprecher gewählt.

Vielschichtig vielfältig. Die Themen Vielfalt und Internationalität hin­gegen prägt das Selbstverständnis der DLA-Anwälte schon seit Langem, vor allem für die Internationalität erhält die Großkanzlei von ihren Associates auch weiterhin mit Abstand die besten Noten. Über das Thema ­Diversity sagt ein Teilnehmer: „Das ist so selbstverständlich, dass man darüber nicht sprechen muss.“ Dass das eine nicht ohne das andere geht, zeigt auch die LGBT-Gruppe der Kanzlei, die als weltweites Netzwerk angelegt und nicht nur auf juristische Mitarbeiter beschränkt ist. Stärker als früher wirbt DLA aber auch speziell in ihrer deutschen Praxis für Unterstützer und ermutigt junge Anwälte, sich dafür zu engagieren. Auf die Initiative einer Associate entstand dann auch im Sommer 2018 eine Veranstaltung im Hamburger Büro zu einer Studie, die sich mit der Arbeitssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und Trans-Beschäftigten auseinandersetzt.

„Früh eigenständiges Arbeiten und direkter ­Mandantenkontakt“

„Flexible Lösungen, um Beruf und Privatleben zu vereinbaren“

„Starkes individuell zugeschnittenes Ausbildungsprogramm“

„Fordert viel von Associates, ist aber nicht bereit, selbst viel zu geben“

„Frauen haben keine echte Chance“

„Engagiert sich sehr für Associates“

„Extreme Arbeitsbelastung bei wenig angemessener Bezahlung“

„Hohe Fluktuation und undurchsichtige Aufstiegschancen“

▪ Praktikum: drei- bis sechswöchige Spring und Summer School, u.a. mit Seminar zu Verhandlungsführung und Moot-Court-Wettbewerb

▪ Traineeprogramm mit sechs Modulen

▪ Wahlstation kann im Pro-Bono-Team verbracht ­werden, zunächst einen Monat in Paris oder ­Amsterdam, danach in Hamburg

▪ Nationales Weiterbildungsprogramm mit jährlich

15 Seminaren und Workshops, an Karrierestufen angepasst

▪ Kurz-Secondment-Programm über jeweils zwei Wochen in einem europäischen oder weltweiten Büro

▪ Internationales Ausbildungsprogramm mit einer Mischung aus Online- und Präsenzseminaren

▪ Weltweites LGBT-Netzwerk sowie Schulungen zu „Unconscious Bias“

▪ Programm mit festen Rahmenbedingungen für ­flexibles und mobiles Arbeiten

▪ Teilzeitarbeit auf allen Hierarchieebenen möglich

Auch DLA nimmt am liebsten Bewerber mit zwei VB, aber nach azur-Recherchen macht die Kanzlei auch Ausnahmen – insbesondere in Praxisgruppen und regionalen Märkten, in denen die Konkurrenz sehr groß ist. Wegen der internationalen Ausrichtung sollten Bewerber Englischkenntnisse und unternehmerische Kompetenzen mitbringen.

In den zweigliedrigen Bewerbungsgesprächen auf Deutsch liegt der Schwerpunkt auf dem Kennenlernen. Im Erstgespräch (90 bis 120 Minuten) nimmt neben den Partnern des Fachbereichs auch ein lokaler Personalpartner teil, anschließend gibt es ein Treffen mit weiteren Teammitgliedern. Im Zweitgespräch lernen Kandidaten weitere Partner, Counsel und Associates des jeweiligen Fachbereichs oder Standorts kennen.

„Hat etwas gedauert, aber ich habe nette Kollegen kennengelernt, die sich trotz offensichtlichem Signing-Stress die Mühe gemacht haben, mir einen positiven Eindruck zu vermitteln“, lobt ein Bewerber. 

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Hamburg, Köln und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 88,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 400.000 Euro

Internationale Präsenz: DLA ist an mehr als 80 Standorten in über 40 Ländern vertreten. Ende 2017 schlüpften 20 afrikanische Standorte, die zuvor als Kooperationspartner mit DLA verbunden waren, unter das Dach der Kanzlei. Zuletzt eröffnete sie im Januar 2019 ein Büro in Dublin.

Aktuelle Entwicklungen: DLA befindet sich seit einiger Zeit in einem Kulturwandel: Damit will sie das unternehmerische Denken und Handeln stärken und gleichzeitig die fachübergreifende Zusammenarbeit inten­sivieren. Diese Debatte betrifft vor allem Partner, das Management ­bezieht aber auch zunehmend Counsel und Associates mit ein. Auf Partner­ebene kam es in der Folge zu einiger personeller Fluktuation – teils gewollt, teils aber auch nicht.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 60 Vollpartner, 41 Counsel, 131 Associates und 10 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 33,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 16 (davon 11 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: ca. 30

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 20         

Praktikumsplätze 2019: 40

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 90.000 bis 105.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: 95.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
  3. Jahr: 100.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
  4. Jahr: 105.000 bis 120.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 110.000 bis 125.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Frühestens im vierten Jahr steht bei DLA die Beförderung zum Senior Associate an. Die Entscheidung, ob jemand auf den Counsel- oder Partnertrack kommt, fällt nach sechs Jahren. Für Associates mit Teilzeitmodellen gilt derselbe Zeitrahmen. Schon seit Längerem sind Associates bei DLA unzufriedener als der Marktdurchschnitt, was ­ihre Aufstiegschancen in die Vollpartnerschaft anbelangt; in der ­aktuellen azur-Umfrage verstärkte sich dieser Trend noch einmal. Deutlich besser schätzten die Teilnehmer ihre alternativen Karrierechancen ein. Die Ernennung zum Counsel kann in eine dauerhafte Anstellung münden, der Weg in die Partnerschaft bleibt aber offen. Da es bei DLA nur die Stufe des Vollpartners gibt, dient der Counsel-Status auch als Schonzeit. Vor der Ernennung zum Counsel müssen die Kandidaten einen Businessplan präsentieren, in dem sie ihre weitere Geschäftsentwicklung vorstellen. Partnerkandidaten durchlaufen außerdem ein Assessmentcenter.

Neu ernannte Partner vergütet DLA für die Dauer von drei Jahren nach dem Lockstep-System, um den Umsatzdruck zu mindern. Danach werden sie wie die anderen Partner leistungsbezogen vergütet: Der Gewinnanteil jedes Partners wird zum Jahresbeginn überprüft und festgesetzt. Am Ende eines Jahres erhalten die Partner noch ­einen Bonus, der außergewöhnliche Leistungen berücksichtigt. ­Dabei spielen auch Teamfähigkeit, die Übernahme besonderer Aufgaben und der Ausbau von Beziehungen zu wichtigen Mandanten ­eine Rolle.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.