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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Dentons – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 24

Das sagt die azur-Redaktion

Der Wachstumsmotor läuft. Dentons ist weiter auf Expansionskurs – sowohl mit Quereinsteigern als auch mit Berufsneulingen. ­Mindestens 35 neue Anwälte sollen 2019 dazukommen, davon 20 Berufseinsteiger. Ein Teil der „Neuen“ wird dann auch nach Düsseldorf ziehen – dort eröffnete die Kanzlei Anfang dieses Jahres ihr viertes ­deutsches Büro mit Partnern, die von Taylor Wessing wechselten. Der Wachstumsschub bedeutet aber auch, dass die Kanzlei eine Balance ­finden muss, damit der eigene Nachwuchs nicht durch zu viele Quer­einsteiger auf den höheren Ebenen vergrätzt wird. „Anstatt dauernd ­Laterals zu verpflichten, sollte der eigene Nachwuchs gefördert werden“, bemängelt ein Associate in der azur-Umfrage. Auch die Karriereanforderungen und -aussichten kritisieren die Teilnehmer immer wieder als intransparent.

Struktur für (alternative) Karrieren. Für das Fortkommen im leistungsorientierten Vergütungs- und Karrieresystem ist besonders die eigene Geschäftsentwicklung und die Akquise eigener Mandate wichtig. Hier soll die im Vorjahr neu eingeführte Position des Special-Contract-Partners, eine Stufe zwischen Counsel und Salary-Partner, dem Nachwuchs Gelegenheit geben, sich zu bewähren. Trotzdem halten sich bei den ­Associates die Zweifel an den eigenen Karrierechancen auf dem Partner-Track, was an niedrigen Zufriedenheitswerten in der azur-Umfrage ­ablesbar ist. Besser beurteilen sie die alternativen Karrierewege. Gute ­Noten stellen die Associates den internen Weiterbildungsangeboten aus. Das Programm mit Themen wie Bilanzkunde, Projektmanagement oder Verhandlungsführung wurde zuletzt noch erweitert: Nun werden auch Inhousejuristen von Mandanten darin eingebunden. Gut bewertet wird auch das europaweite Senior-Development-Programm, das die Anwälte auf dem Weg in die Partnerschaft unterstützt. Neu ist die Online-Lernplattform Percipio. „Wer da nichts Passendes findet, ist selbst schuld“, meint ein Associate in der azur-Umfrage.

Internationale Aufstellung. Weil Dentons eine der größten Kanzleien der Welt ist, werden viele Angebote und Programme global angeregt und gesteuert. So bemüht sich die Kanzlei stärker als marktüblich um kulturelle Vielfalt und Diversity. Bei den Dentons-Associates kommt das an, sie betonen, dass die Vielzahl internationaler Juristen das Arbeitsumfeld positiv prägt. Zuletzt hat sich die Kanzlei auf globaler Ebene noch einmal die gezielte Frauenförderung auf die Fahne geschrieben und dazu im Management zwei neue Posten geschaffen, die darüber wachen, dass der Mix aus Frauen und Männern in Führungspositionen stimmt. Die ­Associates sind da skeptisch und beurteilen die Frauenförderung in Deutschland in der azur-Umfrage nur mäßig. Etwas besser kommt dort die Vereinbarkeit von Karriere und Familie weg. Die Anwälte loben vor ­allem die zeitliche Flexibilität.

Referendare in aller Welt. Viele Angebote für Associates stehen auch Referendaren offen, die ansonsten im Alltagsbetrieb mitschwimmen. Wie einige andere internationale Kanzleien ermöglicht Dentons, nach erfolgreich absolvierter Anwaltsstation die Wahlstation in einem ausländischen Büro zu verbringen, etwa in London, New York oder Sydney. Praktikanten können die Kanzlei in einem vierwöchigen Intensivprogramm kennenlernen, das neben Fachvorträgen und Workshops auch Gerichtstermine und Einblicke in Kanzleimarketing und Geschäftsentwicklung umfasst. Das Programm kommt ebenfalls gut an: „Ein toller Ort für ­Juristen in der Ausbildung“, meint eine ehemalige Praktikantin.

Zeit ist Geld. Auch wenn die Dentons-Associates laut azur-Umfrage mit im Schnitt 54 Wochenstunden etwas weniger arbeiten als im Vorjahr, bleibt große Unzufriedenheit mit dem Verhältnis von Arbeitszeit und ­Gehalt. Dabei ist das Prinzip einfach: Wer mehr arbeitet, verdient auch mehr. Der Bonus hängt an den geleisteten Honorarstunden und kann sehr hoch ausfallen – bis zu 50.000 Euro für 2.200 Billable Hours im Jahr. Diese Höchstleistung muss aber nicht jeder bringen. Auf Erholungszeiten legt die Kanzlei Wert, außerdem hat sie der Präsenzkultur den Kampf angesagt. Die Associates vermerken das in der azur-Umfrage bereits positiv. Einzelne Partner könnten diese neue Gangart aber wohl noch besser umsetzen – denn an manchem Standort hält sich die Kritik.

„Weiterer Ausbau der sehr lehrreichen Legal Academy“

„In manchen Abteilungen bekommt man Familie und Beruf gut unter einen Hut“

„Wir dürfen sehr schnell nah an den Mandanten und eigenverantwortlich arbeiten“

„Freiraum für Eigenakquise geben, statt mehr Druck aufzubauen und die Arbeitsbelastung zu steigern“

„Die Gehälter – insbesondere die Boni – sind ­intransparent“

„Persönliche Arbeitsbelastung ist vom jeweiligen Partner abhängig“

„Beeindruckendes Wachstum, Arbeitsweise jedoch sehr hemdsärmlig – hier ist noch viel Integrationsarbeit zu leisten“

„Dentons scheint sich entgegen vieler Erwartungen zu einer internationalen Kanzlei mit Aufstiegs­chancen etabliert zu haben“

„Zusammengekaufte Teams und Anwälte. Die ­Qualität ist sehr durchmischt“

▪ Intensives, zweiwöchiges Praktikantenprogramm

▪ Nach erfolgreicher Pflichtstation Möglichkeit zur Wahlstation in einem Dentons-Büro im Ausland

▪ Dentons Legal Academy

▪ Strukturiertes Feedback in 360°-Feedback-­Programm

▪ Mentoringprogramme und individuelle Business-Development-Coachings

▪ Karriereplattform für weibliche Partner und ­Manager

▪ Globales LGBT-Netzwerk

▪ Frauenförderung wird durch zwei Positionen auf Ebene des globalen Managements gestärkt

Grundsätzlich wünscht sich Dentons von ihren Bewerbern ein Doppelprädikat. Wissenschaftliche Mitarbeit, ein Doktortitel oder Auslandsaufenthalte verbessern die Chancen auf einen Einstieg genauso wie ehrenamt­liches Engagement. In zwei Vorstellungsrunden können sich die Bewerber präsentieren, in der zweiten Runde vor denjenigen, die über die Einstellung entscheiden. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München

Umsatz in Deutschland 2017: 61,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 509.000 Euro

Internationale Präsenz: Dentons ist nach Anwaltszahlen die größte Kanzlei der Welt. Sie hat über 150 Standorte in mehr als 60 Ländern, in Europa zuletzt u.a. Zusammenschluss mit Boekel (Niederlande) und ­Maclay Murray & Spens (Schottland). Daneben ist sie in den USA, Kanada sowie der Asien-Pazifik-Region, insbesondere China und Australien, präsent sowie in Afrika, dem Nahen Osten und Süd-, Mittel- und Zentralamerika. Über das Nextlaw Global Referral Network existiert ein weiteres loses Netzwerk mit 283 Mitgliedskanzleien in 160 Ländern.

Aktuelle Entwicklungen: Die Zeichen stehen bei Dentons weiter auf Wachstum: So hat die Kanzlei Anfang 2019 in Düsseldorf ihr viertes Büro in Deutschland eröffnet und dazu weitere Quereinsteiger an Bord geholt. Schon seit der Gründung in Deutschland ist Dentons auf einem rapiden Wachstumskurs. Mit den neuen Partnern sind auch die Chancen bei der Akquise gestiegen, sodass mittlerweile eine ganze Reihe von Dax-Konzernen zum Mandanten-Portfolio der ansonsten eher auf mittelständische Mandanten zugeschnittenen Kanzlei gehören.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 23 Vollpartner, 32 Non-Equity-Partner, 34 Counsel, 83 Associates und 8 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 28,9%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 4 (4 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 35 bis 45

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: nach Bedarf

Referendarplätze 2019: 20 bis 25            

Praktikumsplätze 2019: 20 bis 25

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 bis 15 Euro/h (vor dem 1.Examen), 21,63 bis 23,08 Euro/h (nach dem 1. Examen), 28,85 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 ­Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 100.000 bis 105.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro
  2. Jahr: 105.000 bis 110.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro
  3. Jahr: 110.000 bis 115.000 Euro plus Bonus bis 50.000 Euro
  4. Jahr: keine Angaben
  5. Jahr: keine Angaben
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 39.000 bis 84.000 Euro

Associates durchlaufen zwei Karrierestufen. Nach dem vierten Berufsjahr werden sie Senior Associates. Ab dem sechsten Berufsjahr können sie zum Counsel aufsteigen. Die Counsel-Position kann, muss aber nicht in die Partnerschaft führen. Noch relativ neu ist die Stufe des Special-Contract-Partner (SCP), die darauf folgt.

Der Zwischenschritt zwischen Counsel und Salary-Partnerschaft soll den Sprung in die Patrnerschaft erleichtern. Über die Beförderung zum SCP, aber auch zum Salary- oder später Equity-Partner entscheidet ein europaweites Gremium. Wie lange jemand SCP sein muss, um dann Salary-Partner werden zu können, ist nicht fest­gelegt. Ausschlaggebend für den nächste Karrieresprung ist, ob man sich genügend eigenes Geschäft aufgebaut hat. Das vor zwei Jahren umgebaute Karrieresystem kommt bei den Dentons-Associates gut an, ihre Zufriedenheit mit den Karrieremöglichkeiten auch abseits der Partnerschaft ist laut der azur-Associate-Umfrage überdurchschnittlich.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.