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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Deloitte Legal – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 43

Das sagt die azur-Redaktion

Kanzlei-Tradition trifft Gegenwart. Vor knapp fünf Jahren hat die Kanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff den Namen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte übernommen, mit der sie bereits seit Jahrzehnten kooperierte. Seitdem wehrt sie sich dagegen, mit anderen „Rechtsberatungszweigen“ der Big Four über einen Kamm geschoren zu werden. Deloitte Legal möchte beides sein: eine Kanzlei mit eigenständiger Tradition und Anwaltspersönlichkeiten, zugleich die intensiv mit der weltweiten Deloitte-Organisation verwobene Rechtsberatungseinheit, die sich von herkömmlichen Kanzleien durch ihren Ansatz unterscheidet – interdisziplinär und lösungsorientiert. Dass der doppelte Anspruch keine Sprechblase ist, sieht auch ein Associate einer anderen Kanzlei in der azur-Umfrage so – für ihn ist Deloitte Legal „wohl die einzige Big Four Legal Firm, die qualitativ am Markt mithalten kann.“

Ausbildung im Mandat. Um mitzuhalten, ist Deloitte Legal auf Wachstumskurs. Die im vergangenen Jahr neu eingestellten 30 Anwälte sollen im laufenden Jahr am besten noch übertroffen werden – bis zu 40 Neueinstellungen sind für 2019 geplant. Eingegliedert werden Berufsan­fänger in den eher kleinen, partnerzentrierten Teams der Sozietät. Die Partner sind verantwortlich für die Ausbildung und Mandatseinbindung der Associates, die mit steigender Berufserfahrung auch an den Fort­bildungsveranstaltungen der globalen Service Lines der Kanzlei teilnehmen. Dass die Ausbildung deutschlandweit keinem verbindlichen Curriculum folgt, ist in den Augen von Associates ein Manko: „Man muss jeden Fortbildungswunsch einzeln begründen und genehmigen lassen“, kritisiert ein Teilnehmer der azur-Umfrage.

Viel Augenmerk auf Internationalität. Vor allem internationale Kontakte und Ausbildungsevents sind Deloitte Legal wichtig: Sie fördert Auslandssecondments ebenso wie eine berufsübergreifende Ausbildung, die zum Beispiel an der Deloitte University in Brüssel und Paris stattfindet. Zur Karriereförderung setzt die Sozietät aber nicht nur auf fachliche Schulungen, sondern nimmt potenzielle Partner neuerdings in die Leadership-Excellence-Initiative von Deloitte auf, die Soft-Skills-Kurse, Coachings und Präsentationen vor dem Deloitte-Management vorsieht. Zu Beginn der Juristenkarriere, bei Praktikanten und Referendaren, ist das Ausbildungsprogramm abgesehen von der Zuteilung eines Mentors nicht besonders formalisiert. In der azur-Bewerberumfrage berichten ehemalige Praktikanten von guten Erfahrungen – und hohen Anforderungen: „Sehr vielseitig, jedoch auch großer Arbeitseinsatz gefordert.“ Referendare können damit rechnen, unmittelbar an Mandaten mitzuarbeiten, allerdings ist die Ausgestaltung standort- und partnerabhängig.

Work-Life-Balance ist kein Lippenbekenntnis. „Die Work-Life-Balance ist grundsätzlich schon ganz gut“, schreibt ein Deloitte-Associate in der azur-Umfrage. Für den deutschen Anwaltsmarkt eine ungewöhnliche Aussage – doch mit 48 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit laut azur-­Associate-Umfrage ist Deloitte von den Exzessen mancher Kanzleien meilenweit entfernt. Die norddeutschen Standorte verfügen über Eltern-Kind-Büros, zudem sind individuelle Absprachen über Teilzeit, Home­office oder auch berufliche Auszeiten möglich. Elf Anwältinnen und ­Anwälte waren zuletzt in Teilzeit tätig, und das auf allen Karrierestufen. Über die Deloitte-Gruppe sind darüber hinaus Leistungen eines Familienservices zugängig, der nicht zuletzt Kinderbetreuung ermöglicht.

Ein Kommunikationsproblem? So ist es nicht verwunderlich, dass der Frauenanteil hoch ist und die Work-Life-Balance in der azur-Associate-Umfrage sehr gut bewertet wird. Allerdings trifft auch auf Deloitte ­Legal die Beobachtung zu, dass die Präsenz von Frauen auf den höheren Karrierestufen überschaubar ist. Unter den 21 Vollpartnern ist nur eine Frau, bei den Salary-Partnern liegt der Anteil bei 30 Prozent. Vielleicht ist auch deshalb die Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie unter den Deloitte-Associates noch ausbaufähig. Immerhin berichtet ein Associate in der azur-Umfrage von mittlerweile besserer Transparenz der Karriereentwicklung. Dass diese Transparenz auch in anderen Fragen gewünscht wird, zeigt die niedrige Bewertung der internen Kommunikation – die interne Informationsvermittlung beschreibt ein Teilnehmer als „eher schleppend“.

„Angenehmes Arbeitspensum, keine Verpflichtung zu Facetime“

„Familienförderungsprogramm funktioniert für mich gut“

„Zuletzt sichtbare Verbesserungen der Transparenz in Bezug auf Karriereentwicklung“

„Wer karriereorientiert ist, hat einen sehr langen Weg vor sich“

„Mehr Freiräume schaffen für die Entwicklung ­eigenständigen Geschäfts“

„Es gibt kein geregeltes Ausbildungsprogramm“

„Solide – im besten Sinne des Wortes“

„Gutes Arbeitsklima am Düsseldorfer Standort“

„Internationaler Ruf und gutes Gehalt“

▪ Referendare erhalten einen Partner als Mentor

▪ Stark internationale Orientierung vieler Ausbildungsmodule

▪ Durchlässige Karrierestufen

▪ Förderung der globalen Women Initiative WIN

Deloitte Legal zeigt sich weniger auf Prädikatsexamen fixiert als manche große Konkurrenten. Ein doppeltes Befriedigend in den Staatsexamen kann ausreichen – vor allem, wenn weitere Qualifikationen wie ein LL.M.-Abschluss oder vorhergehende wissenschaftliche ­Mitarbeit vorhanden sind. Fast noch wichtiger ist der Nachweis guter Englischkenntnisse. Nach einer zentralen Vorauswahl der Bewerbungen lädt die Kanzlei zu einem Erstgespräch mit Partnern und Associates verschiedener Senioritätsstufen, das bis zu zwei Stunden dauert. Gegebenenfalls ist auch ein Kennenlernessen mit Associates denkbar. Neben ­einem Austausch über die jeweiligen Vorstellungen bietet Deloitte Legal im Bewerbungsgespräch eine ausführliche Beschreibung der Arbeitsinhalte und des Arbeitsplatzes. Letztere wird in einem Zweitgespräch mit zwei Partnern konkretisiert, in dem auch die Vergütung besprochen wird. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart

Umsatz in Deutschland 2017: 42 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 389.000 Euro

Internationale Präsenz: Unter den rund 260.000 Mitarbeitern des ­Deloitte-Netzwerks in 150 Ländern sind rund 2.000 Rechtsanwälte, die in über 80 Ländern tätig sind.

Aktuelle Entwicklungen: Deloitte Legal hat die Konkurrenz der Big-Four-Kanzleien zuletzt mit einem großen Produktivitätssprung überrascht, ­indem sie den Umsatz pro Berufsträger in Deutschland um satte 28 Prozent steigerte. Die Anwälte arbeiten mit der Deloitte-WP-Gesellschaft eng verzahnt und können so große, lukrative Mandate ergattern – zum Beispiel die internen Untersuchungen bei Volkswagen, wie öffentlich bekannt ist. Doch insbesondere an den größeren Standorten wie Düsseldorf oder Hannover sind die Deloitte-Anwälte auch als eigenständige Berater gefragt und begleiten viele Transaktionen im Mittelstand sowie gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen. Die frühzeitige Orientierung auf Datenschutzfragen brachte ebenfalls weiteren Aufschwung.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 21 Vollpartner, 26 Non-Equity-Partner, 16 Counsel, 59 Associates und 11 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 36,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine Angaben

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 30 bis 40

Referendarplätze 2019: 20         

Praktikumsplätze 2019: 30

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 15 bis 20 Euro/h (nach dem 1. Examen), 18 bis 25 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 300 Euro/Wochenarbeitstag; max. 1.500 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 68.000 bis 78.000 Euro plus Bonus bis 7.800 Euro
  2. Jahr: keine Angaben
  3. Jahr: keine Angaben
  4. Jahr: keine Angaben
  5. Jahr: keine Angaben
  6. Jahr: keine Angaben

Der Karriereweg ist lang – das ist ein gängiges Vorurteil über die Aufstiegsmöglichkeiten in Kanzleien, die zu einer WP-Gesellschaft gehören. Allerdings gilt dies für Deloitte Legal nicht ganz: Associ­ates steigen nicht auf der untersten Berufsträgerstufe ein, sondern bereits auf der sogenannten Manager-Position, die als vierte oder fünfte Stufe der Karriereleiter gilt. Nach drei bis vier Jahren erreichen sie in der Regel die Senior-Associate-Position. Weitere Stufen wie Counsel oder Salary-Partner sind nach oben durchlässig, können aber auch dauerhaft bekleidet werden. Speziell die Counsel-Stufe, 2016 eingeführt, kann eine Vielzahl von internen Entwicklungsmöglichkeiten enthalten. Alle Beförderungen orientieren sich an einem Kompetenzmodell, das weder feste Aufstiegsschritte noch ein Up or out vorschreibt. Die Riege der Vollpartner ist mit 21 relativ klein. Laut azur-Umfrage wünschen sich die Associates, dass „mehr ­eigenständiges Geschäft“ zugelassen und die Aufstiegsschritte noch transparenter dargelegt würden.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.