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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Daimler – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 30

Das sagt die azur-Redaktion

Schöne neue Autowelt. Wenn der Blick aus den Fenstern der Daimler-Rechtsabteilung in Stuttgart-Bad Cannstatt über die Weinberge am Stadtrand schweift, scheinen Staus, Großbaustellen und Feinstaubalarm ganz weit weg. Das sind sie nicht für alle Unternehmensjuristen – der Abgasskandal und andere Altlasten prägen nach wie vor den Alltag ganzer Teams. Doch währenddessen arbeiten viele Daimler-Juristen schon an der Welt von morgen mit, in der autonom fahrende Elektroautos in umfassende Mobilitätskonzepte integriert sind. Bis dahin bleiben allerdings noch ein paar Rechtsfragen zu klären. Deswegen reden die Juristen immer früher mit, wenn der Autobauer neue Produkte und Geschäftsideen entwickelt. „Kein Stück langweilig“ findet das ein Daimler-Jurist in der azur-Associate-Umfrage, und die meisten seiner Kollegen sehen das ähnlich: Mit ihrem Job und ihrem Arbeitgeber sind die Daimler-Anwälte laut azur-Umfrage überdurchschnittlich zufrieden.

Digital ist besser. Auch der Arbeitsalltag der Inhousejuristen ist immer stärker von der Digitalisierung geprägt. Bei Transaktionen setzt der Konzern bereits in großem Stil Legal Tech ein, und Feedback für ihre Kollegen verteilen die Daimler-Mitarbeiter per App. Interne Aufstiegsmöglichkeiten sind weltweit per Onlineplattform ausgeschrieben, und ein Karrieresprung über Landesgrenzen hinweg ist keine Seltenheit: In den letzten Jahren wechselten Juristen aus der Rechtsabteilung auf Leitungspositionen in Tochtergesellschaften in den USA, China, Singapur und Südafrika. Dass die Daimler-Juristen in der azur-Associate-Umfrage die Aufstiegsmöglichkeiten außerhalb der Rechtsabteilung eher mäßig einschätzen, liegt offenbar vor allem daran, dass sich die jahrzehntelang hierarchisch geprägte Unternehmenskultur nicht von heute auf morgen umstellen lässt – es hält sich die Kritik an „starren und wenig individuellen Karrierewegen“ und „bürokratischen Strukturen“.

Work-Life-Balance gut im Griff. Sichtbares Zeichen des Kulturwandels ist die Arbeitsumgebung in der Stuttgarter Konzernzentrale: Einen eigenen Schreibtisch haben nur noch die wenigsten, stattdessen sucht man sich einen Platz im ‚Open Space‘. Das beklagen einige Teilnehmer in der azur-Associate-Umfrage als „mega-unattraktives Großraumbüro“, während andere sich dort pudelwohl fühlen. Die Arbeitsbelastung ist dabei erträglich: Mit 46 Wochenstunden arbeiten die Daimler-Syndizi laut azur-Umfrage nur wenig mehr als der Durchschnitt der Unternehmens­juristen. Teilzeit wird seit Langem angeboten und genutzt, auch wenn es auf den höheren Karriereebenen mit Optionen wie Jobsharing schon schwieriger aussieht, wie einige Umfrageteilnehmer bemängeln. Dafür achtet Daimler nun verstärkt darauf, dass auch wirklich alle Vorgesetzten Homeoffice und mobiles Arbeiten in ihren Teams ermöglichen. Mit der Work-Life-Balance sind die Daimler-Juristen in der azur-Umfrage recht zufrieden, ebenso mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Hier bietet Daimler so gut wie alles an, was man von einem Dax-Konzern erwarten kann, von zeitlicher Flexibilität bis hin zur Betriebskita.

Solides Ausbildungsangebot. Wer neu in der Rechtsabteilung anfängt, durchläuft ein mehrtägiges Einführungsprogramm, das die Daimler-Syndizi in der azur-Umfrage als „runde Sache“ loben. Die weitere juristische Fortbildung übernehmen die Fachbereiche, die dafür immer wieder auch auf Angebote externer Kanzleien zurückgreifen. Soft Skills vermittelt die interne Weiterbildungsakademie. Hinzu kommen Onlinekurse und gegebenenfalls auch externe Seminare, die per Zielvereinbarung festgehalten werden. Einige Umfrageteilnehmer loben das „tolle interne Seminarangebot“ und die „bedarfsgerechte Förderung“, während andere kritisieren, dass Fortbildungen bei hohem Arbeitsanfall einfach wegfielen. Insgesamt aber sind die Syndizi laut azur-Umfrage zufriedener mit dem Ausbildungsangebot als die meisten anderen Inhouseteilnehmer.

Referendare und Praktikanten laufen mit. Praktikanten stehen bei Daimler bisher nicht im Mittelpunkt – der Autobauer bietet pro Jahr nur eine Handvoll Praktikumsplätze an. Immerhin: Ehemalige loben die „tolle Praxiserfahrung“. Referendare bildet Daimler auf recht großer Bandbreite im Alltagsbetrieb aus. Auf Wunsch ist eine Station im Ausland möglich; so schickte Daimler zuletzt zwei Referendare in die USA. Daneben stehen einige Fortbildungen für Syndizi auch Referendaren offen.

„Dynamisches Umfeld, motivierte Kollegen, gute Ideen werden gehört“

„Tolle Entwicklungschancen, Daimler packt den ­Kulturwandel aktiv an“

„Vereinbarkeit von Karriere und Familie funktioniert sehr gut“

„Der interne Aufstieg wird durch formelle Hürden ­erschwert“

„Hierarchien und interne Konkurrenzkämpfe machen die Arbeit umständlicher als nötig“

„Wie kann man nur denken, dass es Mitarbeiter ­motiviert, im Großraumbüro zu arbeiten?“

„Sehr fähige Rechtsabteilung mit ausgeprägten ­Hierarchien“

„Nettes Team, angenehme Arbeitszeiten, Top-­Adresse für Inhousejuristen“

„Professionell, anspruchsvoll, aber kollegial“

▪ Teilnahme an Inhouseseminaren

▪ Projektbezogene Auslandsaufenthalte und Ent­sendungen in die USA, nach Singapur und China

▪ Modulares E-Learning-Programm

▪ Fachliche Weiterbildung in Zusammenarbeit mit Kanzleijuristen

▪ Im Marktvergleich hoher Frauenanteil in der Rechtsabteilung, auch auf Leitungsebene

▪ Syndizi loben flexible Arbeitszeiten und Möglich­keiten zum mobilen Arbeiten

▪ Gehaltsbestandteile können in zusätzliche freie ­Tage umgewandelt werden.

Daimler sucht vor allem Juristen mit mindestens einem vollbefriedigenden Examen. Das Unternehmen legt ­außerdem viel Wert darauf, dass ihre Juristen auch mit ­Ingenieuren, ITlern und Managern verhandeln und arbeiten können. Das Bewerbungsverfahren startet mit einem rund einstündigen Interview. Neben ein bis drei Juristen aus dem Fachbereich nimmt ein Vertreter aus der Personalabteilung am Gespräch teil, das meist auf Deutsch, je nach Stelle aber auch auf Englisch geführt wird. Manchmal findet noch ein zweites, ähnlich aufgebautes Gespräch statt. Berufserfahrene Juristen, die sich auf Positionen ab Teamleiterebene bewerben, durchlaufen ein Assessmentcenter. 

Branche: Automobilindustrie

Standorte in Deutschland: Stuttgart (Sitz der Rechtsabteilung), Berlin, Böblingen, Sindelfingen und Ulm

Umsatz in Deutschland 2017: 164,3 Milliarden Euro (Gewinn: 10,9 Milliarden Euro)

Internationale Präsenz: Daimler ist mit rund 289.000 Mitarbeitern auf allen Kontinenten vertreten. Viele der weltweit tätigen Tochtergesellschaften für Vertrieb, Produktion und Finanzdienstleistungen beschäf­tigen Juristen. Daimler fördert projektbezogene Aufenthalte deutscher Juristen in den Rechtsabteilungen internationaler Töchter.

Aktuelle Entwicklungen: Auch Daimler ist vom Dieselskandal betroffen, und einige Gerichtsurteile deuten an, dass der Autobauer noch viel Geld an Kunden zahlen muss. Umso angestrengter schaut Daimler in die Zukunft. Gemeinsam mit BMW und VW wollen die Stuttgarter Technologien zum autonomen Fahren entwickeln, parallel investiert Daimler in eigene Batteriefabriken für Elektroautos. Grundlegend ändert sich auch die ­organisatorische Aufstellung: Die Konzernaufspaltung in drei eigenständige Sparten – PKW, LKW und Finanzdienstleistungen – ist fast schon beschlossene Sache.

Renommee: Die Juristen sind sowohl in das operative Geschäft als auch in die Steuerung von strategisch wichtigen Projekten involviert. Aktuell bindet die weltweite Umstrukturierung des Konzerns viele Kapazi­täten. Eng ist auch die Zusammenarbeit mit den Entwicklern und den Datenschützern, mit denen gemeinsam sich die Juristen um Zukunftsthemen wie Vernetzung und autonomes Fahren kümmern. Insgesamt ist das Team sehr umtriebig, was IT-Themen und Digitalisierung angeht.

Fachlich genießen die Daimler-Juristen einen hervorragenden Ruf. Anwälte aus Kanzleien loben die Syndizi als „sehr kompetent“, „präzise und angenehm“ und heben die „gute Teamarbeit“ hervor. Immer wieder werben auch andere Rechtsabteilungen Daimler-Juristen ab. So wechselte zuletzt etwa ein langjähriger Bereichsleiter zum Volkswagen-Konzern, um dort die Abspaltung des Nutzfahrzeuggeschäfts zu steuern und die betroffenen Rechtsabteilungen neu zu ordnen.

Volljuristen in Deutschland: 178 in der Rechtsabteilung

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 44,0%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 1

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 10 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: keine Angaben

Praktikumsplätze 2019: keine Angaben

Wissenschaftliche Mitarbeiter: werden nicht beschäftigt

Referendare: max. 850 Euro/Monat*

Syndikusanwälte

  1. Jahr: 65.000 bis 70.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: keine Angaben
  3. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

*Angaben aus Vorjahr

Mit ihren Karrieremöglichkeiten innerhalb der Rechtsabteilung sind die Juristen bei Daimler laut azur-Umfrage deutlich zufriedener als der Durchschnitt aller Inhouseteilnehmer. Einige wünschen sich allerdings „mehr Transparenz rund um Aufstiegsschritte und notwendige Voraussetzungen“. Anderen fehlt ein „Fast-Track für High Potentials“, und manche beklagen sich darüber, dass Quereinsteiger bevorzugt würden – bei internen Bewerbern berücksichtige man das Dienstalter und verlange die Teilnahme an einem Assessmentcenter, während Externe direkt eine Stufe höher einsteigen könnten. Berufseinsteiger beginnen als Sachbearbeiter und können nach vier bis fünf Jahren die Führungsebene 4 erreichen, die dem Senior Associate oder einem Teamleiter entspricht. Die Führungsebene 3 entspricht dem des Abteilungsleiters. Je weiter es nach oben geht, desto weniger Stellen gibt es, insofern können die Juristen nicht automatisch regelmäßig befördert werden. Um der Kritik in diesem Punkt zu begegnen, ermöglicht Daimler verstärkt Fachlaufbahnen, die nicht mehr zwangsläufig an Personalverantwortung gekoppelt sind.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.