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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

CMS Hasche Sigle – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 2

Das sagt die azur-Redaktion

Eifrige Ausbilderin. Als personalstärkste Wirtschaftskanzlei Deutschlands gehört CMS alljährlich zu den wichtigsten Arbeitgebern für Berufsanfänger, und längst nicht alle Wettbewerber bieten ihrem Nachwuchs ein so breites Weiterbildungsangebot. Eine Kombination, die ankommt: „Das beste Gesamtpaket“, lobt ein CMS-Associate in der azur-Umfrage. Insgesamt jedoch liegt die Zufriedenheit der CMS-Anwälte laut azur-Umfrage leicht unter dem Marktdurchschnitt. Dagegen heben Bewerber das Betriebsklima besonders positiv hervor.

Früh übt sich. Schon Praktikanten werden in der Regel bei CMS eng in die tägliche Arbeit eingebunden. In der azur-Bewerberumfrage berichten ehemalige Praktikanten von „eigenen Aufgaben und spannenden Mandaten“ sowie „intensiver Betreuung und Mandantenexkursionen“, einer kritisiert hingegen „keine wirkliche Einbindung ins Team oder die Arbeit“. In Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Stuttgart bietet CMS strukturierte Programme mit persönlichem Mentor und Vorstellung der Geschäftsbereiche, die von Teilnehmern der azur-Umfrage als „sehr lehrreich“ gelobt wurden. In Hamburg, Berlin und Leipzig soll die Praktikantenausbildung ebenfalls im Laufe des Jahres systematisiert werden. Kanzleiweit will CMS 2019 rund 150 Praktikanten einstellen, das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Rückmeldung der Referendare variiert: CMS legt Wert auf eine enge Einbindung, doch das Urteil der Referendare darüber reicht von „man wird nur als Arbeitsmaschine eingesetzt“ bis zu „Marktspitze“. Einigkeit herrscht aber in einem Punkt: Die Examensvorbereitung, die die Kanzlei in Kooperation mit dem Repetitor Kaiser bietet, macht das Programm zu einem der Top-Angebote im Markt.

Erprobtes Ausbildungsangebot. CMS bietet ein auf das jeweilige Karrierelevel abgestimmtes Ausbildungsprogramm. Das kommt an: In der azur-Umfrage zeigen sich die CMS-Associates überdurchschnittlich zufrieden mit dem Engagement der Kanzlei. Berufseinsteiger begrüßt das Management persönlich bei den sogenannten Onboarding-Tagen. Herzstück des CMS-WeiterbildungPlasprogramms sind die jährlichen Karriere­tage in Berlin. Hier können die Associates aus fünf Programmen das­jenige wählen, welches am besten zu ihrer Arbeitssituation passt. Ebenfalls jährlich gibt es die Karrieretage für Counsel, bei denen die Geschäfts- und Profilentwicklung größeren Raum einnehmen. Ein weiterer Baustein ist ein Profiltraining für Senior Associates. Die Teilnehmer besprechen in eineinhalb Tagen mit erfahrenen Partnern und Counsel ihre weiteren Entwicklungsschritte und arbeiten mit Präsentationscoaches an einem überzeugenden Auftritt. So individuell gehen nur wenige Arbeitgeber auf die Bedürfnisse ihres Nachwuchses ein.

Work-Life-Balance gelingt nicht überall. Individuelle Arbeitszeitmodelle, Teilzeit und Homeoffice sind bei CMS schon länger selbstverständlich. Auch Partner leben das vor: Immerhin 14 Vollpartner und vier Associated Partner arbeiten momentan in Teilzeit. Doch die Last ist nach wie vor nicht gleichmäßig verteilt. Ein Associate kritisiert in der azur-Umfrage: „Die Arbeitsbelastung ist so hoch wie in US-Kanzleien.“ Die Wochenarbeitszeit beträgt laut azur-Umfrage im Schnitt rund 57 Stunden, das sind drei Stunden über dem Marktdurchschnitt. Zumindest honorieren einige Teilnehmer der azur-Umfrage die Anstrengungen von CMS, hier gegenzusteuern. Sie erwähnen den „Versuch der gleichmäßigen Auslastung“ und die „Einbindung der Mitarbeiter in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen“. Auch bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familie versucht die Kanzlei zu unterstützen, indem sie etwa mit einem Familienservice zusammenarbeitet.

Gehälter bleiben Reizthema. Für Associates ab dem vierten Berufsjahr hat CMS das Festgehalt erhöht und gleichzeitig den maximal erreich­baren Bonus gesenkt. Generell sind die Associates nur mäßig zufrieden mit ihrem Gehalt und verteilen in der azur-Umfrage hierfür deutlich schlechtere Noten als ihre Kollegen in anderen Kanzleien im Durchschnitt. Eine ähnliche Baustelle bleiben die Kommunikation von Kanzleientscheidungen und die Personalführung. Zwar hat die Kanzlei hier schon Maßnahmen ergriffen, indem sie beispielsweise auch ältere Partner weiterbildet, dennoch liegen die Noten in der azur-Umfrage in beiden Punkten unter dem Marktdurchschnitt.

Hier geht’s zur Eigendarstellung des Arbeitgebers

„Arbeit an spannenden Mandaten, nettes Arbeits­klima und gute Work-Life-Balance“

„Tolle Entwicklungsmöglichkeiten und viel Auto­nomie. Wer früh Verantwortung tragen möchte, ist hier richtig“

„First Mover bei Legal-Tech-Lösungen in der eigenen Beratungsarbeit“

„Die Auslastung sollte kanzleiweit besser ­strukturiert werden“

„Mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung nötig“

„Mitarbeiterführung durch manche Partner stark verbesserungswürdig“

„Guter Ruf für die Aus- und Fortbildung junger ­Anwälte“

„Fachliche Qualität und Arbeitsbelastung schwankt zwischen einzelnen Praxisgruppen“

„Supersolide und eine der wenigen Großkanzleien zum Altwerden“

▪ Praktikantenprogramm inklusive Mentoring und ­Exkursionen zu Mandanten

▪ Intensive, individuelle Betreuung und Integration in die tägliche Mandatsarbeit

▪ Akademie für Referendare, unter anderem mit dem Repetitor Kaiserseminare

▪ Internationales Weiterbildungsprogramm im ­CMS-Verbund

▪ Kleingruppencoachings für Senior Associates und Counsel

▪ Unterstützung durch externe Coaches bei der ­Herausbildung des Business Case

▪ Kanzleiweite Diversity-Beauftragte und AGG-Beschwerdestelle, die vertraulich Anfragen bearbeitet

▪ Trainings und Schulungen zu Diversity-Themen

▪ Zusammenarbeit mit einem Familienservice

Von Bewerbern erwartet CMS überdurchschnittliche Exa­mensnoten. Wie konsequent die Kanzlei am Doppel-VB-Standard festhält, ist nach azur-Recherche unter anderem standortabhängig. Punkten können Bewerber dann etwa mit einer Promotion, einem LL.M.-Abschluss oder unternehmerischem, IT- oder Legal-Tech-Know-how. Bewerber durchlaufen ein bis zwei Gesprächsrunden. An dem Erstgespräch nimmt neben einem Partner aus dem jeweiligen Geschäftsbereich ein HR-Partner teil. Im zweiten Gespräch kann der Kandidat weitere Partner und auch Associates aus seinem zukünftigen Team oder auch darüber hinaus kennenlernen. Teilnehmer in der azur-Bewerberumfrage loben das Bewerbungsverfahren bei CMS als „direkt, schnell und gut organisiert“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart

Umsatz in Deutschland 2017: 316,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 574.000 Euro

Internationale Präsenz: CMS Hasche Sigle hat Auslandsbüros in Brüssel und Hongkong. Über die CMS-Allianz ist sie an über 50 Standorten weltweit vertreten. Alle Kanzleien der Allianz sind wirtschaftlich eigenständig, kooperieren aber bei der Geschäftsentwicklung und unterhalten gemeinsame Büros etwa in Istanbul, Moskau und Asien.

Aktuelle Entwicklungen: CMS hat die Nase vorn bei der Bearbeitung von großen Mengen an standardisierten Deals und setzt dabei stark auf Software und IT-Lösungen sowie Projektjuristen, um Mandate mit den jeweils passenden Ressourcen zu bearbeiten. Eine gewisse Offenheit für IT-Themen wird auch vom Kanzleinachwuchs erwartet. Außer der Digitalisierung treibt die Kanzlei einen umfassenden Generationswechsel voran. So legte sie ein Programm auf, in dem ältere Partner auf freiwilliger Basis den Status wechseln oder ausscheiden können. Das bietet Chancen für junge Juristen, die die Zukunft der Kanzlei mitgestalten wollen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 208 Vollpartner, 18 Non-Equity-Partner, 110 Counsel, 311 Associates und 15 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 33,4%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 11 (davon 4 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 80 bis 90

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: max. 5

Referendarplätze 2019: 300       

Praktikumsplätze 2019: 150

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: keine Angaben

Associates

  1. Jahr: 100.000 Euro
  2. Jahr: 105.000 Euro
  3. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
  4. Jahr: 115.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  5. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 30.000 bis 75.000 Euro

Schritt für Schritt – so verläuft die Karriere von CMS-Associates. Nach drei Jahren können sie zum Senior Associate ernannt werden, nach fünf Jahren zum Counsel. In diesem Status kann man dauerhaft arbeiten oder zum Vollpartner aufsteigen. Neue Associated Partner, so heißen die Non-Equity-Partner bei CMS bisher, wird es daneben nicht mehr geben. Stattdessen hat die Kanzlei zum 1. ­Januar 2019 den Status des Principal Counsel eingeführt, im Sommer sollen erstmals Anwälte dazu ernannt werden. Die Position ist für Juristen gedacht, die als Experten in ihrem Bereich dauerhaft angestellt bleiben und keine unternehmerische Verantwortung sowie strategische Aufgaben in der Mitarbeiterführung und -entwicklung übernehmen möchten. Die Abgrenzung zum Partner soll durch die neue Bezeichnung noch einmal stärker betont werden. Jedoch ist der Weg vom Principal Counsel zum Partner nicht versperrt. 2019 ernannte die Kanzlei drei Vollpartner, darunter war keine Frau. An­gesichts der hohen Berufsträgerzahl erscheint die Anzahl gering. Entsprechend unzufrieden zeigen sich die CMS-Associates laut azur-Umfrage mit ihren Partnerchancen und verteilen unterdurchschnittliche Noten. Bei der Vergütung ihrer Vollpartner hält die Kanzlei konsequent am Lockstep fest – je länger jemand in der Partnerschaft ist, desto höher sein Verdienst. Associated Partner, Principal Counsel und Counsel erhalten ein Festgehalt plus Bonus, der sowohl von der persönlichen Leistung als auch vom Geschäftserfolg der Kanzlei abhängt.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.