azur100
07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Clifford Chance – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 13

Das sagt die azur-Redaktion

Hängematten gibt‘s woanders. Bei Clifford Chance brennt das Licht abends lange – wie im Vorjahr taxieren die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage ihre durchschnitt­liche Wochenarbeitszeit auf etwas über 60 Stunden. Damit arbeiten die Clifford-Associates rund sechs Stunden pro Woche mehr als der Marktdurchschnitt. Clifford zählt auch zu den Arbeitgebern, die in der azur-­Umfrage die schlechtesten Noten für die Work-Life-Balance kassieren. Doch anders als in den Vorjahren hat die Stimmung darunter nicht gelitten: Die Associates bewerten das Betriebsklima in der azur-Umfrage als überdurchschnittlich gut. ­Einige loben sogar die „flexiblen Arbeitszeiten“ und „Rücksichtnahme auf persönliche Termine“. Andere wünschen sich wiederum „Arbeitszeitmodelle, die dann auch eingehalten werden“.

Rundum-sorglos-Paket für Praktikanten. Wer Clifford Chance als Praktikant kennenlernt, kommt in den Genuss eines hochwertigen und jahrelang erprobten Programms. Zweimal pro Jahr findet ein sechs­wöchiges Gruppenpraktikum für Studenten ab dem vierten Semester statt. Jeweils drei Tage treffen sich die Praktikanten in Frankfurt oder Düsseldorf für die Einführungsveranstaltung, bevor sie an ihre Stand­orte und die jeweiligen Praxisgruppen gehen. Neu hinzugekommen ist ein Legal-Tech-Tag, an dem die Teilnehmer in Workshops lernen, wie die Kanzlei Legal Tech einsetzt. In der Bewerberumfrage sparen die ehe­maligen Praktikanten nicht mit Lob: Die Zeit sei „lehrreich und interessant“, „einfach super“ und „man darf überall dabei sein“.

Referendarausbildung ist Vorbild für andere. Noch ausgefeilter als die Praktikantenausbildung ist bei Clifford Chance die Referendarausbildung, die schon manchen Nachahmer auf den Plan gerufen hat. Im Zentrum steht das umfangreiche Kursangebot der Kaiser-Seminare. Allein auf die Vorbereitung zum Assessorexamen entfallen 40 Kurstage, insgesamt umfasst das Programm 60 Tage. Thematisch lässt das Programm kaum Wünsche offen: Zivilrecht, Straf- und Öffentliches Recht stehen genauso auf dem Stundenplan wie eine Revisionsklausur. Hinzu kommen Kurse zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung sowie zu Rhetorik und Aktenvortrag mit Videoanalyse. In der azur-Bewerberumfrage finden sich neben positiven Kommentaren wie „sehr vielseitiges Programm“und „exzellent“ aber auch negative Rückmeldungen. Ein Referendar kritisiert den „zu hohen Durchlauf“, einer anderer fühlte sich „mit den Aufgaben alleine gelassen“. Wer sich als Praktikant oder Referendar bewährt und vom Mentor empfohlen wird, bekommt ab Frühjahr 2019 Zutritt zu einer Nachwuchs-Onlineplattform. Darüber will Clifford die Ehemaligen vernetzen, zu Treffen einladen und ihnen Jobs offerieren.

Ausbildung weiter ausgebaut. Auf hohem Niveau spielt auch die im Marktvergleich vielfältige und umfängliche Associate-Ausbildung. ­Neben einer Kooperation mit der angesehenen Insead Business School und ­individuellen Coachings gehören unter anderem Kurse zu Zeitmanagement, Kommunikation und Rhetorik genauso zum Repertoire wie eine Reihe neuer Veranstaltungen zu Tech-Themen wie Cybercrime, Internet of Things, Coding und Blockchain. In der azur-Associate-Umfrage geben die Clifford-Associates für die Ausbildung überdurchschnittlich gute Noten und übertreffen damit Wettbewerber wie Freshfields oder Hengeler, die ebenfalls über hervorragende Programme verfügen. Dem hohen Arbeitspensum ist allerdings geschuldet, dass scheinbar nicht immer alle an den Kursen teilnehmen können, die es gerne würden. Ein Clifford-Associate beschwert sich: „Man müsste den Leuten auch die Möglichkeit geben, daran teilzunehmen.“

Bunte Kanzlei. In Sachen Diversity hat Clifford zuletzt noch eine Schippe draufgelegt. So rief sie 2018 in Deutschland eine Arbeitsgruppe ins Leben, die sich monatlich trifft, um Diversitymaßnahmen voranzutreiben. Außerdem unterstützt die Kanzlei nun die Stiftung „Prout at Work“, die sich für eine offene Arbeitskultur einsetzt. Die Mehrheit der Teilnehmer der azur-Assoicate-Umfrage äußert sich aber ohnehin schon zufrieden. Zu lesen ist von einer „offenen Unternehmenskultur“, von „internationalen Teams mit unterschiedlichen Hintergründen“ und von einem „hohen Frauenanteil“. Aber gerade Letzteres ist noch nicht zur Zufriedenheit aller: Eine Teilnehmerin wünscht sich „noch mehr Vorbilder“.

„Lockere Arbeitsatmosphäre, nette Kollegen und spannende Mandate“

„Fortschrittlich, geht Themen der Zeit an“

„Sehr gutes Betriebsklima, man kann zusammen ­arbeiten und feiern“

„Zahlengetrieben, aus London gesteuert“

„Arbeitsbelastung ist zu hoch“

„Arbeitszeitmodelle werden nicht immer ­eingehalten“

„Harte Arbeitszeiten“

„Lockere Arbeitsatmosphäre“

„Sehr gute Ausbildung der Associates“

▪ Im Frühjahr und Sommer intensives Gruppen­praktikum

▪ Etablierte Kooperation mit Kaiser-Seminar

▪ Praktikum im Londoner Büro im Rahmen des ‚­European Summer Student Scheme‘

▪ Seit Jahren anerkannte Clifford Academy

▪ Kanzlei fördert MBA-Studium finanziell und zeitlich massiv

▪ Im Marktvergleich überdurchschnittlich viele ­Anwälte mit Migrationshintergrund

▪ Initiativen, wie etwa die ‚­Diversity Week‘ fördern das Bewusstsein

Zweimal vollbefriedigend in den Staatsexamina sind bei Clifford formale Voraussetzung für eine erfolgreiche ­Bewerbung – vor allem für Bewerber, die weder als Praktikant noch als Referendar bei Clifford waren. Bei dieser Gruppe kann die Anforderung an Noten etwas weniger streng sein. Zusatzqualifikationen wie eine Promotion oder LL.M.-Abschluss bringen außerdem Pluspunkte. Wie meist üblich, gibt es zwei Bewerbungsgespräche: das erste mit dem Personalpartner sowie dem Partner, der für seine Praxisgruppe sucht. Beim zweiten Treffen steht das Kennenlernen des Teams im Vordergrund. Dazu kann auch ein gemeinsames Mittagessen nur mit Associates gehören. Ob Englisch oder Deutsch gesprochen wird, hängt vom sprachlichen Hintergrund der ­Gesprächsteilnehmer ab. In der azur-Bewerberumfrage sparen die Teilnehmer nicht mit Lob für das Bewerbungsverfahren: „schnelle Rückmeldung“, „unkompliziert“, „transparent“ ist zu lesen.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 173 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 704.000 Euro

Internationale Präsenz: Clifford Chance ist weltweit mit 33 Büros vertreten, darunter beispielsweise Moskau, Seoul, Sydney und Washington. Hauptstandort bleibt London.

Aktuelle Entwicklungen: Die Transaktionpraxis gehört zu den wichtigsten Säulen der Kanzlei, und entsprechend der allgemeinen Marktentwicklung boomt das Geschäft. Zwar lief es nicht überall so rosig, sodass die Gesamtkanzlei anders als viele Wettbewerber einen kleinen Umsatzrückgang verkraften musste, allerdings legte sie beim Umsatz pro Berufsträger kräftig zu und erzielt hier erstmals mehr als 700.000 Euro. Erneut holte sie einige Quereinsteiger an Bord, unter anderem zwei jüngere Partner – einen Spezialisten für öffentliche Übernahmen sowie einen für das Öffentliche Wirtschaftsrecht.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 70 Vollpartner, 34 Counsel, 134 Associates und 11 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 34,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 18 (davon 12 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 30 bis 40

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 5 bis 10

Referendarplätze 2019: 140       

Praktikumsplätze 2019: 100

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 23,10 Euro/h (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag, ggf. plus 250 Euro Mietzuschuss

Associates

  1. Jahr: 120.000 Euro
  2. Jahr: 125.000 Euro
  3. Jahr: 130.000 Euro
  4. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus
  5. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: 52.000 bis 60.000 Euro inklusive Bonus

Nach vier Jahren können Associates zum Senior Associate aufsteigen, ein Jahr später entscheidet die Partnerschaft, ob sie jemanden als potenziellen Partnerkandidaten sieht. Der Status des Counsel ist als Zwischenstation vorgesehen, aber nicht als Dauerlösung geplant. Die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage beurteilen ihre Chancen auf eine Partnerschaft bei Clifford zwar immer noch schlechter als der Durchschnitt, allerdings besser als im Vorjahr und auch besser als Associates von Wettbewerbern wie Freshfields oder Linklaters. Das mag daran liegen, dass Clifford zuletzt wieder zwei Partnerernennungen verkündete. Beide sind Frauen – zuvor nahm Clifford über zwölf Jahre ausschließlich Männer in die Partnerriege auf.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.