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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

BMW – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 20

Das sagt die azur-Redaktion

Münchner im Himmel. Fragt man erfahrene Anwälte aus Top-Kanzleien, wo sie gerne arbeiten würden, kommt kaum eine andere Adresse so gut weg wie die Automarke mit dem weißblauen Propellersymbol. In der azur-Associate-Umfrage loben Teilnehmer aus Kanzleien BMW alljährlich für gutes Arbeitsklima, Work-Life-Balance und hohen fachlichen Anspruch. Auch die Innensicht ist positiv: Die BMW-Juristen sind laut azur-Umfrage so zufrieden mit ihrem Arbeitgeber wie keine andere Inhousemannschaft in der Autobranche. Das ist umso bemerkenswerter, als ein großer Teil des Teams jahrelang Erfahrung mit anderen Arbeitgebern gesammelt hat, etwa bei Freshfields, Hogan Lovells oder Milbank. Ein BMW-Jurist erklärt kurz und knapp: „Traumjob“.

Alle Optionen offen. Dass die Autobranche gerade einen grundlegenden Wandel durchmacht, prägt auch die Arbeit der BMW-Juristen – und ihre Aufstiegschancen. Ob der Konzern mit einem eigenen Ableger im Silicon Valley aktiv wird, weitere Joint Ventures in China anschiebt oder gemeinsam mit anderen Autoherstellern Technologien zum vernetzt-autonomen Fahren entwickelt: Immer sind auch die Juristen mit an Bord. Oft genug wechseln Mitarbeiter der Rechtsabteilung auf Leitungsposten in anderen Abteilungen oder Tochterfirmen, auch international. Auslands­erfahrung können die Syndizi bei Kurzaufenthalten in einer anderen BMW-Rechtsabteilung oder bei mehrmonatigen Secondments sammeln. Projektabhängige Entsendungen können auch mehrere Jahre dauern. Nicht nur mit der Internationalität ihrer Arbeit, sondern auch mit ihren Aufstiegschancen sind die BMW-Juristen ausgeprochen glücklich – ein deutlicher Kontrast zu den meisten anderen Rechtsabteilungen.

Rotieren mit System. Neueinsteiger begleitet zunächst ein Jahr lang ein Mentor. Anschließend ziehen die Juristen alle drei bis fünf Jahre – so ­gewünscht – in eine andere Hauptabteilung mit neuem thematischem Fokus weiter. Querschnittsaufgaben wie Prozessführung decken alle Syndizi ab. Auch die juristische Ausbildung ist bereichsübergreifend geregelt und inzwischen in einem strukturierten Programm aus internen und externen Seminaren gebündelt. Dazu kommen die regelmäßigen Syndikustreffen, zu denen sich die BMW-Juristen aus aller Welt zum fachlichen Austausch in der Konzernzentrale versammeln. Daneben läuft die Weiterbildung über die konzerninterne Bildungsakademie, die von Sprachkursen bis zum Einzelcoaching einiges bietet. Richtig begeistert sind die BMW-Juristen allerdings nicht vom Ausbildungsangebot, das sie in der azur-Associate-Umfrage leicht unterdurchschnittlich bewerten. Einzelne wünschen sich „mehr Umfang und mehr Tiefgang“.

Ein Herz für Referendare. Nur positiv äußern sich in der azur-Bewerberumfrage dagegen die BMW-Referendare. Ein Ehemaliger lobt die „gute, kollegiale Atmosphäre“, und ein anderer urteilt: „Sehr gut! Man nimmt sich für die einzelnen Referendare viel Zeit.“ In der Tat gibt sich BMW viel Mühe, auch weil die Rechtsabteilung immer wieder Berufsanfänger einstellt und Talente so früh wie möglich kennenlernen will. Jeder Referendar bekommt einen erfahrenen Inhousejuristen als Mentor an die Seite. Eine Stage führt üblicherweise durch alle vier Hauptabteilungen der Rechtsabteilung – Produkt/Streitverfahren, Produktion/Vertrieb, Finanzen/M&A sowie Konzernangelegenheiten – und nach Wunsch auch in andere Unternehmensbereiche. Auch die Abteilung für Marken- und Designrecht bildet Referendare aus, einzelne Plätze gibt es zudem im Personal-, Finanz- und Steuerwesen. Praktikanten nimmt die Rechtsabteilung nicht auf. Dafür unterstützt BMW interessante Promotionsprojekte gegebenenfalls über das konzerneigene Stipendienprogramm.

Anwesenheit ist Pflicht. Das Thema Homeoffice ist der einzige echte Kritikpunkt, den manche BMW-Syndizi an ihrem Arbeitgeber haben. Diese Option bietet die Rechtsabteilung ausdrücklich nur in Notfällen an, nicht als Dauerlösung. Teilzeittätigkeit ist dagegen kein Problem, und auch eine Betriebskita gibt es. Mit der Vereinbarkeit von Familie und Karriere sind die BMW-Syndizi denn auch ziemlich glücklich, ebenso mit ihrer Work-Life-Balance. Denn selbst wenn es je nach Projekt durchaus mal spät werden kann, hält sich die Arbeitszeit mit durchschnittlich gut 46 Wochenstunden laut azur-Umfrage noch im Rahmen.

„Das Rotationsprinzip funktioniert gut“

„Ich konnte nach Jahren in einer Großkanzlei

gar nicht glauben, dass der berufliche Alltag so viel Freude bereiten kann“

„Nach Phasen intensiver Belastung gibt es ­Ausgleichszeiten“

„Homeoffice-Tage wären hilfreich“

„Schlaue Leute, die trotz anspruchsvoller Arbeit nicht auf ihr Privatleben verzichten möchten“

„Sehr qualifizierte Mitarbeiter aus verschiedenen Großkanzleien“

„Eigenverantwortliche Arbeit, gutes Betriebsklima, hohes Maß an Internationalität“

▪ Bewerbungsschulung für Referendare

▪ Intensive Betreuung der Referendare durch ­Mentoren

▪ BMW fördert juristische Promotionsvorhaben per Stipendium

▪ Rotationsprogramm mit wechselndem Aufgaben­bereich innerhalb der Rechtsabteilung alle drei bis fünf Jahre

▪ Zweiwöchige Aufenthalte in ausländischen ­Rechtsabteilungen

▪ Erwerb ausländischer Anwaltszulassung

(z.B. englischer Solicitor oder New York Bar Exam) ausdrücklich erwünscht

▪ Coachingprogramm für weibliche Führungskräfte

▪ Unterstützung für Kinderbetreuung und bei Pflege von Familienmitgliedern

▪ Zusätzliche Urlaubstage gegen Gehaltsausgleich möglich

An Berufseinsteiger stellt BMW Anforderungen wie die Spitzenkanzleien: Zwei mindestens vollbefriedigende Staatsexamina und verhandlungssicheres Englisch sind Pflicht, ein zusätzlicher Juraabschluss aus dem Ausland ein wichtiger Bonus. Davon abgesehen müssen sich die Syndizi auch in der Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem operativen Geschäft durchsetzen können – souveräner Auftritt und instinktsicheres Kommunikationsverhalten sind darum unverzichtbar. Wer sich nicht für Autos interessiert, ist bei BMW ohnehin fehl am Platz.

Aussichtsreiche Bewerber durchlaufen gleich drei Gesprächsrunden: die ersten beiden mit jeweils zwei der vier Hauptabteilungsleiter. Das dritte Gespräch, das zum Teil auf Englisch stattfindet, führt dann der Chefsyndikus. Bewerber auf eine Referendarstelle landen meist direkt bei Hauptabteilungsleiter Stefan Hienzsch, der die Kandidaten persönlich unter die Lupe nimmt. 

Branche: Automobilindustrie

Standorte in Deutschland: München (Sitz der Rechtsabteilung) und acht weitere Produktionsstandorte

Umsatz 2017: 98,7 Milliarden Euro (Gewinn: 8,7 Milliarden)

Internationale Präsenz: BMW ist weltweit in mehr als 140 Märkten aktiv und produziert in 14 Ländern. Deutsche Volljuristen sind derzeit in Großbritannien, China, Mexiko und Frankreich tätig. Eigene Rechtsabteilungen gibt es auch in den USA und Südafrika.

Aktuelle Entwicklungen: Anders als der VW-Konzern oder Daimler ist BMW vom Dieselskandal bisher kaum berührt. Dass gleichzeitig Umsatz und Gewinn immer höher klettern, lässt Luft für massive Investitionen in Elektroantriebe und autonomes Fahren sowie in Märkte wie China, wo BMW stückweise Joint-Venture-Beteiligungen aufstockt. Dafür könnte ein harter Brexit BMW zu schaffen machen: Die Münchner produzieren an mehreren britischen Standorten.

Renommee: Am fachlichen Ruf der BMW-Juristen besteht kein Zweifel, wie Jahr für Jahr von Anwälten aus Großkanzleien und kleineren, renommierten Einheiten zu hören ist. Die Inhouseanwälte gelten als „gründlich, schnell, auf den Punkt“ und „versiert im Umgang mit komplexen Sachverhalten und Transaktionsstrukturen“. Hohes Ansehen genießen auch die Patent- und Markenteams, die eng mit der Konzernrechtsabteilung zusammenarbeiten. Weitere Juristen sind in Bereichen wie Compliance, Einkauf, Personal, Finanzen und Steuern sowie in ausländischen Konzerntöchtern tätig.

Volljuristen in Deutschland: 56 in der Rechtsabteilung

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 37,5%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine Angaben

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 4 bis 7

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 15         

Praktikumsplätze 2019: keine in der Rechtsabteilung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: 1.450 Euro/Monat

Syndikusanwälte

  1. Jahr: 85.000 Euro plus Bonus*
  2. Jahr: keine Angaben
  3. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

*azur-Recherche

In der Rechtsabteilung gibt es formal nur drei Hierarchieebenen: Syndikus, Hauptabteilungsleiter und General Counsel. Dennoch bleiben den Inhousejuristen zahlreiche persönliche Entwicklungsstufen. Wer sich bewährt, bekommt mit mehr fachlicher Verantwortung auch schnell mehr Gehalt. Deutsche Juristen entsendet der Konzern auch in die Rechtsabteilungen ausländischer Standorte, so etwa nach Großbritannien, China, Frankreich und Mexiko. Noch dazu erleichtert die bewusst breit angelegte Ausbildung der BMW-Juristen den Wechsel in andere Abteilungen des Konzerns. Ehemalige Inhousejuristen finden sich heute etwa an der Spitze der Konzern-M&A-Abteilung, im Vorstandsressort Einkauf oder als Geschäftsführer in verschiedenen Tochterunternehmen. Mit ihren Aufstiegsmöglichkeiten inner- und außerhalb der Rechtsabteilung sind die BMW-Juristen laut azur-­Associate-Umfrage so zufrieden wie kaum eine andere Inhousemannschaft in Deutschland.

Ab zwei bis drei Jahren Berufserfahrung behandelt BMW die Syndizi als außertarifliche Angestellte, ihr Gehalt ist damit im Prinzip nach oben offen. Boni sind neben der eigenen Leistung auch vom Konzern­ergebnis abhängig. Je höher Juristen die Karriereleiter hinaufklettern, desto größer ist der Anteil der Leistungskomponente.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.