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06.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Bird & Bird – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 14

Das sagt die azur-Redaktion

Nicht nur für Technikfreunde. Bird & Bird zählt in Deutschland in einigen Bereichen zur Marktspitze, etwa im Technologiesektor und im Patentrecht. Entsprechend richtet sich die Kanzlei auch und gerade an technologieaffine Bewerber. Teilnehmer der azur-Umfrage sind grundsätzlich sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber: Associates empfinden den „intensiven, direkten Mandantenkontakt von Anfang an“ als ­positiv und heben das Betriebsklima hervor, das sie als „freundlich und kollegial“ beschreiben. Sehr gute Noten vergeben sie für den Anspruch und das Niveau der Arbeitsinhalte.

Work-Life-Balance: schwankend. Die 54 Wochenarbeitsstunden laut azur-Umfrage liegen etwa im Marktdurchschnitt. Dafür zahlt B&B schon Berufseinsteigern ein Gehalt, das nicht weit von den marktführenden Kanzleien in Deutschland entfernt ist – auch wenn einzelne Umfrageteilnehmer urteilen: „Das Gehalt ist in Anbetracht der geforderten Leistung deutlich zu niedrig.“ Einhellig kritischer beurteilen Asso­ciates die Work-Life-Balance. Während es im vergangenen Jahr noch überdurchschnittliche Noten hierfür gab, sind sie dieses Jahr weniger zufrieden als Anwälte in anderen Kanzleien. Zwar loben manche Umfrageteilnehmer „eine gute Arbeitsaufteilung und daher vergleichsweise angenehme Arbeitszeiten“, doch variiert dies offenbar von Team zu Team. „Die Kanzlei sollte gezielt überarbeitete Teams entlasten“, fordert einer. Gleich mehrere wünschen sich, dass „Homeoffice nicht nur als Ausnahme“ möglich ist. Die Kanzlei ist sich der Kritik bewusst: Sie arbeitet aktuell an der Umsetzung einer Homeoffice-Richtlinie, die auch zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie beitragen soll.

Frauenförderung im Visier. Die internationale Vorgabe aus London fordert einen Frauenanteil von 50 Prozent in der Partnerschaft. Hier hat die deutsche Praxis noch ein gutes Stück Weg vor sich: Der Frauenanteil auf Partnerebene beträgt bis dato rund zehn Prozent – obwohl rund die Hälfte der Associates weiblich ist. Für sie gab es im Sommer erstmalig einen standortübergreifenden Austausch mit dem deutschen Management. In diesem Rahmen können Frauen ihre Wünsche und Erwartungen an das Management herantragen. Ab 2019 soll es ein Modul zum Selbstmarketing von Frauen im Zuge der kanzleiinternen Academy geben. Das internationale Frauenförderprogramm bereitet Anwältinnen in London in ­einem mehrtägigen Coaching auf die Partnerschaft vor – ein Angebot, das unter den Associates Zuspruch findet.

Praktikanten und Referendare lernen im Alltag. Wer bei Bird & Bird ein Praktikum oder Referendariat absolviert, arbeitet schnell am Mandat mit. Die Nachwuchsjuristen stimmen ihren individuellen Ausbildungsplan mit einem Mentor ab. „Selbstständiges Arbeiten ist erwünscht und wird gefördert; wenn man sich etwas zutraut, bekommt man Verantwortung und kann sich beweisen“, heißt es in der azur-Umfrage. Seit ­Neuestem besteht die Möglichkeit, in Kooperation mit Telemedicus, ­einem redaktionellen Weblog zu Medien- und IT-Rechtsfragen, auch journalistisches Schreiben und Bloggen zu trainieren mit Schwerpunkt auf Digitalisierungs- und Datenschutzthemen. Die Referendarausbildung beschreibt ein Teilnehmer der Bewerberumfrage als „anspruchsvoll und engagiert“. Das Angebot, zur Examensvorbereitung Klausurenkurse des Kaiser-Repetitoriums zu belegen, loben die Umfrageteilnehmer als „sehr wichtigen Schritt“, fordern aber gleichzeitig, dass dieser noch ausgebaut werden sollte.

Associate-Ausbildung in der Praxis. Für die Associates stellt die frühe Mandatsarbeit ebenfalls den Kern ihrer Ausbildung dar. Damit sind sie laut azur-Umfrage auch sehr zufrieden, loben etwa „die enge Einbindung in Mandate“ und den „frühen Kontakt zu Mandanten“. Darüber ­hinaus bietet Bird & Bird ihren Anwälten ein marktübliches Weiter­bildungsprogramm, das aus fachlichen Schulungen und Soft Skills besteht. Einige Associates loben das umfangreiche Angebot an Schulungen, anderen geht das noch nicht weit genug. Sie wünschen sich noch fachspezifischere Angebote und dass sie solche Kurse regelmäßiger besuchen können. Insgesamt sind die Associates laut azur-Umfrage mit den Weiterbildungsmöglichkeiten nicht ganz so zufrieden wie Anwälte in anderen Kanzleien.

Hier geht’s zur Eigendarstellung des Arbeitgebers

„Persönliches Engagement für mein Fortkommen durch betreuenden Partner“

„Vielzahl an Seminaren zur fachlichen und ­persönlichen Weiterentwicklung“

„Viele interne Networking-Events“

„Mehr Möglichkeiten und Zeit für fachliche Weiterbildung bereitstellen“

„Homeoffice nicht nur als Ausnahme ermöglichen“

„Arbeitsbelastung besser verteilen; personelle ­Verstärkung besser einplanen oder kalkulieren“

„Sympathisch, hohe Internationalität, langsam ­sollte die nächste Generation mehr übernehmen“

„Sehr engagierte und top ausgebildete Associates und junge, gute Partner“

„Dem Vernehmen nach in einigen Düsseldorfer Teams flexiblere Ansätze hinsichtlich Arbeits­belastung, Notenerwartung und Gehaltsstruktur – potenziell die interessanteste klassische Groß­kanzlei“

▪ Kaiser-Klausurenkurse

▪ Ausbildungsprogramm ,Recht und Kommunikation‘ gemeinsam mit Telemedicus

▪ Teilnahme an praxisgruppenübergreifender ­Vortragsreihe

▪ Breites internes wie auch externes Fortbildungs­angebot, das individuell (und auch auf Erfahrungshorizonte) zugeschnitten wird

▪ Für erfahrene Anwälte intensive internationale Fortbildungen

▪ Internationales Woman-Leadership-Programm

Zwar legt die Kanzlei aufgrund ihrer international ­starken Vernetzung besonderen Wert auf gute Englischkenntnisse, im Gegenzug dazu ist sie bei den Noten großzügiger: Der ideale Bewerber kann ein Doppelprädikat und einen ausländischen LL.M. vorweisen, aber auch Kandidaten mit geringerer Qualifikation, etwa zwei befriedigenden Examina, stellt die Kanzlei ein. Das hat allerdings Auswirkungen auf das Einstiegsgehalt. In der Regel bekommen sie im ersten Berufsjahr weniger als die maximal möglichen 105.000 Euro.

Das Bewerbungsverfahren ist in zwei Bewerbungsrunden angesetzt, in denen Gespräche zwischen Bewerber und Partnern bzw. zukünftigen ­Kollegen stattfinden. Praktikanten und Referendare bekommen regel­mäßig schon nach dem Erstgespräch mit einem Counsel ein Angebot. 

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 79,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 480.000 Euro

Internationale Präsenz: Die britische Kanzlei verfügt über voll integrierte Büros in Asien, Australien und Europa. 2018 eröffnete sie ihr erstes Büro in den USA in San Francisco. In Europa ist sie an allen zukünftigen Standorten des Unified Patent Courts vertreten.

Aktuelle Entwicklungen: Ein Highlight im Sommer war die Eröffnung des Büros an der US-Westküste mit einem deutschen IT-Partner. Damit schließt Bird & Bird eine Lücke in ihrem weltweiten Netzwerk. Der neue Standort soll vor allem die Nähe zu US-Mandanten und -Kooperationskanzleien fördern. Auch im asiatischen Raum treibt die Kanzlei ihr Geschäft voran und wird so auch für chinesische Mandanten interessant.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs



Anwälte in Deutschland: 48 Vollpartner, 31 Counsel, 112 Associates und 9 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 34,0%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 3

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 30 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angabe

Referendarplätze 2019: 50         

Praktikumsplätze 2019: 100

Wissenschaftliche Mitarbeiter*: 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.150 Euro/Wochenarbeitstag* (nach dem 2. Examen)

Referendare*: 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

  1. Jahr: bis 105.000 Euro
  2. Jahr: keine Angaben
  3. Jahr: keine Angaben
  4. Jahr: keine Angaben
  5. Jahr: keine Angaben
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

*ab Mai 2019

 

Aus der azur-Umfrage geht hervor, dass die Associates ihre Chancen, in die Vollpartnerschaft aufzusteigen, geringer bewerten als bei den meisten Kanzleien ähnlichen Zuschnitts. Ein Stück weit wird die Bewertung auch dadurch untermauert, dass 2018 keine Partnerernennungen erfolgten. Nach sieben Jahren ist die Vorstufe zur Partnerschaft, dem Counsel, möglich. Für Anwälte, die dauerhaft angestellt sein möchten, bietet die Kanzlei ab dem neunten Berufsjahr den Senior Counsel an. Mit ihren Karriereperspektiven jenseits der Partnerschaft sind die Bird & Bird-Anwälte laut azur-Associate-Umfrage nicht besonders zufrieden, was allerdings die meisten Umfrageteilnehmer aus Kanzleien ähnlich sehen.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.