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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Beiten Burkhardt – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 37

Das sagt die azur-Redaktion

Mächtig aufgeholt. Eines muss man Beiten Burkhardt lassen: Sie nimmt die Kritik ihrer Associates ernst. Nachdem diese lange unzufrieden mit dem Ausbildungsangebot waren, hob die Kanzlei 2017 ein neues Programm aus der Taufe. Ein Jahr später zeigten sich die Associates in der azur-Umfrage erstmals zufriedener als der Marktdurchschnitt. Einhellig loben sie die Weiterbildungen, die auf die jeweilige Berufserfahrung der Anwälte ausgerichtet sind und mittlerweile rund 20 Seminare umfassen, von „Rhetorik und Auftreten“ über Zeit­management bis hin zu Pitch- und Präsentationstechniken. Für Partner gibt es zusätzlich Führungskräftetrainings. Um die jeweils nächste Karrierestufe zu erreichen, müssen die Anwälte Zertifikate vorweisen. Wer Salary-Partner werden möchte, muss mindestens fünf verpflichtende ­Seminare besucht haben. Inzwischen bietet die Kanzlei auch Videotrainings an, die Associates mit den eintägigen Präsenzseminaren zur Vor- und Nachbereitung kombinieren, aber auch separat nutzen können, wenn sie etwa ein Seminar verpasst haben. Dazu kommen externe Fortbildungsveranstaltungen, Fachanwaltskurse und Veranstaltungen innerhalb der einzelnen Praxisgruppen.

Online-Repetitorium für Referendare. Die Seminare, insbesondere zu Soft Skills, stehen auch Referendaren offen. Ein Teilnehmer der azur-­Bewerberumfrage zeigt sich jedoch vor allem von den internen Ange­boten wie der „Teilnahme an Meetings und Telefonkonferenzen mit ­Mandanten” begeistert. Auch dass „eigenverantwortliches Arbeiten gewünscht” sei und es „regelmäßig Feedback” gibt, führte dazu, dass sich Referendare gut eingebunden fühlen. Für eine intensive Betreuung sorgt zudem ein Mentor aus der jeweiligen Praxisgruppe. Damit im Berufsalltag die Vorbereitung auf das zweite Staatsexemen nicht zu kurz kommt, arbeitet die Kanzlei mit dem Online-Repetitorium Repetico zusammen. Praktikanten dagegen bietet Beiten Burkhardt weniger als ­vergleichbare Großkanzleien. Statt eigene Praktikantenprogramme zu besuchen, laufen sie im Arbeitsalltag der Anwälte mit, begleiten sie zu Gericht und nehmen an den internen Fortbildungen der jeweiligen Praxisgruppe teil.

Mehr Geld dank Bonus. 2018 nahm sich Beiten nun das lange von den Associates bemängelte Gehalt vor. Die Kanzlei erhöhte das Grundgehalt, das im Großkanzleivergleich nun nicht mehr ganz so mager ausfällt, und führte eine neue Bonusregelung ein, nach der wesentlich mehr Associ­ates in den Genuss eines leistungsabhängigen Zuschlags kommen. Das neue Modell findet in der azur-Umfrage prompt ihren Niederschlag: Ein Associate lobt ausdrücklich die „nun tatsächlich erreichbare“ Schwelle, ab der es einen Bonus gibt. Richtig zufrieden sind die Associates aber längst noch nicht – die Gesamtnote, mit der sie ihren Arbeitgeber in der azur-Umfrage bewerten, liegt weiterhin unter dem Marktdurchschnitt.

Mehr Frauen gewünscht. Mit der Einführung eines Teilzeitmodells für Vollpartner hat sich Beiten auf die Fahne geschrieben, Frauen gleiche Karrierechancen zu bieten. Noch tragen die Bemühungen jedoch keine Früchte, denn auch zum Januar 2019 ernannte die Kanzlei keine neue Vollpartnerin. Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen bewerten die Beiten-Associates in der azur-Umfrage skeptischer als ihre Kollegen aus anderen Kanzleien. Manche verlangen explizit die „Ernennung von Vollpartnerinnen“, andere wünschen sich mehr „standortübergreifenden Austausch“ unter den Anwältinnen. Daneben stehen die „flexiblere Zeiteinteilung“ und „bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie“ auf der Wunschliste mehrerer – auch männlicher – Associates. Auch wenn es bei Beiten keine strikten Anwesenheitszeiten gibt, Homeoffice ist und bleibt die Ausnahme.

Mehr Internationalität wagen. Was ihre internationale Einbindung angeht, kann die Kanzlei bei ihren Associates ebenfalls nicht punkten und schneidet in der azur-Umfrage unterdurchschnittlich ab. Um ihrem Ruf als wenig internationale Kanzlei entgegenzuarbeiten, plant Beiten künftig eine engere Zusammenarbeit mit europäischen Partnerkanzleien. Dies würde ihren Associates auch eine größere Auswahl an internationalen Secondments bieten. Bislang sind sie nur an den eigenen Kanzlei­standorten möglich.

Hier geht’s zur Eigendarstellung des Arbeitgebers

„Arbeitsbelastung wird gut von den Vorgesetzten gesteuert“

„Flexibilität beim Homeoffice“

„Neue Bonusregelung“

„Schlechte Informationspolitik“

„Es braucht modernere Arbeitsabläufe“

„Mehr Flexibilität“

„Wenig international, aber gutes Betriebsklima“

„Aufstrebendes Team im IP-Bereich“

„Zum Teil recht konservativ und steif“

▪ Online-Repetitorium für die Examensvorbereitung

▪ Ausbildungsakademie mit Bucerius Law School

▪ E-Learning-Seminare zur Vor- und Nachbereitung

▪ Teilzeitmodell auf Partnerebene

Wie die meisten Kanzleien wünscht sich auch Beiten zwei vollbefriedigende Examina, setzt sie aber nicht ­voraus. Fehlende Punkte können durch andere Qualifikationen, zum Beispiel eine wirtschaftliche Ausbildung oder ein BWL-Studium, ausgeglichen werden. Wenn die Kanzlei den Bewerber schon durch das Referendariat kennt, sind die ­Noten zudem etwas weniger ausschlaggebend. Beim ersten Bewerbungsgespräch ist mindestens ein Partner aus dem jeweiligen Fachbereich dabei. Das Gespräch findet ausschließlich auf Deutsch statt und dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Bei einem zweiten Gespräch lernen die Bewerber dann weitere Partner und die Associates kennen. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Umsatz in Deutschland 2017: 97,9 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017: 445.000 Euro

Internationale Präsenz: Beiten hat eigene Büros in Brüssel, Russland (Moskau und St. Petersburg) und Peking. Zudem arbeitet sie mit ­befreundeten westeuropäischen und amerikanischen Kanzleien zusammen.

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei ist auf stetem Wachstumskurs, personell wie auch beim Umsatz, den Beiten um 6,5 Prozent steigern konnte und langsam, aber sicher an der 100-Millionen-Euro-Marke kratzt. Dass die kommenden Geschäftsjahre erfolgreich sein werden, ist dank eines Großmandats des Bundesverkehrsministeriums für die Gründung einer zentralen Autobahngesellschaft so gut wie sicher. Grundsätzliches änderte sich dafür an der Spitze der Kanzlei: Frank Obermann gab nach 15 Jahren die Rolle des Managing-Partners ab. Sein Nachfolger Philipp Cotta will künftig die internationale Sichtbarkeit der Kanzlei stärker vorantreiben.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 57 Vollpartner, 109 Non-Equity-Partner, 8 Counsel, 81 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 28,7%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 2 (2 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 35 bis 40

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: nach Bedarf

Referendarplätze 2019: 50 bis 60            

Praktikumsplätze 2019: 40 bis 50

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 20 Euro/h (nach dem 1. Examen), 25 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 700 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.500 Euro/Monat

Associates

  1. Jahr: 80.000 bis 90.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  2. Jahr: bis 92.500 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  3. Jahr: bis 95.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  4. Jahr: bis 100.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  5. Jahr: bis 105.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
  6. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Bei Beiten können die jungen Anwälte ab dem fünften Berufsjahr Salary-Partner werden, ab dem achten Jahr steht ihnen der Weg in die Vollpartnerschaft offen. In jährlichen Mitarbeitergesprächen besprechen die Partner mit den Associates ihre Karriereentwicklung. Zusätzlich müssen alle Partnerschaftsanwärter Kurse belegen, die Voraussetzungen für die Aufnahme in die Partnerschaft sind. Mit den klareren Anforderungen versucht die Kanzlei, den Weg in die Partnerschaft transparenter zu gestalten. Beiten ernennt regelmäßig sowohl Salary-Partner als auch Vollpartner, trotzdem sind die Associates in der azur-Umfrage mit ihre Karrierechancen unzufriedener als in anderen Kanzleien. Insbesondere die alternativen Karrieremöglichkeiten – hier bietet Beiten die dauerhafte Position des Senior-Salary-Partners – entsprechen nicht den Vorstellungen der Nachwuchsanwälte.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.