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06.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Bayer – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 36

Das sagt die azur-Redaktion

Weiterbildung weltweit für alle. Bayer-Syndizi sind so zufrieden wie nur wenige andere Unternehmensjuristen. Lediglich junge Tech-Rechtsabteilungen bei Google oder Zalando können Bayer in der azur-Associate-Umfrage den Rang ablaufen, was die Note für die Gesamtzufriedenheit angeht. Bayer unternimmt tatsächlich einiges, um seine Juristen bei Laune zu halten. Seit 2017 haben sie Zugang zu einer Onlineplattform, die anfangs dem Wissensaustausch diente. Jetzt hat Bayer das Projekt weiterentwickelt: Syndizi – zu denen auch die ehemaligen Monsanto-Juristen gehören – können weltweit zugreifen, außerdem hat Bayer seine eigene Onlineakademie integriert. In vielen Webinaren oder Skype-Sessions lernen sie Fachliches und schulen ihre Soft Skills. Von einer Anleitung für Neueinsteiger bis hin zu Spezialthemen, etwa den kartellrechtlichen Besonderheiten von Lieferverträgen des Konzerns, stehen den Syndizi alle Programme frei zur Verfügung. Viele Teilnehmer der azur-Umfrage loben diese Weiterbildungsangebote, einer betont etwa das „breit gefächerte Angebot an Fortbildungen“.

Schwerpunkt Referendare. Die Rechtsabteilung bietet keine Praktika an. Umso stärker bindet sie Referendare in den Alltag ein. Ein Ausbilder aus der Abteilung Recht, Patente oder Compliance sorgt für eine vielfältige Aufgabenverteilung. Von klassischen großen Deals wie zuletzt der Monsanto-Übernahme über Kartellrecht bis hin zu Spezialgebieten wie Medizin- und Pflanzenschutzrecht erwarten den Nachwuchs vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Referendare haben neuerdings zusätzlich einen übergeordneten Ansprechpartner aus der Rechtsabteilung, der auch eine Rotation in andere Bereiche ermöglichen kann. Die neue Onlineplattform steht Referendaren ebenfalls zur Verfügung und dient zur Vernetzung mit Referendaren und Syndizi auch an anderen Standorten.

Zwei Stunden mehr Arbeit pro Woche. Bei Bayer beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit laut azur-Umfrage rund 47 Stunden. Das sind zwei Stunden mehr als bei den meisten Kollegen in anderen Rechtsabteilungen. Dennoch bewerten Bayer-Syndizi die Arbeitsbelastung überdurchschnittlich gut. Konzernweit besteht die Möglichkeit, ein Lebens­arbeitszeitenkonto zu nutzen, etwa um sich in jüngeren Jahren einen früheren Renteneinstieg zu erarbeiten. Genutzt wird das Zeitkonto aktuell in der Rechtsabteilung aber nur für längere Abwesenheiten wie ein Sabbatical. Bayer bemüht sich um eine ausgeglichene Work-Life-Balance, was die Teilnehmer der azur-Umfrage mit überdurchschnittlichen Noten honorieren. Sie loben die „Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung“, die „IT-Ausrüstung, die bei Bedarf Homeoffice ermöglicht“ und die „Selbstverständlichkeit von Teilzeit“.

Klare Kommunikation zur Karriere. Selbst da, wo viele Rechtsabteilungen an ihre Grenzen stoßen, nämlich bei den Aufstiegsmöglichkeiten, schneidet der Konzern in der azur-Associate-Umfrage gut ab. Auch Teilzeit ist nach Unternehmensangaben kein Hindernis für die Übernahme leitender Funktionen. Wie in anderen großen Unternehmen – etwa Audi oder Siemens – profitieren die Inhouseanwälte bei Themen wie Führung vor allem von den unternehmensweiten Fortbildungsmaßnahmen. Lediglich vereinzelt fordern Bayer-Syndizi in der azur-Umfrage etwa eine ­„individuellere Förderung durch besondere Karrieremöglichkeiten für Spezialisten“. Ein Wechsel aus der Rechtsabteilung in andere Unternehmensbereiche, etwa ins Procurement, ist eine Alternative für die Juristen.

Internationaler wird’s nimmer. Bayer stemmte mit der Monsanto-Übernahme nicht nur die teuerste Transaktion, die ein deutsches Unternehmen bislang im Ausland getätigt hat, der Zusammenschluss bedeutet auch, dass die Arbeit der Juristen noch internationaler wird, weil es noch mehr Standorte und Möglichkeiten gibt, Zeit im Ausland zu verbringen. Zwischen drei Monaten und drei Jahren können Syndizi ins Ausland gehen, etwa in die USA oder Singapur. Die Internationalität ihrer Arbeit begeistert auch die Teilnehmer in der azur-Umfrage. Einer lobt die ­„Möglichkeiten, auf internationalen Konferenzen zu sprechen“. Interna­tional und vor allem in englischer Sprache ist auch der Arbeitsalltag in Deutschland, es findet ein „enger Austausch mit dem Business und externen Partnern auf der ganzen Welt“ statt.

„Ein breit gefächertes Angebot an Fortbildungen“

„Anspruchsvolle und abwechslungsreiche ­Rechtsfragen“

„Vergütungskonditionen und sonstige Benefits sind sehr gut“

„Kaum Entwicklungsmöglichkeiten in der ­Rechts­abteilung selbst“

„Gehaltsentwicklung schleppender als noch vor fünf Jahren“

„Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für Homeoffice“

„Sehr professionelle Rechtsabteilung mit nettem Team“

„Global Player, sehr gute Strukturen und Prozesse“

„Spannendes Unternehmen mit sehr guten ­Arbeitnehmerleistungen“

▪ Individuelles Mentorenprogramm

▪ Teilnahmemöglichkeit an juristischen Fortbildungen

▪ Internationaler Jobtausch möglich

▪ Interne Akademie für die Bereiche Recht, Patent und Compliance

▪ Onlineplattform zum Wissensaustausch für alle Bayer-Juristen weltweit

▪ Hoher Frauenanteil in der Rechtsabteilung

Wer eine Kariere in der Bayer-Inhouseabteilung anstrebt, muss mindestens ein Prädikatsexamen sowie ein befriedigendes Examen vorweisen. Weder Doktortitel noch LL.M. sind ein Muss, können sich aber positiv auf das Gehalt auswirken. Wie in den meisten international tätigen Unternehmen ist fließendes Englisch auch bei Bayer unabdingbar. Das Bewerbungsverfahren setzt sich aus zwei Gesprächen zusammen. Das Erstgespräch dreht sich vor allem um die fachlichen und allgemeinen Fähigkeiten des Bewerbers. Hier sind es mehrere Bewerber, mit denen Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung ein Gespräch führen. Neben dem potenziellen Vorgesetzten nimmt auch ein Verantwortlicher aus der HR-Abteilung teil. Im Zweitgespräch kommt zudem noch der General Counsel hinzu. 

Branche: Pharmazeutik und Agrarchemie

Standorte in Deutschland: Leverkusen (Sitz der Rechtsabteilung), ­Berlin, Monheim und Wuppertal

Umsatz 2017: 35 Milliarden Euro (Gewinn: 8,6 Milliarden)

Internationale Präsenz: Bayer beschäftigt weltweit Mitarbeiter in 79 Ländern, unter anderem in den USA, Singapur und China.

Aktuelle Entwicklungen: Nachdem Bayer mit der Übernahme von Monsanto den größten Zukauf eines deutschen Unternehmens im Ausland über die Bühne brachte, steht die gemeinsame Weiterentwicklung des Konzerns auf dem Plan. Gerade die jüngsten Klagen in den USA von krebserkrankten Patienten, die Monsanto-Produkte dafür verantwortlich machen, stellen das Unternehmen vor eine große Herausforderung und eine Gefahr von hohen Schadensersatzforderungen. Auch in Deutschland bewegt sich einiges: So wurde zum Jahreswechsel 2018/19 ein großflächiger Stellenabbau bekannt gegeben.

Renommee: Die Rechtsabteilung von Bayer zählt seit Jahren zu denjenigen in Deutschland, die einen besonders guten Ruf unter Kanzleijuristen und anderen Externen im Markt genießt. Nicht zuletzt mit der Übernahme von Monsanto hat sie in vielerlei Hinsicht ihre Stärke bewiesen. Der deutsche General Counsel Dr. Gabriel Harnier leitet die juristischen Geschicke des Konzerns seit 2016. Ein Kanzleijurist lobt: „Ein bewundernswerter Kollege. Fachlich exzellent. Herausragende Führungseigenschaften gepaart mit großer Teamfähigkeit.“ Nach dem US-Megadeal übernahm zuletzt der Monsanto-Jurist Scott Partridge den Posten des US-General-Counsels von Bayer.

 

 

Volljuristen in Deutschland: 116 in der Rechtsabteilung

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 43,1%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: keine Angaben

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 5 bis 6

Referendarplätze 2019: 16 bis 18            

Praktikumsplätze 2019: nach Bedarf

 

Wissenschaftliche Mitarbeiter: werden nicht beschäftigt

Referendare: 200 Euro/Wochenarbeitstag; max. 1.000 Euro/Monat

Syndikusanwälte*

  1. Jahr: 66.500 bis 94.500 Euro plus Bonus bis 17.000 Euro
  2. Jahr: 76.500 bis 109.100 Euro plus Bonus bis 19.600 Euro
  3. Jahr: 89.800 bis 127.000 Euro plus Bonus bis 22.800 Euro

*Bonus von azur berechnet

Die Bayer-Rechtsabteilung ist so vielseitig aufgestellt wie so manche Großkanzlei: Auf der Tagesordnung der Syndizi stehen je nach Einsatzort etwa Deals, arbeits- sowie medizinrechtliche Aufgaben oder Fragen zu Compliance, Patenten und Marken. Jedes Jahr führen die Vorgesetzten Entwicklungsgespräche mit ihren Mitarbeitern. So wollen sie gemeinsam identifizieren, welche Schulungen oder Projekte für den weiteren Karriereverlauf sinnvoll sind. Grundsätzlich bietet Bayer innerhalb der Rechtsabteilung zwei Laufbahnen: Zum einen können Syndizi einen eher klassischen Weg mit Personalverantwortung wählen. Wer sich nicht in der Rolle einer Führungskraft sieht, kann zum anderen eine sogenannte Expertenlaufbahn einschlagen und sich zum Spezialisten für kartell- oder markenrecht­liche Fragen ausbilden lassen. Mit der Personalführung ihrer Vor­gesetzten und den Aufstiegschancen zeigen sich die Teilnehmer der azur-Umfrage zufriedener als die meisten Kollegen in anderen Rechtsabteilungen. Sie loben den „intensiven und regelmäßigen Entwicklungsdialog“ und die „klar strukturierten und transparent kommunizierten Prozesse“.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
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