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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Baker & McKenzie – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 16

Das sagt die azur-Redaktion

Eine Tüte Gemischtes. Baker & McKenzie zählt zu den global am stärksten vernetzten Großkanzleien und ist in Deutschland breit aufgestellt. Breit gefächert sind auch die Rückmeldungen ihrer Associates in der azur-Umfrage: Gewohnt gute bis sehr gute Noten gibt es für die Internationalität, das ­Arbeitsniveau und das Betriebsklima, schlechter sieht es bei der Bewertung der internen Kommunikation aus. Auffällig ist der Kontrast zwischen den einzelnen Associate-Meinungen: Während sich einige vor Begeisterung fast überschlagen und von einem „super Team“, „tollen Chefs“ und „herausragender Ausbildung“ schreiben, bemängeln andere die „Abschottungsmentalität vieler Partner“, „schlechte Kommunikation“ sowie „fehlende Aufstiegsperspektiven“.

Am Puls der Zeit. Einig sind sich die Associates, was ihre Ausbildung angeht: Diese loben sie als „Spitzenklasse“ und „vorbildlich“ und bewerten sie überdurchschnittlich gut in der azur-Umfrage. Das breite interne Weiterbildungsangebot bietet Schulungen zu Fachthemen und Soft Skills. Etabliert sind regelmäßige internationale Associate-Treffen und rege genutzte Secondments in ausländischen Büros, die Anwälte schon nach einem Berufsjahr machen können. Ab dem dritten Berufsjahr erhalten Associates ein Budget von bis zu 5.000 Euro, mit dem sie eigene Geschäftsideen entwickeln können, etwa neue Beratungsprodukte oder Legal-Tech-Lösungen. Das loben mehrere Associates in der azur-Umfrage explizit und freuen sich über „die Hilfestellung beim Aufbau eines eigenen Profils“. Beim Thema Legal Tech hat Baker im Markt eine Vorreiterrolle inne und zuletzt gemeinsam mit Unternehmen wie Bosch und Daimler ein Innovationszentrum in Frankfurt eröffnet.

Vorbildlicher Einsatz für Praktikanten und Referendare. Schon angehende Juristen möchte Baker für das Thema Legal Tech sensibilisieren: 2018 hat sie erstmals Workshops für Studenten an den Universitäten Heidelberg und Bayreuth veranstaltet und möchte diese Initiative jetzt bundesweit an mehreren Hochschulen anbieten. Für Praktikanten und Referendare ist Baker seit jeher eine gute Adresse: Sie fördert den Nachwuchs durch individuelle Ausbildungsprogramme und ein ausgefeiltes Coaching-System. Ausgewählte Studenten begleitet Baker mit einem Mentorship-Programm bis zum Studienabschluss. In der azur-Bewerberumfrage loben ehemalige Praktikanten und Referendare neben den „interessanten Aufgaben“, und „tollen Programmen“ vor allem die „offenen Türen“ und das „kollegiale Betriebsklima“. Mehrere Referendare vermissen laut azur-Umfrage allerdings Repetitor-Kurse, die bei vielen anderen Großkanzleien mittlerweile zum Standard gehören.

Hier wird nicht gekuschelt. Wer nach seinem Referendariat bei Baker einsteigt, sollte sich auf hohe Anforderungen einstellen: Laut azur-Associate-Umfrage arbeitet der typische Baker-Anwalt rund 60 Stunden in der Woche, sechs Stunden mehr als der Durchschnitt. Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance, aber auch die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bewerten die Baker-Associates in der azur-Umfrage unterdurchschnittlich. Dabei bietet Baker mehr Alternativen zur Partnerkarriere und mehr Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance als viele Wettbewerber. So hat Baker schon vor Jahren einen alternativen Karriere­weg eingeführt, auf dem sich aktuell fünf Associates befinden und der eine deutlich reduzierte Stundenzahl bei entsprechend niedrigerem Gehalt vorsieht. Laut azur-Umfrage gehen die Meinungen der Associates dazu auseinander: Während einige die Ausweitung dieses Tracks und „verschiedene flexible Teilzeitvarianten“ loben, schreiben andere, dass „Teilzeit vor allem bei männlichen Associates ein Karrierekiller sei“ oder dass das alternative Modell „nur weniger Geld bei gleichem Druck“ bedeute und „vielleicht auf dem Papier bestehe, aber nicht gelebt“ werde.

Konservativer als vermutet. An der Umsetzung hapert es auch beim Thema Frauenförderung. Zwar kann Baker mit vielen gut klingenden Maßnahmen aufwarten – Ergebnisse sind jedoch Mangelware. Unter den mehr als 30 anwaltlichen Vollpartnern ist schon seit Jahren nur eine einzige Frau – ein Armutszeugnis für eine internationale Großkanzlei in Deutschland. Vom globalen Ziel, hier einen Anteil von 30 Prozent zu erreichen, ist das deutsche Management noch meilenweit entfernt. Ein Lichtblick ist allerdings der Frauenanteil auf Salary-Partner-Ebene von gut einem Drittel.

„Es macht unglaublich Spaß, in diesem jungen, ­dynamischen Team zu arbeiten“

„Die Ausbildung ist herausragend“

„Es gibt jetzt ein Eltern-Kind-Büro“

„Leistungserwartung und Gehalt passen nicht ­zusammen“

„Kommunikation und Transparenz stark verbesserungsfähig“

„Arbeitsbelastung ist ungleich verteilt“

„Fachlich guter Ruf, aber verrückte Arbeitszeiten“

„Stimmung ist sehr team- und büroabhängig“

„Im Legal Tech eine führende Kanzlei“

▪ Individuell abgestimmtes Ausbildungsprogramm für Praktikanten und Referendare mit einem ­erfahrenen Anwalt als Coach

▪ Förderprogramm für Referendare mit persönlichem Mentor und Schulungen in Hard und Soft Skills

▪ Auslandsaufenthalt für Referendare möglich

▪ Kanzleieigene, modular aufgebaute Ausbildungsuniversität

▪ Eigenes Budget für Associates ab dem 3. Jahr für Entwicklung von unternehmerischen Ideen

▪ Gemeinsame Schulungen für Associates aus ­europäischen Büros

▪ Alternatives Karrieremodell mit begrenzter ­Stundenzahl, Wechsel auf konventionellen ­Partnertrack möglich

▪ Mehrere Programme zur Frauenförderung

▪ LGBT-Beauftragte in Deutschland und Österreich

Der ideale Bewerber bringt in beiden Examen ein Vollbefriedigend sowie eine Promotion oder alternativ einen LL.M mit. Allerdings sind gute Noten bei Baker nicht alles. Bewerber ohne Prädikatsexamen können dies bis zu einem gewissen Grad mit anderen Faktoren, beispielsweise der Wahl ihrer Referendarstation oder Erfahrungen in Rechtsabteilung eines Unternehmens, ausgleichen. Auch mit sozialem Engagement oder der Mitgliedschaft in einer juristischen Vereinigung punkten Bewerber bei Baker. Zudem setzt die Kanzlei verhandlungssicheres Englisch ebenso voraus wie unternehmerisches Denken und Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge.

Im ersten Bewerbungsgespräch lernen Bewerber ihre potenziellen Mentoren sowie Partner und Associates der künftigen Praxisgruppe kennen. Das Zweitgespräch findet in einem anderen deutschen Baker-Büro statt, damit die Bewerber weitere künftige Kollegen aus ihrer Praxisgruppe kennenlernen können. In einem Gespräch mit der Personalführung bespricht der Bewerber zudem seine Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten sowie das Gehalt. 

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München

Umsatz in Deutschland 2017/18: 127,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2017/18: 595.000 Euro

Internationale Präsenz: Global aufgestellte Kanzlei mit besonders ­starken Praxen in Asien und teils in Westeuropa. Baker war eine der ­ersten Kanzleien, die bereits vor Jahren Support-Büros (in Manila auf den Philippinen und in Belfast) eröffnet hat.

Aktuelle Entwicklungen: Das Management treibt seit einigen Jahren die stärkere Zusammenarbeit der einzelnen Praxisgruppen voran. Davon profitieren zunehmend Bereiche wie Datenschutz oder Produkthaftung. Auch die deutsche Corporate-Praxis verbessert ihre Marktposition stetig. Die Abgänge gleich zweier prominenter Partner – von Arbeitsrechtler Dr. Burkard Göpfert sowie Compliance-Experte Dr. Thomas Grützner – waren jedoch ein Verlust für die Kanzlei.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Anwälte in Deutschland: 33 Vollpartner, 35 Non-Equity-Partner, 31 Counsel, 89 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,8%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 5 (davon 4 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 40 bis 45

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: 5 bis 10

Referendarplätze 2019: 80         

Praktikumsplätze 2019: 70

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 480 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 750 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 Euro/Wochenarbeitstag

Associates

Klassisches Karrieremodell

  1. Jahr: 105.000 bis 120.000 Euro
  2. Jahr: 110.000 bis 125.000 Euro
  3. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
  4. Jahr: 122.000 bis 143.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro
  5. Jahr: 130.000 bis 157.000 Euro plus Bonus bis 25.000 Euro
  6. Jahr: 139.000 bis 165.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro

Alternatives Karrieremodell

  1. Jahr: bis 80.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
  2. Jahr: bis 85.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
  3. Jahr: bis 90.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: bis 58.000 Euro plus Bonus bis 6.000 Euro

Auf dem konventionellen Partnertrack können Associates bei Baker ab dem siebten Berufsjahr zum Local-Partner aufsteigen. Frühestens ab dem zehnten Berufsjahr steht ihnen die Ernennung zum Vollpartner offen. Laut azur-Umfrage sind die Associates mit ihren Partnerchancen unzufrieden, sie vergeben dafür Noten weit unter dem Durchschnitt. Einer schreibt gar, dass die „Vollpartnerschaft unmöglich scheint“, andere wünschen sich „eine klarere Kommunikation der Aufstiegschancen“, „mehr Realismus bei den Umsatzerwartungen“ und „mehr Einbindung in Business-Development“. Faktisch ist es durchaus möglich, bei Baker Partner zu werden: 2018 hat die Kanzlei einen Vollpartner und drei Local-Partner ernannt. Neben dem klassischen Weg können Associates auch den Alternative Career Track mit niedrigeren Anforderungen an Umsatz und Arbeitszeiten wählen. Am Ende steht eine dauerhafte Counsel-Position. Wer später doch noch zum Partner aufsteigen will, kann vom alternativen Karrieretrack auf den klassischen Partnertrack wechseln.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.