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07.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Audi – azur100 Top-Arbeitgeber 2019 – Platz 17

Das sagt die azur-Redaktion

Jetzt erst recht. Zwar wirft der Abgasskandal weiter seine Schatten über Ingolstadt, doch die Audi-Rechtsabteilung gehört innerhalb des Unternehmens zu den Bereichen, die von der Krise eher profitiert haben: Im vergangenen Jahr kam ein eigenes Team für regulatorische Fragen dazu, andere Bereiche wurden ebenfalls verstärkt. Insgesamt stellte Audi doppelt so viele Volljuristen ein wie ursprünglich geplant. Für 2019 will der Autobauer bis zu 15 neue Stellen besetzen. Und die Stimmung ist gut: Die Audi-Inhousejuristen bewerten in der azur-Associate-Umfrage nicht nur das Betriebsklima positiv, sondern zeigen sich auch mit dem Gesamtpaket rundum zufrieden.

Volles Programm für Praktikanten und Referendare. Besonders gerne rekrutiert Audi aus dem Pool der ehemaligen Referendare, die hier zahlreicher und intensiver ausgebildet werden als in vielen anderen Unternehmensrechtsabteilungen. Zehn von 13 neu eingestellten Inhouse­juristen 2018 waren schon als Referendare bei Audi. Ein Großteil der Angebote für Referendare steht ebenso den Praktikanten offen. Im Fokus der Ausbildung steht, dass sowohl Praktikanten als auch Referendare Arbeitsaufträge eigenständig bearbeiten und dabei Kontakt zu verschiedenen Fachabteilungen haben. Die Programminhalte sind vielfältig: In einer Schnupperwoche gewinnen die Auszubildenden Eindrücke aus anderen Fachabteilungen, zum Beispiel Compliance. Fachvorträge vermitteln Kenntnisse zu Spezialthemen wie Produkthaftung und automatisiertes Fahren. Ausgewählte Referendare können zudem eine Stage bei Tochtergesellschaften im Ausland verbringen oder im Anschluss an das Referendariat bis zu ein Jahr lang in der Rechtsabteilung in Kalifornien arbeiten. In der azur-Bewerberumfrage loben Ex-Referendare die „abwechslungsreiche Arbeit“ und die „gute Atmosphäre“, während manche Praktikanten „zu wenig Betreuung und zu wenig Einblick“ kritisieren.

Vorbild in puncto Weiterbildung. Zufriedener noch als ihre Kollegen bei den übrigen deutschen Autoherstellern sind die Audi-Juristen laut azur-Umfrage mit dem Ausbildungsangebot. Teilnehmer loben das „große Budget für Weiterbildung” und die „freie Auswahl der Weiterbildungsmöglichkeiten”. Über das Kanzleinetzwerk Lex Mundi können die Unternehmensjuristen einwöchige Seminare zu bestimmten Fachthemen etwa in den USA zu besuchen. Um den internen Austausch zu fördern, organisiert Audi regelmäßig das Zusammenkommen von Fachbereichen und Konzerntreffen. Weil der technologische Wandel nicht nur für die inhaltliche Beratung der Inhousemandanten in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen eine Rolle spielt, sondern auch das Handwerkszeug der Syndizi verändert, gibt es seit Kurzem einen eigenen ‚Legal Tech Day‘. Bei alledem will Audi den Anwälten nicht nur Inhaltliches vermitteln, sondern auch Präsentationstechniken trainieren. Erfahreneren Anwälten stehen zudem Einsätze an den internationalen Standorten offen.

Keine reine Männerdomäne. Der Frauenanteil bei Audi ist hoch, allerdings kritisiert ein Teilnehmer: „Die Aufstiegschancen sind für Frauen gering.“ Auf Führungskräfteebene fällt der Frauenanteil mit rund einem Viertel schon deutlich geringer aus, wobei die allermeisten Kanzleien meilenweit darunter liegen. Programme, die Frauen auf die Führungs­positionen vorbereiten und sie auf dem Weg dorthin begleiten, sind bei ­Audi fest etabliert. Im Vergleich mit den Konkurrenten BMW, Daimler und Siemens fällt die Bewertung in der azur-Associate-Umfrage zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern am besten aus.

Zeitweise hohe Arbeitsbelastung. Zwar zeigen sich die Audi-Inhousejuristen in der azur-Associate-Umfrage zufrieden mit der Work-Life-Balance, doch phasenweise kann die Auslastung durchaus massiv ausfallen. Überstundenausgleich gewährleistet in den ersten Berufsjahren allerdings der Tarifvertrag. Ansonsten zeigt sich Audi flexibel: „Homeoffice ist ohne jede Diskussion oder Rechtfertigung oder gar Nachfragen ­möglich“, lobt ein Syndikus in der azur-Associate-Umfrage. Im Mittel ­arbeiten die Audi-Syndizi laut azur-Umfrage rund 47 Wochenstunden, ­etwas mehr als der Durchschnitt aller Inhouseteilnehmer. Vereinzelt lautet die Forderung von Associates allerdings: „Die Arbeitslast gleichwertig verteilen.“

„Insgesamt junges Team in der Rechtsabteilung“

„Interessante Aufgaben und Verantwortung von ­Beginn an“

„Flächendeckende Einführung von Homeoffice nach Bedarf des Mitarbeiters“

„Heftige Auslastungsspitzen“

„Mehr Ehrlichkeit bei Aussagen zur tatsächlichen ­Arbeitsbelastung vor der Einstellung“

„Leistung sollte zählen. Ansonsten ist die Motiva­tion sehr niedrig, wenn Aufstieg nur an der ­Zugehörigkeit gemessen wird“

„Sehr gutes Betriebsklima in Rechtsabteilung und bei Compliance“

„Spannende und innovative Tätigkeiten im Konzern“

„Angemessene Work-Life Balance“

▪ Möglichkeit, eine Station an einem ausländischen Standort zu absolvieren

▪ Ehemalige Referendare können einen Aufenthalt am Electronic Research Laboratory in Kalifornien ­anhängen

▪ Praktikanten und Referendare können tageweise oder eine Woche lang andere Fachabteilungen oder Tochtergesellschaften kennenlernen

▪ Möglichkeit, an einem einwöchigen Fachseminar im Rahmen eines weltweiten Kanzleinetzwerks in den USA teilzunehmen

▪ Programm für Syndizi mit zwei bis drei Jahren ­Berufserfahrung, die Führungsqualitäten erlernen wollen

▪ Personalentwicklung ermöglicht Übernahme von Verantwortung, vielfältige Jobrotation durch hohe Internationalität

▪ Interkulturelle Trainings und Fremdsprachenkurse für Syndizi

▪ Spezielles Mentoring und Workshops für Frauen

▪ Intensiver Austausch der Juristen weltweit

Bei den geforderten Mindestnoten gibt es keine starre Untergrenze – vielmehr zählt das Gesamtpaket aus Examensnoten, betriebswirtschaftlichen, IT- und Fremdsprachenkenntnissen. Gutes Englisch ist unverzichtbar, ebenso sollten die Bewerber fit in mindestens einer ­weiteren Fremdsprache sein. Bewerber lädt Audi zunächst zum Erstgespräch ein, welches maximal zwei Stunden dauert und mit den künftigen Vorgesetzten und einem Vertreter aus dem Personalbereich geführt wird. Sofern der General Counsel beim Erstgespräch nicht anwesend war und die Rechtsabteilung den Bewerber nicht ohnehin schon aus dem Referendariat kennt, folgt noch ein Zweitgespräch. 

Branche: Automobilindustrie

Standorte in Deutschland: Ingolstadt (Sitz der Rechtsabteilung), ­München, Neckarsulm und Neuburg an der Donau

Umsatz 2017: 60,1 Milliarden Euro (Gewinn: 5,1 Milliarden Euro)

Internationale Präsenz: Audi ist weltweit tätig und hat Standorte in ­Ungarn, Italien, Spanien und Belgien. Juristen arbeiten außerdem an den Audi-Standorten in Brasilien, Korea, den USA, China, Mexiko und Australien.

Aktuelle Entwicklungen: Im Sommer führte Audi die Position eines Leiters für Wirtschaftsstrafrecht und Kartellrecht ein und holte dazu einen Anwalt von Freshfields Bruckhaus Deringer mit dem Ziel, die Abteilung weiter auszubauen. Neben der andauernden Auseinandersetzung mit der Dieselgate-Affäre befasst sich die Rechtsabteilung mit aktuellen Trends, zu denen neben dem autonomen Fahren und E-Mobilität auch die zunehmende Digitalisierung zählt.

Renommee: Produktrückrufe, 800 Millionen Euro Bußgeld, mehrere Manager zeitweise in Haft – der Dieselskandal hat Audi so hart getroffen wie wenige andere Autohersteller. Trotzdem genießt die Rechtsabteilung weiterhin einen guten Ruf im Markt. Anwälte aus Kanzleien loben die Ingolstädter Inhousekollegen als „kompetent, pragmatisch und effizient“. Auch bei Digitalisierungsthemen sind die Audi-Anwälte vorn dabei, wie Partner aus großen IT-Kanzleipraxen bestätigen. Unter Associates in Kanzleien ist Audi bekannt für „spannende und innovative Tätigkeiten“.

Aufgeteilt in neun Unterabteilungen berichten die jeweiligen Leiter der Teams direkt an den General Counsel. Als interne ‚Mandanten‘ betreuen die Syndizi Konzernabteilungen wie Entwicklung, Produk­tion, Beschaffung, Vertrieb und Marketing. Das Unternehmen legt Wert auf ein fachlich breit gefächertes Wissen ihrer Juristen, Spezialisierungen auf einen Rechtsbereich – etwa Produkthaftung oder Markenrecht – schließt das aber nicht aus.

Volljuristen in Deutschland: 77 in der Rechtsabteilung

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: 44,2%

Weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) in Deutschland: 6 (davon 5 Frauen)

Neueinstellungen Volljuristen 2019: 10 bis 15

Neueinstellungen weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) 2019: keine Angaben

Referendarplätze 2019: 26      

Praktikumsplätze 2019: 10

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: 1.345 Euro/Monat

Syndikusanwälte

  1. Jahr: 75.000 bis 85.000 Euro plus Bonus
  2. Jahr: keine Angaben
  3. Jahr: keine Angaben

weitere Juristen (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.) im 1. Jahr: keine Angaben

Die Rechtsabteilung zeichnet sich durch flache Hierarchien aus. Dem General Counsel unterstehen die Teamleiter, deren Aufgaben sich an den Fachbereichen des Konzerns orientieren. Auf der gleichen Karriereebene stehen die Fachmanager. Sie sind hoch spezialisiert, aber in keiner Leitungsfunktion. Syndizi können an Standorte ausländischer Töchter wechseln oder zu einer operativen Einheit, zum Beispiel in den Vertrieb oder die Unternehmensstrategie. Wege ins Management organisierte bis zuletzt der sogenannte ‚Talentkreis‘ des VW-Mutterkonzerns. Stattdessen gibt es nun einen eigenen Management-Entwicklungsprozess. Weiterhin fester Bestandteil der Personalentwicklung in der Audi-Rechtsabteilung ist das sogenannte ‚Junge Wilde‘-Programm: Juristen mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung können sich im Rahmen von Projektarbeiten des Programms für Führungspositionen bei Audi qualifizieren.

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.