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28.01.2019 | Autor/in: Ulrike Barth
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Legal Tech: Micha-Manuel Bues verkauft Lego für Nerds

Wir stellen vor: Micha-Manuel Bues, Gründer des Tech-Start-ups Bryter – einer der JUVE 40 unter 40. Die Juristen in dieser Liste sind so vielfältig wie das Leben selbst, aber eines eint sie: Sie haben vor ihrem 40. Geburtstag im Markt auf sich aufmerksam gemacht.

Der 15-jährige Micha-Manuel Bues ist halb Streber, halb Nerd. Der Streber weiß schon ziemlich früh, dass er mal Anwalt werden will. Und dass er dann auch bitte die Großkanzleiwelt, von der er im Studium so viel hört, von innen sehen muss. Der Nerd lernt als erste Programmiersprache C und macht dann mit HTML weiter. Ob es dem heutigen Gründer des Start-ups Bryter manchmal in den Fingern juckt, noch selbst Code zu schreiben? Da würden die eigenen Programmierer wohl eher schmunzeln, meint der Legal-Tech-Pionier. Bues‘ Stärken liegen woanders: Er hat einen Plan – und einen guten Riecher für das, was sich in der Kanzleiwelt gerade ändert.

Als erster zur Stelle

Der Anfang der Karriere ist noch ganz auf Jura ausgerichtet: Studium in Bonn, Promotion, erster Job bei Gleiss Lutz in München, Master-Programm an der Universität Oxford. Aber schon während er bei Gleiss Kartellrechtsfälle bearbeitet, schleicht sich etwas anders ein. Vor vier Jahren organisiert Bues in München den ersten ‚Legal Tech Meetup‘ – wahrscheinlich das erste Treffen für ‚Hoodie‘-Juristen überhaupt in Deutschland. Und das zu einer Zeit, als die meisten Anwälte das Thema noch für irrelevant halten. Und Bues fängt an zu bloggen. Darüber wie Technik Arbeitsprozesse in Kanzleien verändern kann und wie die Automatisierung von Jura aussehen könnte.

Bues beobachtet genau, was sich in der Szene tut – und hätte seinen Absprung aus der Kanzleiwelt kaum besser timen können. Im Juni 2016 heuert er als Geschäftsführer bei Leverton an. Die Gründer haben Bues‘ Blog gelesen und finden: Das ist der Richtige, um das Geschäft in Deutschland aufzubauen. Das Start-up bietet Software für die Immobilienbranche, die komplexe Verträge automatisiert. Bei Leverton lernt Bues viel darüber, wie man organisiert und die Geschäftsentwicklung vorantreibt.

Baukastensystem für Anwälte

Genau die Dinge, die er für den nächsten Schritt braucht: Gemeinsam mit Michael Grupp, der schon mit Lexalgo Erfahrung in der Automatisierung von Rechtsanwendungen gesammelt hat, hebt Bues Anfang 2018 Bryter aus der Taufe. Das eigene Start-up soll das ‚Word‘ für Juristen werden – ein Baukasten-System, mit dem sich Kanzleien selbst Legal-Tech-Anwendungen bauen können. Lego für Nerds. Anders als Künstliche Intelligenzen für übermorgen, um die ein Hype entstanden ist, haben Bues und Grupp etwas Pragmatisches im Sinn. Auch deshalb ist der 33-jährige Micha Bues heute einer der Vordenker der technischen Umwälzung im Rechtsmarkt. Halb Anwalt, halb Tech-Pionier. (Ulrike Barth)