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26.11.2018 | Autor/in: Astrid Jatzkowski
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Unternehmensjuristen: Vom Rechtsberater zum Risikomanager

Kaum ist das Mammutprojekt Datenschutz-Implementierung erledigt, dämmern am Horizont schon die nächsten Herausforderungen für die Unternehmensjuristen herauf. Gesetzgeber und Justiz lassen nicht locker und zwingen damit die Rechtsabteilungen, ihr rechtliches Risikomanagement auf den Prüfstand zu stellen.

Den meisten Syndikusanwälten ist mehr als bewusst, dass die juristischen Risiken für ihre jeweiligen Unternehmen kontinuierlich steigen. Doch nur wenige begreifen ihre Aufgabe bislang als Risikomanager des Rechts. Im Licht von Datenschutz und Digitalisierung beschäftigen inzwischen immerhin etliche Unternehmen Juristen mit IT-Kompetenz. E.on reagierte, indem sie bei der Neuausschreibung ihrer Beraterverträge auch die Themen IT und Datenschutz einbezog.

Doch nur rund 60 Prozent der für die JUVE-Inhouse-Umfrage 2017/18 befragten Unternehmensjuristen analysieren ihre Rechtsrisiken regelmäßig, davon wohl nur ein Bruchteil umfassend. Eine Ausnahme bildete Robert Bosch. Schon bevor das Unternehmen in der Dieselaffäre eine Rolle spielte, unterzog sich die Rechtsabteilung einer Tiefenanalyse. Seit gut einem Jahr wird das Team nun erheblich vergrößert und auf risikoorientierte Beratung ausgerichtet.
Wie stark Rechtsrisiken steigen

Rechtsrisiken steigen

Derweil werden in Berlin und Brüssel weiter Fakten geschaffen, sei es durch die neue Datenschutz-Grundverordnung oder die erweiterten Geldwäschebestimmungen oder die Musterfeststellungsklage. Ein wie auch immer geartetes Unternehmensstrafrecht wird voraussichtlich bald folgen. Die Unternehmensjuristen werden also schnell Wege finden müssen, rechtlichen Risiken mehr Zeit zu widmen. Innovative Technik oder Personalmodelle wie Leihjuristen können dabei ebenso helfen, wie eine professionelle Organisation der Abteilungen.

Bei all dem sind die Rechtsverantwortlichen jedoch nach wie vor äußerst zurückhaltend. Dabei beansprucht gerade das Management der Abteilung viel Aufmerksamkeit gerade der erfahrenen Syndizi, die auch in der unternehmenskritischen Beratung gefragt wären. Die Kanzleien wird es freuen: So sind die Honorare für Compliance-Mandate schon in den vergangenen fünf Jahren um fast 30 Prozent gestiegen und werden es wohl auch weiter tun. (Astrid Jatzkowski)